Test: Toontrack EZmix 2

Noch weniger ist noch mehr? So könnte das Motto von EZmix 2 lauten. Das bietet noch mehr Effekte und Presets, dafür noch weniger Bedienelemente zur Feinjustierung der Vorlagen. Kein Werkzeug für Individualisten aber für Leute, die schnell ein Ergebnis benötigen, welches sich nicht verstecken muss. Nachdem ich die Urpsrungsversion von EZmix bereits 2010 getestet habe, bin ich gespannt, ob der Preisanstieg von immerhin 184% zur 1er Version (für Neukunden) gerechtfertigt ist.

Installation
Die Installation geschieht wie bei allen Toontrack Produkten mittels Challenge-Response-Verfahren, welches ohne Aufruf der Website mittlerweile direkt aus dem Plug-in erledigt werden kann (Internetverbindung und Toontrack-Account vorausgesetzt). Bis zu zwei Rechner können gleichzeitig autorisiert werden, was nicht selbstverständlich ist.

Was ist neu?

EZmix 2 Test Release Time

Wer sich mit dem Prinizip von EZmix vertraut machen möchte, dem empfehle ich meinen ersten Testbericht. Ich werde in diesem Bericht eher über die Neuigkeiten bei EZmix 2 eingehen und sehen, ob sich ein Update oder die Neuanschaffung lohnt.

EZmix 2 Test Release Time

Fangen wir bei der GUI an. Diese ist übersichtlich gestaltet und bietet im Hauptbereich eine neue Suchmaske für die Presets. Damit ist die Zielgruppe der Presetnutzer auch wieder klar definiert. Die Suchmaske lässt sich individualisieren, indem man bestimmte Spalten ein- oder ausblendet. So ist eine Suche nach genrespezifischen Presets genauso möglich wie eine Suche nach Presets für ein bestimmtes Instrument oder solche mit einem bestimmten Effekt als Bestandteil (z.B. Compressor). Gerade wenn man einige der Preset-Packs erwirbt, behält man so gut den Überblick über seine Effektketten. Nach Freitext kann man übrigens auch suchen. Geblieben ist die “Favorites”-Funktion. Über einen Klick auf das Symbol im unteren Bereich fügt man das gewählte Preset seiner Favoritenleiste hinzu.

Anstelle von bisher 3 Reglern bietet EZmix 2 nur noch 2 Regler, die sich um die in den beiden Displays genannten Parameter kümmern. Dazu gibt es einen Input- und Output-Controller um die Pegel anzugleichen. Den Eingangspegel kann man übrigens über einen Lock-Button festsetzen, wenn sich dieser beim Umschalten von Presets nicht verändern soll.

Damit man überhaupt eine Ahnung hat, welche Bestandteile die gewählte Effektkette hat, leuchten im rechten Bereich die entsprechenden Effekt-Symbole auf. Schön hätte ich es an dieser Stelle gefunden, wenn man durch Klick auf das Symbol bestimmte Effekte der Effektkette hätte bypassen könnte. Dies widerspricht aber zum einen dem Preset-Prinzip und, so vermute ich, hängt auch damit zusammen, dass die CPU-Belastung durch fixe Effektketten gering gehalten werden soll. Wenn man diese Effektketten in einzelne Effekte aufteilt, wäre dies vermutlich rechenintensiver. Die CPU-Last hält sich stark in Grenzen. So konnte ich das Audiobeispiel weiter unten inkl. 6 EZmix-2-Instanzen ohne Probleme mit einer Buffer Size von 32 Samples bei 25% CPU Last (Cubase Anzeige) wiedergeben. Bei 1024 Samples Buffer Size lag die CPU Last unter 10%.

Welche Effekte, die im übrigen nach wie vor von der italienischen Effektschmiede “Overloud” kommen, sind nun neu? Laut Produktbeschreibung sind dies hauptsächlich Mastering Effekte, neue Reverb-Algorithmen und Amp/Speaker-Simulationen für Bass und Gitarre.

Überblick

EZmix 2 Test Release Time

Schauen wir uns in einer Übersicht alle einzelnen Module von EZmix 2 an. Bitte nicht vergessen, dass man diese nicht einzeln, sondern nur über die Presets auswählen kann!

  • EQs
    • Parametrischer EQ
    • LPF (Low Pass Filter)
    • HPF (High Pass Filter)
  • Dynamics
    • Kompressor
    • Limiter
    • Gate und frequenzselektives Gate
  • Spezialisierte Dynamics
    • Transient Shaper
    • De-Esser
    • Multiband-Kompressor
    • Mastering Limiter
  • Spezialisierte EQs
    • modulierte Filter
    • Aural Exciter
    • Verzerrung und Sättigung
    • Distortion
    • Special Distortion
    • Tape Simulator
  • Guitar Amps, Speaker und Effekte
    • Amplifiers
    • Speaker
    • Overloud
    • Bitcrusher
    • Wah-Wah
    • Vibrato
    • Tremolo
    • Rotierende Speaker
    • Octaver
  • Modulations- und Stereoeffekte
    • Chorus
    • Flanger
    • Phaser
    • Stereo Enhancer
  • Reverb und Delay
    • Reverb
    • Hall Reverb
    • Inverse Reverb
    • Tape Delay
    • Filter Delay

Wie man sieht, sind alle wichtigen Vertreter der Gattung “FX” enthalten und als neuer Schwerpunkt sind die Amps und Speaker Simulationen dazu gekommen. Um einen Eindruck von der Qualität zu erhalten, hören wir nachfolgend einige Beispiele. Jeweils zuerst das trockenen und anschließend das durch EZmix 2 bearbeitete Signal:

Gesamtmix trocken:

Gesamtmix via EZmix 2:

Vocals trocken:

Vocals via EZmix 2:

Bass trocken:

Bass via EZmix 2:

Gitarre trocken:

Gitarre via EZmix 2:

Drums trocken:

Drums via EZmix 2:

Und hier die Gitarre (Stratocaster) noch mit zwei weiteren Amps:

Das gefällt mir nicht

Der Preis der 1er Version war ein schlagendes Argument. Bei 49 EUR brauchte man aus meiner Sicht nicht lange nachdenken, wenn man zur Zielgruppe gehörte. 139 EUR sind da eine andere Preisregion. Für 10 EUR mehr erhalte ich als Apple-User gleich das gesamte Logic Pro 9 Paket inkl. diverser Track-Presets. Die Möglichkeit, einzelne Bestandteile der Effektkette zu bypassen, hätte ich persönlich gut gefunden. Im Verhältnis zum ursprünglichen EZmix finde ich aber auch die EZmix-Packs relativ teuer. Mit 39 EUR pro Pack kosten sie fast so viel wie der ursprüngliche EZmix 1 bzw. sind so teuer wie das Update auf EZmix 2. Vielleicht schauen wie uns in einem weiteren Test an, ob die EZmix-Packs einen Mehrwert bringen, der im Verhältnis zum Preis steht. Denn voll ausgestattet mit allen 13 aktuell erhältlichen Packs kostet EZmix 2 stolze 646 EUR. Das ist kein Pappenstiel und lässt sich nicht mal eben “EZ” aus der Portokasse bezahlen.

Das gefällt mir

Die Idee und die Umsetzung ist nach wie vor das größte Argument für EZmix 2. Auch wenn der Preis im Vergleich zur 1er Version für Neukunden um stolze 184% angestiegen ist, erhält man als User der Ursprungsversion das Update für faire 39 EUR. Und die kann man meiner Meinung nach bedenkenlos investieren. Man erhält zum einen 64-Bit-Fähigkeit, einige weitere Effekte, die die Bandbreite von EZmix erweitern, sowie Gitarren- und Basseffekte. Diese ersetzen zwar kein Guitar Rig, die Pod Farm oder ähnliche Spezialisten, runden aber die Idee hinter EZmix 2 ab. EZmix 2 geht nach wie vor sehr schonend mit den Ressourcen des Rechners um, was man sich aber damit erkauft, dass ein tiefgreifendes Editieren nicht möglich ist. Aber das will man als Nutzer von EZmix 2 auch in den seltensten Fällen. Die Presets klingen “out of the Box” sehr gut und sind mit den zwei Reglern schnell an die Gegebenheiten der eigenen Signale angepasst. Weniger ist nach wie vor mehr, leider tanzt der Preis dabei etwas aus der Reihe. Zum Preistipp reicht es daher zwar nicht, wohl aber zum Top Product Award aufgrund des guten Konzeptes, der guten Umsetzung sowie der Produktpflege.

Markus Cremer


 

Preis (Stand: Juni 2012)

Ergänzende Links

Systemvoraussetzungen

  • Windows XP SP3 oder aktueller, Pentium 4 oder Athlon Prozessor mit 512 MB RAM
  • Mac OS X 10.5 oder aktueller, G5 mit 512 MB RAM (Intel-basierter Mac wird empfohlen)
  • 40 MB freier Festplattenspeicher. Audio Unit, VST oder RTAS als Host-Anwendung. Professionelle Audiokarte wird dringend empfohlen.

Verwendetes Testsystem

  • iMac 27″, Mitte 2011
  • CPU: 3,4 GHz Intel Core i7
  • RAM: 16 GB 1333 MHz DDR3
  • Mac OS X Lion 10.7.3
  • DAW: Cubase 6.0.6 & Logic Pro 9.1.7
  • Audiointerface: M-Audio ProjectMix I/O

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