Test: Miroslav Vitous String Ensembles

Miroslav Vitous ist eine bekannte Größe in Sachen gesampelter Orchester. Er hat allerdings eine Weile nichts von sich hören lassen. Nun liegt mir sein aktuelles Werk „String Ensembles“ vor. Es handelt sich um eine komplett neu produzierte Sampling-Library, welche „oh Wunder“ ausschließlich Streicher-Ensembles und keine Einzelinstrumente enthält. Sie richtet sich laut Werbung an High-End Produzenten und liegt auch preislich im High-End Bereich für Plug-ins. Knappe 1.000 Euro sind zu investieren, möchte man eine DVD sein eigen nennen. Ob dieser Preis gerechtfertigt ist, war die erste Frage, die mir bei Erscheinen der Library in den Kopf schoss. Am Ende dieses Tests werde ich sie zumindest für mich beantwortet haben.

String-Ensembles-Teaser

Installation

Die Installation läuft in 3 Teilen ab:

  1. Engine (Sample Player)
  2. String Ensembles Software
  3. Library

Punkt eins kann man überspringen, wenn bereits ein Engine-Produkt installiert ist. Dies war bei mir nicht der Fall und ich bin gespannt, wie sich „Engine“ von Best Service anfühlt. Diese basiert auf der „Independance Sampler Technologie“ von „Yellow Tools“. Und der „Independence“ ist in der Branche mittlerweile ein anerkanntes Flaggschiff. Dieser Player legt einen „Root Folder“ an. Dessen Location man frei wählen kann. In den gerade angelegten Ordner werden durch Punkt 2 einige weitere Dateien angelegt. Die Library wird händisch in den Unterordner „Image Files“ kopiert. Ich frage mich immer wieder, warum man einen Installer schreibt, wenn ich dennoch händisch kopieren muss. Für mich als Endanwender ist das nach wie vor unverständlich. Es liegt vermutlich daran, dass die Engine offen für viele Produkte ist und daher der Content losgelöst vom Rest zu sehen ist. Sonst müsste man ja für jedes Produkt einen eigenen Installer schreiben.

Ein wenig überrascht bin ich nach dem Öffnen der Packung. Die ist im Vergleich zur „Miroslav Philharmonik“ Packung geschrumpft und enthält neben dem 43-seitigen, leider nur englischsprachigem gedruckten Handbuch lediglich eine DVD. Und ich dachte, der Trend geht langsam hin zu 2-3 stelligen Gigabyte großen Librarys, die künftig auf SSD ausgeliefert werden. Die enthaltenen 6,1 Gigabyte wären aber im Gigasampler-Format ca. 35-40 GB groß. So relativiert sich das ganze ein wenig und ich muss meine Platte nicht unnötig vollstopfen. Quasi Komprimierung at it’s best. Dennoch die erste „kleine“ Überraschung bei dem Paket. Nach gerade mal 20 Minuten habe ich alles installiert.

Die folgenden 2 Kapitel sind Hintergrundinfos, die ich nicht abkürzen wollte, da sie auch mal in die Öffentlichkeit gehören. Zwar wird der Test dadurch etwas länger als geplant aber wer will kann sie überspringen. Es geht dabei nicht um die Sounds von Miroslav, sondern um die „Engine“.

Aller Anfang ist schwer …

Beim ersten Start von Cubase 5.1.1 werde ich nach dem Root-Folder der Engine gefragt. Diesen wähle ich aus und kurz danach stürzt Cubase im Ladevorgang ab. Ein unschöner Anfang. Ich suche auf der Best Service Seite nach einem Update für die Engine. Diese findet man allerdings generell auf der „Yellow Tools“ Homepage. Dort muss ich mich allerdings erst registrieren um es herunterladen zu können. OK, 1.0.2 wäre die aktuellste Version der „Engine“ auf deren Server. Zunächst starte ich die Engine aber im Stand alone Modus, wo ich wieder nach dem „Root Folder“ gefragt werde. Nun möchte ich die Versionsnummer abfragen. Üblicherweise im „About“ Fenster eines Programms. Hier jedoch nicht. Ich finde sie im „Preferences“ Bereich: 1.0.3. Das überrascht mich etwas. Meine DVD-Version ist aktueller als die im Online-Bereich des Herstellers? Die Klärung bringt eine Rücksprache mit den Entwicklern, zu denen ich in den nun kommenden Tagen und Wochen häufiger Mail-Kontakt haben werde. So viel Vorweg: Das Ende der etwas längeren Geschichte ist durchaus positiv und räumt viele der Punkte aus, auf die ich noch zu sprechen kommen werde.

Hintergrund für die aktuellere DVD Version ist, dass diese (1.0.3) z.  Z. ausschließlich für „String Ensembles“ notwendig ist. Das die 1.0.3er Version der Engine noch nicht online war, liegt laut Yellow Tools daran, dass erst noch Independence 2.5.3 released wird (bei VÖ des Tests vermutlich geschehen) damit Engine Produkte und Independence wieder miteinander kompatibel sind.

Aktivierung

Nach dem Start der Stand-Alone Version möchte ich den ersten Sound laden und werde auf die Produktaktivierung hingewiesen. Diese geschieht online im Userbereich mittels Challenge-Response und gestaltet sich nicht so einfach wie im Handbuch beworben. Nach Klick auf den Button „Request Response Code“ geschieht eine zeitlang gar nichts. Man soll aber laut Text geduldig sein und NICHT erneut auf den Button klicken. Nach ein paar Minuten, in denen nicht erkennbar ist, dass irgendetwas geschieht, rufe ich die Seite erneut auf. Ich bin jetzt schon wieder total genervt von diesen Registrierungen. Wenn ich knapp 1.000 Euro für ein Produkt gezahlt habe, möchte ich es ohne solche Schwierigkeiten installieren und nutzen können!

Hintergrund der nicht möglichen Online-Aktivierung war übrigens, so stellte sich 2 Tage später heraus, ein ausgefallener Server. Da war also der „Worst-Case“ bei Yellow Tools eingetroffen. OK, so etwas kann passieren, aber: Es gibt keine Demo- oder Testperiode! Ohne Aktivierung geht gar nichts! Man erhält allerdings keine Fehlermeldung nach dem Motto „Bitte erst aktivieren“, sondern eine „File Not Found“ Meldung beim laden eines Programms mit verschiedenen Buttons, welche automatisch oder manuell das „fehlende“ File suchen. Das funktioniert aber nicht ohne Aktivierung. Schräger geht’s wirklich nicht. Diese Infos, bzw. Verbesserungsvorschläge sind aber bereits bei Yellow Tools platziert.

Für die Aktivierung hat man insgesamt 3 E-Lizenzen zur Verfügung. Best Service versicherte zudem, dass die Anzahl der Lizenzen nach der dritten Neuinstallation (z. B. durch Neukauf von Hardware) auch wieder auf 3 hochgesetzt wird.

Update

2 Tage Wartezeit (ohne die Möglichkeit auch nur einen Ton zu spielen!): Per Mail erhalte ich von einem Mitarbeiter von Yellow-Tools endlich meinen Aktivierungscode. Dieser funktioniert aber nicht mit dem mittlerweile geänderten Product-Code. Ich muss also auch diesen manuell überschreiben (gut, dass ich den Code von vor 2 Tagen wegkopiert habe!) und danach funktioniert es.

Jetzt kann ich auch die Sounds laden und erhalte keine Fehlermeldung mehr. Cubase ist übrigens bisher auch nicht mehr abgestürzt.

Zwischenfazit

Bei diesem Produkt darf der Aktivierungs-Server nicht ausfallen, sonst ist man als Käufer aufgeschmissen oder auf einen schnell per Mail antwortenden Mitarbeiter im Support angewiesen. Das mindeste wäre hier eine Demo- oder Testperiode, in welcher man auch ohne Aktivierung uneingeschränkt (!) mit dem Programm arbeiten kann.

Jetzt aber – oder?

Endlich aktiviert, möchte ich die ersten Sounds anspielen. Doch ich höre trotz zu vernachlässigender Auslastung von Cubase Knackser. Die üblichen Verdächtigen wie „Buffer-Size“, „Streaming-Einstellungend“, etc. können nicht der Grund sein. Erstens laufen alle anderen Produkte (und das sind einige) einwandfrei und zweitens habe ich die Auslastung nur in der Aktivitätsanzeige meines iMac. Es folgen auch hier mehrere Tage Mailkontakt mit Best Service und Yellow Tools.

Eines vorweg: Alle waren sehr hilfreich und Lösungsorientiert. Ich musste allerdings etwas „Überzeugungsarbeit“ leisten um zu beweisen, dass es nicht an zu langsamen HDs, zu niedrigen Buffergrößen oder falschen Streaming-Einstellungen liegt. Mir war relativ schnell klar, dass es mit Sicherheit an OS X 10.6.2 liegen würde. Und nachdem ich mit dem Entwickler der Engine (Drazen Vlahovic) einen etwas intensiveren Maildialog mit Screenshot und Hinweisaustausch hatte, kam er zu dem Ergebnis, dass es am Laden-/Entladen der Grafiken liegt. Diese sind unter Carbon programmiert und verhalten sich unter 10.6.2. etwas zickig. Das Support-Team von Yellow Tools hat dieses Problem umgehend und über’s Wochenende gelöst und mir eine neue Version zur Verfügung gestellt. Diese reduziert die Auslastung erheblich! Ich habe den nachfolgenden Test mit dieser „Beta-Version“ von Engine durchgeführt. Sie wird aber nach abschliessenden Tests online gestellt. Das Problem hat sich dadurch zwar nicht ganz gelöst aber deutlich reduziert. Ich empfehle dennoch jedem 10.6.2 User, die Engine GUI beim einspielen zu schliessen. Dann verbraucht sie gar keine CPU-Power für die Grafiken. Es reicht zur Not auch das virtuelle Keyboard zu schliessen.

Auch an dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an alle Beteiligten. Es wäre zwar schöner gewesen, wenn die Probleme vor VÖ des Titels aufgefallen wären aber es ist absolut positiv, dass so schnell eine Lösung herbeigeführt wurde.

Die Engine

Noch ein paar Worte zur Engine. Was ich grundsätzlich vermisse ist eine gedruckte Anleitung. Es gibt lediglich ein PDF-File. Die Oberfläche ist relativ schnell erfasst, mir allerdings zu klein. Speziell die Buttons, Pfeile, etc. sind zu klein und zu eng beieinander. Ich würde mir hier eine frei skalierbare Größe der GUI oder zumindest verschiedene Größen wünschen. Was mir ebenfalls auffällt: Die Namen der nicht selektierten Layer sind nur schwer zu lesen, da sie durch eine Art „Glasoptik“, bzw. dessen Spiegeleffekt überdeckt werden. Im Mixer ist das „blau“ übrigens ebenfalls nur schwer zu lesen.

GUI1

Speziell für die „String Ensembles“ gibt es eine eigene Quick Edit GUI mit 5 Parametern:

Quick-Edit

  • Volume: Entspricht der Lautstärke des gewählten Engine „Layers“ (so werden einzelne Programme in der Engine genannt).
  • Reverb Wet: Hier lässt sich der in Engine mitgelieferte „Origami“ IR-Hall einschalten und der „Wet“ Paramter des selbigen ändern.
  • Pitch: Änderung von bis zu +/- 24 Halbtöne möglich. Es handelt sich nur um ein simples Pitchen ohne Timestretching!
  • Dynamik Range: Hier kann man in DB den Bereich einstellen, in welchem sich abhängig von der Anschlagstärke die Lautstärke ändert. 0 DB bedeuten hier: Die Lautstärke der einzelnen Samples ist unabhängig von der Anschlagstärke. Es werden aber durchaus unterschiedliche Samples gespielt.
  • Automation Presets: Hier liegen lediglich 2 Presets für CME Hardware vor, welche die Knöpfe der Hardware den soeben erwähnten Quick Edit Knöpfen zuordnet.

Alle Paramter lassen sich auch in der „Pro Edit“ Ansicht verändern. Weiterhin finden sich in der Pro-Edit Ansicht etliche weitere Parameter zum feintunen:

Pro-Edit

Den Multicore Support erkennt die Engine nicht automatisch. Dieser muss manuell aktiviert werden.

Effekte gibt es bei der Engine auch einige.

Engine_FX

Für die String Ensembles ist natürlich der beigefügte Origami-Faltungshall gut geeignet – wenn man noch keinen anderen besitzt. Ich persönlich bevorzuge einen Faltungshall aus meiner DAW, da ich ihn auch bei anderen Plug-ins verwenden kann. Dies könnte ich über den Umweg, andere VSTis in die Engine zu laden (was wohl geht!) zwar auch bewerkstelligen. Allerdings finde ich den Mixer der Engine zu klein und daher wähle ich „meinen“ Weg.

Engine-Mixer

Aber wer bisher noch keinen Faltungshall besitzt, könnte über diesen Weg auch andere VSTis damit beglücken. Er klingt übrigens recht gut.

Jetzt aber wirklich!

Jetzt kann ich endlich mit dem eigentlichen Test der Sounds beginnen! Beworben werden diese mit viel Text von Miroslav, der uns einen neuen Ansatz verspricht aber bisher leider keine Demos vorlegt. Vielleicht gar nicht so schlecht für mich als Tester, da ich so noch unvoreingenommener an die Sache herangehen kann. Mir persönlich liegt bisher von Miroslav die Philharmonik Classic Edition vor. Sie liegt in einer gänzlich anderen Preisregion und konnte mich dennoch als kompaktes, gut klingendes und vor allem ressourcensparendes Werkzeug mit allen wichtigen Sounds für ein erstes Arrangement überzeugen. Die Erwartungshaltung an „String Ensembles“ ist also entsprechend groß. Zumal hier „nur“ Streicher geboten werden. Es sei kein „Midi-tweaking“ notwendig, da man sich nur für das richtige Programm entscheiden und einfach spielen muss. Da bin ich wirklich gespannt. Key- und Velocity-Switche enthält aber auch „String Ensembles“. Dennoch nehme ich Miroslav beim Wort und erwarte, dass ich das Manual kaum benötige und mich das anspielen der Sounds inspiriert, so wie er es verspricht.

Die Library

Folgende Instrumente wurden komplett neu gesampelt:

Für ein komplettes (Streicher-)Orchester

  • 24 Violinen
  • 14 Bratschen
  • 12 Celli
  • 9 Kontrabässe

Für ein Kammerorchester

  • 14 Violinen
  • 8 Bratschen
  • 5 Celli
  • 4 Kontrabässe

Das Handbuch verspricht, dass man es nicht benötigt, da die Programme selbstprechend sind. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Es sind sehr viele unterschiedliche Patches enthalten, die zwar anhand der gängigen Bezeichnungen (Pizz, Tr, Sfz, etc.) zum Teil klar machen, was für Spieltechniken sie beinhalten. Andere hingegen muss man schon im Handbuch nachlesen. Hier der Vollständigkeit halber alle verwendeten Spielarten:

  • Long Notes
  • Detache
  • down bow
  • up bow
  • vibrato
  • no vibrato
  • chamber, smaller ensembles
  • sforzato
  • Pizzicato
  • Sul Ponticello
  • Tremolo
  • fast
  • expressive
  • alternative
  • short
  • sharp
  • fortissimo
  • forte
  • mezzo forte
  • mezzo piano
  • piano
  • pianissimo

Weiterhin gibt es 4 grundlegend unterschiedliche Arten, die Patche zu laden bzw. zu nutzen. Hierbei sollte man wissen, dass z. T. die selben Samples genutzt werden. Lädt man also ein Programm mit demselben Namen zweimal, kann es zu Phasenschweinereien oder gar Knacksen kommen. Da die Namen der Patches aber identisch sind, lässt sich das mit diesem Hintergrundwissen vermeiden.

Positiv fällt auf, dass alle Programme sehr schnell laden. Es gibt übrigens 4 vorgefertigte „Projects“, so der Sprachgebrauch der Engine für „Combis“. Projects enthalten mehrere „Layers“, also einzelne Programme oder Patches. Allerdings werden hier auch sämtliche Einstellungen des Mixers, so wie der Effekte, etc. gespeichert. Ich finde, die Musikbranche sollte sich mal auf identische Begriffe für diese „Basics“ einigen. Auch hier kocht wieder jeder sein eigenes Süppchen …

Hier eine kurze Erklärung der 4 Varianten

1. Composer Instruments Keyswitches

Diese sind geeignet für eine Echtzeit-Performance oder zum schnellen Testen grundlegender Spieltechniken. Wenn man wissen möchte, welches Programm auf welcher KS-Taste liegt, klickt man in der Engine auf den „Content“ Button oben rechts in der Pro-Edit Ansicht. Allerdings findet man z. T. die Namen nicht so einfach wieder, da sie Bestandteil eines Velocity Programms sind.

1

2. Composer Layers in Velocity Zones

Hier findet man alle Spieltechniken als einzelnes Programm. Diese Programme dienen zum gezielten einspielen bestimmter Parts. Die „wichtigsten“ davon sind Bestandteil der Keyswitch Programme.

2

3. Composer Alternate & Alt Random

Diese Programme wechseln bei jeder 2. oder 3. Note das Sample. Die Samples sind aber zum Teil so unterschiedlich, dass ich es schon als störend empfunden habe.

3

4. MF-F & MF-P Composer Layers

Diese sind eigentlich in den unter 2. genannten Programmen enthalten, besitzen aber die Besonderheit, dass sie die selbe Lautstärke beibehalten. Für manche Zwecke kann dies gewünscht sein.

4

Die Screenshots stammen alle aus dem „Violins“ Ordner. Andere Instrumente enthalten naturgemäß andere Spielarten, bzw. manche nicht.

Alle Samples wurden von Hand editiert. Wenn nötig wurde neu eingespielt. Alle Spielvarianten wurden real eingespielt um die Performance der Musiker einzufangen und nicht künstlich erzeugt . Grundsätzlich ein guter Ansatz, wie ich finde. Die Samples sind daher auch nicht geloopt, sondern jeweils in voller Länge oder Kürze (je nach Programm) bis zum „Stop“ des Musikers aufgenommen. Der Bogen hat nun einmal nur eine bestimmt Länge und dann muss von Up- zu Down Bow gewechselt werden. (d=down bow, u=up bow). Die Praxis jedoch zeigt aber auch Schwächen dieser Vorgehensweise: Die Samples der einzelnen Noten innerhalb eines Programms sind unterschiedlich lang. Sprich: Wenn man zwei (oder mehr) Töne gleichzeitig spielt, hört der eine früher auf als der andere. Miroslav nennt es „kreative Natürlichkeit“. Hier ein Beispiel:

Richtig lange, liegende „Flächen“ sind nicht zu realisieren, ohne die Noten erneut anzutriggern. Alle, auch die „Long“ Programme, stoppen irgendwann. Zugegebenermaßen ist das bei einem echten Streichinstrument halt so.

Es gibt Aufnahmen für etliche „Praxiszwecke“. Zum Beispiel gibt es Legato-Patches, Detache Patches, Staccato Patches, etc. Im Gegensatz zu anderen Libraries gibt es für eine Spielart direkt mehrere Patches. Z. B. 12 Detaches Patches, 6 Legato Patches, 9 Staccato Patches. Das macht die Auswahl aber nicht leichter. Wer direkt loslegen will, sollte erst einmal die verschiedenen Patches durchhören. Sie besitzen alle unterschiedliche Nuancen.

Ich suche als nächstes nach Legato-Patches. Fündig werde ich, aber es ist kein „Real Legato“. Da nichts künstlich editiert wurde, sondern alle Attack- und Releasephasen „nur“ von den Samples kommen, ist es unmöglich, damit echtes Legato zu imitieren. Denn gespielte Übergänge (wie beispielsweise bei den VSL-Libraries) gibt es keine.

Triller sind ebenfalls keine vorhanden, weil Vitous Miroslav der Meinung ist, es müsse eine separate Library zu diesem Thema geben. Diese ist wohl für die Zukunft geplant. Ebenso prüft er z. Z., ob es für diese Spielart doch eine Software-Lösung gibt, welche aus den bestehenden Samples Triller erzeugt, welche realistisch klingen.

Weiterhin sind manche Samples selbst ohne verwendeten Faltungshall mit einem deutlich hörbaren Raumklang versehen. Das widerspricht der Aussage, dass alle Samples trocken vorhanden sind. Beispiele hierfür sind Programme aus dem Bereich:

nicht_trocken

Beispiel:

Zwischenfazit

Wer bis hier gelesen hat, ist unter Umständen „abgeschreckt“. Damit würde man dem Sound der Library aber Unrecht tun. Denn eines muss man Ihr wirklich bescheinigen: Miroslav hat viele Nuancen der Performance eines echten Orchesters aufgenommen. Diese sind alle sehr lebendig und inspirierend. Allerdings macht es einem der Aufbau der Library nicht immer leicht, aus dieser Fülle von unterschiedlichen Nuancen die richtige zu erwischen. Wie Miroslav selber schreibt, wird man je nach Programm und Ordner (denn die selben Programme sind in bis zu 4 Ordnern zu finden) zu einer anderen Spielweise inspiriert. Sucht man jedoch eine ganz bestimmte, unauffällige Spielweise, verheddert man sich leicht im Suchen danach. Gut, dass die Ladezeiten der Engine wirklich superschnell sind. Ein Klick und schon kann man den nächsten Sound spielen. Trotz aller Stolperfallen und auch Nachteile kann man der Library nicht absprechen, dass sie gut klingt und inspiriert.

Hier ein Beispiel, bei welchem ich ausser dem Flügel („The Grand 3“) nur die Sounds der „String Ensembles“ genutzt habe. Als Hall kam der „Reverence“ aus Cubase 5 zum Einsatz. Die Entfernung zum Orchester ist dabei übrigens bewusst „weit“ gewählt. Man ist also Zuhörer aus einer der hinteren Reihen des Orchestersaals.

Zum Vergleich das Stück komplett ohne Hall:

Das komplette Stück wurde ursprünglich für Cello und Flügel komponiert. Ich habe den zu hörenden Ausschnitt für diesen Test mit den String Ensembles eingespielt.

Das gefällt mir nicht

Der Preis! Warum? Nun, weil in diesem Fall in meinen Augen Preis und Leistung nicht stimmen. Ich will gar nicht bestreiten, dass die Samples alle für sich genommen ihren Live-Charme besitzen und gut klingen. Allerdings kann ich den angepriesenen Vorteil in der Aufteilung der Programme nicht erkennen. Weiterhin wurden viele der Samples doppelt und dreifach verwendet.

Diese Library ist für mich nicht intuitiver nutzbar, als andere Orchester Libraries. VST-Expression ist nur bedingt mit den vorgefertigten KS Programmen möglich. Ein eigenes Mapping ist nicht möglich. Einen Preis von 500 Euro würde ich persönlich für angemessen halten. Aber 998 Euro sind in meinen Augen zu hoch, zumal „nur“ Ensembles geboten werden. Da erhält man Preis-Leistungsmäßig mit der VSL Special Edition deutlich mehr und diese ist selbst inkl. der Extended Library günstiger. Und wenn ich bei reinen Streicher-Ensembles bliebe, würde ich von VSL die Appasionata Strings bevorzugen, die in Vol.1 selbst inkl. der Extended Edition noch günstiger wären. Dazu sind die VSL Libraries durch die Matrix-Zuordnung des Vienna Players einfacher zu bedienen. Weiterhin bieten sie echt eingespielte Legato-Performances für alle Übergänge von +/- einer Oktave. Letzteres fehlt bei den String Ensembles völlig.

Dass manche Samples bei den String Ensembles einen Raumanteil aufweisen, passt nicht ins Konzept und macht es schwer bis unmöglich, diese in einem Song unterzubringen.

Das gefällt mir

Der Klang der aufgenommen Streicher an sich ist wirklich schön. Da gibt es (bis auf die Raumanteile bei manchen Samples) nichts zu meckern. Und wenn man sich einmal an die etwas andere Art des Mappings (jede Spielweise auf einer anderen Spur) gewöhnt hat, lassen sich durchaus gute Ergebnisse damit erzielen. Die Ladezeiten und die geringe Prozessorauslastung (wenn man die Tipps bezüglich der Engine beherzigt) sind ebenfalls gut.

Abschließend

Leider überwiegen die negativen Punkte nun doch bei mir und es fällt mir schwer angesichts des hohen Preises eine Empfehlung auszusprechen. Das Produkt ist trotz des guten Sounds in meinen Augen noch nicht „rund“ und dafür einen so hohen Preis aufzurufen, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal einer der Sätze im Handbuch lautet: „It was made for the music, not for the money.“ Ich lasse bei der Testnote bewusst den Faktor Preis aussen vor. Ob es in das Budget passt, muss jeder selbst entscheiden. Das reine Produkt erhält von mir mit den momentanen Features eine 3. Wobei der Klang zum Teil sicherlich eine 1 verdient hätte. Das Orchester hat wirklich einen guten Sound und bietet sehr ausdrucksstarke Performances. Aber es zählt das Komplettpaket und da fällt mir eine bessere Note leider schwer.

Markus Cremer

Preis

Vertrieb

Systemvoraussetzungen Mac OS

Best Service ENGINE Sample Player ist in diesem Produkt enthalten!

  • Mac OS 10.4, 10.5 oder höher
  • Min. PowerMac G4 oder Intel Mac 1GHz.
  • Min. 512MB Ram
  • Empfohlene Ausstattung: G5 oder Intel Mac 1.8GHz, 1GB Ram
  • Interfaces: Standalone, AU, VST, RTAS

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP, Windows Vista, Windows 7, 32bit & 64bit
  • Min. Pentium/Athlon XP 1.4GHz
  • Min. 512MB Ram
  • Empfohlene Ausstattung: Pentium/Athlon XP 3.0GHz, 1GB Ram
  • Interfaces: Standalone, VST, RTAS

Für alle Systeme

  • DVD Laufwerk
  • Internet Verbindung zur Produktaktivierung (auf beliebigem Computer möglich)
  • ausreichend freier Platz auf der Festplatte, abhäbgig von der jeweiligen Library

Produkt Aktivierung

  • Zur Autorisierung / Aktivierung des Produktes benötigen Sie eine Internet Verbindung auf einem beliebigen Computer

Mehr von

3 Comments

  1. markus
    1. Dezember 2010

    Update: Der Preis wurde mittlerweile auf 649 EUR gesenkt. Weiterhin sollen einige Verbesserungen per kostenlosem Update kommen. Unter anderem sollen der von mir kritisierte Aufbau der Library verbessert werden und neue Samples hinzukommen. Auch die kritisierten Sustain Programme hat man wohl überarbeitet. Ich bin sehr gespannt auf das Update. Wenn es gut läuft, könnte es durchaus zu einer Anpassung der Testnote kommen. In der neuen Preisregion werden die String Ensembles mit den Updates auf jeden Fall konkurrenzfähiger sein als bisher.

    Antworten
  2. Jean Sevriens
    29. Mai 2011

    Hallo Markus , danke für dein Testbericht : ich möchte als komponist
    mit frischem Imac umsteigen auf die neuen MV strings .
    Allerdings benütze ich Logic pro 9 : hast du auch damit Erfahrungen,
    und wenn nicht , vielleicht link-tipps in dieser richtung ?

    Vielen dank

    Jean Sevriens

    Antworten
  3. Markus
    31. Mai 2011

    Hallo Jean,

    die „Engine“ und somit auch die „MV String Ensembles“ laufen als „AU“ unter Logic Pro 9. Das stellt also kein Problem dar. Die neue Engine Version ist mittlerweile auch eine runde Sache.

    Viele Grüße

    Markus

    Antworten

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