Test: IK Multimedia – iRig Keys

Der Trend „Größer, Schneller, Weiter“ scheint sich aktuell umzukehren. Apple bringt das iPad mini und IK Multimedia mit dem iRig Keys ein Keyboard mit Mini-Tastatur und direktem Anschluss an die Apple-Geräte.

Optik und Haptik

Schauen wir zunächst, was in der Packung enthalten ist:

  • iRig Keys
  • iOS Dock Kabel (kein Lightning Anschluss!)
  • Micro USB Kabel
  • Quick Start Guide
  • iRig Keys Registration Card (mit Serial)
  • Sample Tank 2L Registration Card (mit Serial)
  • kleines Heftchen mit Infos zu iOS Apps und Zubehör von IK Multimedia

 

Beim Auspacken des iRig Keys fällt mir auf, dass es farblich sowohl zum weißen als auch zum schwarzen iPad / iPhone passt. Die Farbgebung finde ich sehr gelungen und schick. Aber auch in Sachen Funktionalität ist das iRig Keys sehr gut ausgestattet. Es ist das einzig mir bekannte Mini-Keyboard mit echtem (!) Modulation und Pitch Bend Wheel. Beide Wheels sind zwar passend zur Tastatur geschrumpft aber sehr „straff“. Sehr gut und praxistauglich! Und wo andere Hersteller für Sustain zwar immerhin eine Taste spendieren, gibt es beim iRig Keys einen Sustain Pedal Eingang, der alternativ auch für ein Expression Pedal genutzt werden kann. Danke, IK Multimedia. Hier waren Musiker am Werk. Ein getestes Pedal von M-Audio (nutze ich sonst an meinem microPiano) war allerdings „falsch“ gepolt und konnte nicht überredet werden zu funktionieren. Ein weiteres von mir getestetes Yamaha Pedal wurde aber ohne Probleme erkannt. Bleiben wir bei den Anschlüssen: Es gibt einen Micro-USB Ausgang zum Anschluss an „normale“ Computer und einen dedizierten Ausgang für das beiliegende iOS Dock-Connector Kabel. Hier merkt man allerdings, wie schnell sich manche Dinge entwickeln. An mein „not so new“ iPad der 3. Generation passt das beiligende Kabel noch. iPad mini oder iPad 4 besitzen allerdings wie das iPhone 5 den neuen Lightning Anschluss. Hier wird ein Adapter benötigt.

An weiteren Bedienelementen gibt es noch einen Volume / Data Drehregler, einen „Set“ Button um 4 verschiendene User-Settings zu laden, einen Oktave Down, einen Oktave Up sowie einen Program Down und Program Up Button. Mit letzteren kann man direkt Program-Change Befehle senden.

Alles in allem ist die Gesamtausstattung eine sehr runde Sache.

Praxiseinsatz

Man kann natürlich alle iOS Apps mit dem iRig Keys verwenden, welche sich mit CoreMidi ansteuern lassen. IK Multimedia hat aber mit „iGrand“ eine eigene Piano App im Angebot, welche ich in der „Free Version“ teste. Beim ersten Versuch mit iGrand wurde das iRig Keys nicht erkannt, obwohl es bereits verbunden war und auch die iOS LED leuchtete. Erst ein Trennen und erneutes Verbinden brachte den gewünschten Erfolg. Auch wenn man kurz die App wechselt und anschließend wieder iGrand öffnet, wird das iRig Keys nicht in jedem Fall erkannt. Plug & Play geht anders. Hier sollte ein Update der App aber Abhilfe schaffen. Die nächste kleine Hürde ist die Anschlagsdynamik. Meine Erwartungshaltung ist natürlich nicht die an eine Tastatur mit Hammermechanik. Da ich aber eine gewichtete Tastatur gewöhnt bin, lag ich mit meinem Anschlag bei diesen kleinen Tasten stets im Bereich von 100 – 127. Abhilfe schafft hier eine Anpassung der Velocity Kurve. Dies geht wie folgt: Beide Octave Taster gleichzeitig drücken (Edit Mode), gefolgt von F#2 (Velocity), A3 (Vel Sens: Heavy) und C5 (Enter). Mit dieser Einstellung lässt sich das iRig Keys schon dynamischer spielen. Lediglich der Übergang zwischen den verschiedenen velocityabhängigen Samples (ich höre zwei verschiedene heraus) ist beim iGrand etwas hart und auch hörbar. Im Live-Betrieb sollte es aber kaum auffallen. Also lassen wir mal die Kirche im Dorf und bleiben zunächst beim iGrand. In der „Free-Version“ ist der Tonumfang auf C1 bis C#5 beschränkt, was sich durch den Erwerb der „Full-Version“ aber beheben lässt. Das Piano klingt etwas dynamischer aber auch härter als das aus Garage Band (iOS). Das Spielgefühl auf dem iRig Keys ist nach ein wenig Eingewöhnungszeit durchaus dazu geeignet live eine Nummer zum besten zu geben oder in Garage Band eine Idee festzuhalten. Und obwohl oder gerade weil das iRig Keys das größte meiner bisherigen Mini-Keyboards ist (neben Korg’s nanoKEY besitze ich noch Akai’s LPK 25) würde ich dem iRig Keys in jedem Fall den Vorzug geben. Es hat den praxistauglichsten Tastaturumfang von 37 Tasten, echte Pitch und Modulation Wheels und einen Sustain oder Expression Pedal Eingang. Und trotz allem ist es noch klein genug um im Rucksack Platz zu finden.

Editmöglichkeiten

Um mit dem iRig Keys den ein oder anderen Live-Einsatz zu bestehen (was ich durchaus als „Showeinlage“ plane), kann man 4 User-Sets programmieren. Wichtig ist, VOR dem ändern der Einstellungen durch drücken der Set-Taste das gewünschte der 4 Sets auszuwählen! In den Edit-Mode gelangt man durch gleichzeitiges drücken von OCT Down & Up. Anschließend wählt man über die Tastatur den gewünschten Bereich an, sendet einen Wert und bestätigt mit C5 (Enter). Gut also, dass es 4 User-Speicher gibt, da es im Live-Betrieb abgesehen vom ändern der Oktavlage nicht komfortabel ist, Einstellungen zu verändern. Hier die Einstellmöglichkeiten im Einzelnen:

  • Den „Midi Transmit Channel“ kann man zwischen 1 und 16 wählen und so verschiedene Geräte ansteuern.
  • Die Anschlagsdynamik lässte sich in 5 Einstellungen festlegen: Fixed 64, Fixed 100, Fixed 127, Light, Normal und Heavy.
  • Der Volume/Data Dreh-Regler lässt sich mit jeder beliebigen Midi Control Change Message zwischen0 und 127 belegen. Standarmäßig sendet er Controller #7 (Volume).
  • Neben Program Change Up & Down kann man auch direkt einen bestimmten Wert senden.
  • Eine „All Notes Off“ Message (CC#121 und CC#123) lässt sich über „Edit“ und F#4 senden.
  • Wer das iRig Keys transponieren möchte, kann dies über Edit, G#4 und anschließendes drücken der gewünschten „Zieltonart“ ausgehend von C erledigen.
  • Auf die Werkseinstellungen kann man das iRig Keys durch Edit und A#4 zurücksetzen.

Zum speichern hält man die Set Taste für 2 Sekunden gedrückt und alle Einstellungen sind im vorher gewählten Set (1-4) gespeichert.

Fazit

Das iRig KEYS* ist ein wirklich gelungenes Mini-Keyboard für unterwegs und in Sachen Standard-Key-Controller das am besten ausgestattete, mir bekannte Mini-Keyboard. Ob für iPad, iPhone, Macbook oder PC: Es hat die richtige Größe, den richtigen Tastaturumfang und besonders die Tatsache, dass es echte Pitch- und Modulation Wheels sowie einen Sustain oder Expression Pedal Eingang besitzt, macht es für mich zur klaren Empfehlung. Es ist Core MIDI (iOS) und USB class compliant (Mac/PC) und Verarbeitung und Haptik stimmen ebenfalls. Man könnte sich zwar noch 4-8 gut funktionierende Gummi-Pads für Drumsounds sowie ein paar Drehregler wünschen. Dann aber wäre es teurer geworden oder man hätte an der Qualität der Ausstattung sparen müssen. So spezialisiert es sich ganz auf das, was sein Name auch sugeriert: Keys! Und da macht es alles richtig, was man für diesen Preis und in dieser Größe erwarten kann. Von mir erhält es eine klare Kaufempfehlung für alle mobilen Keyboarder und den Alpendeich Redaktionstipp!

alpendeich-Redaktionstipp

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iRig KEYS bei Amazon*

Hersteller: IK Multimedia

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11 Comments

  1. Jörn
    27. November 2012

    Sehr schöner Test und coole Fotos!

    Antworten
  2. Dirk
    24. Dezember 2012

    Danke für diesen ausführlichen Test.

    In meiner Entscheidung gestärkt werde auch ich nun zuschlagen.

    Vielen dank

    Antworten
    1. Markus
      27. Dezember 2012

      Hallo Dirk,

      freut mich, dass der Test hilfreich war. Viele Grüße und viel Spaß mit dem iRig Keys!

      Antworten
  3. Sesam
    5. April 2013

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht! Ich werde mir jetzt wohl auch eins zulegen. Liebe Grüße aus Wuppertal!

    Antworten
    1. Markus
      5. April 2013

      Viel Spaß damit und danke für Dein nettes Feedback!

      Antworten
  4. Jürgen Goeres-Petry
    8. Mai 2013

    Guten Tag,
    sitze gerade für 3 Stunden am Flughafen fest und denke, warum ich eigentlich kein Keyboard dabei habe (Silent Guitar ist einfach zu unhandlich!). Nach Ihrem Bericht werde ich jetzt die MusikerversorgungsWebsiteunsererWahl bemühen und das Teil bestellen. Werde beim nächsten Mal die Zeit besser nutzen. Danke und Gruss jgp

    Antworten
    1. Markus
      8. Mai 2013

      Für das Handgepäck ist das Teil wirklich super. Dann auch ohne iRig Keys vorerst einen guten Weiterflug 🙂

      Antworten
  5. Dirk
    1. November 2014

    Hi Markus!
    Dein Bericht hier ist zwar schon zwei Jahre alt, aber vielleicht hast du ja noch ein paar Infos zu den aktuellen Geräten von IRIG.
    Ich versuche gerade zu verstehen, was der Unterschied zwischen Irig Keys Lightning und Irig Keys Pro ist?! Das Pro hat doch auch einen Lightning Stecker dabei…
    Vielleicht weißt Du das? 🙂

    Ansonsten vielen Dank für den Test und den Bericht.
    Gruß, Dirk

    Antworten
    1. Markus
      2. November 2014

      Hi Dirk,

      das Pro hat größere Tasten (Full-sized) und ist dadurch auch geringfügig größer als das „normale“ iRig Keys. Die Größe des Pro ist 63x23x9 im Vergleich zu 56x20x6,5. Lightning Anschlüsse haben in der Tat beide Geräte.

      Viele Grüße

      Markus

      Antworten
  6. Simon
    16. August 2016

    Es ist zwar einige Zeit her, dass du diesen Test gemacht hast (inzwischen gibt es ja auch eine PRO Variante mit Tasten in Pianogröße), aber ich wollte noch einen Hinweis zu deinen Plug-and-Play Erfahrungen geben. Hierzu habe ich bei IK Produkten für iOS die Erfahrung gemacht, dass man erst die App starten und dann das Gerät anschließen sollte, dann funktioniert es bei mir immer.
    Ansonsten – super geschriebener Test. Bin durch Zufall über eine Googlesuche auf den Blog gekommen und werde nun sicherlich noch eine Weile hier lesen. Sehr informativ und unterhaltsam 🙂 Daumen hoch!

    Antworten
    1. Markus
      17. August 2016

      Hi Simon, danke für Deinen Tipp und die netten Worte 🙂

      Antworten

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