Test – Sony RX100 – Review

Was haben eBay und die Sony RX100 gemeinsam? Bei mir die Tatsache, dass ich sie über etliche Verkäufe bei eBay finanziert habe und künftige Produktfotos nun mit ihr machen kann. Aber warum noch eine Kamera, wo ich doch mit der Canon EOS 550D eine für „richtige“ Fotos und mit der Sony HX9V eine „immer-dabei“ habe? Die Antwort: weil ich in Sachen Bildqualität doch zu sehr durch die EOS mit dem Canon 50mm f/1.4 verwöhnt bin. Kommt da die RX100 dran? Nein! Aber für 90% aller Fotos die ich so im Alltag mache, ersetzt sie die Canon. Werde ich deswegen die Canon oder die HX9V verkaufen? Ebenfalls nein! Dafür haben alle 3 Kameras unterschiedliche Vorzüge und natürlich auch Nachteile. Schauen wir uns die RX100 mal im Detail an. Zunächst zeige ich ein paar Bilder und anschliessend geht’s weiter im Text.

Beispielbilder

Ich habe mich dazu entschlossen, diese Bilder nicht direkt im Blog, sondern als Journal zu präsentieren (mit iPhoto iOS am iPad erstellt). Die Auflösung wird zwar auf max. 2048 Pixel in der Breite reduziert, dafür aber sowohl am iPhone, iPad als auch auf Desktop Rechnern korrekt skaliert. Zudem kann ich das Journal jederzeit bequem aktualisieren und um weitere Fotos ergänzen. Hier also der Link:

RX 100 Sample Images

Haptik

Wer die RX100 kauft und sich im Nachhinein darüber aufregt, dass sie so klein und flutschig ist, hat die Priorität bei der Herstellung dieser Kamera nicht verstanden. Es geht in erster Linie um Kompaktheit, weshalb sie ja auch per Definition eine Kompaktkamera und eben keine DSLR (digitale Spiegelreflex), keine Bridge und auch keine EVIL (spiegellose Systemkamera) ist. Diesem Umstand sind per aktuellem Stand der Technik gewisse Restriktionen geschuldet, die im Netz immer wieder kritisiert aber aktuell hingenommen werden müssen. Love it or leave it! Kompakt ist die Kamera auf jeden Fall. Ich werde ihr auch keinen Fremdanbieter-Grip verpassen und finde sie gerade durch ihr schlicht gehaltenes Metallgehäuse sehr gelungen. Die reine Optik weckt in mir aber nicht solche Emotionen wie beispielsweise die Fuji X100 oder auch die X10. Gerade die X100 finde ich in Sachen Design sehr gelungen (wenn man auf Retro steht). Die RX100 hingegen kommt eher modern und schlicht daher.

Die Bedienelemente sind allesamt typisch für eine Kompaktkamera, nur den Frontring um das Objektiv findet man nicht in allen Kompakten (aber z. B. in Canons S100).

Spritzwassergeschützt ist sie nicht, was den Einsatz z. B. an der stürmischen Nordsee leider etwas einschränkt. Robust ist sie dennoch, was ich allerdings den Verschlüssen für HDMI oder Micro-USB nicht bescheinigen würde. Bisher halten sie allerdings. Auf ein Stativ montiert oder mit Schnellwechselplatte lässt sich auch leider die Klappe für den Akku und die Speicherkarte nicht öffnen. Aber auch dies sind Dinge, die der Kompaktheit geschuldet sind. Daher: Akzepiert!

Technik

Wer sich für diese Kamera interessiert, hat die technischen Daten schon vor Wochen im Netz aufgesaugt, so dass ich mich hierzu nicht in epischer Breite äußern und Euch langweilen werde. Nur soviel: Es gibt keine andere Kamera auf dem Markt in dieser Größe (und um die und nichts anderes geht es bei dieser Kamera) welche eine bessere Kombination aus Sensor und Objektiv hat. Punkt! Wer über den Preis meckert und meint, dafür bekommt man doch eine NEX oder auch eine DSLR, dem gebe ich vollkommen recht. Wem es nicht auf Kompaktheit ankommt, bekommt für den Preis auch bessere Kameras! Aber es gibt keine bessere Kamera in dieser Größe. Auch nicht für mehr Euros. Diesen Umstand nutzt Sony mit Recht aus und ruft einen Premium-Preis für dieses Alleinstellungsmerkmal auf. Der Markt wird mit Sicherheit nachziehen und ich bin sehr gespannt, was da in naher Zukunft noch kommen wird. Zur photokina habe ich  keine Konkurrenz in dieser Kameraklasse erwartet (was sich mittlerweile bestätigt hat). Daher habe ich sie auch schon vorher geordert und konnte mitterweile über 3.000 Fotos mit ihr machen.

Erster Eindruck

Ein wenig enttäuscht! Wie jetzt? Meine ersten Aufnahmen sind im Esszimmer bei Dämmerlicht ohne Blitz mit ISO 1600 entstanden. Ich habe das gleiche Motiv mit der RX100, der HX9V und der Canon 550D (Tamron 17-50mm f/2.8) gemacht. Die RX100 hatte mit Abstand den schlechtesten Weißabgleich (automatischer Modus) und die schlechteste Belichtung. Und auf dem Kameramonitor war ich jetzt auch nicht sooo begeistert vom angepriesenen geringen Rauschen und der versprochenen Detailtreue bei höherer ISO-Zahl. Natürlich war der 100% Ausschnitt besser als bei der HX9V aber nur in der 100% Ansicht. Bei normaler Betrachtung erkennt man keinen Unterschied (bei meiner Aufnahmesituation). Mit klarem Abstand war die EOS vorne. Die Belichtung, die Detailtreue und auch der Look des Fotos bedingt durch die geringerste Tiefenschärfe und das schönste Bokeh haben mich bestätigt, die EOS gekauft zu haben. Den Eindruck musste ich erst mal sacken lassen und gab der Kamera eine zweite Chance auf unserem geplanten Holland-Wochenende. Und um es vorweg zu sagen: Ich gebe sie nicht mehr her. Es war nur eine erste Momentaufnahme und manchmal trügt der erste Eindruck halt doch.

 

Foto-Modus

Dennoch direkt die Dinge vorweg, die mich stören: Die Offenblende ist bei hellem Sonnenschein leider nicht zu nutzen, da die minimale Verschlusszeit nur bei 1/2000 liegt. Das ist viel zu „lang“ um eine Überbelichtung zu vermeiden. Also hilft nur abblenden, was wiederrum die Tiefenschärfe vergrößert. Ein ND-Filter (siehe Video-Modus weiter unten) wäre auch hier hilfreich gewesen. Und nicht nur bei Offenblende im Sonnenschein, sondern auch bei Langzeitbelichtungen im Tageslicht wäre er das Mittel der Wahl. Denn was die zu lange maximale Verschlusszeit beim Spiel mit der Blende einschränkt, ist beim Spiel mit etwas längeren Belichtungszeiten bei Sonnenlicht die mit f11 immer noch zu „große“ Blende. Bei einer Langzeitbelichtung kommt selbst bei f11 immer noch zu viel Licht auf den Sensor, welches auch nur ein ND-Filter oder eine kleinere Blende verhindern könnte. Eine Sache, die bei Tageslicht ebenfalls problematisch wird, sind Mitziehfotos! Wenn man ein bewegtes Objekt scharf vor unscharfem Hintergrund haben möchte, wählt man in der Regel eine Verschlusszeit von 1/“Geschwindigkeit des Objektes“. Also bei einem PKW mit 50 km/h eine Verschlusszeit von 1/50 sek. Dies ist bei grellem Tageslicht aber zu lang und selbst eine Blende von f11 lässt immer noch zu viel Licht auf den Sensor durch. Auch hier wäre eine kleinere Blende (also höherer Blendenwert) wünschenswert. Ich kann zwar in der ISO Empfindlichkeit auf 80 runtergehen aber das hilft nur bedingt.

Und was begeistert mich? Noch mehr, als die Bildqualität bei ISO 125 (dem scheinbar „nativen“ ISO-Wert der RX100) begeistert mich die Geschwindigkeit der RX100, wenn sie einmal eingeschaltet ist. Das einschalten dauert länger als bei meiner 550D aber dann steht die RX100 ihr in nichts nach (zumindest gefühlt, gemessen habe ich die Werte nicht…wer möchte, kann die im Netz in den Specs aber nachlesen). Sowohl der Autofokus, als auch die Auslöungsverzögerung sind erstklassig. Serienbilder macht die RX100 mit bis zu 10 Bilder in der Sekunde (wenn der Fokus auf dem des ersten Bildes liegen bleibt). Ich habe die Bildvorschau ausgeschaltet und kann so selbst mit Einzelbildern unglaublich schnell manuell auslösen und Serien quasi manuell schiessen. So sind einige schöne „Bewegunsanalysen“ entstanden.

Schön aber bei dem Preis selbstverständlich ist, dass es die typischen Modi P, A, S, M gibt und man 3 komplette Einstellungen speichern und unter MR aufrufen kann. Im Gegensatz zur HX9V besitzt die RX100 eine echte Irisblende und Shutter (S)- und Aperture (A) – Automatik zum kreativen Eingriff in die Belichtung. Dies geschieht mit Hilfe des Frontrings, des Wählrads auf der Rückseite und der Funktionstaste ohne Probleme. Man hat alle wichtigen Werte (Blende, Verschlusszeit und ISO) mit einem Griff und höchstens einem Knopfdruck auf die Funktionstaste direkt im Zugriff. So kann man selbst im manuellen Modus sehr gut arbeiten. Ich habe z. B. ISO immer auf dem Frontring, Blende auf dem Wählrad, „AEL umschalten“ auf der Mitteltaste und über die Funktionstaste alle weiteren Parameter im schnellen Zugriff. Wer sich lieber auf die Automatik verlässt, kann dies bedenkenlos tun, wenn er nicht gerade einen bestimmten Look haben möchte (Spiel mit Verschlusszeit um Bewegungen einzufrieren oder zu simulieren, bzw. Spiel mit Blende um die Schärfentiefe zu  beeinflussen). Aber selbst dies kann man in den Automatikmodi erreichen. In diesen Modi erhält man über die untere Taste am Wählrad Zugriff auf z. B. „Hintergr. defokus.“, „Helligkeit“, „Farbe“, „Lebendigkeit“ und die Bildeffekte.

Für die Spielkinder unter uns hält die Sony diverse Bildeffekte oder Kreativmodi bereit. Einige davon finde ich weniger gelungen, andere hingegen sind sehr „nett“ und manche hingegen richtig nützlich. Auf die nützlichsten gehe ich näher ein: DRO und HDR. Es gibt in der RX100 zwei Möglichkeiten, den Dynamikumfang zu erhöhen:

  • Dynamic Range Optimization (DRO) sowie
  • High Dynamic Range (HDR)

Kurzer Unterschied: DRO ist für bewegte Motive gedacht, da bei nur einem Foto die optimale Helligkeit und Abstufung durch die RX100 ermittelt wird, indem das Bild in mehreren Teilbereichen analysiert wird. HDR hingegen ist für möglichst unbewegte Motive gedacht, da 3 Fotos mit unterschiedlichen Belichtungsstufen zu einem zusammengerechnet werden (verkürzt ausgedrückt). Wer mehr über HDR wissen möchte, dem empfehle ich meinen Test zu HDR Efex Pro von NIK Software.

Die RX100 macht ihren HDR-Job verdammt gut. Sogar Ghost-Artefakte werden so gut es geht herausgerechnet. Dies führt zwar zum Teil zu leicht sichtbaren „Spuren“ im Bild aber das Ergebnis ist schon beeindruckend für den Prozessor einer Kamera. Man kann diese beiden Modi entweder auf „Auto“ stellen oder legt selbst in 5 Stufen (DRO) oder 6 Stufen (HDR) Hand an. Bei DRO sollte man ein wenig das Thema „Rauschen“ im Auge behalten. Bei HDR, ob der Look noch gefällt. A propos „Look“: Wer den typischen (oftmals aber unerwünschten) HDR-Look mit extremen Tonemapping-Einstellungen wünscht, findet diesen nicht unter HDR, sondern im Bereich „Bildeffekt“ unter „HDR-Gemälde“. Da gehört er auch hin! Wer übrigens 3 unterschiedlich belichtete Fotos am Rechner per Software zusammenrechnen möchte, findet in der RX100 leider nur Belichtungsreihen mit maximal +/- 0,7 Blendenstufen. Das ist definitiv zu wenig, so dass man entweder auf die erwähnte integrierte HDR-Funktion zurückgreifen muss oder manuell Belichtungsreihen mit größerem Umfang der Blendenstufen erzeugen muss (was dann aber nur vom Stativ funktioniert). Der Vollständigkeit halber alle Bildeffekte:

  • HDR-Gemälde (Low, Mid, High)
  • Miniatur (links, mitte vertikal, rechts, unten, mitte horizontal, oben, auto)
  • Rich BW (sehr schön!)
  • Soft (Weichzeichner in Low, Mid, High)
  • Hochkontrast Monochrom (siehe Gitarrist in Bibliothek – ebenfalls sehr schön!)
  • Teilfarbe (rot, grün, blau, gelb)
  • Soft High-Key
  • Retro
  • Tontrennung (Farbe, s/w)
  • Pop-Farbe
  • Spielzeugkamera (magenta, grün, warm, kühl, normal)
  • Illustration (Low, Mid, High) – wer Comic Life mag, mag diesen Effekt!
  • Wasserfarbe

Und wo wir bei Effekten sind auch noch kurz die „Kreativmodi“:

  • Standard
  • Lebhaft
  • Porträt
  • Landschaft
  • Sonnenuntergang
  • Schwarz / Weiß

In allen Kreativmodi kann man zudem Kontrast, Sättigung und Schärfe in Werten von +/-3 Stufen anpassen.

Der Panoramamodus ist sehr gelungen, wenn auch das hochauflösende Panorama der HX9V im Hochkantformat fehlt. Man sollte möglichst mehrere Schwenks vor Ort machen, da es schon vorkommen kann, dass die Bildkanten sichtbar werden. Kann, muss aber nicht. Meistens macht auch hier die RX100 einen sehr guten Job aber sicher ist sicher. Daher lieber 3-4 mal den Schwenk durchführen.

Einen Wunsch zum Thema „Spielkind“ hätte ich aber noch: Eine Möglichkeit, Intervallaufnahmen direkt aus der Kamera zu starten. Wieso kann Ricoh das und Sony oder Canon nicht? Für Timelapse Videos wäre die RX100 der ideale Kandidat! Kompakt und tolle Bildqualität. Leider ist sie für diesen „Job“ ungeignet. Und da man eigentlich mit dem aufhört, was hervorgehoben werden soll, füge ich noch den Satz nach, dass die Features der RX100 ansonsten fast keinen Wunsch offen lassen. Alles andere ist jammern auf hohem Niveau und eine Bitte an Sony, diese Punkte (ND-Filter, kürzere Belichtungszeit, kleinere Blende sowie 24 fps) doch bitte in der RX200 zu berücksichtigen!

 

Wiedergabemodus

Die Aufteilung in mehrere Aufnahmeordner für Fotos, AVCHD und MP4 Videos ist zwar gewöhnungsbedürftig aber für mich nicht weiter schlimm. Eine Filterfunktion mit der man entscheiden kann, welche Medien man sichten möchte, diese aber alle im selben Ordner liegen, wäre noch besser gewesen. Aber die Dateistruktur der Videos ist bei Sony halt losgelöst von denen der Fotos.

Bei der Durchsicht der Fotos direkt an der Kamera hat sich Sony einige praxisnahe Funktionen überlegt. Allen voran ist der direkte Sprung in die 100% Ansicht bei Betätigung des Zoomschalters. Man kann anschliessend wieder sanft herauszoomen. Aber oftmals möchte man ja genau in die 100% Ansicht reinzoomen. Auch wenn man mehrere Fotos vergleichen möchte, geht dies in der 100% Ansicht. Einfach mit dem Zoom in 100% Ansicht gehen und über das Wahlrad zum nächsten Bild wechseln. Die Ansicht verweilt auf 100%. Klasse gelöst und sehr praxistauglich für das schnelle Sichten und Löschen von Fotos.

Was ist denn nun mit Low-Light?

Die RX100 wird in den höchsten Tönen für ihre Rauscharmut bei hohen ISO-Werten gelobt. Sie geht theoretisch sogar bis ISO 25.600 (!). Bei Werten über 6.400 rechnet sie das Rauschen aber mit Hilfe mehrerer Aufnahmen heraus, ähnlich wie auch der iA+ Modus arbeitet. Somit eignen sich diese ISO-Werte nur für unbewegte Motive und ohnehin nur zu dokumentarischen Zwecken, wie man sich denken kann. Dennoch war ich über ein Bild bei ISO 25.600 überrascht. Für kleinere Web-Ansichten ist das besser als nichts. Bis ISO 6400 kommt die RX100 mit einem Bild hin. Um es auch hier vorweg zu nehmen: Ich bin zwar nicht so begeistert wie die Fachpresse beim reinen ISO-Rausch-Vergleich aber bei weitem auch nicht enttäuscht. Sie schlägt sich mehr als wacker und liegt erwartungsgemäß in Sachen Rauchen zwischen der EOS 550 und der HX9V allerdings deutlich näher an der EOS. Die Vorteile der RX100 gegenüber der HX9V fallen aber dennoch nur in der Detailansicht auf, wohingegen mir der Look der EOS nicht nur in Sachen Rauschen auch bei Normalansicht besser gefällt! Überhaupt finde ich die Aufnahmen aus der EOS irgendwie „knackiger“.

Was aber natürlich ein Riesenvorteil der RX100 gegenüber der HX9V und auch den normalen Kit-Objektiven der DSLRs ist: Ihre große Blende mit 1.8 ermöglicht es viel länger bei niedrigeren ISO-Werten zu bleiben! Und darin liegt der eigentliche Clou. Das sie dazu auch noch relativ rauscharm bleibt und man bedenkenlos bis ISO 1.600 gehen kann, rundet die Sache ab.

Daher macht die RX100 sehr viel Spaß, was hauptsächlich daran liegt, dass ich sie immer mitnehmen kann und nicht viel an Bildqualität (wohl aber beim Look) gegenüber meiner EOS einbüße.

Video-Modus

„Endlich komplett manuelle Belichtung für Videos“ war mein erster Gedanke beim sichten der Specs. Und mein zweiter war auch hier „Oh Mann: kein ND-Filter und kein Filtergewinde“. Und auch wenn es ND- und Polfilter wohl von Drittherstellern zum befestigen mittels Magneten geben wird, denke ich mir „Mann Sony, warum war kein ND-Filter möglich?“. Das bei Blende und Verschlusszeit mechanische Restriktionen eine Rolle spielen, kann ich gelten lassen. Einen variablen ND-Fader hätte man aber doch wohl noch spendieren können. Denn wer sich ein wenig mit „Cinema-Look“ bei Videos auseinandersetzt, kennt die 180 Grad Shutter Regel. Sprich: Bei einer Aufnahme mit 25 fps wähle ich eine Verschlusszeit von 1/50. Bei 50 fps, welche man in der Timeline wunderbar und verlustfrei für 50% Slow Motion Aufnahmen verwenden kann, entsprechend 1/100. Das diese Werte gepaart mit Offenblende 1.8 bei grellem Sonnenschein ein total unbrauchbares, weil überbelichtetes Ergebnis bringen, ist Fakt. Auch wenn der immer noch zu kleine Sensor ohnehin nicht den Videolook und die geringe Schärfentiefe eines APSC oder Vollformatsensors erreichen kann, so möchte ich zumindest in Sachen Bewegungsunschärfe das Material im gleichen Look wie das meiner EOS haben, um die Videos mischen zu können. Das wird bei Aufnahmen ohne grelles Licht auch gehen aber eben nicht bei Tageslicht mit Sonnenschein. Sehr schade! Hier hoffe ich sehr auf die RX200. Weiterhin fehlt ihr für Videos im Cine-Look die Aufnahme mit 24 fps. Sehr schade! Das wäre der Hammer gewesen!

Nichtsdestotrotz ist der manuelle Modus bei Lichtverhältnissen, die eine Offenblende erlauben, ein echter Vorteil gegenüber anderen Kompaktkameras. Die bieten keinen manuellen Modus für Videos (zumindest kenne ich gerade keine, die auch in 50 fps bei 1080p aufnimmt und in die Hosentasche passt). Wer ein möglichst „flaches“ Bildprofil für das anschließende Color Grading nutzen möchte, kann in der RX100 im Bereich „Kreativmodus“ einfach Kontrast, Sättigung und Schärfe reduzieren.

Ein Schmankerl hat Sony der RX100 dann aber doch gegönnt: Peaking beim manuellen fokussieren. Das haben zum Teil noch nicht einmal teurere Kameras! Daher hier wiederum Hut ab. Peaking umrandet farbig (rot, gelb oder weiß) die scharfen Bereiche. Dies erleichert einem sowohl im Video- als auch im Fotomodus das manuelle fokussieren. Im deutschen ist die Funktion übrigens mit „Kantenanhebungsstufe“ übersetzt. Sie kann wahlweise ausgeschaltet, auf niedrig, mittel oder hoch gesetzt werden. Alternativ dazu kann beim manuellen fokussieren (aber leider nicht im Videomodus!) die „MF-Unterstützung“ aktiviert werden, welche den Bereich vergrößert um das fokussieren zu vereinfachen.

Für alle „Familienvideos“ gilt bis auf den eingeschränkten Brennweitebereich auch  das, was an der HX9V gilt: Auf Automatikmodus stellen und auf die Gesichtserkennung und -Verfolgung vertrauen und sich zu 90% über ein absolut zufriedenstellendes Ergebnis freuen! Bei Low Light legt die RX100 noch einmal ein gutes Schüppchen in Sachen Rauschfreiheit drauf. Dafür ist der Stabilisator nicht ganz so exzellent wie der der HX9V. Aber immer noch sehr, sehr gut! Einen Camcorder braucht man heutzutage höchstens noch aus Haptikgründen. Ansonsten empfehle ich an der RX100 eine Displaylupe und schon hat man einen weiteren Auflagepunkt und eine Camcorder-ähnliche Haptik.

 

Die RX100 und das iPad

Meine bisherigen Workflows für unterwegs auf dem iPad in iPhoto (iOS) funktionieren mit der hohen Auflösung der RX100 nur bedingt. Da die maximale Auflösung für iPhoto (bis iOS 5) 19 Megapixel (*iOS 6: siehe Update weiter unten!) beträgt, werden die Bilder der RX100 im 3:2 Format von 20 auf nur noch 5 Megapixel kompirimiert. Um dies zu umgehen, kann man die RX100 einfach auf das native iPad Format 4:3 umstellen, in welchem sie in „feiner“ Qualitat 18 Megapixel liefert. Zum einen passen die Fotos so genau ohne Ränder auf das iPad Display und zum anderen kommen sie über das Camera Connection Kit in voller Auflösung auf das iPad. Zwar ist für Fotoprints das 3:2 Format idealer (weil es den gängigen Papiergrößen entspricht) aber bei der Arbeit mit dem iPad ist 4:3 aus den genannten Gründen das Format der Wahl. Ansonsten bietet die RX100 übrigens noch das 16:9 Format (max. 17 Megapixel) oder das 1:1 Format (max. 13 Megapixel), welches ich aber lieber im Nachhinein croppe.

* Update iOS 6: Der beste Grund für mich auf iOS 6 und die neue Version von iPhoto für iOS 1.1 upzudaten, ist der Import von Bildern bis zu 36,5 Megapixel! Dies gilt leider nur für iPad 3 und iPhone 5. Gut, dass ich vor kurzem auf das neue iPad umgestiegen bin (Link auf alte Artikel).

Im Videomodus erkennt das iPad nur Filme, welche im MP4 Format vorliegen. Leider bietet hier die RX100 nur 1.440 x 1.080 mit 25 fps an. Das ist zwar für Videos auf dem iPad oder für die Bereitstellung in Journalen mittels iPhoto in Ordnung aber dennoch wären mir hier 1.920 x 1080 mit 24 oder 25 fps oder zumindest 720p in 24 fps oder 25 fps lieber gewesen. Wer die Videofunktion richtig ausnutzen möchte, filmt aber ohnehin in AVCHD mit 1080p bei 50 fps. Dieses Format wird bei mir am iMac oder MacBook Pro mit FCPX importiert und geschnitten.

Zubehör

Neben den obligatorischen Speicherkarten benötigt man mindestens einen Zusatzakku. Da diese nur in der Kamera geladen werden können und Sony kein externes Ladegerät mitliefert, habe ich mir ein Ladegerät inklusive 2 Ersatzakkus von Bundlestar* geordert. Dieses hat sogar ein Ladekabel für PKWs mit dabei und funktioniert einwandfrei. Schon bei meiner Canon habe ich gute Erfahrungen mit Ersatzakkus von Drittanbietern gemacht. Aber eine Garantie, dass diese die gleichen Werte haben wie Originalakkus gibt es naturgemäß nicht. Auch an die Qualität eines Ladegerätes im unteren Preissegment knüpfe ich nicht die hohen Erwartungen wie an eines z. B. von Ansmann. Bisher hatte ich allerdings Glück. Ich nutze für die RX100 das Bundle von Bundlestar.

Als Tasche habe ich mir ebenfalls von Bundlestar eine günstige Ledertasche ohne Reißverschluss* geholt. Sie passt wunderbar an einen Gürtel und die Kamera lässt sich ohne Möglichkeit diese zu verkratzen aus dem Gehäuse nehmen.

Als nächstes Zubehör wird definitiv der Filteraufsatz von Carryspeed gekauft (sobald lieferbar). Dann kann ich den 58mm ND-Fader verwenden, der bereits bei meinem Canon 50mm f/1.4 zum Einsatz kommt.

Fazit

Wer direkt zum Fazit gescrollt hat: Ab zurück nach oben 🙂

Dennoch hier mein kurzes Fazit, welches aber den gesamten Test nicht ersetzt. Ich habe den Kauf bisher keine Minute bereut und habe die RX100 fast immer dabei. Sie bietet jede Menge kreative Freiheit und eine Bildqualität, die sich auch für größere Prints oder Ausschnittvergrößerungen eignet. Der Videomodus ist mit den manuellen Einstellmöglichkeiten sicher einer der besten, welchen man im Hosentaschenformat erhält. Hier kann ich als Alternative – wenn man auf manuelle Kontrolle, die große Blende und Peaking verzichten kann – die HX9V oder ihre Nachfolger empfehlen.

Das Sony sich das kompakte Format der RX100 gepaart mit 1″ Sensor und hochwertigem Carl Zeiss Objektiv gut bezahlen lässt, kann man nur akzeptieren oder nicht. Ich jedenfalls wollte nicht warten, bis die Konkurrenz nachzieht oder die RX100 im Preis fällt. Bis dahin habe ich mit der Sony schon viele tolle Momente eingefangen. Als „early Adopter“ zahlt man halt einen Aufpreis. Die negativen Punkte (fehlender ND-Filter, nur 1/2000 sek., nur f/11, keine 24 fps im Videomodus) akzeptiere ich, zumal es bald den oben erwähnten Filter Adapter geben wird, der 3 von 4 Kritikpunkten ausräumt.

Ich bin mir sicher, dass irgendwann die Technik so weit ist, dass sich Vollformatsensoren in einem solchen Gehäuse befinden…Ups, die RX1 kommt ja auch bald…so lange ist „irgendwann“ also nicht mehr hin. Ich bin gespannt, was noch alles auf uns Kamera-Nerds zukommt und wünsche Euch viele gute Fotos.

Markus Cremer

Sony DSC-RX100 Cyber-shot Digitalkamera (20 Megapixel, 3,6-fach opt. Zoom, 3 Zoll Display, 1 Zoll Sensor, lichtstarkes 28 – 100 mm Zoomobjektiv F1,8 – 4,9, Full HD 50 fps, bildstabilisiert) schwarz*

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11 Comments

  1. Jörn
    14. Oktober 2012

    Sehr guter Artikel! Die Kamera wird tatsächlich überall sehr positiv bewertet.

    Antworten
    1. Markus
      16. Oktober 2012

      Hi Jörn, danke für die Blumen 😉 Die Kamera besetzt halt eine Nische, die bisher kein Hersteller so konsequent besetzt hat. Das passt sicherlich nicht für jeden aber in meinem Fall hat’s einfach gepasst.

      Antworten
      1. Jörn
        16. Oktober 2012

        Noch konsequenter scheint mir die neue Vollformat-Kompakte von Sony. Sehr interessantes Teil!

        Antworten
        1. Markus
          16. Oktober 2012

          Auf jeden Fall! Aber das ist eine Hausnummer, bei der man noch länger überlegen muss. So viele Sachen könnte ich gar nicht bei eBay verkaufen…

          Antworten
  2. peter
    17. Mai 2014

    Schöne Aufnahmen!

    Antworten
    1. Markus
      17. Mai 2014

      Danke 🙂 Den Link am Anfang des Artikels auf das Foto-Journal hast Du auch gesehen?

      Antworten
      1. peter
        17. Mai 2014

        Danke für den Hinweis, den ich überlesen habe, damit ich schneller zu den s/w Fotos komme. Vor allem das zweite hat es mir angetan. Genial finde ich, dass sich die Struktur oben wie unten findet….

        Und bei den anderen habe ich auch schon einige gefunden, die mir sehr gut gefallen. Das mit dem Rad und der langen Belichtungszeit… aber das wäre jetzt den anderen Fotos unfair, weil mir da noch andere sehr gut gefallen.

        Antworten
  3. peter
    17. Mai 2014

    Sollte heissen „Danke für den Hinweis. Den Link habe ich überlesen, …“

    Antworten
  4. Markus
    17. Mai 2014

    Dachte ich’s mir doch 🙂 Ich sollte die Fotos vielleicht mal direkt in den Artikel einbauen.

    Antworten
  5. Sven
    29. August 2016

    Super Artikel. Wenn ich auch etwas spät lese 😀

    Bin auch gerade am Überlegen ob ich mir diese Kamera Kaufe.
    Als Hauptkamera habe ich auch die 550D 😀
    Das mit der Blende von max. 11 ist natürlich naja wenn man mal sehr Helles Licht hat.
    Wie lange ist die Belichtungszeit von der Kamera was man maximal einstellen kann. ?
    Und vor allem haben Sie immer noch Freude an der Kamera ?

    Antworten
    1. Markus
      29. August 2016

      Hallo Sven, danke für Dein Lob. Gerade heute habe ich noch an die RX100 gedacht, weil ich sie genau vor 4 Jahren gekauft habe 🙂

      Die kürzeste Belichtungszeit liegt bei 1/2000 und die längste Belichtungszeit bei 30 Sekunden. Wenn es länger sein soll, kann man aber auch mittels Bulb eine beliebig lange Verschlusszeit wählen. Es gibt nach wie vor Filteradapter für die Kamera, mit denen man ND-Filter anbringen kann um weniger Licht durchzulassen. Sei es für Fotos mit Offenblende bei Sonnenlicht oder Langzeitbelichtungen.

      Ich selber habe sie (leider) nicht mehr aber sie ist in guten Händen. Ich habe dafür mittlerweile aber die Fuji X100S. Aber das sind zwei unterschiedliche Ansätze. Ich kann die RX100 immer noch bedenkenlos empfehlen. Allerdings gibt es natürlich mittlerweile 3 Nachfolgemodelle zu recht ambitionierten Preisen. Geht es nur um Fotos (und weniger um Video), sind die Ergebnisse der RX100 qualitativ nicht viel anders als die der Nachfolgermodelle. Für mich immer noch ein klarer Preis/Leistungssieger. Wenn man eine gute Gebrauchte findet (um die 250 EUR) kann man nichts falsch machen. Ich habe selbst die 649€ nicht bereut und dafür bekommt man mittlerweile die RX100 III (wobei die aus unerklärlichen Gründen wieder 100€ teurer als vor einem Jahr ist!). Viele Grüße, Markus

      Antworten

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