Tutorial: Timelapse

Seit ich mich mit den Themen Fotografie und Video beschäftige, haben Timelapse- also Zeitrafferfilme eine besondere Faszination auf mich ausgeübt. Jeder kennt sie, die Filme in denen die Wolken am Himmel schnell vorüberziehen oder Blumen sich der Sonne “hinterherstrecken”. Wie aber kann man so einen Film erstellen? In diesem Tutorial geht es darum, wie man technisch vorgehen kann, wobei es keine festen Regeln für die benutzten Werte gibt. Erlaubt ist, was gefällt. Ich verwende in meinem Fall ausschließlich Programme auf dem Mac aber vergleichbare Programme gibt es vermutlich auch für PCs.

Grundsätzliches

War es früher so, dass man in Echtzeit einen Film aufgenommen hat um diesen in der Post Pro schneller ablaufen zu lassen, kann man im digitalen Zeitalter eine andere Methode wählen. Pro Intervall, beispielsweise 2, 5, 15 oder 30 Sekunden, fotografiert man einen Frame des zu erstellenden Filmes. Je nach Framerate benötigt man also zwischen 24 oder auch mehr Bildern pro Sekunde des fertigen Films. PAL Standard sind 25 fps, wohingegen der Film-Look aus den Hollywood-Streifen 24 fps als Grundlage hat. Ist die Framefrage geklärt, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie lange der fertige Clip werden soll. Für einen 10 Sekunden Clip bei 25 Frames pro Sekunde kommen 250 Bilder zusammen. Wenn diese im Abstand von je 30 Sekunden gemacht werden, vergehen also 2 Stunden und 5 Minuten ehe man alle Fotos im Kasten hat. Geduld ist also unter Umständen eine wichtige Voraussetzung für ein solches Vorhaben. Gerade bei Zeitrafferaufnahmen von Sternen mit Langzeitbelichtung kommt da eine gewisse Zeit zusammen. Belohnt wird man dafür aber mit Zeitrafferaufnahmen im Low-Light Bereich, welche mit konventionellen Videokameras kaum zu erzeugen sind. Wer die benötigte Zeit für die Aufnahmen nicht zu Fuß ausrechnen möchte und ein iPhone, iPad oder iPod touch sein eigen nennt, dem empfehle ich die kleine App von Simon Loffler “Timelapse”. Diese kostenlose App enthält einen praktischen Rechner, um alle möglichen Konstellationen zu ermitteln und sich bei Bedarf per Mail zuzusenden. Klasse gemacht und wirklich hilfreich.

Womit erstelle ich die Fotos?

Wo wir schon beim Thema iPhone sind: Hier gibt es einige Apps, die mit der internen Kamera in bestimmten Intervallen die Fotos aufnehmen und einen im Anschluss sogar den Film erstellen und nachvertonen lässt. Seit dem letzten Update auch wieder für das iPhone 4 zu empfehlen ist die App “iZeitraffer”. Mittlerweile unterstützt sie wieder die volle 720p Auflösung des iPhone 4. Ich hoffe, dass es bald ein Update für das 4S mit 1080p Auflösung geben wird. Von den Möglichkeiten her ist die App wirklich klasse. Man kann dort z. B. auch bestimmte Bilder vor dem Rendern des Films löschen oder alle Bilder exportieren um das Video am Rechner zusammenzustellen. Alles in allem eine runde Sache und der einfachste Weg, ohne Rechner z. B. unterwegs eine sehenswerte Zeitrafferaufnahme zu erstellen.

Was aber nun, wenn man kein iPhone hat oder Fotos mit höherer Auflösung nehmen möchte? Nun, man nimmt die DSLR- oder Kompaktkamera, die man besitzt um die Fotos zu erstellen. Was sollte man dabei beachten? Zunächst bietet nicht jede Kamera die Möglichkeit Intervallaufnahmen zu machen. Im Kompaktkamerabereich sind es nicht viele, die eine solche Funktion bieten. Ricoh z. B. hat eine solche Funktion zum Teil verbaut. Oder manche Samsung Kompaktkameras. Ich gehe im Folgenden auf die Kameras ein, welche im benutze. Das sind neben meinem iPhone zum einen die GoPro Hero HD und zum anderen meine Canon EOS 550D.

Zunächst zur GoPro. Was ich an dieser Kamera liebe, ist die relativ gute Bildqualität bei Tageslicht (bei Dämmerung allerdings fast unbrauchbar) und die minimale Größe der Kamera inkl. Ihrer Befestigungsmöglichkeiten. Von Haus aus kann man hier neben normalen Videos und JPG’s auch Intervallaufnahmen erstellen. Man erhält sie zur Zeit inklusive Unterwassergehäuse für 199 EUR inkl. Versand im Abverkauf. Es ist bereits ein Nachfolgemodell erhältlich, welches eine noch höhere Auflösung und etliche Verbesserungen bietet. Die “alte” Go Pro HD (nicht die 960er!) wird dadurch aber nicht schlechter und ist immer noch eine Empfehlung. Nicht nur für Extremsportler. Man kann sie für dynamische Zeitraffer übrigens auch auf einer Eieruhr befestigen 🙂 Ebenso gut kann man sie einfach mal an sein Hotelzimmerfenster im 10. Stock seines Hotels kleben um das Geschehen auf der Strasse per Zeitraffer zu dokumentieren. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesteckt. Ausserdem ist bei der GoPro das Thema Verschleiss nicht relevant. Bei meiner DSLR überlege ich mir schon, wie viele Aufnahmen ich meinem Verschluss zumute.

Während die Nikon DSLR’s den Punkt “Intervallaufname” bereits von Haus aus besitzen, benötige ich bei der EOS 550D für Intervallaufnahmen einen sogenannten Intervall Timer. Ich habe den LCD Timer TR90* im Einsatz.

Während man bei der GoPro nicht mehr viel einstellen kann (Belichtung, Verschlusszeit, ISO stehen immer auf Automatik …) hat man bei seiner DSLR natürlich alle Möglichkeiten, manuell ins Geschehen einzugreifen. Eine wichtige Regel sollte man bei seiner DSLR auch beachten: Autofokus ausschalten und im Vorfeld manuell fokussieren! Ansonsten hat man unter Umständen ständig wechselnde Schärfebereiche in seinen Aufnahmen. Ich persönlich stelle auch die Belichtung manuell ein. Also ISO Automatik aus, Blende und Belichtungszeit manuell fixieren. Dabei wähle ich möglichst eine Offenblende um “Flickering” zwischen den Fotos durch leichte mechanische Unterschiede in den verschiedenen Blenden zu vermeiden. Das geht leider nicht immer, da sich die Offenblende natürlich auch auf den Schärfebereich auswirkt. Wenn man Aufnahmen über einen langen Zeitraum hin macht und sich die Lichtverhältnisse dramatisch ändern (z. B. Tag-/Nachtübergang) geht das auch nicht mehr im manuellen Modus. Dann kommt man nicht drum herum, die Belichtungszeit und/oder den ISO-Wert auf Automatik zu stellen. Bei Canon wähle ich also in diesem Fall das AV-Programm (Blendenvorwahl). Wenn man längere Belichtungszeiten als 30 Sekunden benötigt, kann man im Bulb-Modus die Belichtungszeit am Intervall-Timer einstellen. Dort wählt man auch die Werte wie Pause zwischen den Bildern und Anzahl der Bilder. Das Display der Kamera sollte man übrigens aus Stromspargründen ausschalten und sich bei längeren Sessions entweder einen Adapter für ein Netzteil oder aber ein Batteriegriff zulegen. Ich habe an meiner EOS diesen Batteriegriff* und bin sehr zufrieden.

Was macht man nun mit seinen ganzen Aufnahmen? Der zeitaufwendigste Part ist mit dem erstellen der Einzelaufnahmen erledigt. Nun geht es an’s zusammensetzen. Das zeige ich am besten per Video:

Und hier der direkte Link auf YouTube:

Timelapse-Tutorial

Viel Spaß bei Euren eigenen Zeitraffer-Videos.

Markus Cremer

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