Test: Toontrack EZmix

Dass sich Toontrack mit virtuellen Mischpulten bestens auskennt, weiss man spätestens seit dem Superior Drummer 2. Kommen in SD 2 noch Effekte aus dem Hause Sonalksis zum Einsatz, welche speziell auf Drums zugeschnitten sind, hat sich Toontrack für EZmix mit der italienischen Firma Overloud zusammengetan. Von dieser stammt zum Beispiel das bekannte Hall Plug-in Breverb, welches in Tests unter anderem durch seine einfache Bedienung und den guten Klang glänzen konnte. Die Voraussetzungen sind also gut.

Installation

EZmix_1

Die Installation ist wie bei anderen Toontrack-Produkten schnell erledigt. Man erhält nach dem Kauf eine Seriennummer, welche man im Userbereich zur Registrierung des Produktes eingibt. Anschliessend kann man es downloaden und muss es nur noch mittels Challenge-Response aktivieren. Fertig.

Was ist EZmix?

Zunächst einmal kein Mischpult, sondern ein AU, RTAS bzw. VST Plug-in zur Nutzung innerhalb der bevorzugten DAW. EZmix wird als Insert-Effekt in den gewünschten Kanalzug geladen und bietet fertige Presets für die Bearbeitung bestimmter Signale. Nun war mein erster Gedanke: Das können doch Cubase 5 oder Logic Studio 9 z. B. auch. Zumindest für diese beiden Sequencer kann ich beurteilen, dass sie sehr brauchbare Presets als Ausgangspunkt für die weitere Bearbeitung der Signale bieten. Das können natürlich nur grobe Annäherungen sein, die an die persönlichen Bedürfnisse und das konkrete Signal angepasst werden müssen. Und genau hier wird es bei EZmix easy: Es gibt ganze 3 Regler in Faderform, welche diese Anpassung übernehmen. Man muss also nicht in die einzelnen Plug-in’s einsteigen, sondern kann innerhalb einer einfachen Oberfläche am Sound feilen. Presets gibt es schwerpunktmäßig für Drums. Aber auch Vocals, Gitarre, Bass und Keyboardsignale können mit EZmix bearbeitet werden. Die Presets wurden alle von Mattias Eklund (Toontrack) programmiert.

Für wen ist EZmix gedacht und wie funktioniert es?

Mein erster Gedanke beim Anblick der GUI war: Mischen mit nur 3 Reglern kann nicht funktionieren und ist, wenn überhaupt, nur etwas für Anfänger. Ich wurde eines besseren belehrt …

Natürlich ersetzt EZmix nicht den vorhandenen Fuhrpark an teuren Plug-in’s oder Outboard-Equipment. Das will es auch gar nicht. Aber in Situationen, wo man sich nicht lange mit dem Einstellen und Anpassen von Plug-in’s aufhalten möchte, macht EZmix durchaus Sinn – und nicht nur für Anfänger! Klar, man kann auch erst alle Tracks aufnehmen und ohne Bearbeitung einen Roughmix erstellen. Der klingt aber naturgemäß enttäuschend. Wer bereits im Recording Prozess einen passablen Mix erstellen möchte, ohne den Prozess lange zu unterbrechen, sollte sich EZmix genauer anschauen. Das gilt sowohl für Songwriter, die alleine arbeiten, als auch für komplette Bandaufnahmen. In beiden Fällen möchte man sich nicht unnötig mit „Frickelei“ aufhalten. Ausserdem hat man auf seinem Notebook unter Umständen nicht alle bevorzugten Plug-in’s dabei.

Die Möglichkeiten von EZmix sind schnell erklärt. Wäre das nicht so, hätte EZmix sein auch Ziel verfehlt. Im linken Bereich wählt man aus den ingesamt über 200 Presets das passende aus. Über das kleine „Plus“-Symbol unter dem Herz kann man Presets auch seiner persönlichen Favoritenliste zuordnen. Die Spalte „Type“ erklärt kurz, welche Effektgattung enthalten ist und die Spalte „Instrument“ dessen Anwendungsbereich. Die Spalten lassen sich übrigens sortieren. Im rechten Bereich von EZmix gibt es lediglich 3 Fader: Shape, Blend und Level. Die Funktionen sind pro Preset beschrieben. Mit diesen kann man die Presets schnell anpassen und erhält direkt ein akustisches Feedback. Ein wenig erinnert mich das an die Ein-Regler-Kompressoren in den Yamaha „CX“ Mischpulten der „MG“ Serie oder an die „Sweet Spot Morphing“ Technologie, die bei Steinbergs MR816CSX-Interfaces zum Einsatz kommt. Auch dort kann man recht musikalisch durch nur einen Regler den Sound in die gewünschte Richtung biegen. Und das ganze ohne sich groß mit der technischen Bedienung der einzelnen Effekte auszukennen. Natürlich sollte man ein paar Basics wissen, (was z. B. der Threshold-Wert beim Compressor bewirkt) aber hier kommt man auch durch simples probieren weiter. Bei 3 Reglern ist das ohne Handbuch und Vorkenntnisse möglich. So hat das Handbuch auch gerade mal 15 Seiten 🙂 Die Regler lassen sich natürlich alle automatisieren. Lediglich ein Midi-Learn stände bei mir noch auf dem Wunschzettel.

Welche Effekte sind enthalten?

Für diejenigen, die wissen möchten, was unter der Haube ist … Bittteschön:

  • Overloud – ein Enhancer (Kombination aus Compressor, EQ und Harmonic Generator)
  • Parametrischer 5 Band EQ
  • Low Pass Filter
  • High Pass Filter
  • Compressor
  • Limiter
  • Bit Crusher
  • Transient Designer
  • Frequenz Gate
  • Tape Simulator
  • Chorus
  • Inverse Reverb
  • Hall Reverb
  • Tape Delay
  • Filter Delay
  • Distortion

Hiermit lassen sich nicht nur Einzelsignale, sondern auch Busse oder gar der Stereomix bearbeiten. So wundert es nicht, dass es von einfachen Hallprogrammen über komplexe Signalketten sogar Presets für’s Mastering gibt.

Wie klingt EZmix?

Hierzu habe ich 3 Beispiele vorbereitet. Eines mit Gesang, eines mit Drums und eines mit Gitarre. Im ersten Beispiel hören wir die unbearbeitete Stimme, wie sie über mein Audiointerface aufgenommen wurde.

Und nun mit einem Preset aus EZmix:

Auch die typischen Telefonstimmen lassen sich schnell erzeugen:

EZmix_2

Hier zunächst ein unbearbeiteter Drumpart aus dem EZdrummer:

Und hier der komplette Drum-Bus bearbeitet mit EZmix:

EZmix_3

Zu guter letzt noch ein bekanntes Akustik-Gitarren-Riff aus dem Virtual Guitarist 2 ohne Bearbeitung:

Und bearbeitet mit EZmix:

EZmix_4

Ich höre schon wieder die Stimmen, welche sagen: „So etwas ersetzt aber keinen Tontechniker oder teure Plug-in’s!“ Recht haben sie. Aber ich finde es klasse, wenn z. B. eine Band oder ein(e) Songwriter(in), welche erste Erfahrungen im Bereich Mixing sammeln, ein Tool an die Hand bekommen, mit dem sie ihre Musik besser klingen lassen können. Das Problem ist, dass vielen Leuten heute die Vorstellungskraft fehlt, wie ein Song klingen könnte. Mit EZmix kann man dem Sound mit einem sehr einfach zu bedienenden Interface immens auf die Sprünge helfen – das ganze für kleines Geld. Wichtig dabei ist immer, eine bestimmte Idee darüber im Kopf zu haben, wie es letztlich klingen soll. Dann kann EZmix einem jedenfalls helfen, dieser Idee schnell näher zu kommen. Natürlich kann man pro Kanal auch mehrere Instanzen laden. Insgesamt sind über 200 Presets vorhanden und es sollen im Laufe des Jahres noch mehr werden. Darüber werden wir natürlich berichten.

alpendeich-Redaktionstipp

Das gefällt mir nicht

Wenn ich jetzt hier aufführen würde, dass man nicht gezielt bestimmte EQ Frequenzen bearbeiten kann oder nicht genau sieht, welche Werte hinter Plug-in’s stecken, hätte ich das Konzept falsch verstanden 🙂 Daher gehört genau diese Tatsache für mich zu den Pluspunkten. Weniger ist hier mehr.

Das gefällt mir

EZmix ist ein super gelungenes Konzept, welches mir in dieser Form noch nicht über den Weg gelaufen ist. Für diesen Preis und in Anbetracht der guten Qualität der Effekte kann man durchaus von einem Schnäppchen reden. Für Sequencer die keine Kanalpresets nutzen ist es ein absolutes Muss. Aber auch für jene, die Kanalpresets besitzen, bietet EZmix eine Bereicherung. Die einfache Bedienung mit nur 3 Fadern macht es nicht nur für Technikmuffel interessant. EZmix ist in meinen Augen ein weiterer Schritt in Richtung eines musikerorientierten Sequencers. Ich bin gespannt, wann Toontrack eine eigene DAW herausbringt 🙂 Jedenfalls merke auch ich wieder, dass eine Beschränkung der Möglichkeiten dann und wann durchaus angenehm und vor allem musikalisch sein kann. Daher ist EZmix für mich ein klarer Award.

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS 10.4.11 oder aktueller
  • 2 GHz. G5 (Intel Mac wird empfohlen)
  • 512 MB RAM
  • Nur 32 bit Hosts werden unter Snow Leopard unterstützt.

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP SP3 oder aktueller (32 und 64 bit Windows XP)
  • 2 GHz Pentium 4 oder Athlon Prozessor
  • 512 MB RAM.
  • Windows Vista und Windows 7 werden unterstützt.

Für beide Plattformen

  • 20 MB freier Festplattenspeicher
  • Eine professionelle Audiokarte wird empfohlen

Schnittstellen

  • Audio Unit, VST, RTAS

Preis

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