Welche Kamera passt zu mir – Update

Vor 9 Monaten habe ich mich bereits mit der Frage beschäftigt. Und als hätte ich es in der Einleitung damals geahnt: Die Entscheidung hatte nur temporär Bestand.

 

Um es für die Neugierigen unter Euch kurz zu machen:

Die Panasonic TZ-101* habe ich verkauft und mir für einen kleinen Aufpreis eine (gebrauchte) Sony RX10II* gekauft. Die Fuji X100S* habe ich hingegen behalten.

Wer meinen Bericht von Mai 2016 gelesen hat, wird den Satz “Kompaktheit als wichtigster Faktor” vielleicht noch im Ohr haben. Dieses Motto finde ich nach wie vor noch wichtig für Reisen und dachte daher ja auch in der TZ-101 die perfekte Kombination aus RX100 und RX10 gefunden zu haben. War sie aber leider für mich nicht. Die TZ-101 ist zwar eine gute Kamera aber es haben mich einige Dinge an ihr gestört. In erster Linie das Ruckeln bei horizontalen Videoschwenks – verursacht durch den Stabilisator. Absolut unbrauchbar für Aufnahmen aus der Hand. Man findet im Netz einige Berichte dazu. Diese habe ich natürlich erst nach dem Kauf gefunden. Ein Umtausch hätte also nichts gebracht. Works as designed. Nur leider nicht gut. Da nützt auch 4K nichts. Dann gefiel mir die Bedienung an einigen Stellen nicht. Der Touchscreen bzw. die Tasten in dessen Nähe sind unpraktisch angebracht. Den Touchscreen könnte man zwar ausschalten aber bei anderen Funktionen ist er wiederum praktisch. Das der Sucher nicht der Beste sein kann, war mir vorher bewusst. Das er aber nur ein Mäusekino ist merkt man erst wenn man durchguckt. Das ist der schlechteste Sucher, durch den ich jemals geschaut habe. Besser als nichts aber da kam einfach kein Spaß auf. Letztlich, das wusste ich allerdings auch vorher, ist die Schärfe der Fotos nicht so gut wie bei den RX-Modellen mit 1″ Sensor und der Cropfaktor bei 4K Videos zu hoch (37 – 370mm – es fehlt somit echtes Weitwinkel). Das waren mir dann unter dem Strich und nach 2 Urlauben mit der TZ-101 zu viele Kompromisse. Da ich sie in erster Linie auch zum Filmen nutzen wollte, war aber der Bug des Stabis der ausschlaggebende Grund.

Warum nun mit der RX10 II doch wieder eine größere Kamera?

Weil ich eine gute 4K Videokamera mit großer Auswahl an Brennweiten benötige mit der man auch tolle Fotos machen kann. Näheres auch in meinem Bericht zur RX10II. Damals habe ich den hohen Preis von 1.599 EUR bei Erscheinen bemängelt (und dazu stehe ich auch heute noch). Ich habe sie aber gebraucht in sehr gutem Zustand für unter 1.000 EUR erhalten und die TZ-101 recht gut verkauft. Und eine schlankere Alternative mit 1″ Sensor und diesem Brennweitenbereich gibt es leider (außer der verkauften TZ-101) nicht. Mit APS-C erst recht nicht. Man merkt aber auch an jedem Foto, dass die Optik besser als die der TZ-101 ist. Kein Wunder. Physik bleibt Physik. Da nehme ich lieber (wieder) die Größe und das Gewicht in Kauf, wobei letzters ja trotz allem mit knapp über 800 Gramm noch OK ist. Und wenn es mal “schlank” beim Städtetrip sein soll habe ich ja immer noch die X100S. Die Videos macht dann halt mein iPhone 7 Plus in 4K.

Warum dann nicht direkt die RX10 III?

Weil Sie noch größer, schwerer und vor allem teurer ist. Und sie hat keinen eingebauten ND-Filter. Der musste vermutlich bauartbedingt wegfallen, mich stört es aber. Wenn ich filme, möchte ich auch bei Tageslicht die Offenblende nutzen. Das geht (bei korrekter Verschlusszeit für Film) nur mit ND-Filter. Auch wenn der eingebaute nicht immer reicht, hilft er in vielen Situationen. Den hat die X100S übrigens auch und ich finde es total praktisch einen ND Filter mit einem Knopfdruck aktivieren zu können. Kein Filtergeschraube und kein Teil, was ich verlieren kann! Ansonsten ist die Brennweite der Dreier natürlich genial. Aber beim Sichten meiner Fotos habe ich festgestellt, dass nur ein Bruchteil davon mit mehr als 100mm Brennweite entstanden sind. Bei Videos brauche ich die längeren Brennweiten schon eher. Aber 200mm reichen mir vollkommen aus.

Wenn schon groß, warum dann nicht doch wieder eine DSLR oder EVIL?

In der Tat ist mir beim Sichten meiner Fotos aufgefallen, dass die meisten – aber vor allem die schönsten – Fotos mit der Canon und der 50mm f/1.4 Optik entstanden sind. Mengenmäßig gefolgt von der RX100. Beide Kameras hatte ich aber auch am längsten. In Sachen Qualität sind die Fotos der Canon einfach am Besten! Ein wenig ernüchternd aber auch logisch. Da war sie wieder, die Physik. Die Qualität und einen eigenen Look erreiche ich zwar nun durchaus mit der X100S, nicht aber den Look von 85mm (KB) bei Portraits. Die Menge vermutlich auch nicht, da die Fuji einfach für viele Situationen zu langsam ist. Und ich gebe zu, dass ich beim Betrachten einiger Fotos aus den genannten Gründen schon gedacht habe “Warum wehrst Du Dich so gegen eine DSLR? Die Ergebnisse sind vom Look her einfach schöner als mit einer Bridge!” Und in der Tat ist der Look einer guten, lichtstarken Optik an mindestens APS-C Format etwas, was man mit keinem 1″ Sensor hinbekommt. Und den Look der Brennweite von 85mm und mehr (umgerechnet auf KB) erhalte ich auch mit der Fuji nicht. Mit der RX10 II kann ich zumindest die lange Brennweite zur Komprimierung nutzen. Aber wie ich schon oben geschrieben habe: die wenigstens meiner Fotos haben mehr als 100mm.

Was spricht also für mich dagegen? Wenn Sie die Fuji ersetzen soll gibt keine DSLR die so schlank wie die X100S ist. Und wenn Sie die Sony RX10 II ersetzen soll, gibt es keine mit diesem Objektiv zu einem vergleichbaren Preis.

Und warum nicht die RX100 IV oder V?

Tja, das ist eine gute Frage die ich mir da selber stelle 🙂

  • sie ist kompakt
  • der AF der Mark V ist noch schneller als der in der RX10 II
  • sie hat alle Videofeatures der RX10 II
  • da ich ich doch meistens unter 100mm bleibe, müsste ich eigentlich mit dem 24-70mm Objektiv hinkommen
  • im Weitwinkel ist sie mit f/1.8 sogar lichtstärker als die RX10 II

Aber: Sie kann 4K Videos nach wie vor nur für maximal 5 Minuten aufzeichnen. Hitzeprobleme.

Das hat mich bei der IV bereits gestört und Sony hat es auch bei der V nicht in den Griff bekommen. Unverständlich. Warum geht das bei der TZ-101 und meinem iPhone? Mögliche Gründe: Anderer Codec, anderer Prozessor, hohe Bitrate. Dennoch nervig. Wenn ich szenisch filme, nehme ich zwar immer nur kurze Clips auf aber es gibt Anlässe, wo man länger am Stück filmen möchte (auch wenn man hinterher wieder kürzt). Das könnte ich dann “nur” in Full-HD. Und dort habe ich die Vorteile von 4K (verlustfreie Verlängerung der Brennweite für Cropping oder Software-Schwenks, etc.) nicht. Wäre das so schlimm? Vermutlich nur bei wenigen Aufnahmen aber es stört mich gerade weges des hohen Preises schon. Vielleicht gibt es ja mal irgendwann eine gut erhaltene gebrauchte RX100 IV oder V. Denn die “Ur” RX100 habe ich geliebt (und auch damit sind sehr viele schöne Fotos entstanden … 4K hatte sie eh nicht). Und der Preis der IV liegt mittlerweile neu “nur noch” bei ca. 800 EUR. Hmmm. Muss ich mal drauf “rumkauen” wegen der Kompaktheit und so.

Nachhaltigkeit beim Kamerakauf

Auch wenn ich dankbar über jeden Kauf bin, den ihr über einen meiner Links tätigt: Es gibt, wenn man Zeit hat, auf dem Gebrauchtmarkt sehr gut erhaltene Kameras. Für die X100S und auch die RX10 II habe ich letztes Jahr jeweils nur ca. die Hälfte vom Neupreis bezahlt und sie waren beide wie neu! Der Gebrauchtmarkt bietet in Zeiten wo “Nachhaltigkeit” in aller Munde ist, eine Alternative zum Neukauf. Und er schont auch noch das Konto.

Und jetzt?

Ich weiß nur, dass auch mein jetziges Kamerabesteck nicht ewig bei mir bleiben wird. Da es die eierlegende Wollmichsau nicht gibt, wird es vermutlich auch immer auf mindestens 2 Kameras hinauslaufen wenn ich keinen Kompromiss finde, bei dem mir in der Praxis nichts fehlt. Die RX10 Serie ist für mich nach wie vor sehr nah an dieser Sau dran und bietet eine tolle Video- und Fotoqualität. Aber eben mit 1″ Sensor und ohne sahnemäßiges Bokeh trotz der Abmessung einer kleinen DSLR. Dafür mit einer Optik und einer Featureliste die mir keine DSLR oder Systemkamera als “All in One” bieten kann. Bei der RX100 zieht natürlich neben den Features und der Imagequalität die Kompaktheit als Kaufgrund. Mit beiden kann man tolle Fotos und Videos erstellen. Aber ich vermisse den Look meiner alten 50mm Festbrennweite an der Canon trotz meiner Fuji immer noch. Gäbe es eine X100 mit 50mm (Nein, bitte nicht mit Telekonverter) und mit schnellem AF zu einem bezahlbaren Preis (idealerweise noch mit 4K Video) wäre es meine. Bis zur nächsten Entscheidung 🙂

Links:

Mein Testbericht zur RX10 Mark I

Die Sony RX10II* bei Amazon

Mein Testbericht zur RX100 Mark I

Die Sony RX100 IV* bei Amazon

Mehr von Sony auf CremerSeele

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10 Comments

  1. Frank Conrad
    24. Februar 2017

    Ich habe mein ideales Set mit der Sony Alpha 6000 und 2 Objektiven gefunden, sehr kompakt in einer Gürteltasche zu tragen, also immer alles dabei!

    Antworten
    1. Markus
      24. Februar 2017

      Hi Frank, schön Dich hier zu lesen 🙂 Die A6000 ist ja auch eine tolle Kamera. Ich hatte sie zu Testzwecken einige Tage. Mich hat allerdings der recht laute Verschluss gestört und das sie kein 4K beherrscht. Beide Punkte wurden bei der A6300 ja geändert. Viel Spaß jedenfalls mit der Alpha und gutes Licht. Viele Grüße, Markus

      Antworten
  2. Jörn
    24. Februar 2017

    Jeder hat seine eigenen Prioritäten. Mir kommt keine 1-Zoll-Sensor-Kamera ins Haus. APS-C ist Minimum. Und allein APS-C käme für mich auch nicht in Frage. Wenn, müsste immer auch eine Vollformat dabei sein. 🙂

    Den Smiley habe ich jetzt nur geschrieben, weil du ja ein (hoffentlich verschwiegener) Insider bist. 😉

    Antworten
    1. Markus
      24. Februar 2017

      Das jeder eigene Prioritäten hat, macht die Fotografie unter anderem so spannend. Stell Dir vor, es würden alle nur mit Mittelformat oder Lochkameras rumlaufen. Wäre doch langweilig.
      A propos Vollformat: Auf Facebook habe ich zu meinem Artikel unter anderem den Rat erhalten mir die Sony RX1 zu kaufen und ich würde nichts anderes mehr wollen 😉 Und natürlich bin ich verschwiegen und sage niemandem, dass *räusper* … es bleibt spannend

      Antworten
  3. Mathias
    26. Februar 2017

    Trotz großen Fortschritten im elektronischen Bereich! wenn man exzellente Bildqualität haben möchte geht nichts über die Sensorgröße, die Physik kann man leider nicht austricksen…
    Ich persönlich bin kein Pixel Zähler 🙂 aber trotzdem anspruchsvoll was die Kamera angeht, nutze persönlich APS-C & Kleinbild Kameras bei guten Lichtverhältnissen sieht man kein Unterschied zwischen beiden Kamerasystemen aber in extremen Situationen spielt die Kleinbildkamera auch im Jahre 2017 immer noch ihre Stärken aus ! da haben kleine Sensoren leider null Chancen.

    Antworten
    1. Markus
      26. Februar 2017

      Hallo Mathias, das mit der Physik stimmt. Nicht nur bei der Optik (wie von mir geschrieben), sondern vor allem beim Sensor. Keine Frage. Allerdings werden die Sensoren trotz gleichbleibender Größe immer besser. Noch vor ein paar Jahren wäre es nicht möglich gewesen mit ISO 409.600 zu fotografieren oder zu filmen (Sony A7S). Ist in dem Fall zwar Vollformat aber auch die kleineren Sensoren sind nicht zu verachten. Je nach Einsatzzweck natürlich! Wer bei schlechten oder schwierigen Lichtverhältnissen (ich denke da z. B. an Ulfs Konzertfotografie) die besten Ergebnisse haben möchte, wird sich eine entsprechend lichtstarke Optik an Vollformat holen. Dieselbe Kamera möchte ich aber zum Beispiel im Alltag und im Urlaub nicht mit mir rumschleppen 🙂

      Antworten
  4. Mathias
    26. Februar 2017

    Jetzt muss ich mich doch noch mal melden 🙂 was ist denn mit Panasonic ? Bei vielen die Underdogs der Foto Szene aber fürs Filmen sollen sie sehr gut sein !

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    1. Markus
      26. Februar 2017

      Immer gerne 😉

      Panasonic ist bei den GH Kameras im Filmbereich durchaus eine Größe. Ich hatte aber bisher von Panasonic nur die TZ-101 und die ist beim Filmen mit Stabilisator einfach für mich nicht zu gebrauchen. Wenn man nur vom Stativ filmt oder keine Schwenks benötigt hat sie durchaus ein gutes 4K Bild. Aber die RX Serie ziehe ich für das Filmen aufgrund des Stabis jederzeit vor.

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  5. Lotta
    26. Februar 2017

    Das ist ein spannendes Thema…und ich merke beim Lesen, dass ich (als Frau..?) doch durchaus anders herangehe, wenn es um die Frage nach der geeigneten Kamera geht. Der Look ist für mich entscheidend…also das, was am Ende herauskommt…Den “Look meiner alten 50mm Festbrennweite an der Canon” möchte ich jedenfalls nicht missen…;-). Und mir geht es persönlich auch um das Fotografiererlebnis…Eine Canon liegt nun mal ganz anders in der Hand als eine kleine Kompakte…Als Zweitkamera ist eine kleine Kompakte (oder Systemkamera) aber gern willkommen.
    Viele Grüße.

    Antworten
    1. Markus
      26. Februar 2017

      Hi Lotta, Deine Sichtweise kann ich sehr gut nachvollziehen. Es macht auch mir mehr Spaß mit einem größeren Body und mit lichtstarken Optiken zu fotografieren. Sowohl vom Erlebnis als auch von den Ergebnissen. Ich will halt nur bei privater Nutzung unterwegs nicht so viel mitschleppen 🙂 Da schlagen (und kämpfen) zwei Herzen in meiner Brust. Leichtes Gepäck und dennoch möglichst gute Ergebnisse für Foto und Video. Mit einer RX100 fühlt es sich nie an wie fotografieren, sondern immer wie knipsen. Aber das ist Kopfsache. Wenn das Ergebnis am Ende gut ist, wäre mir das für unterwegs egal. Da kann ich durchaus mein Erlebnis hinten anstellen. Die Fuji X liegt da schon besser in der Hand aber auch das ist kein Vergleich zu einem Vollformat oder APS-C Body. Es bleibt spannend 🙂 Sonntagsgrüße, Markus

      Antworten

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