Test: Steinberg Cubase 7

Wer hat an der Uhr gedreht? Die Steinis! Steinberg hat im Dezember mit Cubase 7 das neueste Major Update seines „Advanced Music Production Systems“ vorgestellt. Mit an Bord sind viele neue Features und allen voran ein brandneuer Mixer namens „MixConsole“. Befinden wir uns mit dieser Version im 7. Sequenzer Himmel?

Inhalt der Boxed Version und Installation

Cubase 7 Intro

Als Käufer der „Boxed Version“ erhält man:

  • Cubase 7 Installation DVD
  • HALion Sonic SE Content DVD
  • Cubase 7 / Cubase Artist 7 gedruckter Quick Start Guide
  • Steinberg USB-eLicenser sowie Cubase 7 Activation Code

sowie Demoversionen von:

  • HALion Sonic
  • The Grand SE 3
  • HALion Symphonic Orchestra VST Sound Instrument Set
  • zusätzliche Demo Versionen
  • Rebeat digital music distribution

Vor der eigentlichen Installation sollte man den Aktivierungscode über das zuvor aktualisierte oder frisch installierte „eLicenser Control Center“ eingegeben und somit die Lizenz auf den Steinberg USB-e-Licenser übertragen haben.

Die Installation selber wird über das Start-Center von Steinberg auf der Installation DVD gestartet. In 5 Reitern mit aufgeräumter Optik befinden sich folgenden Kategorien mit diversen Links:

  • Installation
  • Tutorials & Demo Projekte
  • Community
  • Support
  • Hardware für Cubase (inkl. Treiber)

In meinem Fall installiere ich Cubase 7 von einer Image-Datei der Installer DVD. Die Installation dauert gerade 6 Minuten.

Der erste Start der neuen Version

Ich habe bisher die 6er Version im Einsatz und habe die 7er parallel dazu installiert, was im Test keinerlei Probleme bereitete. Beim Start fällt direkt der neue „steinberg hub“ ins Auge:

Cubase 7_HUB

Der rechte Bereich kommt mir sehr bekannt vor und unterteilt sich in letzte Projekte und diverse Vorlagen für neue Projekte. Im linken Bereich erhält man direkten Zugriff auf News und Tutorials (unterteilt in die im Screenshot zu sehenden Bereiche) sowie auf das User Forum, Downloads und die Knowledge Base. Dieser neuen Möglichkeit der Interaktion mit dem User hat Steinberg soviel Beachtung geschenkt, dass es im Programm sogar einen eigenen Menüpunkt dafür gibt. Die Idee finde ich gut und wir werden sehen, wie intensiv Steinberg davon Gebrauch macht. Eines wird mir an diesem Beispiel gerade wieder deutlich: Die vor einigen Jahren noch strikt empfohlene Trennung von Audio-Workstation und Internet-Rechner mag zwar in manchen Fällen noch Sinn machen, erweist sich aber zunehmend als unpraktikabel. Schon alleine durch die Online-Aktivierung vieler Produkte käme das für mich nicht mehr in Frage. Ich habe dies daher seit 2008 (meinem Umstieg auf Apple) nicht mehr so gehandhabt. Vielmehr stelle ich gewisse Prozesse (Wi-Fi, Time-Machine, etc.) einfach aus wenn ich Aufnahmen mache.

Die erste Neuigkeit, die mich nach einem kurzen Augenblick der Aktualisierung über den „hub“ erreicht ist, dass es zur Zeit eine Reihe bekannter Probleme in Version 7.0.0 gibt, die in künftigen Updates behoben werden. Um mindestens eines davon zu umgehen und auf die 16 GB RAM meines iMacs zugreifen zu können, werde ich Cubase 7 (wie auch bisher die 6er Version) im 64-bit Mode betreiben. Standardmäßig ist es beim ersten Start im 32-bit Mode hochgefahren. Unter Mac ändert man das übrigens, indem man das Kontextmenü des Programmes im Finder aufruft und „Informationen“ anwählt. Dort einfach das Häkchen bei „Im 32-Bit-Modus öffnen“ entfernen.

Update: Am 19.12.2012 hat Steinberg Version 7.0.1 als Pre-Release Update zur Verfügung gestellt um einige Bugs zu beseitigen. Das ging schnell. Die Version läuft bei mir übrigens bisher tadellos (bis auf das weiter unten genannte Problem mit der Kanalsichtbarkeit im DAW-Controller, was aber auch bekannt und bis Ende Januar behoben sein soll).

MixConsole – DER MIXER

Mixer_Meter

Ich vermeide das Schreiben in Großbuchstaben aber hier musste das mal sein. Denn der Mixer hat eine grundlegende Neugestaltung erfahren, die ihn noch mehr als bisher in den Mittelpunkt von Cubase rückt und daher sogar einen neuen Namen erhalten hat. Es sind zwar sehr viele Neuerungen aber man findet sich dennoch besser zurecht als vorher. Dies liegt an zahlreichen Workflowverbesserungen, die einen manchen Klick weniger machen und den Mixer übersichtlicher werden lassen. Hier ein paar Beispiele:

  • Der Mixer ist vollständig bis in die einzelnen Fensterbereiche und die Kanalbreite skalierbar
  • Mixer-Bereiche können nach Bedarf ein- und ausgeblendet werden
  • Die bisherigen Symbole für Racks (also Send, Insert, EQ, etc.) und Kanalarten (Instrumenten-, Midi-, Gruppenkanäle, etc.) sind nun in Klarschrift lesbar. Bei den Symbolen habe ich mich selbst nach Jahren der Bedienung immer wieder mal vertan. Danke, Steinberg. Das ging vermutlich nicht nur mir so.
  • Das Layout von Kanalarten und Racks lässt sich in 4 Userbänken speichern
  • Sowohl Kanaleinstellungen als auch VST-Instrumente (!) lassen sich direkt aus dem Mixer aufrufen
  • Kanäle lassen sich im Bereich Sichtbarkeit ausblenden und nicht wie bisher, indem man sie einzeln auf „ausblendbar“ stellt und anschließend ausgeblendet hat. Einziger vorübergehender Wehrmutstropfen: Die über den neuen Weg ausgeblendeten Kanäle werden in den DAW-Controllern noch nicht ausgeblendet. So sieht man die Midikanäle, die ich nicht auf dem DAW-Controller benötige, zwischen den Audio-, Effekt- und Instrumentenkanälen.

Antwort von Steinberg auf meine Nachfrage: „Das Problem ist bekannt und wird bis Ende Januar behoben worden sein.“ Das ist schon mal eine gute Nachricht!

  • Man kann Kanäle 3 verschiedenen Zonen zuordnen. Links oder rechts im Mixer fixiert oder „dazwischen“. Üblicherweise habe ich die Inputs links, die Outputs und Busse rechts. Nun kann man aber auch bestimmte Kanäle immer sichtbar halten, auch wenn man zwischen den anderen Kanälen scrollen muss. Sehr schön.
  • Man kann Kanäle über die neue Suchfunktion suchen
  • Send-Effekte lassen sich direkt aus einem Kanal anlegen (ohne erst einen Effektkanal zu konfigurieren). An dieser Stelle würde bei einer Apple-Vorführung das Publikum in Jubel ausbrechen!
  • Insert-Effekte lassen sich ebenfalls suchen
  • Es gibt für Audio-Effekte A/B Vergleiche
  • Man kann global im Mixer alle Send, Inserts, EQs oder Chanel Strips auf Bypass stellen
  • Man kann global im Mixer alle Automationseinstellungen für Read/Write aktivieren und deaktivieren sowie global Lesen und Schreiben aller Automationen aufheben
  • Man kann global im Mixer alle Mute, Solo und Listen Buttons deaktivieren
  • es gibt volle Drag & Drop Unterstützung zwischen den Kanälen
  • Über die Quick-Link Funktion kann man schnell mehrere Kanäle koppeln und deren Werte ändern oder anpassen (absolut und relativ)
  • Das Beste zum Schluss: Der Mixer enthält einen komplett neues „Chanel Strip“ Modul mit neuen Effekten und neuer Optik. Das spart zusätzliche Plug-in Fenster und erhöht die Übersichtlichkeit.

Es gab anfänglich noch ein paar Kinderkrankheiten aufgrund der Skalierbarkeit des Mixers. So war die Maus z. B. noch im „Skaliermodus“ obwohl ich eine Spur stummschalten wollte. Schließen und erneutes Öffnen des Mixers hat diese Art von Problem behoben. Bei Steinberg waren diese Probleme schnell bekannt und wurden bereits mit dem Wartungsupdate 7.0.1 behoben (So schnell überholen sich manchmal bereits geschriebene Zeilen).

Es ist definitiv der erste Cubase-Mixer, den ich mir gerne auf die vollständige Höhe meines 27″ iMacs ziehe und für mich optisch und funktionell der beste Cubase Mixer aller Zeiten!

Hier eine Überischt der einzelnen Bereiche des Mixers, welche sich auch separat ein- und ausblenden lassen.

Mixerbereiche

Die Kanalübersicht hilft einem gerade bei größeren Projekten den Überblick zu behalten. Man kann in der Übersicht zum einen sehen, auf welchen Kanälen Signale anliegen und den Mixerbereich direkt aus der Übersicht verschieben.

Die Meterbridge gab es im vorherigen Mixer auch, erlangt hier aber durch die Skalierbarkeit einen Mehrwert. Außerdem wird hier grafisch die Arbeit der Kompressoren aus den Chanel Strips angezeigt. Zu erkennen an den roten „Strichen“ in der Meterbridge (und etwas weniger detailiert auch in der dB Anzeige der Kompressoren im Strip):

Chanel Strip Compressor

Die im Screenshot zu sehenden EQ-Kurven zeigen einem auf einen Blick in welchen Kanälen ein EQ mit welchen Einstellungen verwendet wurde. Ein Klick vergrößert den EQ und lässt auch Änderungen zu.

Kanal-Racks enthalten folgende ein- und ausblendbare Bereiche:

Racks

Bilder ist eine neue Funktion in Cubase 7 und erhöht die Übersichtlichkeit im Mixer. So kann man zusätzlich zu der Farbgestaltung auch noch passende Bilder über den Kanal ablegen. Schön auch, dass man unkompliziert JPGs der eigenen Instrumente oder auch der Sänger/innen importieren kann. Je nach Sängerin kann das durchaus inspirierend sein 🙂

Bilder

Und wer mag, kann sich auch noch eigene Notizen zum Kanal anlegen.

Für die Kommunikation zu den Musikern dient der Control Room von Cubase, den es ja schon seit längerem gibt. Neu ist allerdings, dass man dessen Edit-Bereich nun direkt im Mixer anzeigen lassen kann. Sehr gut. Kleiner Tipp am Rande, auch wenn es nicht neu ist: Über die „Listen“ Funktion des Control Rooms kann man eine oder mehrere Spuren im Kontext zu den anderen Spuren abhören. Im Gegensatz zu Solo werden alle anderen Spuren nur gedimmt und nicht gemutet. Eine, wie ich finde, superpraktische Funktion.

Control Room

Ein zweiter Reiter in diesem Bereich ist „Meter“, wo man die komplett neu gestaltete Metering-Sektion von Cubase findet. Mehr dazu weiter unten bei der „Metering Sektion“.

Der neue Chanel-Strip

Chanel Strip

Er enthält folgende Plug-ins:

  • Noise-Gate
  • Kompressor (Standard, Tube, Vintage)
  • Envelope Shaper
  • Saturation (Tape, Tube)
  • Limiter (Brickwall, Maximizer, Standard)
  • EQ (Position)

Die Plug-ins sind ein Mix aus neuen Plug-ins wie z. B. dem Brickwall Limiter und dem Tube Compressor sowie altbekannter Versionen im neuen Gewand. Die Optik des Chanel Strips hat den Vorteil, dass man nicht ständig weitere Plug-in Fenster öffnen muss. Man kann einfach im Strip des Mixers arbeiten, was eleganter ist. Diese Ansicht soll natürlich auch an klassische Mischpulte erinnern und hat neben der praktischen Seite auch ihren optischen Charme. Es steht einem aber frei, die benötigten Plug-ins wie in den alten Cubase Versionen als Insert zu laden und in der großen Plug-in GUI zu arbeiten. Schön auf jeden Fall, dass es diese Neuerung gibt.

Eine Neuerung gibt es auch beim EQ. Zum einen lässt dieser sich per Drag&Drop an die gewünschte Stelle der FX-Kette des Strips befördern und zum anderen hat man ihm eine Spektralanzeige spendiert. Die Änderungen werden so auch direkt grafisch in Echtzeit angezeigt. Weiterhin bietet er nun unter „Pre“ einen Low- und High-Cut Filter und zwar zusätzlich zu den bekannten 4 vollparametrischen Bändern. Dieser Pre-Bereich lässt sich auch direkt im Rack anzeigen. Hier eine Ansicht aus den Kanaleinstellungen:

EQ

Voxengo CurveEQ

Curve EQ

Wo wir gerade bei EQs sind: Ein neues Plug-in und ein weiteres Highlight von Cubase 7 ist der CurveEQ von Voxengo. Er kostet normalerweise knapp 90$ und ist in der aktuellsten Version 3.1.3 in Cubase 7 enthalten. In den Inserts findet man ihn nur unter „CurveEQ“. Die Suche nach Voxengo liefert zwar einige Ergebnisse aber nicht den CurveEQ. Bisher nutze ich für EQ-Matching den EQ von iZotopes Ozone 5. Aber genauso wie beim Metering können ab sofort die Steinberg „Bord-Mittel“ diesen Job übernehmen. Der Voxengo Curve EQ kann aber weitaus mehr als nur EQ-Matching mit seinen 64 Bändern, was alleine schon eine super praktische Funktion ist um den Mix einer Vorlage anzugleichen. Ein Novum ist der Freeform Mode. Hier kann man mit der Maus den gewünschten Frequenzverlauf direkt über der Spektralanalyse einzeichnen. Wer grafisch veranlagt ist und nicht Knöpfchen drehen möchte, kann sich hier austoben und sich das passende Ergebnis einfach zeichnen.

Metering Sektion

Loudness Meter

Langsam ist Cubase vom Funktionsumfang her so vollständig, dass ich Plug-ins von Drittanbietern nach und nach theoretisch ausrangieren kann. Für detailierte Analysen nutze ich auch hier bisher iZotopes Ozone 5. Nun hat Steinberg die Metering Sektion von Cubase komplett überarbeitet und ein Loudness Meter nach dem EBU R 128 Standard hinzugefügt. Weiterhin kann man im „normalen“ Masterbereich aus 8 verschiedenen Skalen (unter anderem den Bob Katz „K“ Skalen K-20, K-14 und K-12) wählen sowie AES17 aktivieren. Auch hier kann man das Meter wieder frei skalieren und nach Bedarf recht breit ziehen (siehe Screenshot). Good Job!

Presets von Allen Morgan

Strip Presets

Dieser Mann ist mir bereits positiv durch meine diversen Toontrack-Tests in Erinnerung geblieben. Nun gewährt er uns auch in Cubase mit seinen Presets einen Einblick in seine Art zu produzieren. Bei manchen Musikern verpönt, empfinde ich persönlich Presets nach wie vor als praktische Ausgangseinstellung zum anschließenden Feintunen. Neben 250 Strip-Presets für den neuen Chanel-Strip und 100 Kanalpresets sind noch 30 Instrumenten-Spur-Presets enthalten. Letztere sind zu finden, wenn man im „Scan-Ort-Verzeichnisbaum“zu „Instrument Set Allen Morgan Signature Drums“ navigiert.

Kanaleinstellungen

Kanaleinstellungen

Dieses Fenster hat ebenfalls ein Facelifting erhalten, was zu einer deutlichen Verbesserung in der Übersicht und im Workflow führt. Über den bekannten „E“ Knopf ruft man es auf, wobei man bei längerem klicken auf dieses „E“ sofort die GUI des jeweiligen VST-Instruments aufruft (sollte es sich um einen Instrumentenkanal handeln). Letzteres ist schon eine kleine aber effektive Verbesserung. Im eigentlichen Kanaleinstellungs-Fenster werden im linken Bereich immer noch die Inserts angezeigt. Aber über einen Reiter kann man sich dort auch den Chanel-Strip anzeigen lassen (wie im Screenshot). Hier kann man die EQ-Position verschieben sowie einzelne Plug-ins des Strips aktivieren oder deaktivieren. Angezeigt und geändert werden diese Plug-ins im mittleren Bereich. Hier gibt es die zwei Reiter „Equalizer“ und „Chanel Strip“. Im Screenshot zu erkennen: Die neue Spektralanzeige des EQ. Schaltet man den mittleren Bereich auf „Chanel Strip“, so erscheint der EQ verkleinert im linken Bereich und man kann die Plug-ins des Chanel Strips steuern. Im rechten Bereich sind wie üblich die Sends zu finden, nun aber auch die Cue-Sends für Kopfhörermixe der Musiker. Im oberen Bereich kann man nun schnell zwischen den Kanälen wechseln, In- und Outputs wählen sowie den Signalweg anzeigen lassen. Im Screenshot gut zu sehen: Git -> Pre-Mix -> Stereo-Out.

Neuerungen im Projektfenster

Der zweite große Bereich von Cubase ist das Projekt- oder Arrangerfenster. Auch hier gibt es einige Neuerungen.

Akkordspur

Akkordspur

Steinberg führt mit Cubase 7 die Akkordspur ein, welche selber keine Töne erzeugt aber als Referenz für andere Midi- oder Audiospuren dient. Cubase kann sogar automatisch die Akkorde aus bereits vorhandenen Midispuren erkennen. Man kann aber die Akkorde auch selber „einzeichnen“ oder per Midi einspielen. Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, für solche globalen Spuren (wie z. B. auch Tempo-, Takt- oder Pilotspuren) die Spurliste zu teilen und diese Spuren in der oberen Spurliste abzulegen.

Wenn man sich gerade an einem kreativen Tiefpunkt beim Komponieren befindet, sollte man mal den Akkord-Assistenten von Cubase testen. Er sucht eine passende Verbindung für bereits vorhandene Akkorde. Hierfür erstellt man z. B. zwischen den vorhandenen Akkorden ein leeres Akkord-Event. Anschließend kann man entscheiden ob nur der Akkord vor dem Event oder auch der nach dem Event mit zur Analyse herangezogen werden soll. Welcher Akkord am Ende vorgeschlagen wird, hängt von einigen weiteren Einstellungen ab (Komplexität, Modus, Typ). Hier kann man auch eine Stilrichtung vorgeben, in welcher man gerade komponiert. Im Inspector der Akkord-Spur kann man weitere Variablen einstellen. So kann das Voicing auf Piano, Basic oder Gitarre sowie verschiedene Stilrichtungen (Rock, Pop, Jazz, etc.) ausgerichtet sein. Ich „warte“ auf den Tag, wo ich im Startfenster meiner DAW nur noch einige Parameter festlege und in 5 Minuten ein fertig abgemischtes Mock-Up / Demo erstellt wird 🙂 Aber Spaß beiseite: Die Akkordspur ist durchaus eine sinnvolle Funktion. Schon alleine um eine Übersicht beim arrangieren zu erhalten. Ich habe zum Teil bestimmte Events nach Akkordsymbolen benannt, um anderen Studios die Akkorde zu visualisieren. Die Akkordspur visualisiert nun zum einen die Akkordstruktur wesentlich schicker, andererseits kann man aber auch leicht einen Akkord ändern und alle Midi- und monophonen (!) Audiospuren folgen dieser Akkordspur. Voraussetzung: Man aktiviert im Inspector der jeweiligen Spur die Option „Akkordspur folgen“! Und bei den Optionen sollte man auch schauen, was passt. So klingt eine eingespielte Pianospur (nur Dreiklänge) mit der Einstellung „Voicings“ sehr gut, bei einer Bassspur klang hingegen „Einzelstimme“ mit der Option „Bass“ naturgemäß besser. Hier muss man selber ein wenig probieren. Aber das einzelne Spuren der Änderung einer globalen Spur folgen, ist sehr hilfreich bei Änderungen im Arrangement! Zusätzlich zu den Akkorden sollte man die passende Skala angeben. Entweder geschieht dies automatisch oder man nimmt das Häkchen dort im Inspector weg und erstellt die Skala selber. Die Akkorde verhalten sich jeweils entsprechend der gewählten Skala.

Netter Nebeneffekt (wenn man schon Akkorde als Events zur Verfügung hat): Die Chords lassen sich per Drag & Drop auf die 8 Buttons von HALion Sonic und auch in den Chorder (Midi Plug-in) ziehen.

Übrigens werden die Mididaten direkt in den Einzelspuren geändert, so dass ein Export als Midifile für ein anderes Studio auch die korrekten Voicings enthält. Sehr gut! Allerdings muss man beim kopieren der Events vorher darauf achten, auch die Akkordspur mit zu kopieren!

Jeder kann spielen?

Wenn man in einer Spur im Inspector unter Akkordspur „Live Transformieren“ aktiviert, kann man theoretisch mit zwei flachen Händen irgendwie im Takt auf die Tastatur klopfen und zumindest die Harmonien stimmen! Irgendwie macht mir das als Keyboarder Angst. Wie soll man noch erkennen, ob das Stück wirklich „vernünftig“ eingespielt oder mit solchen Hilfsmitteln erzeugt wurde? Nachdem Toontrack mit den EZkeys schon das Tätigkeitsfeld von uns Keyboardern betritt, ist nun also Steinberg dran? Aber ich bin bei meiner Liebe zu Gitarren Plug-ins lieber ruhig und wechsel das Thema 🙂

Hermode Tuning

Ich gebe zu, dass ich vorher von Hermode Tuning noch nichts gehört habe. Zwar sind mir verschiedene Klavierstimmungen bekannt aber dieses Tuning musste ich neu in meinen Wortschatz aufnehmen. Was hat es damit auf sich? Nachlesen kann man es am besten hier:

Hermode-Tuning

Es ist aus meiner Sicht ein sehr subtiler aber durchaus festzustellender Unterschied zur „normalen“ temperierten Synthesizer-Stimmung. Es ist nicht zu verwechseln mit dem leichten Detunen zweier Oszillatoren (welches sich ja auf jeden einzelnen Ton auswirkt). Man sollte aber z. B. akustische Pianotracks vom Hermode Tuning ausschliessen, diese aber durchaus zur Analyse heranziehen.

Was mich bei meiner Recherche gewundert hat: Logic hat Hermode Tuning schon seit Logic Pro 7 mit an Bord. Ich habe aber bisher nur die temperierte Stimmung genutzt, weil ich nie auf diese Projekteinstellung aufmerksam geworden bin. Wieder was gelernt.

Aber zurück zu Cubase: Auch hier muss Hermode Tuning zunächst global in den Projekteinstellungen und dann anschließend im Inspector der jeweiligen Kanäle aktiviert werden:

Hermode Tuning

VariAudio 2.0

Nachdem sich mit der Einführung von VariAudio mein Workflow bei Vocals dramatisch beschleunigt hat, legt Steinberg noch ein Schüppchen drauf und erleichtert einem das bearbeiten von Chorarrangements. Nicht nur, dass man nun endlich alle Stimmen in einem Fenster bearbeiten kann, sondern auch die Tatsache, dass die Tonhöhe den Akkorden der Akkordspur angepasst wird ist eine echte Erleichterung. Und wer zu faul ist, seine Chorstimmen manuell zu erzeugen, der nutzt einfach die neue Funktion „Harmoniestimmen erzeugen“:

VariAudio2

Man kann im folgenden Menü die Anzahl der Stimmen sowie die „Glättung“ des Vibratos festlegen.

VariAudio2_1

Das Ergebnis ist natürlich stark abhängig vom Ausgangsmaterial. Bei nur einer zusätzlichen Stimme versucht Cubase meist eine liegende Stimme unter die erste zu legen. Ich für meinen Part lasse lieber live die zweite Stimme einsingen. Aber wenn dies nicht möglich ist oder es nur um ein Demo geht um eine Vorlage für eine Recording Session zu erstellen, kann so eine Funktion hilfreich sein. Zwar bietet Cubase nicht die Flexibilität und die ausgereifte GUI eines Spezialisten wie z. B. „vielklang“ von Zplane, aber man kann hier schon einiges anstellen und hat stets den Vorteil, alles mit Bordmitteln und ohne zusätzliche Investition erledigen zu können. Die Algorithmen selber klingen in Cubase nach wie vor sehr gut aber man sollte ruhig mit den verschiedenen Optionen bei den Algorithmen experimentieren.

VariAudio2_2

Aktuell hat Cubase in Sachen Audiobearbeitung bei allen mir bekannten DAWs klar die Nase vorne! Was sich hier alleine bei Cubase in der letzten Zeit getan hat ist wirklich faszinierend für ein „all in One“ Programm. Lediglich bei polyphonem Material bleibt Melodyne mit seiner DNA Technik nach wie vor ungeschlagen, ist aber auch ein Spezialist für genau diesen Bereich, wohingegen Cubase die Funktion für monophones Material quasi „nebenbei“ beherrscht. Mal sehen, wann ich den ersten Praxis-Einsatz für mehrstimmiges Material habe und ob Cubase nicht bis dahin auch dies ermöglicht.

Die Suche

Suche

Neben der Suche nach bestimmten Kanälen im Mixer kann man nun auch bei den Effekten oder den VST-Instrumenten die Suche bemühen.

Lediglich wenn ich eine neue Instrumenten-Spur hinzufüge, geht das „alte“ Pull-Down-Menü für VST-Instrumente auf, wenn ich auf den Bereich „Kein VST-Instrument“ klicke. Ansonsten gewöhnt man sich sehr schnell an die neue Suche bzw. Ansicht der Instrumente und Effekte. Losgelöst von der neuen Suche kann man natürlich immer noch die Suche über den „Durchsuchen“ Button bemühen um direkt die Track-Presets auszuwählen.

VST Connect SE

Hier schließt sich der Kreis zu meinem Eingangs erwähnten Wandel in Bezug auf die Internetanbindung von Audiorechnern. War Internet auf DAWs noch vor ein paar Jahren ein „no-go“ so ist es nun sogar möglich eine Recording-Session live via Internet durchzuführen. Bisher konnte ich dies noch nicht live testen, werde aber berichten, sobald ich hier erste Erfahrungen gemacht habe.

Funktionen der 6.5er Version

Wer, wie ich, von der 6er Version upgraded, erhält natürlich alle Neuerungen der 6.5er Version, die ich hier nur der Vollständigkeit halber nennen möchte.

  • Padshop (Granular-Synth)
  • Retrologue (virtuell analoger Synth)
  • DJ-EQ
  • Morph-Filter
  • VST Amp-Rack 1.5
  • neue Comping Optionen
  • verbessertes Audio-Warp
  • Sound-Cloud Export

Sonstige Neuerungen

Auch unter der Haube hat Cubase noch einige neue Features erhalten. So zeigt sich Cubase 7 natürlich vollständig kompatibel mit dem neuen Yamaha Nuage-Controller. Mix Convert ist nun im Control Room integriert. Da ich nach wie vor ein klassisches Stereo-Setup besitze, benötige ich diesen Part lediglich um hin und wieder die Mono-Kompatibilität zu checken. Noch interessanter ist MixConvert natürlich für ein 5.1 Setup. Mit Asio-Guard wird Cubase ein Wächter über die CPU Power spendiert um unerwünschte Aussetzer zu vermeiden indem von Cubase mit einem vielfachen der Buffersize das Material im voraus „gesichtet“ wird. Und sollte mal gar nichts mehr gehen, gibt es einen „abgesicherten Modus“, den Steinberg „Safe-Start Mode“ nennt. Weiterhin steht nun optional die gesamte Benutzeroberfläche auch in Portugisich zur Verfügung. Steinberg scheint also speziell in Portugal eine große Fangemeinde zu haben 🙂 Das vielleicht auch, aber Portugisisch ist nicht nur in Portugal, sondern auch in größeren Ländern wie Brasilien (mit knapp 200 Millionen Portugisisch sprechenden Einwohner) die Muttersprache. Bei „MemZap“ handelt es sich um 2 Key-Commands, wovon eines die eingezoomte Position speichert und das andere die herausgezoomte Position. So kann man recht schnell zwei „Snapshots“ seiner Zoomansichten erstellen und hin- und herwechseln.

Neue Sounds und Demo

Demosong

HALion Sonic SE hat mit dem „Hybrid Expansion Soundpack“ 300 neue Sounds spendiert bekommen. Der Groove Agent One 30 neue Construction Kits inkl. Midi Loops vom oben erwähnten Allen Morgan. Und zu guter Letzt hat Sequel mit 2500 Midi Loops auch Einzug in Cubase gehalten. Mit den bereits vorhandenen Sounds hat Steinberg den Grundstock somit weiter erhöht. Und mit den neuen Effekten und Chanel-Strips geht einem das erstellen eines Demos noch schneller von der Hand. Zum Ende meines Tests daher eine kurze Demosequenz, welche von mir ausschließlich mit Sounds aus Cubase 7 erstellt wurde (innerhalb von ca. 2 Stunden inkl. Sounds anhören, einspielen, Rough Mix, VariAudio für die Vocals am Ende und ein wenig Mastering). Mein Vorgehen war diesmal ein komplett anderes als sonst. Ich habe mir keine Gedanken um irgendwelche Voicings oder Akkordfolgen gemacht, sondern lediglich 4 Takte C-Akkorde und Basstöne auf C eingespielt. Anschließend habe ich mir vom Chord-Assistant neue Akkorde vorschlagen lassen und diese „eingezeichnet“ (komisches Gefühl). Sounds habe ich lediglich aus Groove Agent One und HALion Sonic SE mit seinen diversen enthaltenen Expansions genommen. Lediglich die Vocals stammen aus meiner uralten Library „Zero G Datafile Two“. Das die 2. und 3. Stimme leicht unnatürlich klingt, liegt zum einen an der verwendeten Vocalpassage und zum anderen daran, dass ich das automatische Ergebnis nur minimal korrigiert habe. Aber ich wollte es VariAudio ja auch nicht zu leicht machen. Auch in den Mix kann man natürlich noch viel mehr Arbeit stecken aber ich wollte bewusst zeigen, was mit recht wenig Zeit möglich ist. Um sich ein Bild von der Wirkung der Chanel-Strips und den EQs auf den Kanälen sowie den 2 Inserts auf der Summe (Mutliband Comp. und Maximizer) zu machen, kann man sich die zweite „dry“ Version anhören. Dort sind alle Chanel Strips, alle EQs, alle Inserts und Sends auf Bypass.

Version mit Chanel-Strips, EQs, Inserts:

trockene Version zum Vergleich:

Fazit

Ich kann mich noch an meinen Cubase 6 Test erinnern, wo mein Fazit nicht ganz so eindeutig ausgefallen ist. Bei Version 7 ist es für mich absolut eindeutig: Diese Version ist aus meiner Sicht ein Muss für jeden Cubase Nutzer! Ohne „wenn und aber“. Die Upgrade Preise sind fair in Anbetracht der Menge an Neuerungen. Der Mixer alleine stellt für mich einen gewaltigen Mehrwert dar, welcher das Upgrade rechtfertigen würde. Das zusätzlich etliche Neuerungen wie VariAudio 2.0, der Voxengo Curve EQ, neue Plug-ins, neue Sounds, das neue Metering, VST Connect SE, die Akkordspur und vieles mehr mit an Bord sind, lassen einen wirklich im 7. Sequenzer-Himmel wähnen. Auch das öffnen alter Cubase und Nuendo Projekte verläuft ohne Probleme. Daher aus meiner Sicht ein klarer Redaktionstipp und nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ endet das Jahr mit dem für mich besten Cubase aller Zeiten!

alpendeich-Redaktionstipp

 

Markus Cremer

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Preise

  • Vollversion: 519 EUR
  • Update von 6: 191 EUR
  • weitere Updates: siehe Steinberg Shop

Hersteller:

Ergänzende Links:

Systemvoraussetzungen:

Systemvoraussetzungen

Verwendetes Testsystem

  • iMac 27″, Mitte 2011
  • CPU: 3,4 GHz Intel Core i7
  • RAM: 16 GB 1333 MHz DDR3
  • Mac OS X Lion 10.7.5
  • Audiointerface: M-Audio ProjectMix I/O

6 Comments

  1. oliver schmitt
    31. Dezember 2012

    hi markus! danke für den tollen test / überblick. das nenn ich mal ein richtig interessantes cubase update! ich glaube ich werde die „akkordspur“ lieben 😉
    gruss,
    olli

    Antworten
    1. Markus
      31. Dezember 2012

      Hi Olli, vielen Dank für Dein Feedback! Ja, die Akkordspur ist wirklich eine innovative Idee und macht Spaß. VG und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich habe da auch noch das ein oder andere Pack von Dir im Hinterkopf 😉

      Antworten
    2. Jörn
      31. Dezember 2012

      Hey Oliver!

      Cool, dass du hier mal vorbeischaust!

      Komm gut ins neue Jahr!

      Antworten
  2. Jürgen Drogies
    1. Januar 2013

    Sehr interessanter Test, auch für mich als Logic User!

    Kürzlich las ich in einem Artikel über Auto-Lackierungen „Weiß ist das neue Schwarz“. Ist bei der Software jetzt „Schwarz das neue Weiß?“ Am Mac habe ich Final Cut Pro X, Photoshop (lässt sich aber umstellen), und andere Programme mit schwarzem Erscheinungsbild. Kommt auch das nächste Logic „Back in black?“ Sieht schick aus, zugegeben, aber ich kann dunkle Schrift auf hellem Untergrund doch besser lesen. Also mal abwarten!
    Frohes neues Jahr!

    Antworten
    1. Jörn
      1. Januar 2013

      Hey Jürgen,

      dein Kommentar war mein erster Lacher im neuen Jahr. Dangge! 🙂

      Antworten
    2. Markus
      1. Januar 2013

      Hi Jürgen,

      auch Dir vielen Dank für Dein Feedback! „Schwarz ist das neue Weiß“ passt hier wirklich 🙂 Was die Farbgebung angeht, kann man die in Cubase aber in vielen Bereich anpassen. Aber mir persönlich gefällt dieser dunklere Look sehr gut.

      Viele Grüße und ein frohes neues Jahr

      Antworten

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