Test: Native Instruments Alicia’s Keys

Eines muss man Native Instruments wirklich lassen: Sie machen extrem ansprechende Werbung für Ihre Produkte. Und: Ein so personalisiertes Plug-in wie “Alicia’s Keys” ist mir bislang nicht bekannt. Eine Künstlerin wie Alicia Keys für ein Produkt zu gewinnen (oder hat sie Native Instruments gewonnen?) lässt schon aufhorchen. Und wenn eine Ikone wie Herbie Hancock dann auch noch sagt es klänge “real”, bin ich umso interessierter.

Dass Frau Keys eine Affinität zur Technik hat, finde ich klasse. Sie hat, obwohl sie ja das Original “Yamaha C3 Neo Grand” im Studio stehen hat, das Plug-in für die Produktion Ihres Albums “The Element of Freedom” und Ihre World-Tour genutzt. Schauen wir es uns einmal genauer an.

Alicias_Keys_7

Verpackung

Auf der Packung steht “The True Piano Sound of Alicia Keys und Frau Keys räkelt sich an Ihrem C3. Das stimmt schon mal positiv ein 🙂 Im Inlay der Verpackung sind ein paar stimmungsvolle Studiobilder mit einer “persönlichen” Anmerkung von Alicia enthalten. Der Inhalt selber besteht aus 2 DVD’s und einem Quick Start Guide.

Installation

Vor der Installation der Samples auf DVD 2 sollte man den mitgelieferten Kontakt Player 4.05 von DVD 1 oder die separat erhältliche Kontakt 4.05 Vollversion installieren. Anschliessend installiert man die Alicia’s Keys wie jedes andere Kontakt Powered Instrument über den Installer bzw. die Setup.exe.

Autorisation

Nach der Installation muss man es nur noch über das Service Center aktivieren. Dies geschieht gewohnt unkompliziert über die beigefügte Seriennummer. Ich hatte übrigens seit Einführung des Service Centers noch nie Probleme mit den Registrierungen bei NI.

Technik

Basierend auf der Kontakt Engine wurde Alicia’s eigenes Yamaha C3 gesampelt. Das Sampling hat Spezialist Thomas Skarbye (besser bekannt unter dem Namen Scarbee) übernommen, welcher schon einige Libraries für NI produziert hat. Als Engineer war Ann Mincieli mit an Bord, die auch sonst mit Alicia zusammen arbeitet. Für das Kontakt-Scripting zeichnet sich Nils Liberg verantwortlich.

Gesampelt wurden alle 88 Tasten mit 12 Velocitystufen. Alle Tasten wurden mit “Pedal up” und “Pedal down” gesampelt. Weiterhin sind Nebengeräusche wie die des Sustain Pedals, harmonische Schwingungen der nicht gedämpften Saiten etc. enthalten. Sogar die Geräusche von Alicias’s Fingern, wenn sie die Tasten anschlagen, kann man wahlweise aktivieren.

Das führt zu insgesamt über 3.000 Samples die unkomprimiert ca. 17  GB in Anspruch nehmen würden. Auf der Festplatte nehmen sie durch ein entsprechendes Komprimierungsverfahren nur knapp über 7 GB in Anspruch. Im Plug-in eingebunden ist ebenfalls ein Convolution Reverb. Ernest Cholakis war für den Reverb-Part zuständig.

Das alles ist nicht neu und kommt zumindest zum Teil auch bei anderen Produkten zum Einsatz. Was also zeichnet dieses Plug-in aus? Schauen wir uns einfach mal die Einstellmöglichkeiten in Form der Benutzeroberfläche an:

Alicias_Keys_1

Hinter “Digital Ambience” verbirgt sich das für den räumlichen Eindruck wichtige Pre-Delay. Also der mit Verzögerung eintreffende Hall des Raumes. Der Raum selber und dessen spezifischer Hall lässt sich unter “Convolution Reverb” einstellen. Zu guter Letzt kann man unter “Stereo Image” entscheiden, ob man den Sound aus der Perspektive des Zuhörers (Diskant links) oder des Spieler (Diskant rechts) abbilden möchte.

Alicias_Keys_2

Neben der einstellbaren Velocitykurve (leider nicht frei skalierbar) kann man in diesem Reiter mittles “Finger-Attack” den Offset des Sampleanfangs beeinflussen. Bei 100 % erhält man zwar eine größere Latenz beim spielen, dafür kommen aber die Anschlagsgeräusche der Tasten mehr zum Vorschein. Das Loslassen der Taste kann man hingegen mit “Key Release” beeinflussen. Hier hilft nur spielen und hinhören, was einem gefällt. “Self Masking/Repetition” legt fest, ob bei erneutem Anschlagen der selben Note mit höherer Velocity die alte Note ausgeblendet wird oder nicht.

Alicias_Keys_3

Unter “Pedal” kann man den Halbpedaleinsatz mit Hilfe von aufgezeichneten Impulsantworten simulieren. Da ich leider nicht über ein Sustain Pedal verfüge, welches kontinuierliche Mididaten liefert, konnte ich dies nicht in der Praxis testen. Jedoch konnte ich feststellen, dass auch Repedaling (also das loslassen und erneute Drücken des Sustain Pedals) simuliert wird und somit die Noten erneut weiterklingen. Die Controller Nummern für Sustain und Sostenuto Pedal lassen sich hier ebenfalls ändern.

Alicias_Keys_4

Die “Symphatetic Resonance” ist ein sehr subtiler Effekt. Dieser entsteht, wenn ungedämpfte Saiten durch das anschlagen einer anderen Saite vibrieren. Dies geschieht dann, wenn die beiden Saiten korrespondierende Obertöne besitzen. Ungedämpft sind Saiten entweder durch das Betätigen des Sustain Pedals oder weil die entsprechende Taste gedrückt ist. Ist dieser Effekt aktiviert, kostet er entsprechende Ressourcen. Im Mix geht er mit Sicherheit unter aber für leise Klavierpassagen bringt er den letzten Funken Realismus, wenn man ihn benötigt.

Alicias_Keys_5

Unter dem “Noise” Reiter kann man die abgebildeten Nebengeräusche ativieren und in ihrer Lautstärke einstellen. Sogar das leichte statische Brummen der Mikrofone für einen Vintage Charakter lässt sich hier einstellen.

Klang

Mir gefällt der Charkater des aufgenommen C3 Flügels sehr gut. Aber was soll ich hier groß mit Worten beschreiben, was man auch hören kann. Hier also zwei kleine Demos, welches ich während des Tests aufgenommen habe:

Zunächst etwas melancholischeres:

Und mal was ganz anderes:

Im Diskant ist mir das C3 für die letztere Stilrichtung etwas zu zart besaitet. Aber wie immer ist auch das Geschmacksache.

alpendeich-Redaktionstipp

Das gefällt mir nicht

Wenn überhaupt, dann ist es die Kehrseite des ersten positiven Punkts.

Das gefällt mir

Der Flügel hat einen sehr charakteristischen Klang. Was auf der einen Seite positiv ist, kann auf der andern Seite dazu führen, dass er nicht wirklich universell eingesetzt werden kann. Hier sind andere Plug-in’s neutraler. Aber genau diesen Punkte möchte ich nicht als Nachteil werten, sondern jedem selbst überlassen, ob das für Ihn ein Punkt ist. Für mich jedenfalls ist der Sound äußerst inspirierend. Und Charakter hat noch keinem geschadet.

Der fast schon verträumte Klang des C3 führt unweigerlich (zumindest bei mir) dazu, sich im Spiel zu verlieren. Dieses Plug-in hat Charme und Charakter. Über mein P-80 lässt es sich sehr gut spielen. Durch die anpassbare Velocity sollte es sich aber auf jedes Masterkeyboard einstellen lassen. Überhaupt ist die technische Seite sehr gut gelungen. Dazu gehört zu guter Letzt auch das Interface, welches äußerst weiblich und einladend ausschaut (5 Euro in die Macho-Kasse) 🙂

Den Preis finde ich sehr fair.

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • KONTAKT 4 PLAYER (Version 4.0.5!) oder KONTAKT 4 (4.0.5)
  • Intelmac’s, kein PPC Support

Systemvoraussetzung Windows

  • KONTAKT 4 PLAYER (Version 4.0.5!) oder KONTAKT 4 (4.0.5)
  • benötigt SSE2 (CPU supplementary instruction set)

Weiterhin gelten natürlich die KONTAKT 4 PLAYER Systemvoraussetzungen

Preis

Hersteller

Mehr von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.