Test: SPL Vitalizer MK2-T

Der MK2-T ist in der Hardware-Version seit über 18 Jahren im Einsatz. Zwei mir bekannte Tonstudios setzen ihn seit längerem ein. Zum Vergleich stand mir auch die Hardware-Version zur Verfügung. Vielen Dank an dieser Stelle an Burchard! Den Vitalizer gibt es als Hardware übrigens auch noch eine Nummer kleiner ohne Röhre (ohne “T” = Tube in der Bezeichnung) sowie eine Nummer größer als Tube Vitalizer. Das Plug-in bedient also die goldene Mitte, welche auch in vielen Studios zu finden ist.

Wirkungsweise

Was macht dieses Teil? Nun, im Prinzip das Gegenteil des psychoakustischen Effekts eines MP3 Decoders: Der Vitalizer demaskiert “versteckte” bzw. überlagerte Frequenzen um das Klangbild transparenter und druckvoller zu machen. Im Gegensatz zum Exciter fügt er aber keinerlei künstlichen Anteile hinzu sondern verbessert das vorhandene Material. So weit die Kurzversion. Mit welchen psychoakustischen Tricks SPL hier arbeitet ist mir als Musiker letztlich egal 😉

Bedienung

Hier hat SPL wirklich den Vogel abgeschossen. Die GUI und auch die Funktionsweise der einzelnen Regler wurde 1:1 vom Original übernommen.

Hier die Hardware:

VLUU L200 / Samsung L200

Und hier das Plug-in:

Vitalizer Plug-in

Selbst das aufwärmen der Röhren wird durch das 5-fache Blinken des “Active” Buttons simuliert, wenngleich man dies natürlich nicht abwarten muss. Die Software Variante ist sofort „aufgewärmt“. Dennoch ein netter Effekt. Über eben diesen Button kann man das Gerät (sorry: Plug-in) übrigens auch bypassen.

Der Vitalizer besteht aus folgenden Reglern:

GUI_links

  • Drive: Bestimmt die Eingangsverstärkung des zu bearbeitenden Signals.
  • Bass: In der 12 Uhr Position lässt dieser das Basssignal unbeeinflusst. Dreht man ihn nach links, wird der Bass weicher, nach rechts härter. Wie stark diese Bearbeitung dem Originalsignal beigemischt wird, bestimmt der “Process” Regler.
  • Compression: Dieser Regler bedient einen auf den Bassbereich abgestimmten Kompressor. Hier wird nicht das Originalsignal komprimiert, sondern das bearbeitete Signal. Diese Art der Kompression nennt man auch parallele Kompression und findet bevorzugt bei Drums Anwendung (New York Compression). Dem Hauptsignal wird ein komprimiertes Signal hinzugemischt. Dieser Kompressor kommt mit nur einem Regler und einer “GR” (Gain Reduction) Anzeige aus. Das reicht vollkommen. Er packt gut zu und pumpen sucht man vergeblich.
  • Mid-Hi-Tune: Oberhalb des gewählten Wertes liegende Frequenzen werden angehoben, die darunter liegenden werden abgesenkt. Dass die hohen Frequenzen am Regler links liegen, mutet im ersten Moment etwas seltsam an, macht aber Sinn: Je weiter man den Regler nach rechts dreht, desto heller wird das Signal. Neben der Anhebung kann man diesen Regler auch wunderbar zum entzerren einsetzen, wenn man hohe Werte wählt (Regler nach links).
  • Process: Der Regler beeinflusst nicht nur den Bass, sondern auch auf den Mid-Hi Bereich. Nur alleine mit diesen 5 Reglern ergeben sich jede Menge Möglichkeiten.

Tipp

Vergesst die Werte und stellt nach Gehör ein. Geringe Einstellungen mit hohen Process Werten ausprobieren (und umgekehrt).

GUI_rechts

  • LC-EQ: Kümmert sich um die hochfrequenten Bereiche des Materials. Allerdings reicht die Filterung bis 2 kHz hinunter. Hier liegen die tiefen Frequenzen wirklich links 😉
  • Intensity: Auch hier wird das bearbeitete Signal dem Originalsignal hinzugemischt. Den Anteil stellt man über diesen Regler ein. Warum er hier nicht auch einfach “Process” genannt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.
  • Stereo Expander: Dieser Effekt fügt das linke Signal phasenverdreht der rechten Seite hinzu und umgekehrt. Auch hier gilt: Nicht übertreiben und den Korrelationsgradmesser im Auge behalten. Ansonsten könnte es Probleme mit der Monokompatibilität geben. Und Eure Songs sollen doch unter Umständen auch im Radio laufen.
  • Output: Diesen Regler gibt es beim Original nicht. Im Plug-in dient er dazu, den durch die Bearbeitung in der Regel höher gewordenen Pegel nicht über 0dB steigen zu lassen. Eine OVL (Clipping) LED zeigt an, wenn der Pegel die 0dB übersteigt. In der DAW kann und sollte man das natürlich auch genauer im Kanalzug kontrollieren.
  • Settings: Auch diesen Bereich sucht man beim Original vergeblich. Lediglich die Röhre kann man durch das Gitter erkennen. Beim Plug-in lassen sich bis zu 4 Einstellungen speichern und so schnell vergleichen. Ein Vorteil gegenüber der Hardware.

Die Tatsache, dass man die Plug-in-Version auch in Mono-Kanäle einbinden kann, beschert einem die Möglichkeit z. B. seine Kicks oder Bässe gezielt zu bearbeiten.

Mir persönlich gefällt die sehr musikalische Herangehensweise von SPL. Auch wenn man im Vergleich zu grafischen EQs nicht “sieht” was man schraubt, ist gerade dies für mich ein Vorteil. Beim mixen geht’s doch um Sound und den hört man nun mal mit den Ohren und nicht mit den Augen 😉 Mit dem Vitalizer kann man aber nicht nur im Bassbereich Einzelkanäle bearbeiten. Auch Stimmen erhalten die passende Portion “Crisp”.

Generell gilt auch hier

  • Nicht übertreiben
  • lieber mal eine Pause einlegen
  • A/B Vergleiche machen!

Neben dem Bearbeiten von Einzelsignalen und dem Mix gibt es noch eine weitere Anwendungsmöglichkeit: Die Restaurierung von alten Aufnahmen. Ein prominenter User ist hier übrigens Bob Ludwig. Nebenbei kann man natürlich auch als Hifi-Freak seine gekauften CDs durch den Vitalizer schicken. Allerdings ist es hier wie bei einer Droge: Man kommt nur noch schwer davon los und gewöhnt sich an den Effekt.

Hardware vs. Software

Was man bei einem A/B Vergleich bedenken sollte: Der Vitalizer ist nun seit mehr als 18 Jahren auf dem Markt. In dieser Zeit hat es etliche Veränderungen bei den Komponenten gegeben, da die Originalteile oft nicht mehr hergestellt werden. Ich habe zwei Kollegen, welche das Hardware-Original besitzen. Und selbst zwischen diesen beiden wird es bei gleichen Regler-Einstellungen vermutlich Unterschiede geben.

Als Vorlage für dieses Plug-in hat ein Vitalizer aus dem Besitz von SPL’s CEO gedient. Was ich bei mir nachstellen konnte: Nach Gehör kann man sowohl mit der Hardware als auch mit der Software identische Ergebnisse erzielen.

Versuchsanordnung

Als Song dient mir “Lass Dich führen”. Er ist Gema-frei und wurde von Giusi Cammarata und mir für das Benefizprojekt “The Visit” geschrieben. Für den Test habe ich zwei REFs des bereits gemasterten Songs hintereinander geschnitten, damit man einen guten A/B Vergleich hat.

In der Hardware-Variante lasse ich den Song als Wave-File von meinem iPod Classic direkt durch den Vitalizer in die Eingänge meines Audiointerfaces laufen und nehme diesen in Cubase 5.1 auf.

Den gleichen Song habe ich ebenfalls in Cubase geladen und drehe virtuell an den Reglern. Diese lassen sich natürlich automatisieren!

  • Zunächst läuft der Song unbearbeitet
  • Ab dem ersten REF (Refrain) drehe ich an den Reglern
  • Angefangen von links bis rechts drehe ich mich durch die Regler
  • Beim 1. REF-Repeat habe ich die “Endeinstellung” (ca. 0:43) und bypasse im 2. REF-Repeat (ca. 1:14) den Vitalizer wieder.

Denkt ihr auch, dass jemand Euch plötzlich eine Matraze um den Kopf gewickelt hat? Ziel erfüllt 🙂 Das funktioniert natürlich auch mit kommerziellen, komplett gemasterten Titeln!

Die gewählten Einstellungen habe ich bewusst “übertrieben” um den Vergleich deutlicher zu machen. Solche extremen Einstellungen würde ich sonst natürlich nicht wählen!

Zunächst die Software:

Zum Vergleich die Hardware:

Ich habe mir beide Mixe jeweils als Wavefile in Cubase geladen und gleichzeitig laufen lassen. Anschließend habe ich immer wieder zwischen den Spuren umgeschaltet. Die Software klingt in meinen Ohren exakt wie die Hardware. Good Job SPL!

alpendeich-Redaktionstipp

Fazit

Für mich (und einige andere) die zunehmend im Rechner mischen ist dieses Plug-in ein klarer Redaktionstipp. Ich konnte vor etlichen Jahren schon den Effekt der Hardware “bewundern”, hatte seinerzeit aber nicht mal eben 1699,- DM (Ja, damals gab es sie noch!) zur Hand. Ich kann der Software-Variante ohne Probleme bescheinigen, dass sie sich nicht vor Ihrer hauseigenen Hardware zu verstecken braucht. Zum Glück wurde auch die einfache, musikalische Bedienung übernommen. SPL hat hier einen verdammt guten Job gemacht. Man sollte aber kein 1:1 kopieren der Werte erwarten, sondern muss nach Gehör einstellen. Das es sich hier verhält wie mit Zucker oder Salz im Essen, sollte einem auch klar sein: Zu viel ist ungesund. Aber ohne Zucker oder Salz schmeckt’s einfach nicht mehr. In Zukunft geht jedenfalls kein Song bei mir raus, der nicht vorher durch den Vitalizer gegangen ist und das sagt eigentlich alles 🙂

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • System 10.4 oder besser
  • G4 / Intel Core Duo Prozessor
  • 512 MB RAM

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows 2000 oder besser
  • 1 GHz. CPU
  • 512 MB RAM

Schnittstellen

  • AU, RTAS VST, TDM

Preis

Hersteller

 Vertrieb der Plug-ins

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1 Comment

  1. […] Bauteilen handelt. Wenn jetzt hier noch einer sagt, er hört Unterschiede … Als wir z. B. den Vitalizer gemacht haben, meinte Hermann die Software würde irgendwie weniger Bass besitzen als sein […]

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