Test: MOTU Ethno Instrument 2

Nachdem ich Motu’s Ethno Instruments 1 bereits äußerst positiv getestet hatte, war ich ziemlich enttäuscht, dass es bei mir auf dem iMac seit Snow Leopard nicht mehr lief. Umso erfreuter war ich, dass es nun eine gänzlich neue Version gibt. Dies sehe ich mit einem weinenden und einem lachendem Auge.

Teaser

Warum nun das weinende Auge? Aus Käufersicht hätte ich es besser gefunden, wenn es für Ethno Instrument 1 ein kostenloses Update gegeben hätte welches es nur kompatibel zu Snow Leopard macht. Nun aber hat man sich entschlossen, sich diesen Aufwand zu sparen und direkt eine kostenpflichtige Version 2 herauszubringen. Die aber hat es in sich und wird vermutlich einige Besitzer der Version 1 animieren per Upgrade Pfad seine schwer verdiente Euros an MOTU zu überweisen. Kommen wir also zum lachenden Auge.

Nach dem Motto „Die Welt ist nicht genug“ bietet die neue Version mit 21 GB fast den dreifachen Content von Version 1 bei vollständiger Abwärtskompatibilität. Und schon beim Anblick der GUI auf der Packung sehe ich, dass einer meiner Kritikpunkte an der ersten Version behoben wurde. Es gibt nun einen Mixer in Listenform, um alle Parts bereits in der Übersicht in Bezug auf Lautstärke, Panorama und einigen weiteren Parametern bearbeiten zu können. Die gute Übersichtlichkeit der GUI scheint dennoch vorhanden zu sein. Sehr schön! Schauen wir uns die Neuerungen im Einzelnen an. Im Vorfeld empfehle ich aber die Lektüre meines Testberichts zu Version 1.

Packungsinhalt und Installation

Die Packung ist recht groß bemessen und schick gestaltet. Enthalten waren bei mir die Installations CD und 3 Soundbank DVDs. Leider war anstatt der ersten Soundbank DVD die dritte gleich zwei mal vorhanden. Das war ein Fehler von MOTU beim einpacken. Einen Tag später hatte ich aber die korrekte DVD vom Vertrieb (Klemm) in der Post.

Weiterhin ist eine gedruckte englischsprachige Anleitung dabei. Auf insgesamt 138 Seiten kann man dann im Detail nachlesen, welche Instrumente enthalten sind und was z. B. ein(e) Dilruba, Saz oder Veena ist. Sehr schön und informativ gemacht. Das überbrückt schonmal die Zeit der Installation.

Die Registrierung geschieht mittels des beiliegenden iLok-Dongles. In meinem Fall befand sich die Lizenz bereits auf dem Dongle. Da ich die iLok-Extensions schon installiert hatte, konnte ich den Dongle einstecken und loslegen.

Praxis

Mixer

Die Eingangs erwähnte Verbesserung an der ohnehin schon guten und übersichtlichen GUI bestätigt sich beim Testen der Software. Man findet nun einen „Mini-Mixer“ mit Solo, Mute, Lautstärke, Panorama, Hallanteil (Sendlevel), Oktavlage und Transponierung. Alle Werte lassen sich auch per Scrollrad oder in meinem Fall per AI Knob des Steinberg CI2 oder CC121 ändern. Gab es bisher „nur“ 64 Parts, so ist diese Beschränkung gänzlich aufgehoben. Um den passenden Part zu finden, gibt es im Browser neben der bekannten Kategorisierung nun auch ein Suchfeld. Weiterhin kann man den Browser einfach geöffnet lassen und nach und nach verschiedenen Parts laden. Im „Mini-Mixer“ befinden sich übrigens auch kleine Pfeiltasten, mit denen man die Sounds auch bei geschlossenem Browser durchsteppen kann. Die beiden Knöpfe können einem beim Suchen schon einiges an Zeit sparen.

Die Möglichkeit Keyswitche zum wechseln von Artikulationen zu nutzen, gab es bereits in Version 1. Nun sind aber für etliche Instrumente Presets programmiert worden, welche intensiv Gebrauch dieser Funktion machen.

Keyswitch

Die verwendeten Tasten werden einem im Multi-Info-Fenster unten links angezeigt. Dies funktioniert leider nur bei den fertigen Presets. Wenn man sich selber im Expert Mode Keyswitche definiert (was wirklich einfach ist), erscheinen sie leider nicht dort. Das wäre ein Wunsch für ein kommendes Update.

KS-Info

Bleiben wir mal bei diesem Fenster und laden einen der zahlreichen Loops. Dann zeigt sich folgendes Bild:

Loops

Die Modi sind schnell erklärt:

  • Bei „Sample“ verhält sich ein Loop wie in einem klassischen Sampler. Je höher die Midinote, desto schneller und höher wird der Loop. Es werden also Tempo und Tonhöhe verändert. Dies führt in hohen Lagen zum klassischen Micky-Mouse Effekt.
  • Stretch 1 führt dazu, dass sich lediglich die Tonhöhe aber nicht das Tempo ändert.
  • Stretch 2 arbeitet wie Stretch 1 allerdings mit einem höherwertigerem Time-Stretching Algorithmus. Dieser beansprucht auch die CPU etwas höher, führt aber gerade bei Vocals zu besseren Ergebnissen. Man kann den Algorithmus übrigens auf die verwendete Quelle (Complex, Voice, Percussice, etc.) feinjustieren.
  • Slice zerlegt Loops (nicht Phrasen) in Ihre einzelnen Bestandteile. Anschliessend kann man sie wie „REX“ Files behandeln (es sind aber keine!). Bei deaktiviertem „Map“ Button kann man sie in jedem Modus als Audiofiles in seine DAW ziehen. Nur im Slice Modus kann man den Map-Button aktivieren und anschliessend eine Midi-Spur in die DAW ziehen, welche die einzelnen Slices ansteuert. Das kennt man aus Stylus & Co und funktioniert auch hier wunderbar.

Erwähnenswert ist übrigens der kleine unscheinbare „Performance“ Regler.

Performance

Dieser lässt sich z. B. auf Mono-Portamento stellen und schon erhält man Übergänge zwischen 2 Legato gespielten Noten. Man kann dies nicht mit den Portamento oder Legato-Performances der VSL-Streicher vergleichen. Es funktioniert aber im Bereich bis max. 1 Ganzton ganz gut. Man muss nur ein wenig mit der „Glide-Time“ experimentieren. Hier ein kleines Beispiel mit der Fiddle, bei dem ich per Keyswitch auch zwischen verschiedenen Artikulationen umgeschaltet habe. Die letzte Note ist übrigens nicht mit dem Portamento Regler, sondern mit einer der Artikulationen entstanden:

Die Effektsektion hat ebenfalls ein Facelifting erfahren. So soll der Convolution Reverb nicht mehr ganz so CPU-hungrig sein, wie der aus Version 1. Einen direkten Vergleich kann ich leider nicht durchführen, da meine damaliges Testsystem meinem iMac gewichen ist und auf letzterem die Version 1 nicht mehr läuft (wegen der Eingangs erwähnten Snow-Leopard Inkompatibilität). Das Einschalten führt aber in Version 2 und meinem Testsystem (iMac 3,06 GHz, 4 GB RAM, Steinberg CI2 Interface) zu einem CPU Anstieg von gerade mal 2-4 %. Ich nutze dennoch meist einen Hall, der mir innerhalb der DAW auch für andere Kanäle zur Verfügung steht. So kann ich Instrumente aus unterschiedlichen VSTi’s im selben Raum positionieren. Aber für den Standalone Betrieb vom Ethno Instrument 2 ist dies natürlich ein willkommenes Feature.

Wer darüber nachdenkt, das Ethno Instrument 2 live einzusetzen kommt um den „Expert Mode“ nicht herum. Hier lassen sich Sounds splitten, layern und verschiedenen Velocity Zonen zuordnen. Auch die Zuordnung der bis zu 17 Stereo-Einzelausgänge findet hier statt.

Expert Mode

Weiterhin können hier die Keyswitch Noten für jedes Instrument festgelegt werden um es ein- oder auszuschalten. Dieser Modus ist jedenfalls sehr flexibel. Wie in Version 1 gilt auch hier mein Tipp, sich die YouTube Videos von Jordan Rudess anzuschauen.

Dank der zugrunde liegenden UVI Engine in Ihrer neuesten Version können sich Windows Nutzer über 64 Bit Support freuen. Wann es eine 64 Bit Version für Mac geben wird, ist noch nicht bekannt.

Welche Instrumente sind hinzugekommen?

Hat sich Version 1 noch mit 8 GB Plattenbedarf und 10.000 Samples verteilt auf 500 Presets begnügt, fordert Version 2 nun 21 GB für die rund 26.000 Samples, welche sich auf insgesamt über 875 Presets verteilen. Der Browser ist geringfügig überarbeitet worden, bietet aber dennoch eine neue nützliche Funktion: „Search“.

Search

Hiermit kann man Loops und Instrumente mittels Volltextsuche durchforsten

Innerhalb der bekannten Unterteilung nach geografischer Region, spielbaren Instrumenten und Loops findet man in Ethno Instrument 2 neben zeitlosen Ethno-Sounds auch topaktuelle Sounds im Stil von „Slumdog Millionär“. Den Film und auch dessen Soundtrack kann ich übrigens mit kleinen Einschränkungen sehr empfehlen.

Neben spielbaren Instrumenten und Loops gibt es auch „Phrasen“, also gesampelte Tonfolgen eines Instrumentes oder aber Vocal-Phrasen. Gerade im Bereich der Voices hat sich etwas getan. So findet man in Version 2 viele neue Phrasen, die übrigens (vom Wortsinn her) keine Bedeutung haben. So kann es einem auch nicht passieren, dass man mangels Sprachverständnis einen unpassenden Satz in seinem Song unterbringt. Schön, dass auch in Version 2 immer die Tempo- und Tonhöhen mit angegeben werden. Auch die mit „-o“ gekennzeichneten Originalstimmungen der Instrumente gibt es nach wie vor.

Es gibt einige vorgefertigte Multis, die auch Gebrauch von den Möglichkeiten des Expert-Mode machen. Hier ein kleines Beispiel, welches ich auf die Schnelle eingespielt habe um ein wenig Urlaubsstimmung zu erzeugen:

Was mir bei den Loops leider negativ aufgefallen ist: Es gibt zum Teil ein starkes akustisches Übersprechen anderer Instrumente. Diese Loops sind in Live-Sessions entstanden und man hat anschliessend die einzelnen Instrumente zur Verfügung gestellt. Zwar stärkt dies den Live-Charakter eines Instrumentes, macht es aber, wie im folgenden Beispiel erkennbar, untauglich für den Solo-Einsatz und unter Umständen sogar für den Mix. Hier zunächst die Gitarre einer Recording-Session:

Deutlich ist im Hintergrund die Concertina zu hören. Und hier der daraus erzeugte Concertina-Loop mit der deutlich im Hintergrund zu hörenden Gitarre. Das hätte man tontechnisch anders lösen können und meiner Meinung nach sogar müssen!

Außerdem wurde bei der Concertina auch nicht im korrekten Timing geloopt. Das ist mir aber auch bei anderen Loops aufgefallen. Sie lassen sich nicht hintereinander kopieren ohne das man sie selber korrekt schneidet. Hier hätte ich mir auch bessere Vorarbeit gewünscht! Hierzu noch ein Beispiel eines Didgeridoos:

Man hört deutlich die „doppelte“ Note am Ende des Loops bevor er wiederholt wird

Die „Auto-Play“ Funktion funktioniert übrigens nicht bei allen Loops. Das erschwert ein wenig das durchhören und finden eines bestimmten Loops. Somit werfen Teile der Loop-Sektion leider einen kleinen Schatten auf das ansonsten stimmige Paket.

Die Einzelsounds hingegen konnten mich zu 100 % überzeugen. Zwar ist z. B. die beworbene Concertina nicht so detailiert gesampelt wie in den von mir getesteten Accordions von Eduardo Tarilonte aber immerhin das zweitbeste mir bekannte Sample dieses Instruments 🙂

Auch Percussion Sounds sind wieder ohne Ende und in sehr guter Qualität vertreten.

Sogar Synth-Pads sind vorhanden um ein wenig Ambience zu erzeugen. Das folgende kleine Beispiel besteht aus vier frei eingespielten Spuren ohne Loops.

Alternativen

Wer sich für Ethno Instrumente interessiert, sollte sich ruhig mal „Ethno World 4 Professional“ von Best Service ansehen/anhören. Es ist allerdings mit „nur“ 9 GB Content nicht so umfangreich wie Motu’s Ethno Instrument 2. Einen direkten Vergleich kann ich z. Z. nicht ziehen, da es mir nicht vorliegt.

Das gefällt mir nicht

  • Es ist kein kostenloses Snow-Leopard Update für die 1er Version erhältlich.
  • Der Upgrade Pfad für Ethno 1 User erscheint mir zu teuer.
  • Das deutliche Übersprechen anderer Instrumente bei manchen Loops sowie die zum Teil nicht sauber geschnittenen Loops.
  • Die Vorhörfunktion bei Loops funktioniert nicht immer.

Das gefällt mir

  • Der Inhalt und auch die Funktionen wurden gründlich erweitert.
  • Die ohnehin schon gute GUI wurde in wichtigen Punkten verbessert und wirkt jetzt endlich „rund“.
  • Die Auswahl der Klänge kann man als umfassend bewerten.
  • Die Klänge wurden alle sehr authentisch eingefangen und liegen in westlicher und Originalstimmung vor.
  • Das Handbuch bietet eine exzellente Übersicht über die Klänge und deren typischen Tonumfang.
  • Ethno Instrument 2 ist in vielen Punkten stimmig und bietet einen großen Umfang an sehr guten Einzelsounds, die für sich genommen schon die Anschaffung wert sind.

Aufgrund des Wehrmutstropfen für Ethno 1 User und der erwähnten Kritikpunkte bei den Loops reicht es nicht ganz für unseren Award.

Markus Cremer

Systemvoraussetzungen grundsätzlich

  • 1 GB RAM sind erforderlich
  • 2 GB RAM werden empfohlen
  • Eine ausreichend dimensionierte Festplatte für die 21 GB Samples
  • Ein verfügbarer USB Port für den iLok USB Dongle.
  • Ein CD/DVD Laufwerk für die Installation

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS X Version 10.4, 10.5, oder 10.6; v10.4.11 oder aktueller.
  • Mindestens PowerPC G4 1 GHz oder schnellere CPU (beinhaltet PowerPC G5 CPUs und alle Intel Prozessor Macs)
  • Multi-Prozessor / Multi-Core PowerMac G5s oder Intel Prozessor Macs empfohlen.
  • Die Festplatte, welche die Ethno 2 Soundbank Files enthält muss als Mac OS Exten-ded (HFS+) formatiert sein! Journalling kann aktiviert oder deaktiviert sein.

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows 7, Vista, oder XP – Für native 64-bit Lauffähigkeit werden eine 64-bit Version von Windows 7 oder Win-dows Vista, eine 64-bit CPU sowie ein 64-bit VST Host benötigt.
  • Mindestens Pentium 4 1 GHz oder schnellere CPU
  • Multi-Prozessor / Multi-Core PCs werden empfohlen
  • Die Fetsplatte, welche die Ethno 2 Soundbank Files enthält muss als NTFS formatiert sein!

Plug-in Formate

  • MAS, AU, VST, oder RTAS
  • Ethno verfügt über 34 Outputs (Stereo Main Outs + 16 Stereo Aux Outputs). Der Host muss also Instrumente mit mehr als 32 Ausgängen unterstützen!
  • Alternativ kann Ethno Instrument 2 auch als Standalone Anwendung genutzt werden.

Preis

Hersteller

Vertrieb

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2 Comments

  1. Tane
    24. Februar 2012

    Danke für den Hinweis mit den Übersprechungen. Ich hätte das Plug fast gekauft 🙂
    Das geht mal gar nicht!
    Ethno World von Best Service ist auch nicht der Hammer, aber ich werde mal weiter suchen…
    thanks

    Antworten
  2. Markus
    25. Februar 2012

    Auch wenn das Plug-in viele positive Seiten hat, war es in Anbetracht des damaligen Preises wirklich ärgerlich, dass die Instrumente nicht sauber getrennt vorliegen. Mittlerweile gibt es das Plug-in übrigens für 249 EUR Strassenpreis.

    Antworten

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