Test: Native Instruments Kore Soundpacks

Mit dem Kore-Player bietet Native Instruments mittlerweile in Version 2.1 eine kostenlose Einstiegsdroge in die NI-Library. Für einen reinen Preset-Player hat NI hier meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Den Kern des Kore-Players bilden die Engines der wichtigsten NI-Produkte. Zwar hat man nicht die Edit-Möglichkeiten der Hauptprodukte aber das will man als “Player-User” ja meist auch nicht. Die Oberfläche ist intuitiv und lässt dennoch drastische Soundänderungen zu. So bietet ein Kore-Sound bereits 8 Variationen, die man stufenlos ineinander morphen kann. Dabei lassen sich alle Parameter schnell per Midi-Learn auf Hardware-Contoller legen.

Im kostenlosen Kore 2 Player sind bereits 400 MB verteilt auf 150 Instrumente und Effekte enthalten. Mit der Holiday Selection gibt es aktuell noch 45 weitere Sounds dazu. Wer darüber hinaus Bedarf hat, kann sich in dem reichhaltigem Fundus an Expansions austoben. Diese fallen preislich alle relativ moderat aus und die Palette deckt eine sehr hohe Bandbreite ab. Frei nach dem Motto “Kleinvieh macht auch Mist”, kommt für alle Expansions dennoch eine stattliche Summe zusammen. Ich persönliche finde aber diese flexible Art, seinen Soundfundus zu erweitern, recht praktisch. Sowohl für den Käufer als auch für Native Instruments. Ausserdem erinnert es mich an die gute alte Zeit der Soundpacks für Synthesizer.

Dieser Test gibt einen Einblick in die folgenden Expansions

  • Best of Reaktor Vol.1 / Reaktor Spark
  • Kontakt Sax&Brass
  • Massive Expansion Vol.1 & 2
  • Urban Arsenal

Für den Test habe ich den Kore 2 Player unter Cubase 5.1.1 verwendet.

Installation

NI-typisch werden alle Soundpacks nach dem Herunterladen und Installieren einfach per NI-Service-Center aktiviert und sind einsatzbereit. Einfacher geht’s fast nicht.

Teil 1 – Best of Reaktor Vol.1 / Reaktor Spark

Best of Reaktor Vol.1

Reaktor Spark

Die 200 Sounds (75 MB Download) von Best of Reaktor Vol.1 wurden mit folgenden Reaktor Ensembles erstellt:

  • Gaugear
  • Limelite
  • Metaphysical Function
  • Newscool
  • Photone
  • SpaceDrone
  • SubHarmonic
  • Titan
  • Travelizer

Geliefert werden einem Atmos, Grooves, Leadsounds, Bässe, Akkorde und Soundeffekte. Eine Erklärung der Reaktor-Ensembles findet man im englischem Manual zu “Best of Reaktor” auf der Produkt-Seite.

Das komplett neue Reaktor Instrument “Spark” hat NI-Gründer Stephan Schmitt entwickelt. Es ist laut seiner Aussage speziell auf Ihn zugeschnitten. Und er sieht es daher haupsächlich im Live-Einsatz. Die 200 Sounds (6 MB Download) in diesem Soundpack sind in der Tat sehr dynamisch und laden zum Jammen ein. Wie bei allen Kore-Sounds gibt es 8 Variationen pro Sound. Das macht sich gerade hier bemerkbar. Mit wenigen Controllern erzielt man gewaltige Änderungen.

Bei den Reaktor Sequenzen bzw. Loops gilt es zu beachten, dass der Sequencer gestartet ist oder der Play Button im Kore-Player (Stand-Alone) betätigt werden muss. Weiterhin gibt es einige Sounds, die auch ohne Midi-Note Befehl starten. Das wird leider nicht im Manual erwähnt und es kennt sich auch nicht jeder Kore-Player-User mit der Architektur von Reaktor aus. Diese Soundpacks verlangen daher beim Produzieren im Sequencer zum Teil eine andere Herangehensweise. Das bedeutet, man nimmt manche Sounds entweder als Audio auf oder automatisiert die Spur vom Kore-Player. Die Loops sind ebenfalls nur bedingt per Midinote start- bzw. stopbar. Es fehlen mir persönlich die Beschreibungen der einzelnen Sounds.

Andererseits lädt diese Library gerade dadurch zum experimentieren ein. Man stolpert immer wieder über eigenartige Klangkollagen, die durchaus inspirierend sein können. Für mich die interessantesten und komplexesten Libraries, die eher den Electro-Sektor bedienen. Reaktor Spark ist für meinen persönlichen Geschmack der Favorit unter den beiden.

Hier zwei kleine Beispiele:

Systemvoraussetzungen Library

  • Kore 2 Player, Kore 2 oder Reaktor

Preis

  • je 49,00 Euro

Teil 2 – Kontakt Sax & Brass

Sax&Brass

Die Sounds (Saxofone, Trompeten, Posaunen) stammen alle aus der Feder von Chris Hein, dessen Chris Hein Horns Library zweifelsohne von überragender Qualität ist. Das lässt schon mal hoffen. 855 MB müssen herunter geladen werden. Diese Menge an Samples verteilt sich auf “nur” 23 Sounds (plus jeweils 8 Variationen). Aber um es vorweg zu nehmen: Weniger ist mehr und man erhält hier ein wirklich ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis. Zwar ersetzt diese Library nicht die Chris Hein Horns Reihe aber sie bietet einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Bläser um Big Band- oder Pop-Arrangements in guter Qualität zu erstellen. Auch einige “spacige” Sounds sind dabei. Das ganze ist durch die Unterstützung der Kore-Oberfläche auch noch sehr intuitiv umsetzbar und erfordert bei weitem nicht die Einarbeitung wie bei den Chris Hein Horns. So sind sowohl Chord-Unterstüzungen (typisch arrangierte Bläsersätze) als auch verschiedene Artikulationen für die Section-Instrumente(Sustain, Short, Crecendo, Fall) vorhanden. Natürlich sind auch die Artikulationen nicht so umfangreich wie bei CHH. Aber wer nur mal ab und an einen gut klingenden Bläsersatz benötigt und diesen nicht in mühsamer Feinarbeit ausarbeiten möchte, liegt hier genau richtig! Neben Solo-Sounds, die mit den Harmoniesations-Tools mehrstimmig gespielt werden können, gibt es auch Sections und als Bonus Big-Band-Ensembles. Die Solo-Sounds können über die Sound-Variation “H” auch mit einem Breath-Controller angesteuert werden. Weiterhin gibt es eine Legato-Funktion. Sogar unterschiedliche Skalen sind einstellbar. Um sich ganz auf die Melodie zu konzentrieren, sollte man als erstes eine Akkord-Spur erstellen. Wenn sich diese im “Chor Dedection Bereich” von Sax&Brass befindet (kann definiert werden), werden sämtliche Harmonien an die gespielten Akkorde angepasst. Im folgenden ein kleines Beispiel mit dem Big-Band-Ensemble:

Alles in allem ist diese Expansion eine klare Empfehlung.

Systemvoraussetzungen Library

  • Kore 2 Player oder Kore 2

Preis

  • 49,00 Euro

Teil 3 – Massive Expansions Vol.1 & 2

Massive Expansion Vol.1

Massive Expansion Vol.2

Wer nicht gleich die Vollversion des Massive-Synths von NI kaufen möchte (179 EUR) kann hier dennoch dessen Soundqualitäten nutzen. Zu finden sind in beiden Volumes: Bässe, Leads, Pads, Keys, Mallets und Plucked Sounds, Chords, Organ und Brass Sounds, Sequencer-Sounds, Drum Sounds, SFX und Soundscapes. Es finden sich viele clubtaugliche elektronische Sounds und Sequenzen unter den jeweils 200 Sounds der einzelnen Volumes. Die Morphing Möglichkeiten kommen auch hier gut zur Geltung. Von tiefen Bässen über Sequenzerlinien bis hin zu Leads findet man neben “Standard” Sounds immer wieder außergewöhnliche Sounds. Neben recht kühlen Klangcharakteren bei Bell-ähnlichen Sounds, die wunderbar zur Nachvertonung von Eiskristallen passen, gibt es auch warme Pads oder richtig aggressive Sounds. Dazu noch einige Atmo-FX-Sounds und geloopte Sequencer Sounds. Alles in allem eine hohe Bandbreite gut programmierter Synth-Sounds.

Die Loops starten übrigens auch hier erst wenn der Sequenzer läuft oder im Kore-Player (Stand-Alone) der Play Button betätigt wird!

Hier ein kleines Beispiel mit 3 Sounds aus beiden Librarys:

Testnote Massive Expansions Vol.1 & 2

Systemvoraussetzungen Library

  • Kore 2 Player oder Kore 2 oder Massive

Preis

  • je 49,00 Euro

Teil 4 – Urban Arsenal

Urban Arsenal

Der Name lässt keine Zweifel über das Einsatzgebiet offen. Dieses Soundpack fühlt sich im Bereich Hip Hop und R&B wohl. Insgesamt 192 Sounds sind enthalten.

Da zweifelsohne Beats die Grundlage dieses Genre sind, liefert Urban Arsenal reichlich davon. Man kann zwischen 32 Drum-Kits und 40 Groove-Sets wählen. Jedes Groove-Set basiert auf einem Kit mit 12 Samples, die man einzeln abfeuern kann oder mehrere komplette Sequenzen/Loops antriggert. Die Loops lassen sich durch die “Remix”-Funktion schnell verändern. Auch ein exklusives Human-Beat-Box Kit von Mando ist enthalten. Alle Beats wurden vor dem Sampeln bereits vorproduziert und klingen daher unbearbeitet schon sehr fett. Eine, wie ich finde, gute Entscheidung. Fette Beats inspirieren einfach mehr zu Hooks oder Chords. Zusätzlich gibt es jede Menge Instrumente um Hook-Lines, Bässe sowie Flächen einzuspielen. Neben Strings, Brass, Piano und Gitarren sind auch World-Instrumente enthalten. Viele Sounds klingen Old-School, andere recht digital und modern. 70 der Sounds stammen aus Massive, 50 weitere wurden aber komplett neu gesampelt. Um die Sounds zu produzieren wurde zum Teil aufwendig mit Outboard Equipment gearbeitet. Laut Infos wurden manche Samples zunächst auf Dubplates geschnitten. Dies sind Schallplatten, die nicht teuer gepresst, sondern geschnitten werden. Sie werden sonst zur DJ-Bemusterung genutzt. Von eben diesen Schallplatten wurden die Sounds mit Vintage Samplern (im Bild war ein ASR-10 zu erkennen) resampelt. So liegen uns diese vor und das aufwendige Verfahren erklärt auch den Old-School Vinyl Charakter vieler Sounds. Daher schlägt Urban Arsenal auch mit 560 MB Download Größe und 99 EUR zu Buche. Der recht hohe Preis für dieses Soundpack ist mit der gebotenen Vielfalt und dem Produktionsaufwand zu erklären. Dennoch könnte er ein wenig abschrecken. Ich persönlich finde jedoch, dass Preis und Leistung hier absolut stimmen.

Das folgende Beispiel ist in wenigen Minuten entstanden und hat auf den Einzelspuren keinerlei zusätzlichen Effekte.

Das gefällt mir nicht

Beim erneuten Öffnen einer Instanz ist nicht sofort der Pfad zum gewählten Sound ersichtlich. Das sollte man ändern. Weiterhin ist es mir etliche Male passiert, dass der Kore Player geöffnet war, ich den Editor von Cubase mit der “Enter” Taste öffnen oder schliessen wollte und dadurch den Sound neu geladen habe. Damit sind natürlich Änderungen am Sound hinüber gewesen.

Das gefällt mir

Die Idee hinter den Soundpacks geht für mich persönlich auf. Mit einer Plattform lässt sich sehr flexibel ein gutes Setup an Sounds zusammenstellen. Der Browser ist gut strukturiert und man findet schnell die gewünschte Klangfarbe.

Für mich ist die Oberfläche aber auf jeden Fall gut gelungen und die Möglichkeiten sind dank mehrerer Engines nicht auf einen Stil festgelegt sondern decken je nach Expansion eine hohe Bandbreite ab. Letztlich ein Nischenprodukt von NI für alle User, die zwar die Engines spielen aber nicht editieren wollen. Und das sind einige.

Ein bisschen verhält es sich mit den Expansion Packs und dem Kore Player wie mit Apps und dem iPhone. Man will immer mehr 😉

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen Library

  • Kore 2 Player, Kore 2

Systemvoraussetzungen Kore 2 Player Mac OS X

  • Mac OS X® 10.5
  • Intel® Core™ Duo 1.66 GHz
  • 1 GB RAM

Systemvoraussetzungen Kore 2 Player Windows

  • Windows® XP (SP2, 32 Bit) / Vista® (32/64 Bit), Windows 7® (32/64 Bit)
  • Pentium® oder Athlon XP
  • 1.4 GHz
  • 1 GB RAM

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