Test: Vienna MIR PRO 24

Seit dem Erscheinen von Vienna MIR im Jahre 2009 war ich von der dahinterliegenden Idee begeistert. Das Konzept des grafischen Mischens verbunden mit tausenden von Impulsantworten eines Raumes zur Erzeugung eines authentischem Raumklanges mit echter Tiefenstaffelung hatte mich schon „auf dem Papier“ überzeugt. Leider lief Vienna MIR seinerzeit nur auf 64 bit Windows 7 Systemen. Endlich spielt es in der zweiten Generation (Vienna MIR PRO und MIR PRO 24) auch zusammen mit den Wildkatzen von Mac OSX und somit landet MIR PRO 24 zu Testzwecken auf meinem iMac. Die 24er Version unterscheidet sich zur „normalen“ PRO Version übrigens nur dadurch, dass maximal 24 Instrumente oder Ensembles auf der virtuellen Bühne platziert werden können. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen, was diese Version auch in Anbetracht des Preises interessant macht.

Die Idee hinter Vienna MIR

Der Name hat zwar viel mit Raum zu tun, steht aber nicht für die im Pazifik versenkte russische Raumstation, sondern für „Multi Impulse Response“. Das vielen bekannte Prinzip des Faltungshalls arbeitet in der Regel mit einer einzigen aufgezeichneten Reflexion des zu simulierenden Raumes. VSL vergleicht das auf seiner Homepage treffend mit dem Sampeln eines Flügels. Dort sampelt man auch nicht nur das mittlere C, sondern möglichst alle Halbtöne in verschiedenen Velocitystufen. Diesen Ansatz hat VSL akribisch weiterverfolgt und daher liefert Vienna MIR PRO/ MIR PRO 24 im Basispaket über 11.000 (!) Impulsantworten von insgesamt 4 Räumen sowie dem Foyer des Wiener Konzerthauses, dessen großer Saal auf dem obigen Bild zu sehen ist. Weitere Räume können dazu gekauft werden. Von verschiedenen Positionen der jeweiligen Räume (Hotspots genannt) wurden jeweils 8 Impulsantworten aufgezeichnet (0°, 60°, 120°, 180°, 240°, 300°, zur Decke und zum Boden). Dazu wird noch die Blickrichtung des Musikers eingerechnet. Da jedes Instrument anders mit einem Raum interagiert, „weiß“ Vienna MIR bei fast allen Vienna Instruments, wie sie klingen. Damit das funktioniert, hat VSL in jahrelanger Arbeit für jedes Instrument ein „Instrument Directivity Profile“ erstellt. Hinter diesen Profilen (die zusätzlich zu den Samples geladen werden müssen, siehe weiter unten) liegen Unmengen an Datenbankinformationen. Diese enthalten Faktoren wie die natürliche Lautstärke, die Stereo-Breite, die Größe, natürliche Timbres und deren Variationen sowie typische Spieltechniken eines Instruments oder Ensembles. Für nicht-Vienna-Instrumente gibt es diverse „General Purpose“-Profile. Was man im Ergebnis erhält ist eine klare Abbildung des Instruments, wie es von genau dieser Position des Raumes klingen würde, wenn der Musiker in eine bestimmte Richtung schaut und man sich an der gewählten Mikrofonposition aufhält. Diese, sowie das verwendete Mikrofon kann auch noch variiert werden. Als Voraussetzung für diese Funktion wurden die Impulsantworten der Räume im Ambisonics-Verfahren aufgezeichnet, welches den Vorteil hat, dass das Ausgabeformat im Nachhinein frei gewählt werden kann. Sprich: Selbst die Art der Mikrofonierung kann im Nachhinein geändert werden (Stereo, Quadro, Surround, etc.). Um all diese Features unter einen Hut zu bringen, fungiert MIR’s Plattform Vienna Ensemble Pro 5 als Host für virtuelle Instrumente. Das dies alles in der Summe mehr als „nur“ ein Hall-Plug-in darstellt, wird bereits bei den Fakten klar. Es ist vielmehr die einzig mir bekannte Möglichkeit grafisch zu mischen. Ich bin nach wie vor begeistert von diesem Ansatz und dem dahinterliegenden Aufwand, um dieses Produkt zu realisieren!

Das grafische Mischpult

Was ist eigentlich die Absicht eines Tontechnikers beim Mischen: Neben der Verteilung der Signale im Stereobild unter anderem auch eine Tiefenstaffelung der Signale zu erreichen. Was bei einem Orchester durch die Aufstellung der Instrumentengruppen im Konzertsaal erzeugt wird, muss bei Live-Konzerten oder CD-Produktionen am Mischpult erledigt werden. Der Sänger wird in die Mitte vorne gemixt, die Gitarren schön links und rechts verteilt weiter hinten, Kick ebenfalls in der Mitte, Keyboard meist zu leise *g*, usw.

Wer am Mischpult, ob virtuell oder live, eine Tiefenstaffelung und gut hörbare Einzelsignale erreichen möchte, muss technisch wissen, wie er das anstellt. Denn neben Lautstärke und Panorama gehören unter anderem der Hall und dessen Bestandteile wie Early Reflections sowie der durch EQs angepasste Frequenzgang zu wichtigen Parametern. Das ist dann mehr technisch als musikalisch und bedarf viel Übung um einen ausgewogenen Mix zu erzeugen. Wie mixt man nun mit Vienna MIR PRO? Die Aufstellung der Instrumente, egal ob für Klassik oder Pop/Rock, erledigt man vollkommen grafisch. Man wählt die Mikrofonposition aus, positioniert die einzelnen Instrumente oder auch Gruppen auf der Bühne, bestimmt die Blickrichtung, reguliert die Lautstärke und die Stereobreite: Fertig! Musikalischer und kreativer kann Mischen nicht sein!

Gerade bei Orchesteraufnahmen spielt der Raum eine noch größere Rolle als bei Pop-Produktionen. Unser Ohr ist an diese nicht perfekten Dinge gewöhnt und Sterilität wird schnell als unecht entlarvt. Orchester sind in Ihrer Nachbildung immer noch extrem anspruchsvoll und der Raumklang spielt eine große Rolle beim Charakter des Orchesters.

Für das Recording aller Impulsantworten hat sich ein Team von Recording Engineers in die Hallen „eingeschlossen“ und unter Zuhilfenahme von ca. „einer Tasse Kaffee pro Impulsantwort“ all diese Daten gesammelt und die Räume akustisch ausgemessen. Dabei galt es, auf absolute Stille zu achten und auch mal Kühlschränke von Catering Firmen abzuschalten, damit kein Brummen mehr stört. Der ausgesandte Sinussweep wurde von bis zu 4 handgefertigten AKG Ambisonic Mikrofonen aufgezeichnet. Mehr zum Ambisonic Verfahren, welches auch eines der Grundlagen für Vienna MIR PRO darstellt, findet man auf der VSL Homepage, in den Manuals oder aber im Netz.

Um all die benötigten Berechnungen beim Mischen in Echtzeit mit aktuellen Prozessoren durchführen zu können, hat VSL eine Technik names „Positional IR Prerendering“ entwickelt. Wie das im Hintergrund funktioniert, sollte uns Musikern eigentlich egal sein. Erstaunlich ist nur, dass es funktioniert und Vienna MIR PRO auf aktuellen Rechnern tadellos läuft. Mein iMac (Konfiguration siehe unten) hat nicht einmal gemuckt.

Hut ab, VSL-Team, vor dieser Idee und der perfekten technischen Umsetzung. Und genau die schauen wir uns jetzt genauer an.

Installation

Nachdem man die nach Registrierung erhaltenen Aktivierungscodes im eLicenser Control Center eingegeben hat, findet die Lizenz Ihren Platz auf dem obligatorischen Dongle. Ob dies nun der Vienna Dongle oder, wie in meinem Fall, der Steinberg Dongle ist, spielt keine Rolle. Die Software selber ist schnell geladen, etwas länger hingegen dauern die 4 GB Impulsantworten sowie die Soundfiles des Epic Orchestra, mit welchem ich das Demo am Ende des Tests eingespielt habe.

Wie nutze ich VE Pro 5 und MIR PRO 24

Bevor es ans virtuelle Mischen geht, sollte man sich mit der Funktionsweise der Software vertraut machen. Es handelt sich bei Vienna MIR PRO 24 nicht um ein AU oder VST-Plug-in, welches man einfach in den Insert-Slot seines DAW – Kanals laden kann. Vienna MIR PRO/ MIR PRO 24 ist nur in VE Pro 5 als Insert Effekt verfügbar.

Nicht umsonst wird VE Pro 5 vorausgesetzt, in welches sich Vienna MIR PRO 24 übrigens seit der letzten Version nahtlos integriert. VE 5 Pro wiederum wird mittels einer Server-Client-Architektur in die DAW eingebunden. Das klingt aber komplizierter als es in der Praxis ist. Wer sich über Vienna Ensemble Pro 5 im Detail informieren möchte, hat dazu auf der VSL Homepage oder im Release-Time-Test von Dominik Raab die Möglichkeit. Ich erkläre dennoch kurz die Basics, um Vienna MIR PRO 24 mit VE Pro 5 in seiner DAW zu nutzen.

VE Pro 5 ist ein eigener Host und Mixer für die Vienna Instruments sowie 3rd-Party-Plug-ins. Man startet also zunächst die eigenständige Server-Anwendung außerhalb seiner DAW.

Hier hat man die Wahl zwischen einem 32- und 64-Bit-Server. Wobei beide durchaus gleichzeitig auf einem System laufen können. Welcher Server aus der DAW angesprochen wird und mit wieviel Bit die DAW läuft ist dabei egal. Allein dies ist aus meiner Sicht ein guter Grund für die Anschaffung von VE Pro 5. Die Serveranwendung kann sowohl auf dem gleichen Rechner wie die DAW als auch auf einem Rechner im Gigabit-Netzwerk laufen, und zwar plattformübergreifend (Apple / Windows). Nachdem man den Server gestartet hat, legt man eine Instanz auf diesem Server an. Diese Instanz stellt dann ein eigenes Mischpult zur Verfügung, innerhalb dessen ich sowohl VSTi’s als auch Insert- oder Send/Return-Effekte (auch von Drittanbietern) laden kann. Und eines dieser Inserteffekte ist: MIR PRO.

Man kann direkt beim Hhinzufügen eines neuen VSTi’s entscheiden, dass Vienna MIR PRO (24) als sogenannter Post-FX-Insert-Effekt zur Verfügung steht. Dieses „Post FX“ Plug-in Rack greift das Signal erst nach den Send-Effekten ab. Die Send-Effekte lassen sich per Rechtsklick auch auf „Pre Fader“ festlegen. Als Insert-FX kann man bei Surround Setups übrigens auch die beiden neuen Surround Effekte „Surround Balance“ und „Surround Pan“ einfügen, mit denen sich Stereosignale effektiv im Surroundbereich platzieren lassen. Zur Effektkette sollte man noch wissen, dass bei VE Pro 5 das Signal die Effekte im Kanalzug von „oben nach unten“ durchläuft.

Vienna MIR PRO (24) funktioniert neben den Vienna Instruments auch mit VSTi’s von Drittanbietern. So kann ich neben dem VSL-Orchester durchaus Stylus RMX, Trilian, Kontakt oder weitere virtuelle Instrumente im Raum platzieren. Über ein kleines Plus-Symbol im Mixer von VE Pro 5 öffnen sich übrigens die zusätzlichen Aux-Ausgänge von z. B. Stylus oder Kontakt, ähnlich wie Logic dies bei Multi-Output-Instrumenten handhabt.

Bei Vienna MIR Pro 24 ist die Anzahl an VSTi’s allerdings auf maximal 24 pro Server beschränkt. Dies ist aber auch die einzige Beschränkung.

Wie kommuniziert nun die DAW mit diesen Server-Instanzen?

Die Midi- und Audiodaten werden mittels des Vienna Ensemble VSTi’s (Server Interface) zwischen Server und Client übermittelt. Natürlich bei vollständigem Latenzausgleich. In Cubase lade ich dieses „Instrument“ allerdings nicht als Instrumentenspur, sondern in mein VST-Rack, damit ich mit verschiedenen Midiports und -kanälen arbeiten kann. Ich verbinde die gewünschte Serversitzung über den „Connect“-Button und schon erscheint diese unter „Slave“. Wobei der Slave jeweils eine gewählte Instanz darstellt.

Um Audiospuren meiner DAW in Richtung VE Pro 5 zu routen (z. B. Gesang oder echte akustische Instrumente), lade ich in der DAW das neue VE Pro 5 Audio Input Plug-in als Insert-Effekt in meiner Audiospur. Anschließend verbinde ich das Plug-in mit der gewünschten Server-Instanz und wähle den Audiokanal von VE Pro 5.

In VE Pro 5 füge ich einen Audio-Input-Kanal hinzu und wähle die Eingangskanäle aus.

Das war’s schon.

Für Logic und Digital Performer gibt es übrigens das VE Pro 5 Event Plug-in für Midi-Kanäle. Dies umgeht die Beschränkung von AU-DAW’s auf einen Midiport. Man muss in Logic aber darauf achten, dass bei Nutzung des Audio- oder Event Input Plug-ins im Kanalzug ebenfalls das Logic-eigene I/O Plug-in geladen, der Output Kanal gewählt und das Plug-in auf Bypass gestellt wird. Dies ist notwendig, um Latenzprobleme innerhalb von Logic (und nur dort besteht das Problem) zu vermeiden.

Bis zu 768 Audio- und Midikanäle (48 Midiports zu je 16 Kanälen) kann VE Pro mittlerweile in der 5er Version pro Instanz verwalten (bisher 512 Midi und 128 Audikanäle). Wem das nicht reicht, öffnet einfach eine weitere Instanz. Einzelne Instanzen kann man übrigens hervorragend verwenden um verschiedene Templates zu verwalten. Diese können auch nach dem Schließen eines Songs im Speicher verweilen (Preserve Funktion). Das ist nützlich, wenn man zwischen Songs wechselt oder wenn die DAW z. B. abstürzt. Die Samples sind anschließend immer noch in VE Pro 5 geladen. Man sollte auch zu diesem Zweck ruhig des öfteren den „Save“-Button innerhalb von VE Pro 5 anklicken. Somit hat man die Instanzen auch später auf Knopfdruck zur Verfügung.

 

Alle Parameter in VE Pro 5 lassen sich über das Automationspanel (F5) automatisieren. Per „Learn-Function“ lassen sich so Midicontroller auf alle automatisierbaren Parameter mappen. Auch hier muss man als Logic-User zusätzlich innerhalb eines Event Input Plug-ins den Button „Use for Automation“ aktivieren.

Ein schönes Feature ist übrigens die vollständige Skalierbarkeit von VE Pro 5. Ich kann die 3 Teilbereiche der GUI (Mixer, Instrument und MIR) sogar als Floating Fenster aus der Haupt-GUI abtrennen und so z. B. auf einen zweiten Monitor verschieben. Vorbildlich gelöst! Und wo wir gerade bei nützlichen Features sind: Die Learn-all und Optimize-all Funktion für Vienna Instruments unterhalb der Menüleiste von VE Pro 5 gestattet es, sparsam mit dem RAM umzugehen. Steht ein Projekt weitestgehend, kann man es bei aktivierter „Learn-all“ Funktion wiedergeben und anschliessend über „Optimize-All“ alle nicht benötigten Samples aus dem RAM entfernen. Quasi die kleine Schwester der „Freeze“-Funktion. Auch dies ist ein Detail, welches zeigt, dass Software von VSL bis in genau solche praxisnahen Details durchdacht ist.

Nachdem ich mich mit dem Prinzip hinter VE Pro und MIR PRO beschäftigt habe, weiß ich erst, wie umständlich bisher das Erstellen von Templates war. Künftig lade ich mein VE Pro 5 Template und das Orchester steht bereits im Saal. Und zwar übergreifend für alle DAW’s. Da ich „betriebsbedingt“ zwischen Logic und Cubase wechseln muss, ist dies ein echter Vorteil.

Die Bedienung

 

Die Räume sind in 3D gerendert und man kann stufenlos mit dem Scrollrad der Maus rein- und rauszoomen. Dieser Tatsache sind vermutlich auch die Hardwareanforderungen an die Grafikkarte geschuldet. In diesem 3D-Modell des gewählten Raumes kann man seine Instrumente gezielt platzieren und mit dem „MIR Control Icon“ grafisch feintunen.

 

Hier sind Änderungen des Dry/Wet-Signals, der Stereo-Breite, der Lautstärke, der Blickrichtung sowie natürlich der Position möglich. Diese Parameter lassen sich auch über klassische Regler einstellen, mehr Spaß macht mir die Arbeit aber direkt am Instrument! Bei der Abbildung eines Raumes gehören aber auch die nicht perfekten Dinge der realen Welt zur perfekten Abbildung dazu. So zum Beispiel auch das Grundrauschen des Raumes, welches in der Stärke eingestellt werden kann, nachdem man einen separaten Kanal für das „Rauschen“ erstellt hat. Die Lautstärke lässt sich sowohl im Mischer als auch in der MIR-Output Sektion einstellen.

Hier lässt sich auch das Output-Format (also das verwendete virtuelle Mikro) festlegen.

Dies ist nur möglich, weil die Signale im Ambisonics-Verfahren aufgezeichnet wurden. Das geht sogar soweit, dass man sich seine eigene Mikrofonierung inkl. der verwendeten Kapseln editieren kann.

 

Die Flexibilität an dieser Stelle wird vielleicht nicht jeder benötigen aber es ist schon ein Alleinstellungsmerkmal von MIR PRO.

Auf der Bühne, bzw. im Mixer kann man Gruppen bilden um bei größeren Projekten nicht die Übersicht zu verlieren. Weiterhin kann man einzelne Instrumente oder Ensembles verstecken (Rechtsklick auf das Instrument und „Hide“ auswählen). Sind diese mit noch sichtbaren Instrumenten gruppiert, können sie sogar weiterhin editiert werden, obwohl das Icon versteckt ist. Den Namen eines Kanalzugs kann man in der Liste im linken Bereich von VE Pro 5 per Doppelklick ändern. Im Mixer und z.B. auch beim MIR-Icon geht das über das Kontextmenü: Rechtsklick und „Change Name“.

Die oben erwähnten Instrumentenprofile stellt man unterhalb des Instruments (oder per Rechtsklick auf das entsprechende Control-Icon) ein. Instrumente der Vienna Symphonic Library werden durch Klick auf „Guess“ automatisch erkannt.

Es gibt weiterhin noch einen separaten Room-EQ, welcher nur Einfluss auf den Raumklang hat. Der EQ besitzt 5 Bänder, welche sich zwischen 6 verschiedenen Filtertypen umschalten lassen (Peak, Notch, LowPass, HighPass, LowShelf, HighShelf).

MIRacle Plug-in

Um seinem Mix neben dem natürlichen Raumklang von Vienna MIR PRO noch einen zusätzlichen künstlichen Hall „on Top“ zu verleihen, kann man entweder sein gewohntes algorithmisches Hall Plug-in oder den exklusiv für MIR-User erstellten MIRacle Hall verwenden. Dieser ist an den „Hybrid-Reverb“ aus der Vienna-Suite angelehnt, was sich auch in dessen GUI erkennen lässt. Er ist darüber hinaus bereits für die enthaltenen Säle optimiert. So gibt es für viele der in Vienna MIR PRO verfügbaren Säle ein passendes Preset mit Empfehlungungen für die MIR Reverb Time sowie den Dry/Wet-Offset. Hier entscheidet der persönliche Geschmack, ob man den MIRacle Hall zum Polieren des Sounds verwenden möchte, oder aber den puren Sound aus MIR bevorzugt.

Die Aufteilung der Instrumente sowie der verwendete Raum machen einen sehr großen Part beim Mischen aus und lassen sich über MIR PRO extrem einfach und intuitiv editieren. Andere technische Notwendigkeiten wie Kompression, De-essing, etc. sind aber noch auf dem klassischen Weg über Insert- oder Send/Return-FX zu erledigen. Entweder direkt in VE Pro 5 oder über die Einzelausgänge von VE Pro 5 in seiner DAW.

Hinweis für Cubase 6 User:

Wer die 6er Version nutzt, sollte (wie eigentlich immer bei Steinbergs-Wartungsupdates) auf die aktuellste Version 6.0.6 updaten. Hier wird im Zusammenhang mit der VSL Library lt. Changelog folgender Fehler behoben:

  • VST Expression: Vienna Symphonic Library titles now work correctly with Expression maps, even when the entry for Articulation 1 is empty.

Nutzer, die das kostenpflichtige Update auf Cubase 6.5 besitzen, brauchen sich darüber keine Gedanken zu machen.

Epic Orchestra und Soundbeispiel

Beim Epic Orchestra handelt es sich eigentlich nur um eine Beigabe, um Appetit auf die größeren Vienna Instruments oder die Special Edition zu machen. Nichtsdestotrotz führe ich kurz die enthaltenen Instrumente auf und habe ein kleines Demo nur mit einer Auswahl dieser Instrumenten eingespielt und über MIR abgemischt.

  • Appassionata Strings-Ensemble
    Spielweisen: Staccato, sustained, sforzato, tremolo, pizzicato
  • Holzbläser-Ensemble
    Spielweisen: Staccato, sustained
  • Oboe d’Amore
    Spielweisen: Staccato, sustained, Legato-Performances
  • Kornett
    Spielweisen: Staccato, sustained, Legato-Performances, Portamento-Performances
  • Epic Horns (8 Hornisten)
    Spielweisen: Staccato, sustained
  • Fanfare Trumpets (6 Trompeter)
    Spielweisen: Staccato, sustained
  • Timpani, Percussion

Auch wenn ein Nachteil des Epic Orchestras darin liegt, dass die Streicher, Holz- und Blechbläser nur als Ensemble vorliegen, kann man dennoch grob Instrumentengruppen erstellen. Dazu lädt man z. B. das Streicher-Ensemble in mehrere Kanäle und verteilt diese im Raum. Dann macht man sich die natürlichen Tonumfänge der enthaltenen Einzelinstrumente zu Nutze. So spielen im Bassbereich dann die Celli mit den Kontrabässen zusammen auf der rechten Seite und im Diskant überwiegend die Violinen und Bratschen auf der linken Seite. Das ist zwar nicht so detailliert getrennt wie man es z. B. mit der Vienna Special Edition einspielen könnte, aber immerhin kann man so eine gewisse Aufteilung und Platzierung der Instrumente erzielen. Wer die genauen Tonumfänge wissen möchte, kann übrigens dazu ein gut gestaltetes Poster auf der VSL Website oder bei BestService erwerben.

Hier also meine Version von Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ nur mit dem Epic Orchestra eingespielt und im großen Saal des Wiener Konzerthauses mit Vienna MIR PRO 24 gemischt. Eigentlich spielen im Original noch ein paar nicht enthaltene Instrumente wie die Kirchenorgel, aber die habe ich in diesem Fall bewusst weggelassen um zu zeigen, was dennoch nur mit dem Epic Orchestra möglich ist.

Das gefällt mir nicht

Das gefällt mir

Ich frage mich immer wieder, welche neuen Plug-ins und Entwicklungen einen noch reizen, wenn man schon etliche Sammlungen auf seinem Rechner installiert hat. Produkte wie Vienna MIR PRO gehören für mich definitiv dazu und VSL hat mit MIR schon 2009 ein innovatives und einzigartiges Konzept vorgestellt. Bis heute wurde MIR ständig verbessert und in VE Pro 5 integriert. Die aktuelle Version läuft absolut stabil und ist jeden Euro wert. Die 100 EUR Aufpreis für das Bundle, wenn man Vienna Ensemble Pro 5 noch nicht besitzt, lohnen sich schon durch die Tatsache, dass man seine alten 32-Bit-Plug-ins auf dem Mac endlich ohne Probleme weiter einsetzen kann (unter Windows gibt es die JBridge, welche man aber nicht mit den Funktionen von VE Pro 5 vergleichen kann). Der Preis der „kleinen“ Version ist absolut fair und daher ist Vienna MIR PRO 24 in Anbetracht der gebotenen Qualität, des einzigartigen Konzeptes und des dahinterliegenden Entwicklungsaufwandes eine klare Kaufempfehlung! Für viele User sollten die 24 im Raum platzierbaren Instrumente bzw. Ensembles ausreichend sein. Zumal bei mehr als 24 Instrumenten u. U. auch über die Anschaffung eines neuen Rechners nachgedacht werden müsste. Vienna MIR mit anderen Convolution Reverbs zu vergleichen fällt schwer, da kein anderes mir bekanntes Reverb-Plug-in auch über die Möglichkeit eines grafischen Mischpultes und über diese Menge an Impulsantworten für nur einen Raum verfügt. Der enorme Aufwand für die Aufzeichnung eines Raumes hat allerdings auch zur Folge, dass es (noch) nicht so viel Räume gibt. Die vorhandenen lassen sich aber dafür sehr gut an seine eigenen Erfordernisse anpassen. Auch wenn sich die Räume in erster Linie für Orchesterproduktionen eignen, spricht nichts gegen die Verwendung innerhalb einer Pop-Produktion oder ähnliches. Gerade für letztere bietet sich auch das RoomPack 2 an. Vienna MIR PRO (24) ist in meinen Augen jedenfalls das beste Beispiel für den Spruch „Klasse statt Masse“ und erhält somit zu Recht den Top Product Award.

Markus Cremer


Systemvoraussetzungen

Für kleinere Projekte, z. B. für Benutzer der Special Editions:

  • PC Intel i7-Quad CPU oder besser, mit Vista/Windows 7 64-Bit
  • Mac Intel i7-Quad CPU oder besser, OS X 10.5.7 oder aktueller
  • 12 GB RAM

Für größere Projekte:

  • PC Dual Intel Quad Core XEON 5520 oder besser, mit Vista/Windows 7 64-Bit
  • Mac Pro 8-Core Xeon 5520 „Gainstown“ oder besser, mit OS X 10.5.7 oder aktueller
  • 24 GB RAM

Weitere Voraussetzungen:

  • Vienna Ensemble PRO 5 (!)
  • DirectX 10-komaptible Grafikkarte mit OpenGL 2.1 Unterstützung
  • VST/VST3/RTAS (Windows 7/Vista/XP), AU/VST/VST3/RTAS (OS X) kompatible Hosts; funktioniert auch Stand-alone
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library protection device oder andere USB eLicenser, z. B. von Steinberg oder Arturia)
  • eLicenser Control Center 6.3.4.2082 oder aktueller (die aktuellste Version von www.eLicenser.net wird dringend empfohlen)
  • Größe des enthaltenen „Vienna MIR RoomPack 1“: 4,1 GB

Noch ein wichtiger Hinweis: Vienna MIR PRO funktioniert nicht mit eingestellen Latenzen unterhalb 64 Samples. Da mein System zu Recordingzwecken durchaus dann und wann auf 32 Samples steht, war dies ein wichtiger Hinweis aus dem Handbuch. Beim Mixdown sollte man aber ohnehin auf höhere Werte gehen um die CPU zu schonen.

Das Testsystem

  • Rechner: iMac 27″, Mitte 2011
  • Prozessor: 3,4 GHz Intel Core i7
  • Speicher: 16 GB 1333 MHz DDR3
  • Grafikkarte: AMD Radeon HD 6970M 2048 MB
  • Betriebssystem: Mac OS X Lion 10.7.3
  • DAW: Cubase 6.0.6 & Logic Pro 9.1.7
  • Audiointerface: M-Audio ProjectMix I/O

Preise

Wer Vienna Ensemble Pro 5 noch nicht besitzt, dem sei auch eines der Bundles empfohlen:

  • Vienna MIR PRO 24 & Vienna Ensemble PRO 5 Bundle: 495 EUR (Download; optionale Lieferung auf USB-Stick: 505 EUR); Dieses Bundle lag für den Test vor
  • Vienna MIR PRO & Vienna Ensemble PRO 5 Bundle: 875 EUR (Download; optionale Lieferung auf USB-Stick: 885 EUR)

Weitere verfügbare Räume:

  • RoomPack2 – Studios & Sound Stages: 245 EUR (Download; optionale Lieferung auf USB-Stick: 255 EUR)
  • RoomPack3 – Mystic Spaces: 175 EUR (Download; optionale Lieferung auf USB- Stick: 185 EUR)

Hersteller:

Hier übrigens das Team, welches u. a. hinter Vienna MIR steckt:

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