Test: SCHWEBi

Passend zu meiner neuen Canon EOS 550D und dessen Videofunktion habe ich mir das Schwebestativ mit dem lustigen Namen „SCHWEBi“ bestellt. Jens Deutscher bietet über seine Internetseite das Stativ in 2 Varianten an. Ich habe mich für den Typ „sc“ mit Schnellwechselplatte MA 200PL-14 von MANFROTTO entschieden. Ob das Motto „Jeder kann schweben“ auch auf mich zutrifft, werde ich nach diesem Test wissen.

Hintergrund

Wer sich gefragt hat, wie diese ruhigen Kamerafahrten in Filmen zustande kommen, wird beim Suchen schnell über den Begriff „Steadycam“ stolpern. Bei der Preissuche werden die meisten von uns (mich eingeschlossen) aber erst einmal das Thema verwerfen. Schaut man nach dem ersten Schock genauer hin, findet man ein paar wenige preisgünstigere Lösungen. Das SCHWEBi liegt in genau in der goldenen Mitte dieses erschwinglichen Preisgefüges.

Lieferumfang

  • Transporttasche
  • Bedienungsanleitung
  • SCHWEBi (mit diversen Gewichten und zweitem Kugellager)
  • Kameraplatte
  • Inbusschlüssel

Für welche Kameras ist das SCHWEBi gedacht?

Man kann Kameras (Camcorder oder DSLR’s) von 400 gr. bis 1.200 gr. verwenden. Da es sich um ein Balance-System handelt, hängt dieser Bereich schlicht mit der Konstruktion und dem Gewicht der Gegengewichte zusammen. Auf Anfrage gibt es beim Hersteller aber auch eine Möglichkeit für besonders leichte Camcorder ab 250 gr.

Wie gut funktioniert das ganze?

Ich habe mich an der Anleitung und am vorhandenen Video auf der Webseite orientiert und nach ca. einer halben Stunde (inkl. auspacken, zusammenbauen und trimmen) konnte ich einen ersten Test mit meiner 550D und dem 18-55er Kit-Objektiv machen. Erster Eindruck: es funktioniert! Eventuell macht sich hier das geringe Gewicht des Kit-Objektivs positiv bemerkbar. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei kopflastigeren Kombinationen etwas komplizierter ist. Ich habe den Test mit dem etwas schwereren Canon 50mm f/1,4 wiederholt und auch hier lässt sich feststellen, dass die einsatzbereite Kamera gut zu trimmen ist. Einen Test mit meinem 55-250er Telezoom habe ich mir geschenkt, da ich damit höchstens auf dem Stativ filmen werde. Ich hatte jedenfalls mit größeren Anfangsproblemen gerechnet. Wer, wie ich, zum ersten Mal mit einem Schwebestativ arbeitet, wird sich aber an die etwas ungewöhnliche Haltung gewöhnen müssen. Aber das ging schon am zweiten Tag erstaunlich gut und so waren auch Treppen kein Problem mehr. Bei Kurven sollte man immer seinen ganzen Oberkörper mitbewegen und nicht nur die Hand. Man sollte aber darauf gefasst sein, bei Außenaufnahmen etwas komisch angeschaut zu werden.  😀

Wie wird es getrimmt?

Damit ich nicht die (sehr gute) Anleitung wiedergebe, empfehle ich dem interessierten Leser die Lektüre der selbigen. Zu finden ist die Anleitung hier nicht mehr, da es die Seite leider nicht mehr gibt, bzw. sich in der Domain ein Virus eingenistet hat. Weiterhin wird es im Videobereich der Seite sehr anschaulich erklärt (auch den gibt es nicht mehr). In der Praxis funktioniert das auch wirklich gut. Allerdings muss man es nach Benutzung (wenn man es zusammen klappt) erst wieder neu trimmen, was mit etwas Übung aber immer schneller geht. Hier hätte ich mir eine Art „Fixierung“ gewünscht. Der Vorteil der DSLR’s ist hier natürlich auch ein Nachteil: Beim wechseln des Objektivs muss man ebenfalls neu trimmen. Übrigens ist das erzielen der horizontalen Balance in meinen Augen der schwierigere Part. Im Gegensatz zur Feinjustierung bei der vertikalen Balance kann man hier nur den Gewichtsträger nach links oder rechts neigen. Das kann etwas „frickelig“ sein. Aber unterm Strich ist es keine Hexerei und wie vieles einfach nur „Übungssache“.

Welches Modell?

Ich empfehle wärmstens den Typ „sc“, damit man auch mal schnell auf ein Ein- oder Dreibeinstativ ausweichen kann. Dieses sollte dann natürlich auch eine Schnellwechselplatte besitzen. Weiterhin sollte man beim Filmen natürlich den Kameragurt abnehmen, da er sonst ständig im Weg „rumbaumelt“.

Wie sieht das Ergebnis nun aus?

Dazu habe ich ein kurzes Beispielvideo aufgenommen.

SCHWEBi-Video

Alternativen

  • Es gibt ein noch günstigeres Schwebestativ von Manfrotto: MODO STEADY 585. Es liegt preislich unter 100 Euro und bietet gleich 3 Funktionen in einem Stativ. Darunter eben auch die eines Schwebestativs. Es kann aber nur Kameras bis max. 750 gr. Gewicht aufnehmen. Da liegt man mit einer DSLR schnell drüber. Über die Verarbeitung des Manfrotto kann ich nichts sagen, da es mir nicht vorlag.
  • Mindestens 100 EUR teurer (z. Z. mit Jubiläumsrabatt für 289 Euro) gibt es das SteadyWonder. Dieses verwendet ein Trichterdrehlager, welches hauptsächlich bei leichteren Camcordern ein Vorteil sein könnte. Es besitzt einen geringeren Drehwiderstand als ein Kugellager. Allerdings gibt es beim SCHWEBi genau aus diesem Grund auch zwei verschieden starke Kugellager. Das SteadyWonder kann man für Kameras von 200 gr. bis 1.300 gr. nutzen und ist ohne Gegengewichte ca, 130 gr. leichter als SCHWEBi. An einer Version für Camcorder bis 2 kg wird noch gearbeitet. Auch dieses Stativ lag mir nicht vor.

Das gefällt mir nicht

Es gibt keine Sicherungsmechanismen gegen das Fallenlassen der gesamten Videoeinheit. Weiterhin gibt es keine Befestigungsmöglichkeiten für externe Monitore. Eine Nachfokussierung – bei DSLRs – ist nicht möglich, da das Video durch die Berührung der Kamera selbst bei Verwendung eines Follow Focus verwackeln würde.

Das gefällt mir

Die Verarbeitung ist in meinen Augen hochwertig und „Made in Germany“. Es handelt sich nicht um „China-Ware“. Selbst für Anfänger ist das SCHWEBi leicht zusammen zu bauen und es kam zumindest bei mir zu keinem Frusterlebnis. Im Gegenteil: Die ersten Erfolge hatte ich eine halbe Stunde nach dem auspacken. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt hier ebenfalls, da professionelle Varianten um ein vielfaches teurer sind. SCHWEBi lässt sich sehr gut transportieren und passt auch ins Handgepäck. Für meine Zwecke (und die vieler anderer Hobbyfilmer) leistet dieses Stativ sehr gute Arbeit. Wer sich zu dieser Zielgruppe zählt, dem kann ich SCHWEBi bedenkenlos empfehlen. Daher vergebe ich hier – auch unter Brücksichtigung des Preises – gerne die Testnote „1“.

Markus Cremer

Preise

  • Typ „s“: 155,00 Euro plus Versand/Lieferung
  • Typ „sc“: 189,00 Euro plus Versand/Lieferung

Hersteller / Bezugsquelle

  • www.sonderstative.de Link entfernt, da es die Seite leider nicht mehr gibt, bzw. sich in der Domain ein Virus eingenistet hat. Also bitte nicht mehr aufrufen! Danke an Dirk für den Hinweis.

12 Comments

  1. Maik
    24. Mai 2010

    Wow, der Testfilm ist wirklich gelungen!

    Antworten
  2. Karl
    24. Mai 2010

    Klasse Video.

    Oder wenn man sowas verwendet:

    http://vimeo.com/11835819

    kann das herauskommen:

    http://vimeo.com/11673745

    Ich bin immer noch sprachlos von dem zweiten Video.

    Gruß
    Karl

    Antworten
  3. Markus
    25. Mai 2010

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für Euer Feedback! Hat auch Spass gemacht, damit zu experimentieren.

    @Karl: So etwas passt dann aber nicht mehr ins Handgepäck bzw. ins Budget 😉 Aber das Ergebnis ist natürlich super.

    Gruß

    Markus

    Antworten
  4. sillybird
    31. Mai 2010

    Hallo Markus

    Netter Test. Ich habe das Schwebi seit ca. 2 Wochen. Auf Anfrage bezüglich Maximalgewicht fürs Schwebi hat mir Hr. Deutscher bis 1350g das Funktionieren zugesichert. Das schwerste Objektiv, dass ich bis heute mit der 550d und dem Schwebi getestet habe ist das EF-S 15-85mm/3.5-5.6 IS USM (ca. 600g), total mit der Kamera und Manfrotto Plate 1.15kg. Funktioniert einwandfrei, ausser dass einem der Arm nach kurzer Zeit abfault 😉

    Gruss

    Antworten
  5. Markus
    1. Juni 2010

    @sillybird: Super, dass es geklappt hat. Das einem der Arm abfault, glaube ich bei einem Gewicht von 1,15kg gerne 😉

    Antworten
  6. ümit
    30. Juli 2010

    ich finde das man leider nicht einfach von links nach rechts oder umgekehrt die kamera drehen (SCHWENKEN) kann.

    Vielleicht kennt ihr einen trick??

    Antworten
  7. Anne
    15. August 2010

    Hey Markus,

    ich habe auch vor mir für meine 550d ein Schwebestativ zu kaufen. Das SCHWEBi habe ich mir natürlich auch angesehen, ich war mir nur nicht sicher wegen des Gewichtes (Body+Objektiv). Da kam mir dein Testbericht gerade recht.
    Schön zu sehen, dass das SCHWEBi so super funktioniert mit eine 550d.

    Eine Frage hät ich da aber noch:
    Ich habe gesehen, dass du die Schärfe gezogen hast (relativ am Anfang des Videos – von Schild auf Hintergrund) und wenn ich mich nicht getäuscht habe, hat das SCHWEBi nicht als zu sehr gewackelt.
    Hast du die Schärfe mit der Hand gezogen? Ist das einfach mit dem SCHWEBi?

    Antworten
  8. Markus
    15. August 2010

    Hallo Anne,

    zum manuellen fokussieren habe ich die Kamera nicht am SCHWEBi-Griff, sondern an der Kamera selber angefasst. Wenn die Kamera „frei“ schwebt, kannst Du die Schärfe nicht per Hand nachziehen, da die Kamera dann definitiv verwackelt. Für solche Aktionen musst Du die Kamera fest in der Hand halten.

    Viele Grüße

    Markus

    P.S.: @ümit: Wenn die Kamera ausbalanciert ist, sollte das Schwenken von links nach rechts kein Problem sein. Evtl. musst Du nochmal ein wenig die Balance nachjustieren. Die Kamera muss sowohl vertikal als auch horizontal in der Balance sein.

    Antworten
  9. Tony
    29. August 2010

    Hallo,
    nach den Testvideos und den „nur“ positiven Kommentaren habe ich heute mit großen Erwartungen den Schwebi getestet.
    Es blieb leider beim Versuch,egal wie ich es auch einstellte,es pendelte immer.Die Sony HDR SR11 in die Waagerechte zu bringen klappte,aber dann pendelte es immer um die eigene Achse sogar,vom „schweben“ keine Spur.Und wenn man das Gefühl hat,man ist nah dran und verstellt um einen mm etwas,dann kippt plötzlich die Kamera.Habe starke Oberarme,aber irgendwann geht nix mehr und die Nerven liegen blank.
    Werde es morgen wieder zurückschicken.
    Glückwunsch an alle die es „geschafft“ haben.

    Antworten
  10. Tommy
    1. März 2011

    Hast du über das Video noch einen „Entwacklungs“-Filter laufen lassen (so wie z.B. Smooth-Cam von FCP)? Das Bild verzieht sich manchmal so komisch… oder ist das nur der normale Rolling-Shutter-Effekt?

    Antworten
  11. markus
    1. März 2011

    Hi Tommy, da sind ca. 2-3% Stabi von iMovie reingerechnet. VG, Markus

    Antworten
    1. Tommy
      1. März 2011

      hab ich’s mir doch gedacht 😉

      Antworten

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