Test: VSL Vienna Choir

Nachdem ich von VSL bereits die Special Edition sowie die Special Edition PLUS getestet habe und von beiden begeistert bin, freue ich mich heute darauf, für unsere Leser den neuen Vienna Choir testen zu können. Die Aufnahmen dieses Chors entstanden ebenfalls in der Silent Stage von VSL. Für mich ist die menschliche Stimme immer noch das schwierigste Instrument, da ein Ton aus dem Klangkörper “Mensch” im Gegensatz zu z. B. einem Klavier nicht auf Knopfdruck gleich klingt. Ich werde daher besonders darauf achten, wie homogen die Klänge sind.

VSL Vienna Choir

Installation

Zur Installation muss man den nach der Registrierung erhaltenen Aktivierungscode im Lizenz-Kontroll-Center des benötigten Vienna Keys (oder in meinem Fall des Steinbergs eLicencer Keys) eingeben. Anschließend sollte man den mitgelieferten Vienna Instruments Player installieren. Zu guter letzt wird die Soundlibrary selber installiert. Es werden insgesamt 25 GB Samples installiert. Darin enthalten sind auch die Samples der Extended Version, auch wenn man keine Lizenz dafür erworben hat. Sie sind durch die interne Struktur der Sounds mit denen der Standard Version verknüpft, müssen aber erst freigeschaltet werden.

Der Aufbau

Wer mehr über den Aufbau der Matrizen bzw. der Patches wissen möchte, wird in meinem Test zur Special Edition fündig. Auch der Vienna Choir macht ausgiebig Gebrauch von den Möglichkeiten der Matrix. Wer übrigens die „M.I.R.“ sein eigen nennt, darf sich ab Version 1.1 über neue Presets freuen, die passend zum Release von Vienna Choir erstellt worden.

Hört mal wer da singt

Um direkt falsche Erwartungen zu unterbinden: Der Vienna Choir soll keine SängerInnen ersetzen, wenn es um Gesang von Texten geht. Vielmehr bietet der Vienna Choir eine umfassende Auswahl an textlosen Artikulationen auf den Vokal „A“ und in der Extended Version auch auf den Vokal „U“. Die Möglichkeiten sind nicht nur für klassische Kompositionen geeignet. Auch Backing Chöre im Pop-Bereich oder düstere Chöre kann man damit erzeugen. Aber wir hören uns die Chöre gleich genauer an. Ähnlich wie bei meinem Test zur Special Edition PLUS werde ich die enthaltenen Samples einzeln durchgehen und jeweils Klangbeispiele liefern. Wie so etwas im kompletten Arrangement klingen kann, zeigen eindrucksvoll die Beispiele bei VSL im Demo-Bereich des Vienna Choir.

Es gibt auch beim Vienna Choir wieder einige vorgefertigte Matrizen:

VSL Vienna Choir 1

Die Einzelsounds findet man im Bereich Patches. Es sind folgende Chorregister enthalten:

  • Sopran (16 köpfiges Ensemble)
  • Alt (10 köpfiges Ensemble)
  • Tenor (10 köpfiges Ensemble)
  • Bass (8 köpfiges Ensemble)

Sehen und hören wir uns anhand der Tenorstimmen die einzelnen Artikulationen an. Die Velocity durchfahre ich hier mit Hilfe der Funktion „Velocity X-Fade“ und nutze den Pitch Bender als Controller. Mehr hierzu auch in meinem Test der VSL Special Edition. Die Beispiele stammen aus der Standard Edition mit dem Vokal „A“

Hier in der grafischen Übersicht:

VSL Vienna Choir 2

Und hier nacheinander die einzelnen Beispiele:

Staccato auf „AA“

Staccato auf „PA“

Staccato auf „RA“

Staccato auf „SA“

Staccato auf „TA“

Sustain auf „AA“

Sustain Espressivo (mit Vibrato) auf „AA“

Sustain Cluster auf „AA“

Dynamic 3s – Crescendo – Varianten auch mit 2 oder 4 Sekunden möglich

Dynamic 3s – Diminuendo – Varianten auch mit 2 oder 4 Sekunden möglich

Sforzato

Performance Legato auf „AA“

Performance Legato auf „AA“ – Espressivo

Performance Triller auf „AA“ (max. Ganzton, was für Gesang aber auch ausreichend ist)

Hier zum Vergleich mal mit dem normalen Sustain Sound gespielt:

Man hört also schon den Unterschied in Punkto Realismus, wenn man die passenden Per-formances nutzt.

Performance Triller auf „AA“ – Espressivo (max. Ganzton)

Glissando Performance

Cluster Performance

Dieselben Artikulationen gibt es in der Extended Edtion auch auf „U“. Die „Uhs“ hören wir uns am Beispiel des nun folgenden Bereiches „Choir Extras“ an. Diesen gibt es übrigens auch in der Standard Edition für den Vokal „A“.

Das gewisse Extra

Außer den einzelnen Registern der Chöre (Sopran, Alt, Tenor und Bass) gibt es auch noch einige Extra Patches.

  • Full Choir
  • Sopran (16+16)
  • Creepy
  • Additional

Zunächst ein Blick auf den „Full Choir“:

VSL Vienna Choir 3

Was ich beim Erstellen der Beispiele immer wieder feststelle: Die Arbeit mit verschiedenen Matrizen, innerhalb derer man sich die unterschiedlichsten Patches organisieren kann, ist wirklich genial gelöst.

Hören wir uns die „vollen Chören“ einmal an. Auch hier wieder in Verbindung mit Velocity X-Fade:

Staccato auf „UU“

Staccato auf „PU“

Staccato auf „RU“

Staccato auf „SU“

Staccato auf „TU“

Sustain auf „UU“

Sustain auf „UU“ – Espressivo

Dynamic 3s – Crescendo – Varianten auch mit 2 oder 4 Sekunden möglich

Dynamic 3s – Diminuendo – Varianten auch mit 2 oder 4 Sekunden möglich

Sforzato

Die Sopran-Stimmen gibt es in einer „16+16“ Variante, die wir im folgenden hören (Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt gerade auf diese Melodie komme * grins * ):

VSL Vienna Choir 4

Sopran32 – Sustained „UU“

Sopran32 – Legato Performance „UU“ (das passt schon besser zur Melodie und man hört hier schön die Arbeit der Legato Performance)

Creepy Sounds

VSL Vienna Choir 5

Diese stehen bereits in der Standard Edition zur Verfügung.

Zunächst die Damen:

Und nun die Herren:

Die Atemgeräusche der 4 Register kommen jeweils aus Nase oder Mund in je 4 Piano und 4 Forte – Varianten. Ein nettes Add-on. Gezielt eingesetzt kann man es nicht nur für die Gru-selfraktion sondern durchaus zur Steigerung des Realismus einsetzen.

Und wo sind die anderen Vokale?

Das zum Teil bei VSL die Rede vom “Vienna Choir I” ist, lässt für mich darauf schließen, dass ähnlich wie bei den anderen DVD Instruments auch noch ein zweiter Teil folgt. Mich würde es freuen, da ich schon ein wenig die restlichen Vokale wie „E“, „I“ oder „O“ vermisse.

alpendeich-Redaktionstipp

Das gefällt mir nicht

Am Inhalt selber gibt es nichts zu meckern oder auszusetzen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass, ähnlich wie die Special Edition es bei den Instrumenten handhabt, direkt eine Grundausstattung mit allen Vokalen vorhanden wäre. Dafür hätte ich auch im ersten Schritt auf einen Teil der Artikulationen verzichtet. Die Performance-Patche wie Legato, Triller, etc hätte man ggfs. über die Extended Edition oder aber einen zweiten Teil erweitern können. Ein Vokal ist mir persönlich ein bisschen zu wenig, so dass der Kauf der Extended Edition schon fast Pflicht wird.

Was den Chören ebenfalls gut stehen würde: Eine „Morphing“ Möglichkeit zwischen den Vokalen wie diese beispielsweise Kontakt 4 mit dem enthaltenen Chor bietet (Anmerkung: Der Chor in Kontakt 4 beschränkt sich aber lediglich auf eine „Sustain“ Variante pro Vokal – A, E, I, O, U – und ist auch von den restlichen Möglichkeiten her nicht mit dem Vienna Choir vergleichbar). Das alles sind allerdings Wünsche oder Anregungen, die den vorhandenen Inhalt nicht schlechter machen und somit keinen Einfluss auf Testnote haben.

Das gefällt mir

Pro Vokal werden hier sehr viele Artikulationen geboten. Bei den Staccato Patches gibt es bis zu 9 (!) Alternate Samples pro Ton. Damit kommt kein Maschinengewehrfeeling auf. Mit den Triller-, Legato- und Glissando-Performances lassen sich Phrasen sehr realistisch gestalten. Die Möglichkeiten des Players sind hervorragend geeignet um zwischen den verschiedenen Patches zu überblenden. Die Übergänge sind sehr homogen und es gibt keine hörbaren Sprünge, wenn man chromatisch alle Töne durchhört. Technisch ist das ganze hervorragend umgesetzt. Es wurden alle Register einzeln aufgenommen und durch die Aufnahmen in der Silent Stage liegt eine gleichbleibend hohe Qualität an trockenen Samples zur Verfügung. Die Homogenität ist perfekt. Selten wurde der Wunsch „Gib mir ein A!“ so konsequent erfüllt wie beim Vienna Choir. Wer pro Vokal eine so hohe Anzahl an Artikulationen benötigt, findet diese meiner Meinung nach konkurrenzlos im Vienna Choir. Damit spielt VSL erneut in der Oberliga mit und ich sehe ihn eher als einen Spezialist für den gezielten Einsatz als einen Allround Chor für „mal eben so“. Daher sollte man meiner Meinung nach das Geld für die Extended Edition und (ich prophezeie einfach mal) den hoffentlich kommenden Vienna Choir II mit einplanen 😉

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS X 10.5 oder höher
  • Apple G5 oder Intel Core 2 Duo/Xeon-Prozessor
  • 1 GB RAM (2 GB oder mehr empfohlen)
  • Schnelles separates Festplattenlaufwerk mit 25 GB freiem Speicherplatz für Standard und Extended Library
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library USB Kopierschutz-Stecker oder anderer USB eLicenser, vormals Synchrosoft)
  • DVD-Laufwerk zur Installation

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows VISTA/7 32 und 64 bit Versionen
  • PC Intel/AMD mit  (Core 2 Duo/Xeon empfohlen)
  • 1 GB RAM (2 GB oder mehr empfohlen)
  • Schnelles separates Festplattenlaufwerk mit 25 GB freiem Speicherplatz für Standard und Extended Library
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library USB Kopierschutz-Stecker oder anderer USB eLicenser, vormals Synchrosoft)
  • DVD-Laufwerk zur Installation

Schnittstellen

  • VST (OS X, Win), AU (Mac) oder RTAS (Mac) kompatibles Host-Programm (läuft auch stand-alone)

Für beide Plattformen

  • eLicenser Control Center 6.0.2.7019 oder höher (es wird empfohlen, die aktuelle Version von www.eLicenser.net herunterzuladen und zu installieren)
  • 88 Tasten Master-Keyboard (empfohlen)

Preise

Tipp

  • VSL gibt es mittlerweile 10 Jahre und viele der Bundles sind ab 01.05.2010 zu reduzierten Preisen im Online Shop von VSL erhältlich:

Hersteller

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