Test: Eduardo Tarilonte Forest Kingdom

Nachdem Tari uns mit “Epic World” auf Weltreise geschickt hat, geht es mit seiner neuesten Sample Library auf Basis des Engine 2 Players in den Wald. Was uns dort erwartet, sind allerlei Klanglandschaften, spielbare Instrumente mit True Legato, Portamento und Round Robin sowie Stimmen und Phrasen. Schauen (und hören) wir doch mal, ob diese Sounds wieder ähnlich inspirierend und atmospärisch sind, wie ich es von Tari’s Libraries gewohnt bin.

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Installation

Da die Basis dieser Library der Engine 2 Player von Best Service (in Kooperation mit Yellow Tools) ist, verweise ich bezüglich der Installation des Players gerne auf meinen Test zu “Epic World”. Die Library selber gilt es nur noch auf die Festplatte zu kopieren und in der Engine mittels Challenge & Response zu aktivieren. Dazu gibt es auf der eigentlichen Library DVD eine kurze und gut bebilderte PDF-Anleitung, die in gedruckter Form auch der Boxed-Version beiliegt. Schön ist nach wie vor, dass mittlerweile der Speicherpfad für die Samples frei vom Benutzer gewählt werden kann.

Übersicht

Forest Kingdom enthält insgesamt über 7 GB an Samples (7.500) verteilt auf 205 Patches. Diese wiederum teilen sich wie folgt auf:

1. Instruments

  • Celtic Harp
  • Electric Harp
  • Panpipes Full Set (4 verschiedende: Chuli, Malta, Zanka und Toyo)
  • Low Panpipe Breathing
  • Low Panpipe Short Staccato
  • Low Panpipe Whispers
  • Low Panpipe Spoken Phrases
  • Low Panpipes Spoken Staccato
  • Bulgarian Piccolo Flute
  • Double Flute
  • Kiowa Native American Flute
  • Xiao Flute
  • Fula Flute
  • Duff Frame Drum
  • Cumacos
  • Marimbola
  • Rain Stick
  • Rattle
  • Slic Srum Schromatic
  • Slic Drum
  • Taiko
  • Udu
  • Water Pumkin
  • Metal Percussion (27)
  • Ocean Drums (4)
  • Shakers (15)
  • War Drums (5)
  • Wind Chimes (9)
  • Wind Tubes (3)

2. Pads

  • 80 Pads á 2 – 8 Layers

3. Fantasy Creatures

  • 36 an der Zahl

4. Voices

  • 3 male / 1 female

5. Swishes

  • 6 Multisamples Layer

Interface

Eduardo Tarilonte Forest Kingdom

 

Schauen wir uns kurz das Interface an, welches mir schon bei “Epic World” sehr gut gefallen hat. Es ist übersichtlich und dadurch sehr intuitiv zu bedienen. Die “Pro Edit” Ansicht habe ich dort nicht vermisst. Auch hier benötige ich sie nicht, da man alle relevanten Parameter auf der Quick Edit Seite findet.

Tipp

  • Einzig den “Multi Core Support” im Bereich “Engine” auf dem “Preferences” Reiter sollte man auf jeden Fall beachten und entsprechend seinem System einstellen. Anschließend “Save Preferences” nicht vergessen, da die Engine die Einstellung sonst beim nächsten Start vergessen hat.

Bei allen Kategorien sind die Elemente im oberen Bereich identisch. So gibt es dort EQ, Pitch, Pan und Volume sowie die typischen Elemte zur Envelope Bearbeitung (AHDSR).

Der untere Bereich zeigt einen Volume-Meter und einen vom Layer abhängigen Mixer. Dieser kann neben dem Anteil des Faltungshalls (sehr gut aber naturbedingt hungrig nach Rechenleistung) auch die bis zu 8 Layer eines Sounds im Lautstärkenverhältnis regeln ohne auf die Mixer-Seite der Engine oder der DAW zu gehen. Da diese Fader schnell per Midi-Learn einem Controller zugewiesen werden können, sind auch dynamische Automationen kein Problem. Bei enthaltenen Release-Samples kann man diese in diesem Bereich ein oder ausschalten.

Viel mehr gibt es über die “Quick Edit” Seite auch nicht zu sagen, so dass wir uns direkt den Sounds zuwenden können.

Sound-Details

Der Teufel steckt hier wirklich in den Details. Und wenn man den entdeckt hat, sind weniger als 1 Euro pro Patch wirklich mehr als ein guter Deal bzw. “great Bang for the Buck”. Ohne weiter über das Interface zu reden oder mir Gedanken darüber zu machen (weil es wirklich super intuitiv ist) spiele ich ein paar Patches durch und da war es wieder: Dieses Gefühl, von Musikalität umgeben zu sein! Ich weiss nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, daher mache ich es mal an einem Vergleich im nächsten Abschnitt fest.

1. Instruments

Nehmen wir die Panflöten. Jaja, jetzt werden einige frotzeln und an die netten jungen Musiker denken, die mit diesen Instrumenten die Strassen diverser Städte im Sommer beschallen. Ich hingegen habe zunächst an die M1 von Korg gedacht als ich “Pan Pipe” gelesen habe. Aber was hier im “Kingdom Forest” zu spielen ist, hat nichts, aber rein gar nichts mehr mit dem guten, alten M1 Sound zu tun, den manch ein Alleinunterhalter höchstwahrscheinlich bei 70. Geburtstagen zum besten gegeben hat um damit irgendeine Schnulze zu interpretieren. Was ich hier gerade auf meinem Kopfhörer hatte, war dermaßen geil und lebendig, dass ich unweigerlich an meinen “Accordions” Test denken musste. Verdammt, ich wusste gar nicht, wie tief diese Flöten runter gehen! Wenn man bedenkt, dass die längste hier gesampelte Pan Flöte eine Länge von 1,5 Metern hat (!) wundert es mich nicht, dass man mit dem Staccato Keyswitch schon fast Percussion-ähnliche Sounds aus dem Teil zaubern kann. Dazu noch gezielt ein paar Atemgeräusche und schon steht der bolivianische Sikuri leibhaftig vor mir.

Hier ein kurzes Beispiel:

Um zu verstehen, warum es so lebendig klingt, schaue ich doch mal auf die Pro-Edit Seite. Und hier sieht man den technischen Aufwand, der hinter der Lebendigkeit steckt: Es gibt 7 Artikulationen (hier “Alternate Samples” genannt) welche sich per Keyswitch umschalten lassen. Darunter fallen zum Beispiel Artikulationen mit Vibrato, ohne Vibrato, Sustain, Stacatto oder Flutter. Und jede Artikulation enthält jeweils 4 Round Robin Samples. Die Atemgeräusche gibt es in 16 kurzen und 16 langen Variationen und werden stufenlos den anderen Samples hinzugemischt.

Eduardo Tarilonte Forest Kingdom

 

Lieber Tari: Ich weiß jetzt schon, dass ich in einem der künftigen Produkte gerne ein Didgeridoo und einen schottischen Dudelsack gesampelt haben möchte. Gerade letzterer könnte eine echte Herausforderung werden. Aber wenn Du die Teile so lebendig hinbekommst, wie diese Panflöten, dann ist die die Zeit der Billig-GM-Sounds vorbei und Instrumente wie Pan-Flöte oder Dudelsack verlieren endgültig ihren “Oh Gott, schalte schnell weiter!”-Ruf. Toll, jetzt habe ich mich über einen von über 200 Patches über mehrere Zeilen hinweg ausgelassen. Wo soll das nur hinführen? Jedenfalls werde ich mir jeden einzelnen Patch genau anhören und meinen Gesamteindruck pro Kategorie schildern.

Doch zuvor habe ich das Beispiel von eben in einen anderen Kontext gebracht und ein weiteres Demo daraus gemacht. Die anderen Sounds stammen allerdings nicht aus Kingdom Forest aber man sieht, dass die Library nicht nur zu Filmvertonung inspirieren kann.

Die Flöten sind für mich neben den Pads sicherlich einer der Highlights der Library. Die bulgarische Piccolo Flöte z. B. enthält zahlreiche Artikulationen mit bis zu vier Round Robin Samples und echten Legatoübergängen. Letztere sind sehr überzeugend zu spielen und werden einfach bei einer geringeren Velocity ausgelöst. Aber auch die “Kiowa Native American Flute” hat schöne Übergänge und Ornamente zu bieten, wie man im folgenden Beispiel hören kann:

Dazu gesellen sich Release-Samples und “Fingergeräusche” des Spielers. Die Flöten liegen alle in ihrem natürlichen Tonumfang vor und sind per Keyswitch mit den typischen Ornamenten und Trillern ausgestattet. Da bleiben wirklich keine Wünsche offen. Wer also den nächsten Titanic Soundtrack vertonen möchte, für den lohnt die Anschaffung der Library schon aufgrund der enthaltenen Flöten. Ein besonderes Schmankerl sind für mich noch die gesprochenen Phrasen sowie die geflüsterten Töne auf der tiefen Panflöte.

Bleiben wir noch ein wenig bei den Instrumenten. Die Harfen enthalten 3-4 Velocity Zonen mit je 3 Round Robin Samples und klingen richtig schön. Die elektrische Harfe allerdings rauscht ein klein wenig. Das sollte im Gesamtkontext aber ebenso wenig auffallen wie das Rauschen eines Gitarrenamps.

Die Percussion Abteilung überzeugt ebenso mit zahlreichen Round Robin Samples sowie Phrasen wie “Rolls”, “FX” und “Hits” der einzelnen Instrumente. Hier kann mal also recht stilsicher arrangieren. Neben Trommeln wurden auch etliche metallene Gegenstände und Glocken gesampelt und können wunderbar als Atmo eingesetzt werden. So zu verstehen sind auch die “Shaker”, die weniger mit einem passenden rhythmischen Pendant zur Hi Hat auf der anderen Panoramaseite zu tun haben als mit einer hervorragenden Atmo um Spannung aufzubauen.

2. Pads

Die Pads haben sicherlich den größten Anteil innerhalb der Library. Der Experimentier-Faktor ist recht hoch, da alle Pads interessante Layer enthalten, die sich per Midicontroller überblenden lassen. Standardmäßig sind CC 1-8 vergeben aber man kann per Midi-Learn jedem Controller diese Aufgabe übertragen. Mir gefällt der Ansatz mit den Layern sehr gut. So klingt ein Pad nie gleich. Im Kontext kann man es wunderbar “entwickeln” um z. B. bei Kamerafahrten die Dynamik zu steigern ohne auch nur den Sound wechseln zu müssen. Ähnlich wie bei Epic World hat es Eduardo auch hier geschafft, interessante Klangkulissen zu schaffen, an denen man sicherlich lange seine Freude haben wird. Hier ein Beispiel mit einem Pad (4 Layer):

Und eines mit 8 Layern:

3. Fantasy Creatures

Wer nicht gerne alleine im Wald ist, kann sich in diesem Bereich Gesellschaft von Biestern, Vögeln oder anderen Kreaturen holen. Selbst hier liegen Keyswitch Varianten vor, so dass man die “Tierstimmen” immer wieder variieren kann. Bei den Vogelstimmen liegt hingegen sogar auf jeder Taste eine andere Variation. Die Vögel klingen zum Teil zwar so, wie diese Teile auf der Kirmes die man in den Mund nehmen und selber Vogelstimmen imitieren kann aber durchaus nett und abwechslungsreich. Hier kann sich jeder seine Vogel-Voliere nach Wahl bestücken. Etwas tiefer klingt aber zum Beispiel diese Kreatur:

4. Voices

Wer es menschlicher aber dennoch mystisch mag, sollte sich in der “Voice”-Abteilung des Waldes umschauen. Es gibt eine weibliche Stimme, die sich durch Real-Legato Übergänge auszeichnet aber leider auch dadurch, dass sie bei den Keyswitches etwas zickig ist. So wird der nächste Ton erst nach dem zweiten Note-Trigger Befehl ausgelöst, wenn man einen Keyswitch bei noch gehaltener Note vornimmt. Das ist schade, weil die Stimme mit den verschiedenen Phrasierungen wirklich gut eingefangen wurde. Ein Problem ist der Keyswitch Wechsel aber lediglich beim Live einspielen. Im Editor kann man das schnell gerade biegen. Dennoch sollte das mit einem Bugfix behoben werden. Die 3 restlichen Patches holen den Schamanen aus dem Wald. Hier sind sehr viele unterschiedliche Phrasen zu finden. Hier ein kleines Beispiel:

5. Swishes

Hier findet man im ersten von drei Patches auch die Panflöte wieder. Hier aber spezialisiert auf Effekte. Wieder mit Keyswitches ausgestattet, kann man hier schöne Effekte einstreuen. Zu den drei “trockenen” Patches gesellt sich jeweils ein Patch, welches bereits mit zusätzlichen Effekten aufgenommen wurde. Die 3 Patches sehe ich als nette Dreingabe der Library. Ob diese eine eigene Abteilung benötigen, sei mal dahingestellt.

Abschließend

Ich kann diese Library ohne Zögern jedem empfehlen, der sich mit Sounddesign, Filmvertonung oder Game-Vertonung beschäftigt. Man hört wieder, dass mit viel Liebe zum Detail gesamplet wurde.

Das gefällt mir nicht

Die Ladezeiten sind mitunter doch recht lang. Das ist leider der Preis für die Artikulationsvielfalt innerhalb der betroffenen Patches. Der kleine Keyswitch Bugfix bei der “Ethereal Female Solo Voice” (siehe Abschnitt 4.) sollte per Update behoben werden.

Das gefällt mir

Die Lebendigkeit der Libary zieht sich durch alle Bereiche. Ob es minutiös gesamplete Flöten, lebendige Percussions, atmospärische Flächen oder aber die Stimmen von Tieren oder Schamanen sind: Alles hat die gewisse Portion Lebendigkeit, welche die Bits und Bytes der Samples zu mehr als nur Nullen und Einsen macht.

Markus Cremer

Ergänzende Links

Systemvoraussetzungen Mac OS

  • Mac OS 10.4, 10.5 oder aktueller
  • Mindestens: G5 oder Intel Mac 1.8GHz.
  • 1GB RAM
  • Standalone, AU, VST, RTAS (32bit)
  • DVD Laufwerk
  • Internet Verbindung für die Produktaktivierung erforderlich (kann auch an einem separaten Computer erfolgen)
  • Mindestens 7 GB freien Festplattenspeicher

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP, Windows Vista, Windows 7, 32 Bit & 64 Bit
  • Mindestens: Pentium/Athlon XP 3.0GHz.
  • 1GB RAM
  • Standalone, VST (32bit and 64bit), RTAS (32bit only)
  • DVD Laufwerk
  • Internet Verbindung für die Produktaktivierung erforderlich (kann auch an einem separaten Computer erfolgen)
  • Mindestens 7 GB freien Festplattenspeicher

Preis

  • 199 Euro

Vertrieb und Support

Hersteller (Library)

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