Unterwegs mit der Canon EOS-R beim EyeEm und Canon „Creator Meets“ in Köln

Am 23. März fand in Köln in der Galerie Bene Taschen ein Event statt, zu welchem ich von EyeEm eingeladen worden bin. Mit Unterstützung von Canon Deutschland bekamen dort ca. 30 Fotografen die Gelegenheit die neue EOS-R unter Live-Bedingungen auf den Strassen von Köln zu testen.

Was ist EyeEm?

Für alle, die EyeEm noch nicht kennen, empfehle ich Euch einen Klick auf mein Profil bei EyeEm. Bei mir hat es vor einiger Zeit Instagram abgelöst. Im Gegensatz zu Instagram nutze ich es auch um meine Fotos abseits meiner kommerziellen Porträts zu zeigen und zum Kauf anzubieten.

EyeEm versteht sich neben seiner Funktion als Community für mittlerweile mehr als 22 Millionen Fotografen nämlich auch als Stockagentur mit eigenem Marktplatz und einer Anbindung an Partner wie z. B. gettyimages. Das Besondere an EyeEm ist die künstliche Intelligenz zur Verschlagwortung von Fotos beim Upload. Die KI ist meiner Meinung nach eine der fortschrittlichsten im Bereich der Klassifizierung von Fotos. Das erleichtert einem die Arbeit enorm. Ob sich Stockfotografie generell lohnt, ist eine andere Frage. Da kann ich ja vielleicht in einem Jahr was zu sagen.

Creators Meet

Die Türen zur Galerie Bene Taschen gingen um 13 Uhr auf und wir wurden freundlich empfangen. Inspirationen und Gespräche gab es bereits ein wenig im Vorfeld des eigentlichen Beginns und aktuell waren in der Galerie Fotos von Jamel Shabazz zu sehen. Max Slobodda und Nikita Teryoshin haben anschließend Teile ihrer Fotos im Rahmen einer 45 minütigen Präsentation gezeigt. Sehr locker mit etlichen Lachern und wegen der mitunter englischsprachigen Fotografen im Raum auf Englisch gehalten.

Im Anschluss gab es von Canon einen kurzen Überblick zur EOS-R und 15 davon standen allen Fotografen für die kommenden 1,5 Stunden zur Verfügung. Gut, dass ich meine Canon 6D mit dabei hatte. So konnte ich mich mit einer Fotografin gemeinsam auf den Weg durch Köln machen. Auf dem Hinweg habe ich die 6D benutzt und auf dem Rückweg haben wir getauscht und ich hatte Gelegenheit die EOS-R zu testen.

Die Canon EOS-R im Praxistest mit dem RF 24-105mm F4L IS USM Objektiv

Auch wenn nur zwei der hier gezeigten Fotos mit der EOS-R entstanden sind, habe ich natürlich einige mehr damit aufgenommen und konnte mir einen Eindruck zum Handling verschaffen. Die Kombination aus Canon EOS-R und RF 24-105mm F4L IS USM Objektiv* kostet immerhin knapp 3.500 EUR und da war ich gespannt wie sie mir gefällt.

Wie liegt Sie in der Hand? Mit dem o. g. Objektiv war sie gefühlt schwerer und kopflastiger als meine Canon 6D mit dem 85mm f/1.8 von Canon. Aber immer noch angenehm ohne Gurt oder Schlaufe in der Hand zu halten.

Wo sind all die Knöpfe und Rädchen hin? Zwei Dinge fehlen einem als 5D oder 6D User direkt: Das Wahlrad und die Buttons auf dem Rücken für AF, Drive, ISO und Belichtungsmessung. Warum das Wahlrad weggelassen und durch einen Button ersetzt wurde, den ich erst drücken und dann auf dem Touchscreen den Modus wählen muss, erschliesst sich mir nicht. Das ist umständlich und auch wenn ich meist im M-Modus unterwegs bin, hätte ich mir da die old-school Lösung anstelle der Drück-und-Touch-Lösung gewünscht. Was übrigens neu ist: Der „Pv-Modus“. Eine flexible Programmautomatik, bei der man alle Einstellungen überschreiben kann bis man sich quasi im M-Modus befindet. Achso: Einen Joystick für die AF Punkte gibt es nicht. Das geht über das Display. Und wo wir gerade bei demselbigen sind:

Das dreh-, schwenk- und kippbare Touchdisplay ist eine echte Freude. Man kann damit aus jeder Position fotografieren (oder filmen) und wenn man es nicht benötigt so zuklappen, dass nur schwarzes Plastik die Rückseite schmückt und das Display geschützt ist. So und nicht anders sollten das alle Kamerahersteller machen! Besser geht es jedenfalls für mich nicht.

Ich konnte leider nicht testen ob das Touchdisplay auch mit Handschuhen funktioniert (es war schließlich schon Frühling) aber im Zweifel kauft man sich welche mit Unterstützung für Touchscreens. Auf dem Touchscreen kann man auch die 5.655 wählbaren AF-Positionen anklicken (ok, so fein vermutlich nicht aber per touch & drag geht das wirklich gut). Für mich war interessanter, ob die Gesichtserkennung funktioniert. Im One-Shot AF tut sie das. Und auch wenn man immer wieder liest, dass sie bei weitem nicht so schnell ist, wie die von Sony, wird sich das im Alltag nur bedingt bemerkbar machen. Felix von Canon hat mir dazu versichert, dass die Canon im Gegensatz zur Sony nicht immer den Rahmen um das Auge als Feedback für den Fotografen anzeigt, aber auch bei Gesichtserkennung immer auf das der Kamera zugewandte Auge fokussiert wird! Das müsste ich nochmal in Ruhe testen und kann dazu keine valide Aussage treffen, glaube aber mal dem Spezialisten bis zu einem eigenen Test.

Neben dem Touch-Display ist der elektronische Sucher ein Highlight für Brillenträger. Ich kann selbst mit Brille ohne Problem den kompletten Bildausschnitt sehen und muss in diesem Punkt einigen Tests im Netz widersprechen. Denn die EOS-R ist bisher (neben der Nikon Z7) die einzige Kamera, bei der ich das konnte. Vielleicht liegt es aber auch an der Brille und bei anderen Brillen gibt es Probleme. Am besten testet man das selber. An der 6D müsste ich jedenfalls die Brille abnehmen um alles zu sehen, was aber nur mit Kontaktlinsen geht, da die Dioptrinkorrektur zu schwach ist. An der EOS-R würde selbst das gehen. Die Korrektur reicht bis ca. -4 Dioptrin.

Die Reaktionszeit der EOS-R kam mir Anfangs etwas langsam vor aber das war nur ein erstes Gefühl. Sie fokussiert schnell und zuverlässig und am AF lag es nicht, wenn man ein Motiv verpasst hat. Ich kann allerdings nichts zu ihren Fähigkeiten im Bereich Sport sagen. Dazu hatte ich sie zu kurz in der Hand. Bei Personen die sich „normal“ bewegen, hatte sie keine Probleme.

Mini-Galerie vom Street-Shooting

Minifazit zur Canon EOS-R

Ich konnte in der 3/4 Stunde in der ich die Kamera wirklich in der Hand hatte natürlich nicht alle Einstellungen durchgehen und testen aber darum ging es mir auch nicht. Dazu gibt es im Netz zudem massenweise Tests. Mir ging es darum, ob ich sie ohne große Einarbeitungszeit benutzen konnte (konnte ich) und ob sie haptisch zu mir passen würde (mit Einschränkungen ja). Wird sie für Studioarbeiten bei mir die Canon 6D ablösen? Noch nicht. Die 6D funktioniert noch wunderbar und die Vorteile der EOS-R rechtfertigen aus wirtschaftlicher Sicht nicht den Aufpreis. Zwar könnte ich dank des beiligenden EF-Adapters meine vorhandenen Objektive nutzen aber die RF Objektive sind mir aktuell noch zu teuer und auch zu schwer. So wird das sehr interessante RF 50mm f/1.2 USM* größer und schwerer sein als das 24-105, was ich an der Kamera hatte und die knapp 2.500 EUR für das 50er 1.2 Objektiv mögen zwar gerechtfertigt sein aber ich kann die für mich nicht rechtfertigen. Und nur um einen neuen spiegellosen Body für meine „alten“ Objektiven zu haben (um den Vorteil der präziseren Fokussierung bei Offenblende ohne „Focus und Reframe“ nutzen zu können) warte ich noch auf andere Gelegenheiten (oder ein gutes Angebot von Canon *grins*). Einen guten Eindruck hat die Canon EOS-R in jedem Fall bei mir hinterlassen.

Fazit zum „Creators Meets“ Event

EyeEm hat hier ein schönes Konzept auf die Beine gestellt. Sich mit Partnern aus der Industrie zusammenzuschließen um Fotografen einerseits die Möglichkeit zum Networking untereinander, andererseits aber auch die Gelegenheit zu geben, neue Kameras im freien Feld abseits von Messen zu testen empfinde ich als gute Idee. Als einzige „Gegenleistung“ musste man ein Model Release unterschreiben, da natürlich alle Teilnehmer sowohl gefilmt als auch fotografiert wurden. Dafür hatte ich einen schönen Nachmittag in lockerer Atmosphäre der mit einem lokalen Kaltgetränk ausklingen konnte.

Und übrigens: Diesen Blogbeitrag habe ich geschrieben weil ich Lust dazu hatte und nicht, weil ich etwas dafür erhalte. Außer ihr kauft über einen meiner Affiliate Links die Kamera (oder was anderes) :-)

Mit (*) gekennzeichnete Links sind Affiliate/Werbe-Links. Durch einen Kauf über den Link werde ich am Umsatz beteiligt. Dies hat für Dich keine Auswirkungen auf den Preis. Mehr Infos dazu auch hier.

2 Comments

  1. Jörn
    24. März 2019

    Hi Markus,

    cooles Erlebnis – und eine schöne Gelegenheit für einen kurzen Blick auf das aktuelle Canon-Flaggschiff der spiegellosen Kamera-Kategorie.

    Mag sein, dass sie gut ist. Mag sein, dass sie einen tollen elektronischen Sucher hat. Mag sein, dass sie gut in der Hand liegt. In meiner Wahrnehmung ist Canon drittklassig. Bis auf die Gläser der Marke! Ansonsten würde ich immer Sony oder Nikon bevorzugen. Und Fujifilm.

    Von deinen Bildern gefällt mir das mit dem Zaun am Besten. Für mich ist es sogar eines deiner besten Fotos (die ich bislang von dir sah). Das hat was. Kompliment!

    Jörn

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    1. Markus Cremer
      24. März 2019

      Hi Jörn,

      Gläser sind der eine Punkt. Haptik für mich der andere. So eine Kamera muss gut in der Hand liegen. Sie muss Spaß machen. Das macht meine X100F übrigens auch, obwohl sie nicht optimal in meiner Hand liegt. Für meine privaten Aufnahmen muss dann der AF schnell und treffsicher sein. Auch offenblendig und bei schlechtem Licht. Beides konnte ich mit der EOS-R nicht testen. Sie wäre aber auch keine private Kamera, sondern ein Arbeitstier für mein mobiles Studio und würde die 6D ablösen. Und an letzter Stelle kommt für mich der Dynamikumfang des Sensors. Der spielt vielleicht eine größere Rolle für Landschaftsfotografen. Da ich das in erster Linie nicht bin, ist es mir egal. Da würde mir auch der Sensor der 6DII bzw. der EOS-RP genügen (auch wenn der in diesem Punkt schlechter als der meiner 6D ist!).

      Das schöne an der Fotografie ist ja, dass die Anforderungen an Kameras unterschiedlich sind. Am heutigen Markt sollte jeder das für sich (vorübergehend) passende Modell finden.

      So unterschiedlich sind ja auch die Geschmäcker. Das „Zaunbild“ hätte ich fast gar nicht in die Galerie aufgenommen. Das ist für mich aus der Serie gerade mal ein 1* Foto. Da habe ich deutlich schönere in meinem Portfolio. Guck doch mal bei EyeEm rein. Da zeige ich über 500 Fotos. Hier auf dem Blog sind ja immer nur ein paar wenige im Vergleich. Das will ich übrigens ändern und den Blog umbauen. Die Fotos kommen mir zu kurz. Das nur am Rande. Danke dennoch für Dein Kompliment :-) Freut mich, dass es Dir so gut gefällt.

      VG
      Markus

      Antworten

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