Test: Steinberg MR816 CSX

Vor mir steht das MR816 CSX FireWire Audio-Interface mit integrierten Effekten, das, so Steinberg, „… über die Möglichkeiten traditioneller Audio Interfaces hinausgeht“. Schauen wir doch mal, was an Steinbergs Aussagen dran ist.

Der erste Eindruck

Das MR816 CSX ist in einem Gehäuse mit einer HE untergebracht und sehr ordentlich verarbeitet. Alle Bedienelemente fühlen sich absolut hochwertig an.

Vorderseite

 

 

Neben dem Einschalter befinden sich auf der Vorderseite zwei separat regelbare Kopfhörerausgänge. Auffallend sind die beiden Drehregler an der rechten Seite, die gleichzeitig ihre Funktion durch „pushen“ ändern können. Sie sind umgeben von LED-Kränzen, die einem optisch Auskunft über den eingestellten Wert geben. Daneben kann man die gewählte Funktion der Drehregler (Phones, Master, REV-X, Morph), die gewählte Samplefrequenz (44, 48 88 oder 96k) sowie die Wordclock-Quelle (Intern, Adat, S/PDIF oder WCLK) ablesen.

 

 

Weiter geht es mit den 8 analogen Eingangskanälen. Die kombinierten XLR/Line Eingänge (symmetrisch) für Kanal 1 und 2 befinden sich auf der Front und Kanal 1 lässt sich auch für hochohmige Signale verwenden (z. B. Gitarren). Auf alle 8 Kanäle lässt sich Phantomspeisung geben und bei Bedarf eine -26dB Padschaltung aktivieren. Über den 8 Gainreglern befinden sich die Quick Connect Buttons. Hierzu später mehr. Einen Limiter gibt es übrigens nicht.

Rückseite

 

 

 

Hier befinden sich die restlichen 6 Eingänge, die ebenfalls als symmetrische XLR/Line Eingänge ausgelegt sind. Weiterhin findet man hier S/PDIF, Wordclock, ADAT I/Os sowie 8 symmetrische, analoge Ausgänge (Klinke). Abgerundet wird die Rückseite durch 2 Insertkanäle und den Anschluss für das externe Netzteil. Midibuchsen sucht man allerdings vergeblich.

Installation

Voraussetzung für den Betrieb der MR-Interfaces ist die Installation des Steinberg FireWire-Treibers. Dieser befinden sich entweder auf CD oder lässt sich hier downloaden. Cubase startet nach der Installation der „Tools for MR“ mit folgender Meldung, welche ich mit OK bestätige.

 

 

Beim erstellen eines neuen Projektes findet man nun auch neue Vorlagen:

 

 

Ich wähle „Steinberg MR816CSX multi channel recording“ und finde folgendes Szenario in Cubase wieder:

 

 

Hier die Inputs am Mixer:

 

 

Die Ansicht steht hier auf „Hardware“ und man kann Einstellungen vornehmen für

  • +48V
  • Pad
  • Hochpass-Filter (nur hier einzustellen)
  • Phaseninvertierung (ebenfalls nur hier einzustellen)
  • Channel-Strip
  • Direct-Monitoring
  • REV-X Einstellungen
  • Kopfhöhrerpegel sowie
  • FX-Routing.

Die Bedienelemente der Hardware korrespondieren natürlich mit den entsprechenden Bereichen. Die Zahl 816 im Namen setzt sich aus den 8 Vorverstärkern plus den 16 möglichen In- und Outputs pro Gerät zusammen. Durch die Integration in Cubase ist es möglich, separate Studiomixe mit FX für die Musiker, bzw. verschiedene Monitormixe über den Control Room zu erstellen. Ausgänge bietet der MR816 dafür ausreichend und die Konfiguration ist absolut problemlos. Problemlos ist übrigens auch die Steuerung der Funktionen über die 2 Encoder. Hier eine Übersicht der mit Hilfe der beiden Drehregler zu steuernden Funktionen:

 

 

CS = Channel Strip

 

 

Der Unterschied zum MR816X ist schnell erwähnt: Das fehlende „CS“ beim kleinen Bruder steht für den fehlenden „Channel-Strip“. Dieser besteht aus einem integrierten Compressor und Sidechain-fähigem 3-Band Equalizer. Das besondere an diesem Channel Strip ist zum einen die Tatsache, dass er nicht nur in den Kanälen des MR816CSX, sondern auch als Insert Plug-in in Cubase verfügbar ist. Zum anderen gibt es eine wirklich praktische Funktion: Den Morph Regler. Dieser lässt sich direkt vom Gerät aus bedienen und „morpht“ zwischen verschiedenen Compressor- und EQ Einstellungen – und dies mit nur einem Regler. Hier findet man relativ schnell einen passenden Grundsound, der z. B. dem Sänger gefällt. Feintuning an den einzelnen Parametern kann man natürlich auch vornehmen. Sowohl Compressor als auch der EQ verrichten einen guten Dienst und sind unglaublich hilfreich in Aufnahmesituationen um schnell einen angenehmen Kopfhörermix zu erstellen.

X = REV-X Reverb

 

 

Zu einem angenehmen Kopfhörermix gehört für viele SängerInnen auch ein gewisser Hallanteil auf der Stimme. Ich persönlich mag das nicht so sehr, da ich mich lieber trocken höre aber das ist Geschmacksache. Jedenfalls hat man auch in der „kleinen“ Ausgabe, dem „MR816X“ Yamaha’s bekannten REV-X Hall dabei. Es gibt 3 Grundpresets (Hall, Room und Plate) welche sich in vielen Parametern ändern lassen. Ohne Rechenleistung zu verschlingen, kann man auf den Kopfhörermix der Musiker mal eben einen wirklich gut klingenden, dichten Hall legen. Der größte Vorteil ist natürlich, dass man kein separates Mischpult benötigt um einen latenzfreien Hall auf die einzelnen Studiomixe zu legen.

Hier ist mir allerdings folgendes aufgefallen: Wenn man über die Hardwaresteuerung den Return Anteil regelt, verändern sich die Return Anteile aller Studiomixe proportional mit. Dies muss nicht unbedingt gewünscht sein. Will man beispielsweise nur den Return Anteil für einen Musiker ändern, so geht dies nur in der Software, siehe folgende Ansicht:

 

 

Um in den Genuss dieses latenzfreien Halls zu kommen, sollte man vorher in der Konfiguration „Direktes Mithören“ aktiviert haben. Das gilt natürlich auch für die EQ und Compressor Einstellungen des Channel-Strips.

 

 

Nutzung des DSP’s als Plug-in

Zusätzlich zur Möglichkeit, die Effekte für eine Monitormischung zu verwenden, kann man diese auch als VST-Plug-in nutzen. Dies muss allerdings in der Gerätesteuerung des FW Drivers eingestellt werden.

 

 

Ebenso muss man sich entscheiden, wie man die DSP Power nutzen möchte. Es gibt zwar 8 Mono Channel Strips, allerdings kann man dann das REV-X nicht mehr nutzen. Dessen Nutzung geht im Plug-in Modus zu Lasten zweier Mono Channel-Strips, bzw. eines Stereo-Channel-Strips.

Folgende Optionen gibt es:

  • 8 x Mono CS
  • 4 x Stereo CS
  • 6 x Mono CS plus REV-X
  • 3 x Stereo (CS) plus REV-X

Die Nutzung des CS in einem Stereo-Gruppenkanal und gleichzeitig in einem Mono-Kanal ist somit nicht möglich. Eine etwas freier wählbarere Konfiguration wäre schön gewesen.

Wichtig: Da die digitalen Ein- und Ausgangskanäle in diesem Fall als FX Busse für Cubase dienen, können diese im „external Effekt-Modus “ nicht genutzt werden. Dies ist eine Einschränkung, die in der Werbung nicht erwähnt wird, sondern erst im Handbuch steht. Wer also z. B. zusätzlich 8 Adat Kanäle zum externen summieren verwenden möchte, kann die DSP’s nicht beim abmischen in Cubase nutzen.

Ein Punkt, den man mit geteilter Meinung sehen kann, welcher aber in Foren immer wieder auftaucht, ist die Tatsache, dass man die Effekte des MR nur wahlweise in den Inputs ODER als VST Plug-in nutzen kann. Beides gleichzeitig geht nicht und ein umschalten während einer Aufnahmesession macht aus meiner Sicht keinen Sinn (wäre aber möglich). So kann man zum Beispiel beim Playback eines aufgenommen Tracks nicht den REV-X Reverb verwenden, welchen der Sänger in seinem Cue-Mix hatte. Für mich persönlich ist dies kein Problem, da ich nach der Aufnahme den Take auf eine andere Spur schiebe, wo ich einen groben Playback-Mix erstelle. Dies geschieht bei mir mit Cubase internen FX (Compressor, Hall und bei Bedarf Delay).

Die Integration der DSP’s in Cubase als Plug-in ist aber abgesehen von den oben erwähnten Einschränkungen super gelöst und erfolgt natürlich mit automatischem Latenzausgleich.

Hinweis am Rande

  • Alle Einstellungen der Plug-ins lassen sich auch über den AI-Knopf aus Steinbergs Controller CC121 steuern. Damit kommen wir auch zum nächsten Abschnitt:

AI = Advanced Integration

Je nachdem welchen Kanal ich in Cubase anwähle, zeigt mir das MR direkt optisch durch blinken des Quick Connect Buttons den entsprechenden Eingangskanal am Gerät an. Super! Ändern lässt sich diese Zuordnung mit nur einem Knopfdruck am MR: Dem Quick Connect Button. Wenn ich in Cubase auf Audiospur 4 beispielsweise die an Eingang 1 angeschlossene Gitarre aufnehmen möchte, drücke ich den Quick Connect Button über Eingang 1 am MR816 und schon hat Cubase Eingang 1 als Input gewählt. Habe ich im Projekt noch gar keine Eingangsbusse erstellt, übernimmt das Cubase für mich beim drücken des Buttons. Ganz ehrlich: Einfacher geht Eingangsrouting nicht! Es sind übrigens pro MR816 insgesamt 8 analoge plus bis zu 8 digitale Eingänge sowie entsprechende Ausgänge verfügbar. Bis zu 3 Geräte lassen sich in Reihe schalten, womit einem bis zu 48 In/Out Kanäle, 24 Channel Strips sowie 3 REV-X Instanzen zur Verfügung stehen. Hier die Übersicht in der Geräte Konfiguration von Cubase:

 

 

Ein Projekt mit 24 VST-Instrumenten konnte ich mit 256 Samples Buffersize auf meinem iMac 3,06 GhZ übrigens bequem abspielen. Darunter kam es zu Aussetzern. Die Latenz ist bei dieser Einstellung OK (siehe obiges Bild).

Nutzung ohne Cubase

Man kann mit Hilfe des MR Editors alle Einstellungen vornehmen, ohne Cubase zu nutzen. Es gibt dafür zwei Einsatzgebiete:

Erstens um die MR in anderen DAW’s einzusetzen. Nur so lassen sich die Effekte einbinden und latenzfreie Monitormixe erstellen. Man muss diese Einstellungen aber ausserhalb der DAW im MR-Editor vornehmen und dort abspeichern. So komfortabel wie in Cubase ist das also nicht.

Zweitens kann man z. B. bei Festinstallationen hingehen und im MR-Editor mehrere Scenes vorprogrammieren. Auch hier lassen sich sämtliche Funktionen inkl. Compressor, EQ und Hall nutzen. Über ein Notebook kann man die Scenes dann einfach umschalten. Wenn man aber live eingreifen muss, stößt man bei Softwaresteuerungen naturgemäß an Grenzen. Aber für den ein oder anderen Zweck kann man sich hier ein separates Mischpult sparen.

Messwerte

Gibt es hier keine, da es mir bei diesem Test hauptsächlich um den Praxiseinsatz ging und mir echte Testgeräte ausser meinen Ohren fehlen. Diese aber sagen mir, dass die Wandler und auch die DSP’s absolut gute Arbeit leisten. Der Sound ist sehr transparent. Wer Vergleiche mit anderen Wandlern hören möchte, muss sich auf die Interface Vergleiche von Steinberg verlassen, die es hier zum Download leider nicht mehr im Netz gibt.

 

Das gefällt mir nicht

Zum einen gibt es weder Limiter noch Midibuchsen. Des Weiteren ist eine DSP-Nutzung beim abmischen nur zu Lasten der Digital I/Os zu realisieren. Das ist ein Nachteil, wenn man extern summiert und sich über die DSP’s gefreut hat. Die kann man in diesem Fall nicht nutzen.

Das gefällt mir

Das MR816 CSX ist zweifelsohne eine Bereicherung für jeden Cubase Nutzer. Die Wandler bieten einen wunderbaren Klang und auch die Möglichkeiten, mal eben einen gutklingenden, latenzfreien Monitormix zu erstellen, sind prima gelungen.

Trotz der Negativpunkte unter „Das gefällt mir nicht“, bin ich wirklich begeistert von Steinbergs Interface. Es ist hochwertig verarbeitet, klingt sehr gut, hat geringe Latenzen und selbst in der kleinen Version noch den sehr guten REV-X Hall.

Die Channel Strips der mir vorliegenden CSX-Version möchte ich für den Monitormix fast nicht mehr missen. Ebenso das gnadenlos einfache Routing.

Markus Cremer

Systemanforderungen Mac OS X

  • System 10.4 oder besser
  • PowerMac G1
  • 1 GHz.
  • 512 MB RAM
  • DVD-Laufwerk
  • FireWire-Port

Systemanforderungen Windows

  • Windows XP Professional oder besser
  • Intel- / AMD-Prozessor
  • 1,4 GHz.
  • 512 MB RAM
  • DVD-Laufwerk
  • FireWire-Port

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