Test: the t.bone Micscreen

Was macht man, wenn man mobil aufnehmen möchte aber keine Akustik-Stellwände in den Kombi passen? Man schaut sich nach transportablen Alternativen zur Klangverbesserung um. Der Micscreen von t.bone ist so eine Alternative.

In meinem Fall hatte ich 10 Songs an verschiedenen Tagen in Büroräumen aufzunehmen. Das diese keine optimalen Recordingbedingungen bieten, liegt nahe. Es war „nur“ Gesang auf vorhandene Playbacks aufzunehmen aber das ganze mit größtenteils ungeübten Sängerinnen und Sängern. Dazu noch bis zu 4 Personen gleichzeitig als Chor über ein Mikro. Der Micscreen sollte hier zeigen, ob er eine Verbesserung bringt.

Aller Anfang ist schwer

Der Aufbau ist nicht ganz so intuitiv und stabil wie er vielleicht sein könnte, wenn der Micscreen das 2-4 fache kosten würde. Man sollte aber gerade aufgrund des günstigen Anschaffungspreises die Kirche im Dorf lassen und Preis- / Leistung mit in die Überlegungen zum Thema Stabilität und Aufbau einbeziehen. Eine Schraube hat mich in der Tat trotz allem ein wenig Nerven gekostet, da ich prompt das Zwischenteil aus Plastik in das leere Metallrohr gedrückt habe. Zum Glück lag noch eine zweite Version mit dabei (für eventuelle Stereomikrofonierungen). Diese habe ich dann korrekt angezogen und schon … wackelt die Vorrichtung immer noch. Nach ein paar weiteren Feinjustagen aber hält das Gestänge mein Røde NT1-A* recht stabil in der Waage. Wichtig ist noch, dass man bei der langen Schiene die „Rille“ nach unten zeigen lässt, damit die Schraube dort Halt findet.

Flexibel ist er ja

Und das meine ich nicht nur in Sachen Transportmöglichkeiten. Denn so schnell wie er zusammengeklappt im Kofferraum liegt, so schnell ist er auch von einem auf vier SängerInnen angepasst. Auch wenn der gewünschte Effekt am besten funktioniert, wenn er nur für einen Interpreten vor dem Mikro eingerichtet ist, lässt er sich weiter öffnen. Dies war bei bis zu 4 Personen vor dem Mikro schon hilfreich.

Bringt es denn etwas?

Zunächst einmal eine gute Optik. Das klingt jetzt banal aber für’s Auge des Betrachters sieht beim betreten des Raumes so ein portabler Absorber und Diffusor hinter dem Mikrofon gut aus. Und diese Diskussion hatten wir neulich ja erst zum Thema „DAW – Controller“. Auch hier erwartet ein Kunde einfach ein paar schöne Motorfader. Ob sie nun Sound machen oder nur den netter  anzusehenden Mausersatz darstellen ist egal. Ein Studio ohne ein „pultähnliches Etwas“ wird einfach nicht Ernst genommen. Das kann man drehen und wenden wie man möchte und sei der Sound am Ende noch so gut: Der Kunde wird sagen „Das ist ja kein Studio, sondern nur ein Computer – den habe ich auch zu Hause!“. Daher macht es schon aus diesem Grunde durchaus Sinn, nicht nur mit Stativ und Mikro beim Kunden vor Ort aufzutauchen. Es zeigt auch, dass man sich Gedanken um die Situation gemacht hat.

Aber fernab von diesen eher bauchgesteuerten Gründen suchen wir als Musiker natürlich auch hörbare Gründe. Und da fällt es ein wenig schwerer und die Antwort muss lauten „Kommt drauf an …“. Zum einen haben wir in unserem Fall den „trockensten Raum“ von allen ausgesucht und diesen mit Teppich an der Stelle des Mikros versehen. Dann die Fenster mit den vorhandenen Rollos (von innen natürlich) ein wenig vor Reflektionen geschützt. Weiterhin reflektierende Teile abgehangen. Wenn man dann noch den Micscreen dazu nimmt, erreicht man in der Tat einen trockeneren Sound als man in ohne den Micscreen gehabt hätte. Ist das optimal? Nein aber besser als gar nichts. Bei einem Sänger sollte man darauf achten, dass er möglichst nahe am Mikro steht und das Mikro auch möglichst „im“ Micscreen platziert ist. Bei vier SängerInnen wird einem das kaum gelingen. Hier hat man ohnehin mehr das Problem, dass die Signale nicht so direkt aufgenommen werden, wie es wünschenswert wäre. Aber dennoch hat man keinen zusätzlichen Schall von hinten auf dem Mikro. Man sollte hier als Charakteristik ohnehin „Niere“ wählen. Alles andere ist kontraproduktiv.

Am Ende des Tages hatte ich aber mehr mit der Intonierung und dem Timing der SängerInnen zu kämpfen als mit ungewollten Raumanteilen. Dies waren zwar auch noch vorhanden (wie gesagt: Zaubern kann der MicScreen nicht) aber bei weitem nicht so stark, wie ich befürchtet hatte. Also zumindest ein Problem weniger, um das ich mich in der Post kümmern musste.

Soundbeispiele der entstandenen Aufnahmen darf ich leider nicht bringen aber ohne A/B Vergleich hätten sie ohnehin keine Aussagekraft. Ich werde daher bei Gelegenheit den Artikel um A/B Vergleiche ergänzen.

Off-Topic: Hat jemand von Euch Erfahrungen, ob die Melodyne DNA Technologie auch in Chorspuren einzelne Sänger bearbeiten kann? 🙂

Wie sieht’s aus?

Mein Setup sah wie im folgenden Fotos aus und damit bin ich ganz gut klargekommen. Ich hätte natürlich lieber einen Studioraum genommen aber das war in diesem Fall aus organisatorischen Gründen ausgeschlossen.

Micscreen_Teaser

 

Micscreen-2

 

alpendeich_redaktionstipp

 

Fazit

Wenn man den günstigen Preis in Betracht zieht, könnte man den Micscreen schon alleine aus optischen Zwecken kaufen. Dazu kommt aber auch ein echter Mehrwert. Man sollte hier keine Wunder erwarten aber einen trockeneren Sound im eigenen Homestudio oder aber, wie in meinem Fall, für mobile Aufnahmen erhält man in jedem Fall. Man sollte dennoch weitere verfügbare Optionen ausnutzen, um den Raum zu optimieren. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind wie die oben beschriebenen. Ob die weit teureren Kollegen anderer Hersteller hier einen Mehrwert bieten, der den Aufpreis rechtfertigt, weiß ich nicht. Mir jedenfalls reicht der Micscreen für unterwegs und in Anbetracht des Preises ist hier auch der Redaktionstipp gerechtfertigt.

Links:

  • Kaufen bei Thomann*
  • Ebenfalls gibt’s bei Thomann das Røde NT1-A im „Wunschlos-Glücklich-Set“*. Ich kann das Mikro wirklich wärmstens und ohne Bedenken empfehlen. Auch wenn wir im Studio ein Neumann U-87 für die Aufnahmen der Tontauben genutzt haben, ist das Røde für den Preis wirklich ein absoluter No-Brainer für Gesang und Akustik-Instrumente. Es hat vielleicht nicht die feine Auflösung eines U-87 aber wer hört das bei MP3s heutzutage überhaupt noch?
  • Wer noch günstige Kopfhörer* und einen Kopfhörerverstärker mit 4 Ausgängen* benötigt, dem empfehle ich bedenkenlos die im Link genannten (Achtung allerdings mit der Lautstärke, sie sind schweinelaut!).

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7 Comments

  1. Juergen
    13. Juli 2014

    Interessant! Micscreen werde ich mir vormerken.

    Du hast Erfahrungen mit U87 und Røde. Das mit dem letzten Bisschen Auflösung ist schon klar – aber ist der Klangcharakter ähnlich? Ich benutze hauptsächlich ein t-bone
    ST-1000 (ist nicht mehr im Handel), im Grunde ein chinesischer U87 Nachbau. Nicht schlecht, aber ich frage mich oft, ob es etwas besseres gibt (aber im Preis weit unter dem Original U87).

    Beste Grüße,

    Antworten
    1. Markus
      13. Juli 2014

      Im Studio hatten wir beide Mikros (und noch ein weiteres, was ich aber gerade nicht mehr präsent habe) und uns letztlich (nach Blindtest) für das Neumann entschieden. Vom Charakter waren die aber schon unterschiedlich. Am Ende kommt das aber natürlich auf die Stimme an. Wir haben einen Sänger mit einer recht markanten Stimme.
      Ich persönlich würde mir gerne mal im Vergleich das NT1-a, das NT1000 und das NTK von Røde anhören, bin aber für meine Zwecke mit dem NT1-a noch immer so zufrieden, dass ich aktuell nicht an’s aufrüsten denke.

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    2. Heiko
      13. Juli 2014

      Hallo Jürgen,

      Ich würde mal sagen:kommt drauf an 🙂 Wenn Du das richtige Material zum Aufnehmen hast geht eigentlich schwer ein Weg am U87 vorbei. Gerade bei Orchesteraufnahmen, Choraufnahmen oder Orgelaufnahmen, also dort, wo man viel Dynamik einfangen kann, macht sich Das U87, oder zwei davon bezahlt. Genauso bei geübten Sängern und Sprechern. Bei ungeübten Sängern fährt man oft mal mit einem günstigeren Mikro besser, den das U87 ist auch „gnadenlos“. Ich t.b. Von eher ein nicht wirklich variabler Sänger, für mich selbst nehme ich z.b. das Shure SM 7, ein dynamisches Mikro, das für mich aber passt. Ich würde mal sagen das ist wie mit der Squier Tele für 200 Euro und der Fender Custom Shop Tele für 4000 Euro. Der Hobbyist wird sich zu Hause bestimmt mit der Squier arrangieren können, die Custom Shop muss man auch entsprechend spielen können 🙂

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  2. Jürgen Drogies
    14. Juli 2014

    Hallo Heiko,
    bei mir geht es meistens um so einen von dir genannten „ungeübten“ Sänger. Profi-Sprecher vom Rundfunk habe ich vor Jahren mit einem Sennheiser 441 aufgenommen und wurde sogar noch für den Sound gelobt. Beim Profi habe ich das Gefühl, da ist schon ein Kompressor in der Stimmtechnik „eingebaut“ :–)
    Mein oben genanntes t-Bone (ich würde sagen Neumann-Kopie) hat einen guten Nahbesprechungseffekt und klingt gleichzeitig präsent, also eigentlich gut. Aber das Bessere ist der Feind des Guten! Hast du Erfahrung mit Røde?
    Gruß
    Jürgen

    Antworten
    1. Heiko
      15. Juli 2014

      Hallo Jürgen, ich kann über Røde auch nichts schlechtes sagen 🙂 Ich konnte das nicht gegen Dein Mikro vergleichhören, aber gegen andere t.bones und Fames, wo ich einfach mal orakle, dass diese Hausmarken in China aus den gleichen Fabriken stammen. Was mir bei Fame und t.bone durch die Bank weg auffiel, war ein Boost im oberen Frequenzbereich, den ich per EQ erst wieder entschärfen müsste. Das NT1 hatte dies in dieser Form nicht und klang für mich erst mal angenehmer. Was ich z.B. auch guten Gewissens empfehlen kann, sind Mikrofone von se Electronics. Das MD 441 ist heute noch bei uns on der Firma Referenz und wird gerne als kabelgebundene Lösung genommen, gerade in akustisch schwierigen Umgebungen 🙂 hast Du Deines noch?

      Antworten
    2. Jörn
      15. Juli 2014

      Hi Jürgen,

      vor längerer Zeit hatte ich mal das Røde NT1A. Das hat mir sehr gut gefallen. Der Sound (ich hab’s nur für Sänger und Sängerinnen eingesetzt) war irgendwie „seidig“.

      Ich hätte es auch noch, nur ist mir mal der Mikrofonständer samt NT1A umgekippt. Das hat’s leider nicht überlebt …

      Antworten
  3. Juergen
    17. Juli 2014

    Danke für euere Tipps! @Heiko: Ja, das MD 441 habe ich noch – sollte ich mal wieder ausprobieren!

    Antworten

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