Test: VSL Special Edition

Wer sich ernsthaft mit dem Thema “Orchester im Rechner” beschäftigt, hat zwangsläufig den Namen “VSL” gehört und wahrscheinlich auch den ein oder anderen Test gelesen. Unter dem Begriff “Vienna Symphonic Library” (VSL) findet man ein Sammelsurium an Produkten in den unterschiedlichsten Darreichungsformen.

Teaser

Vorwort / Überblick

Die Bandbreite der Produkte von VSL ist mittlerweile so groß geworden, dass es einem schon fast schwerfällt, den Überblick zu bewahren. So hat das Team um Herbert Tucmandl, dem Gründer von VSL welcher selber Cellist bei den Wiener Philharmonikern war, mittlerweile über 1.000.000 (!) Samples aufgenommen. Diese sind aktuell unter dem Namen “Vienna Instruments” in etlichen Einzel-DVDs, DVD-Bundles und/oder als Downloads erhältlich. Dazu kommt die Mixing-Software “Vienna Ensemble” (kostenlos für registrierte User) sowie “Vienna Ensemble Pro”, welches zusätzlich zum Mixing auch noch eine Audio/Midi Lösung per LAN darstellt. Die “Vienna Suite” hingegen bietet insgesamt 9 High-End Effekte in 64 Bit für Mixing und Mastering.

Das neuste Produkt wurde auf den Namen “MIR” (Multi-Impuls-Response) getauft. Ebenso wie die gleichnamige Raumstation beschäftigt sich dieses Programm mit den “räumlichen Weiten”. Es bildet mit Multi-Impulse Antworten auf Basis des Faltungshalls einen komplett neuen Ansatz für das Mixing und die Erzeugung räumlicher Darstellungen und läuft zur Zeit nur unter Windows Vista oder Windows 7 mit 64 Bit und mind. 12 GB RAM!

Wie man sieht, hat sich einiges in der Zeit seit Gründung des Unternehmens im Jahre 2003 getan. Im heutigen Test geht es um die “Special Edition”. Bei all den Schlagworten möchte ich zunächst erklären, was die Special Edition beinhaltet und für wen sie gedacht ist. Schauen wir uns also die “Vienna Instruments” genauer an. Die “Special Edition” ist ein “Best of” der Vienna Instruments. Seit 2005 gibt es die Vienna Instruments, welche neben den reinen Samples ein komplettes Interface zur Verwaltung der Samples darstellt. Die Serie der “Vienna Instruments” beinhaltet zum jetzigen Zeitpunkt 22 auf DVD erhältliche Produkte und mit dem “Vienna Choir” steht bereits das 23. in den Startlöchern. Diese DVDs enthalten jeweils eine Standard- und Extended Edition. Diese unterscheiden sich in der Anzahl der enthaltenen Artikulationen.

Die Special Edition enthält viele der bisher veröffentlichten Instrumente mit den wichtigsten Spielweisen. Es gibt die Special Edition auch in einer Standard und einer Extended Edition, die Bedeutung ist hier aber eine andere. Die Special Edition Extended enthält keine zusätzlichen Artikulationen sondern zusätzliche Instrumente. Wer zusätzliche Artikulationen benötigt, für den gibt es die “Special Edition Plus”. Diese erweitert entweder die Artikulationen der Standard oder die der Extendend Instrumente. Um die komplette Special Edition zu besitzen, benötigt man also 4 Produkte. Für diesen Test liegen mir die Special Edition Standard und Extendend vor. Auf die “Plus” Artikulationen gehe ich daher nicht ein.

Gedacht ist die Special Edition für den “kleinen” Geldbeutel und somit auch für Einsteiger. Sie macht aber auch Sinn um unterwegs im Notebook ein komplettes Orchester mit den wichtigsten Artikulationen dabei zu haben. Sie enthält neben Solo- auch Ensemble-Sounds aus allen Bereichen eines Orchesters:

  • Strings
  • Woodwinds
  • Brass
  • Percussion & More

Eine genaue Übersicht auch mit der Unterscheidung ob Standard oder Extended Instrument findet Ihr weiter unten. Doch vor dem Spielen steht, wie immer, die Registrierung und Installation.

Die recht ansprechende quadratische Verpackung enthält:

  • Installer DVD für Vienna Instruments Software, eLCC, PDF Manuals, Video Tutorials
  • 4 DVDs mit den Samples der Vienna Special Edition
  • Quick Start Guide in Deutsch, Englsich, Spanisch und Französisch
  • Lizenzvereinbarungen
  • User Manual für die Vienna Instrumentes Software (leider nur in Englisch)

Ale ersten Schritt legt man sich ein User-Konto bei VSL an. Dort registriert man die DVD’s mit den erhaltenen Seriennummern und erhält in meinem Fall einen Aktivierungscode für beide Editions. Bevor man diesen im eLicenser Control Center (eLCC) eingibt, um die Produkte auf seinem Dongle zu aktivieren, sollte man immer die aktuellste eLCC-Version herunterladen.

Die Aktivierung ist schnell erledigt und erst, wenn die Lizenzen auf dem Dongle sind, startet man den Installer der DVD oder noch besser den aktuellsten aus dem User-Bereich. In meinem Fall nutze ich Version 2.0.4017 der Vienna Instruments und Vienna Ensemble Software. Jetzt gilt es noch die Samples zu installieren. Das ist die einzige kleine Hürde, für die ich kurz in den beiligenden “Quick Start Guide” (auch in Deutsch) schaue. Aha: Im Programm Ordner der Software Instruments (oder von Ensemble) gibt es 4 kleine Programme. Unter anderem den “Vienna Instruments Library Installer”.

Library Installer

Diesen startet man und der Rest ist wieder selbsterklärend. Man kann natürlich einen separaten Ordner für die Samples wählen:

Install1

Die knapp 55 GB Samples wären unkomprimiert übrigens 81 GB in 44,1 kHz und 24 Bit. Es werden bedingt durch die Verzahnung der beiden Editions immer die Samples der Standard und Extended Edition installiert. Freigeschaltet werden die mit “L2” gekennzeichneten Extended-Instrumente aber erst durch den Erwerb der Extended Library.

Wenn man nicht wie ich einen vorhandenen Dongle (z. B. von Steinberg) nutzt, sondern den Vienna-Key erworben hat, enthält dieser eine Demo-Lizenz mit welcher man sofort loslegen kann und 180 freie Starts erhält. Dennoch sollte man schnellstmöglich die Software registrieren und aktivieren.

Die Dongle Lösungen sind in meinen Augen noch eine der besseren Varianten des Kopierschutzes, wenn es um firmenübergreifende und dennoch einheitliche Lösungen geht.

Alles in allem war die Installation nicht ganz so kompliziert, wie ich teilweise im Vorfeld gelesen habe. Sie dauert aber aufgrund der Datenmenge eine Weile. Was klasse ist: Die restliche Dauer für die aktuelle DVD sowie die restliche Gesamtdauer werden recht genau angezeigt. So weiss man direkt, ob es sich noch lohnt in der Zeit ein Tutorial Video anzuschauen und/oder einen neuen Kaffee anzustellen.

Vienna Instruments Software – Willkommen in der Matrix

Bevor man startet, sollte man sich mit der Benutzeroberfläche und dem Konzept der Vienna Instruments (VI) vertraut machen. Hierzu gibt es auf der VSL-Homepage Video-Tutorials in englischer Sprache die einem schnell einen Überblick verschaffen. Hier das wichtigste:

Der Vienna Player ist aus dem ehemaligen “Performance Tool” der älteren VSL-Libraries entstanden. Diese Performances sind seit bestehen der VSL ein Kernelement. Sie helfen dem Spieler realistische Tonübergänge, Reptitionen oder Triller zu realisieren. Der Vienna Player nutzt dazu Algorithmen, welche anhand verschiedener Faktoren, wie z. B. der Geschwindigkeit zwischen zwei Noten automatisch dazu passende Samples abruft.

Die GUI sieht folgendermaßen aus:

GUI

Die verschiedenen Hauptseiten wählt man über den zentralen “Selectors Ring” aus:

Selectors Ring

Bis auf die “Presets” Seite kann man alle Seiten auch über die “Reiter” oben rechts anwählen.

Der Ring bietet neben den Buttons in seinem Inneren zwei LED-Anzeigen: Eine für die Anschlagsstärke und eine für die Lautstärke.

Fangen wir aber beim Aufbau der Sounds an. Die kleinste zu ladende Einheit bei den VI stellt ein “Patch” dar. Er steht für eine bestimmte Artikulation. Diese Patches sind in Ordnern organisiert, welche man über den Reiter “Patch-Assign” erreicht.

Patch Assign

Aus diesen Patches wählt man die benötigten aus und zieht sie einfach per Drag & Drop nach links in eine Zelle der Matrix. Man kann diese Zellen Vertikal und Horizontal anordnen. Erweitert wird die Matrix durch einfaches ziehen mit der Maus. Fast fühlt man sich an Excel erinnert. (@Jörn: Das würde Dir gefallen *g*).

Matrix

Anmerkung von Jörn: Hört sich interessant an!  😉

Über den “Control Edit” Reiter wählt man die Controller um zwischen den horizontal und vertikal angeordneten Patches zu wechseln. Wir reden hier immer von einem Midikanal. Für die vertikal angeordneten Patches bietet sich das Modulation Wheel an. Die horizontalen kann man am besten per Keyswitch umschalten. Warum zwei Richtungen? Aufgrund der Vielzahl von verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten eines Instrumentes wechselt man z. B. nicht nur zwischen kurzen und langen Noten, sondern auch zwischen verschiedenen kurzen oder langen Noten. Per Keyswitch legt man also die “Grundartikulation” fest und per Mod Wheel oder anderer Controller (s. u.) kann man zwischen unterschiedlichen Variationen innerhalb dieser Artikulation wechseln. Das macht das Spiel erst realistisch. Eine, wie ich finde, äußerst intelligente und intuitive Art, der Fülle an Spielweisen Herr zu werden. Man kann innerhalb einer Matrix bis zu 144 Patches (12 x 12) unterbringen. Neben dem horizontalen und vertikalen Controller gibt es noch einen weiteren Namens A/B – Select. Dieser schaltet zwischen Up und Down oder Crescendo / Diminuendo um. Also immer dann wenn es einen “Gegenpart” in einem Patch gibt, kommt A/B-Select zum Einsatz. Ob es A/B Variationen gibt, erkennt man im Info-Display des Patches. Die gesamte Konfiguration kann man als “MatrixFile” abspeichern. Es stehen bereits mehrere für einen schnellen Start zur Auswahl. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall die Struktur zu lernen (was wirklich nicht schwer ist!) und eigene Matrix-Files zu erstellen.

Eine kleine Info am Rande

  • Wenn in der Control Edit Seite als Keyswitch “C1” angezeigt wird, so war das bei mir stets “C0” auf dem Keyboard und auch im Cubase Key-Editor. Dies ist nach Rücksprache mit VSL kein Fehler, sondern liegt an den 2 unterschiedlichen Midi-Standards. VSL hat sich für die “Middle C = C4” Variante entschieden. Cubase arbeitet mit der “Middle C = C3” Variante. Man muss es nur wissen, dann ist es kein Problem.

Wem die Möglichkeiten innerhalb einer Matrix nicht reichen kann über den Matrix-Assign Reiter bis zu 12 verschieden Matrizen in Slots laden. Entweder aus den fertigen Presets oder aus den eigenen. Diese 12 kann man per Keyswitch umschalten. Einfach vor den Slot rechtsklicken und eine Midinote spielen. Schon ist der KS zugeordnet. In der Summe kann man auf einem Midikanal also 12 x 144 = 1.728 Artikulationen unterbringen. Wie wir weiter unten sehen werden, enthält jede Zelle einer Matrix sogar 2 Slots für Artikulationen. Somit kommen wir auf sagenhafte 3.456 Spielweisen pro Midikanal! Ich glaube, dass übersteigt selbst komplexeste Arrangements und bietet genügend Luft für Experimente. Hier sollte sich keiner in seiner Kreativität eingeschränkt fühlen. Solch eine Kombination von verschiedenen Matrizen kann man als “Preset” abspeichern. Diese bilden die oberste Ebene bei den Vienna Instrumentes und enthalten sämtliche Einstellungen. Folgende Presets werden bei der Special Edition mitgeliefert:

Presets

Alles unter Kontrolle?

Neben den bereits erwähnten “Standard-Controllern” wie Midi-Controller oder Keyswitch gibt es in der Controller Auswahl einige weitere.

Der innovativste von allen ist sicherlich der “Speed”-Controller. Dieser erkennt, wie schnell man spielt und steuert entprechende Patches an. Weiterhin gibt es noch Pitch-Wheel und Velocity. Diese insgesamt 5 Controller lassen sich frei für das horizontale, vertikale sowie das Umschalten zwischen A und B Variation wählen. Lediglich das Wechseln zwischen verschienden Matrizen erfolgt ausschließlich über Midinoten, also per Keyswitch.

Wenn ich mich an andere Libraries erinnere, gab es separate Programme die mit Velocity XFade bezeichnet waren. Bei VSL hat man diese Funktion einfach in die normalen Patches eingebaut. Der Velocity-Crossfade Button befindet sich im Perform Bereich und macht vor allem für lange Noten von String oder Wind Instrumenten Sinn. Ausgeschaltet reagieren die Sounds auf die normale Keyboard Velocity. Eingeschaltet auf den zugewiesenen Controller. Sowohl der Button als auch der Fader selber lassen sich per Rechtsklick mittels Midi-Learn zuweisen. So kann man die Intensität einer langen Note z. B. mit einem Breath Controller, dem Expression Pedal oder natürlich jedem anderen Midi Controller steuern. Ich persönlich bevorzuge das Expression Pedal. Das mag aber an meiner ursprünglichen Ausbildung (lange ist’s her) an einer 2 manualigen Orgel mit Fußpedal und Volume-Schweller liegen 😉

Perform

Im Bereich Sample Management findet man neben dem verwendeten Speicher einen Learn, Optimize sowie Reset Button. Das macht Sinn bei fertigen Arrangements und erinnert mich an die “RAM Save” Funktion von “The Grand 3”. Der Ablauf ist folgendermaßen: “Learn” Button drücken, Arrangement bis zum Ende laufen lassen, Optimize Button drücken. Hierbei werden alle nicht benutzten Samples aus dem Speicher entfernt. Möchte man etwas hinzufügen oder ändern, klickt man auf “Reset” und das Spiel geht von vorne los. Sinnvoll, wenn es eng mit dem Speicher wird bzw. absehbar ist, dass ein komplettes Arrangement nicht in den Speicher passt. Eine Alternative wäre, die wirklich fertigen Spuren zu bouncen oder zu freezen. Allerdings ist man dann soundmäßig nicht mehr flexibel. Daher ist die “Learn” Funktion bis zu einem gewissen Punkt die bessere Alternative RAM zu sparen.

Der Button “Map Control” auf der “Perform” Seite gibt einem die Möglichkeit Controller manuell zu den Zielen wie “Expression”, “Velocity Crossfader”, etc. zuzuordnen. Ich persönlich finde für das reine Zuordnen “Midi-Learn” intuitiver. Allerdings kann man auf dieser Seite das ansonsten lineare Verhalten von Midi Controllern abändern indem man die Kurve einfach nach oben oder unten zieht. Somit kann man ansonsten vielleicht zu rasante Übergänge weicher gestalten. Je nach persönlicher Vorliebe. Weiterhin kann man das Verhalten mittels “Invert” umkehren oder den Controller als “Bipolar” mit einer “Mittelstellung”, wie es z. B. beim Pitch Wheel der Fall ist, festlegen.

Gehen wir noch etwas tiefer unter die Oberfläche

Wir haben bereits gesehen, dass es Unmengen an Zellen gibt. Wem das nicht reicht, der kann pro Zelle 2 Slots füllen und dort unterschiedliche Artikulationen ablegen. Entweder man wechselt diese mit dem “Cell XF” Slider auf der Perform Seite oder triggert beide Slots gleichzeitig an. Weitere Paramter stehen einem im Cell-Edit bereich zur Verfügung.

Edit Cell

So kann man, um ein Beispiel zu nennen, über den DEL(ay) Wert die Startzeit des Samples beeinflussen um z. B. zwei Artikulationen aufeinander folgen zu lassen. Damit kann man auch schnelle Wiederholungen mit nur einem Tastendruck auslösen.

Die ADSR Hüllkurve verhällt sich wie erwartet. Der RDL-Wert hingegen (Release Delay) dient z. B. bei Notenwiederholungen dazu, die Lücke zwischen zwei Noten zu verringern. Die Release-Phase des Samples beginnt bei Werten > 0 erst zeitverzögert zum Stoppen der Note. DYN.R. (Dynamic Range) bestimmt den Lautstärkeunterschied in dB im Verhältniss zur Anschlagsdynmik. Transponieren kann man die einzelnen Slots natürlich auch. So kann man leicht Oktavierungen oder Dopplungen erstellen. Last not Least kann man sogar eine weitere Zelle aktivieren, die innerhalb einer Matrix immer mitklingt: Die Parralel Zelle. So könnte man z. B. immer einen Sound mit schärferem Attack hinzufügen.

Parralel Cell

Sind die Samples für sich schon hervorragend, werden sie erst durch den mitgelieferten Player nutzbar gemacht. Neben den Samples ist er für mich das Highlight der VSL Reihe. Die Stellschrauben des Players hat man relativ schnell erfasst. Mit der Nutzung hingegen kann man Tage verbringen und entdeckt immer neue Möglichkeiten, die Samples an seine eigene Spielweise anzupassen. Man ist nicht an Presets gebunden. Und mit Nutzung der 2-3 Slots pro Matrix-Zelle kann man selbst live überzeugende Passagen einspielen. Die Legato und Portamento Performances profitieren von der “Interval Detection” Technologie, welche im Vienna Player steckt. Automatisch werden bei diesen Performances die real aufgenommen Tonverbindungen abgerufen.

Kommen wir nun endlich zu den Sounds

SilentStage

Die Aufnahmen haben alle in einem eigens dafür gebauten Raum stattgefunden: Der “Silent Stage”. Diese bietet eine Schalldämmung nach aussen von 90dB! Im Klartext: Selbst ein Hubschrauber über der Silent Stage ist drinnen nicht zu hören. Das ist besonders wichtig, da zum Teil natürlich auch sehr leise Passagen aufgenommen wurden.

Weiterer Vorteil: Alle Instrumente bieten einen trockenen Grundsound, der sich hervorragend in die Räume seiner Wahl transportieren lässt. Entweder nutzt man seinen “eigenen” Faltungshall oder greift auf die separat erhältliche Vienna Suite oder gar die “MIR” zurück.

Die Musiker wurden zum Teil über Monate hinweg aufgenommen um die Samples zusammen zu stellen. Einer der Posaunisten hat nach den Aufnahmen sogar stärkere Wangenmuskeln. Ein netter Trainigseffekt 🙂

Wer mehr zu den Aufnahmen und deren Nachbearbeitung wissen möchte wird auf der VSL-Homepage im Bereich “Company”->”About us” fündig. Es steckt auf jeden Fall ein Wahnsinnsaufwand dahinter. Das Ergebnis hat sich aber gelohnt und schaut bei der Special Edition wie folgt aus:

Strings

Fangen wir ganz klein mit den Solo-Strings an.

  • Violine (VI)
  • Bratsche (VA)
  • Violincello (VC)
  • Kontrabass (DB)

Sie liegen alle in folgenden 8 Spieltechniken (Artikulationen) vor:

  • Stacccato
  • Detache
  • Sustain
  • Sforzato
  • Legato
  • Portamento
  • Tremolo
  • Pizzicato

Wer mehr über die Bedeutung der einzelnen Artikuationen wissen möchte wird übrigens auch bei VSL fündig. Teils mit Hörbeispielen finden sich sehr gute Erklärungen im Bereich Instrumentenkunde.

Etwas größer geht es mit den Chamber Strings weiter. Sie wurden in folgender Besetzung aufgenommen und stehen nur in der Extendend Edition zur Verfügung.

  • 6 Violinen
  • 4 Bratschen
  • 3 Violincelli
  • 2 Kontrabässe
  • Komplettes Kammer-Orchester

Auch hier jeweils mit den o. g. 8 Artikulationen. Ausnahme: Das komplette Orchester kommt ohne die Legato und Portamento Artikulationen aus.

Die Orchestral Strings liegen in folgender Besetzung vor:

  • 14 Violinen
  • 10 Bratschen
  • 8 Violincelli
  • 6 Kontrabässe
  • Komplettes Streicherorchester

Die Artikulationen sind identisch mit denen der Chamber-Strings. Man erhält aber durch die stärkere Besetzung natürlich einen voluminöseren Gesamtsound.

Ein Auszug aus den Appassionata Strings ist in der Extendend Edition auch enthalten:

  • 20 Violinen
  • 14 Bratschen
  • 12 Violincelli
  • 10 Kontrabässe
  • Komplettes Streicher-Orchester

Sie liegen allerdings nur in je 2 Artikulationen vor: Staccato und Sustain. Das reicht höchstens für eine schöne Top-Line, die über dem Arrangement schwebt. Wer hier mehr möchte, muss schon die komplette Library erwerben. Eines ist klar: Mit dieser Besetzung klingt das Arrangement schon sehr nach großer Leinwand.

Die Harfe klingt sehr schön und bietet neben der “normalen” Spielweise auch “Harmonics” an. Andreas Vollenweider lässt grüßen. Wer hier mehr von möchte, dem sei die komplette “Harps” Kollektion empfohlen. Hier gibt es neben einer zweiten Harfe auch weitere Spielweisen wie “Nageltöne normal und secco”, Flageolett, bisbigliando, Pedalglissandi sowie eingespielte Glissando und Arpeggios.

Woodwinds – Holzblasinstrumente

Hier die Auswahl der Flöten (Standard):

  • Piccolo
  • Flöte 1

in der Extended Library werden diese erweitert durch:

  • Flöte 2
  • Altflöte
  • Flöten-Ensemble (3 Musiker)

Kommen wir zu den Oboen (Standard):

  • Französische Oboe
  • Englisch Horn (französische Bauart), die Wiener Bauart gibt es nur in der Woodwinds II Library

Extended:

  • Wiender Oboe
  • Oboe d’amore
  • Oboen-Ensemble (3 Musiker)

Nicht nur den Klarinetten-Muckel kann man hiermit spielen (Standard):

  • Klarinette
  • Bassklarinette

Extended:

  • Kleine Klarinette in Eb
  • Bassethorn
  • Klarinetten-Ensemble (3 Musiker)

Fagotte gibt es in folgenden Varianten (Standard):

  • Fagott
  • Kontrafagott

Extended:

  • Fagott-Ensemble (3 Musiker)

Die Spielweisen der Holzblasinstrumente sind für alle identisch:

  • Staccato
  • Sustained
  • Sforzato
  • Legato (!)

Brass – Blechblasinstrumente

Saxophone erhält man lediglich in der Extended Edition:

  • Altsaxophon
  • Tenorsaxophon
  • Baritonsaxophon

Folgender Hörner kann man sich bedienen (Standard):

  • Tripelhorn
  • Horn-Ensemble (4 Musiker)

Extended:

  • Wiener Horn
  • Horn-Ensemble (8 Musiker) – Dies sind die Epic-Horns! Sie klingen richtig fett und dramatisch!

Trompeten (Standard):

  • Tompete in C
  • Trompeten-Ensemble (3 Musiker)

Extended:

  • Piccolotrompete
  • Trompete in C (mit Dämpfer)
  • Trompeten-Ensemble mit Dämpfer (3 Musiker)

Posaunen (Standard):

  • Tenorposaune
  • Bassposaune
  • Posaunen-Ensemble (3 Musiker)

Extended:

  • Tenorposaune mit Dämpfer
  • Kontrabassposaune
  • Posaunen-Ensemble mit Dämpfer (3 Musiker)

Tuben (Standard):

  • Tuba

Extended:

  • Kontrabasstuba
  • Wagnertuba

Die Spielweisen der Blechbläser sind ebenfalls für alle identisch und entsprechen denen der Holzblasinstrumente:

  • Staccato
  • Sustained
  • Sforzato
  • Legato (!)

Percussion Standard:

  • Pauken
  • Taiko-Trommeln
  • Große Trommel
  • Kleine Trommel
  • Kleine Trommel-Ensemble
  • Tamburin
  • Konzerttom
  • Gongs
  • Hängebecken
  • A-due Becken
  • Tamtam
  • Donnerblech
  • Schienen
  • Chimes
  • Kastagnetten
  • Triangel
  • Röhrenglocken
  • Plattenglocken

Keyboards und Mallets Standard:

  • Boesendorfer Imperial Konzertflügel (Pedal up und Pedal Down Samples)
  • Celesta
  • Glockenspiel
  • Xylophon
  • Vibraphon
  • Marimbaphon

Extended:

  • Cembalo
  • Konzerthaus Orgel

Gitarren

sind nur in der Extended Edition enthalten.

  • Konzertgitarre
  • E-Gitarre verzerrt

Zu den Sounds selber lässt sich sagen, dass man hier wirklich eine ausgezeichnete Bandbreite an Orchestersounds erhält, die in den wichtigsten Variationen aufgenommen wurden. Die Samples selber klingen alle sauber und enthalten genau die richtige Portion Vibrato, wo es Sinn macht.

Hier ein kleines Beispiel von mir. Die Besetzung: Orchestral Strings Violinen, Bratschen, Violincelli, Kontrabässe sowie der Boesendorfer Imperial Konzertflügel:

Special Edition vs. “normale” VSL-Libraries

Es wurden gegenüber den “normalen” DVD oder Downloadprodukten nur Ganztonschritte gesampelt, es liegen weniger Velocitystufen vor (daher auch manch hörbarer Sprung) und es gibt deutlich weniger Spielweisen.

Woran man aber nicht gespart hat ist die Anzahl der Instrumente. Auch wenn die SE weniger Spielweisen besitzt als die großen Libraries von VSL fehlt einem kein wichtiges Instrument für ein komplettes Orchester. Und eines vorweg: Die enthaltenen Spielweisen bringen einen in den meisten Fällen schon sehr weit. Der dickste Pluspunkt ist natürlich das Vorhandensein der Legato- und Portamento Performances.

Der erste empfehlenswerte Schritt für alle, denen die bis zu 8 Artikulationen zu wenig sind ist der Erwerb der Plus-Edition. Selbst mit der Plus-Edition erhält man zwar nicht alle Spielweisen, die in den kompletten Instrumenten vorliegen aber dafür viele weitere wichtige Spielweisen für fast alle Instrumente der SE. Die Samples der Plus-Edition kann man entweder als Einzeldownload oder separat für alle Instrumente der Special Edition Standard (445 Euro) und anschließend für die der SE-Extended (390 Euro) erwerben. Vollständig füllt man die Festplatte um weitere 21 GB (31 GB unkomprimiert in 44,1 kHz und 24 Bit). Wer darüber hinaus noch speziellere Spielweisen für ein bestimmtes Instrument benötigt, kann sein Library durch das modulare System von VSL gezielt erweitern.

Ein wesentlicher Vorteil der genannten Einschränkungen ist übrigens der geringere Ressourcenverbrauch am Rechner. Das beiliegende 24 Spuren Demo-Arrangement lässt sich in meinem Testsystem bequem abspielen und die CPU Belastung liegt unter 50%. (Interface: CI2 von Steinberg mit Cubase 5.1.1 und 384 Samples Buffersize beim Mixdown)

Wenn man bedenkt, dass die komplette Library mit allen Spielweisen (Vienna Super Package) 16.265 Euro kosten und die mir vorliegende Library mit all Ihren Instrumenten und Spielweisen 810 Euro kostet (Standard- und Extended Edition) fallen diese Einschränkungen nicht wirklich ins Gewicht.

Die VSL-Homepage

Warum erwähne ich diese separat? Weil ich sie für sehr gelungen halte und man dort neben etlichen Tutorials auch einen separaten Bereich für “Instrumentenkunde” findet. Dieser wird ständig erweitert und bietet bereits heute eine sehr gelungene Übersicht über Orchesterinstrumente. Auch die Demo-Zone ist sicherlich interessant, wenn man die Instrumente in verschiedenen Stilrichtungen hören möchte. Hier waren nicht nur Mitarbeiter von VSL sondern auch Benutzer tätig. Die User-Demos sind nach Stilrichtungen sortiert. Ein Highlight der Komplexität stellt hier sicherlich “Rite of Spring” vom Komponisten “Igor Stravinsky” dar. Diese wurde komplett von Jay Bacal mit VSL Instrumenten eingespielt bzw. programmiert. Hut ab!

Meine persönlichen Tipps

Beim Lesen der Infos zu den einzelnen Teammitgliedern springt förmlich der Funke über, den dieser Teamgeist versprüht. Nur aus Begeisterung wächst etwas und kann funktionieren. Im Falle der VSL-Library hat es funktioniert. Herbert Tucmandl hat es offensichtlich geschafft, viele Leute für sein Projekt zu begeistern. Und ich muss gestehen: Spätestens seit diesem Test haben er uns sein Team auch mich begeistert.

Eine reges Community-Forum mit einem netten Umgangston rundet schließlich die Homepage ab. Ich finde, dass eine gut gepflegte Homepage und Nutzercommunity einen erheblichen Mehrwert sowohl für die Nutzer als auch für das Unternehmen darstellt. Und das ist VSL wirklich gut gelungen.

alpendeich-Redaktionstipp

Das gefällt mir nicht

Wenn ich einen Wunsch gehabt hätte, dann den nach weiteren Artikulationen und besonders den Trill- und Repetition-Performances der “großen” Brüder und Schwestern. Letztere sind aber mittlerweile in den Plus-Paketen erhältlich und somit nur einen Mausklick im Online Store oder einen Besuch beim Händler des Vertrauens entfernt. Bleibt nur noch die Tatsache, dass durch die etwas geringeren Velocitystufen manche Übergänge hörbar sind. Das ist aber wirklich meckern auf verdammt hohen Niveau. Im Kontext wird das keinem auffallen.

Die Ladezeit des Plug-in’s selber könnte allerdings etwas kürzer ausfallen. Dies liegt daran, dass die Autorisierungen beim Start geprüft werden. Man kann aus diesem Grund bei einer umfangreichen VSL-Library verschiedene Setups vorbereiten, bei welchen man z. B. nur einen Teil seiner Library nutzen möchte. Dann verkürzt sich die Ladezeit. Mein Wunsch wäre, an dieser Stelle auf die Überprüfung zu verzichten, damit das Plug-in sofort zur Verfügung steht.

Das gefällt mir

Für die Arrangier-Praxis: Pro Instrument wird nur eine Spur benötigt. Die benötigten Artikulationen kann man sich in der Matrix zurecht legen und mit dem Controller seiner Wahl umschalten. Das erleichtert das Arrangieren ungemein und hält zudem das Arrangement in der DAW übersichtlich. Die Nutzung der VST-Expressions in Cubase sind das i-Tüpfelchen. Aber auch ohne dieses Hilfsmittel behält man den Überblick.

Die Soundqualität: Sie ist durchgehend hoch. Die Legato und Portamento Performances bieten nicht nur für Solo-Instrumente das gewisse Etwas an Realismus.

Die Erweiterbarkeit: Der modulare Aufbau ist für mich die größte Stärke und auch ein Alleinstellungsmerkmal von VSL. Man erhält mit der Special Edition eine in sich geschlossene Sammlung an Instrumenten mit der man sehr gut arbeiten kann. Wenn man diese erweitern möchte, kann man dies Stück für Stück machen und dennoch klingen sämtliche Instrumente wie aus einem Guss. Sie wurden schließlich alle im selben Raum aufgenommen (Ausnahme: Die Konzerthaus Orgel). Selbst die Special Edition kann man durch die Download-Collections nur in Teilen erwerben. Wenn man zum Beispiel nur Streicher benötigt erhält man alle Solo und Ensemble Streicher der Special Edition Standard für 195 Euro. Die Plus-Artikulationen hierzu kosten weitere 195 Euro. Für gerade mal 390 Euro ist mir keine einzige Library bekannt, die eine solche Vielzahl von Streicherartikulationen enthält. Da die Streicher in der Extended Edition lediglich um das Kammerorchester Ensemble und die recht abgespeckten Appassionata Streicher erweitert wird, kosten diese auch nur 135 Euro bzw. weitere 135 Euro für die Artikulationen der Plus-Edition.

Die Preispolitik und das fast unüberschaubare Angebot von VSL kann ich nur als absolut fair und flexibel beschreiben. In dieser detailierten Form kenne ich das von keinem anderen Anbieter. Vor dem Kauf sollte man sich daher gut über die Möglichkeiten informieren. Wirklich falsch machen kann man aber nichts.

Die getestete “Special Edition Full” erhält von meiner Seite aus klar den Redaktionstipp. Sie ist eine absolute Kaufempfehlung für alle die ein gutes und vor allem erweiterbares Fundament für Orchestersounds legen wollen. Die Erweiterbarkeit ist bei keinem anderen Hersteller so flexibel möglich wie bei VSL. Dennoch eine Warnung: Der Kauf einer VSL Lbrary ist mit der Gefahr verbunden, süchtig zu werden. Aber in diesem Fall wäre das vollkommen OK und Ihr Arzt oder Apotheker hätte nichts dagegen einzuwenden. Der einzige, der sich irgendwann melden könnte, ist Ihr Finanzberater 🙂

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen

  • PC Intel/AMD mit Windows XP/VISTA/7 32 und 64 bit Versionen (Core 2 Duo/Xeon empfohlen) oder
  • Apple G4 (G5 oder Intel Core 2 Duo/Xeon-Prozessor empfohlen) mit Mac OS X 10.4 oder höher
  • 1 GB RAM (2 GB oder mehr empfohlen)
  • Schnelles separates Festplattenlaufwerk mit 80,0 GB freiem Speicherplatz für Standard und Extended Library
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library USB Kopierschutz-Stecker oder anderer eLicenser)
  • DVD-Laufwerk zur Installation
  • VST (OS X, Win XP), AU (Mac) oder RTAS (Mac) kompatibles Host-Programm (läuft auch stand-alone)
  • eLicenser Lizenz Kontroll Center 6.0.2.7010 oder höher (es wird empfohlen, die aktuelle Version von www.eLicenser.net herunterzuladen und zu installieren)
  • 88 Tasten Master-Keyboard (empfohlen)

Preise (VSL Online Store)

  • Special Edition Standard: 345 Euro
  • Special Edition Extendend: 465 Euro
  • Special Edition Full (Testkandidat!): 810 Euro (SE Strd. & SE Ext.)
  • Special Edition Plus für Standard: 445 Euro
  • Special Edition Plus für Extended: 390 Euro
  • Special Edition Plus Full: 835 Euro (SE Plus Strd. & SE Plus Ext.)
  • Special Edition Bundle Standard 695 Euro (SE Strd. und SE Plus Strd)
  • Special Edition Bundle Extended 855 Euro (SE Ext. und SE Plus Ext.)
  • Special Edition Bundle Full 1.550 Euro (alle 4 Produkte)
  • Es gibt mittlerweile neue Bundles. Hier eine Übersicht bei Thomann

Hersteller

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3 Comments

  1. jeffVienna
    15. September 2010

    Hut ab… toller Testbericht. Er war für mich einer der Auslöser für den Erwerb der Special Edition.

    Antworten
    1. Markus
      19. September 2010

      Das freut mich sehr 🙂

      Antworten
  2. henning kiehn
    20. September 2010

    Herzlichen Dank für die Mühe! Sehr informativ.

    Liebe Grüße
    Henning

    Antworten

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