Test: Datenrettung mit Stellar Phoenix Mac Data Recovery – Professional

Datenrettung ist ein Thema, welches jeden treffen kann. Ich stelle Euch in diesem Test „Stellar Phoenix Mac Data Recovery – Professional“ vor und prüfe, was es kann.

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Der nachfolgende Text enthält Werbelinks, welche mit „*“ gekennzeichnet sind. Dazu finden sich am Ende des Artikels weitere Hinweise. Mir wurde das Programm kostenlos zu Testzwecken zur Verfügung gestellt, ich gebe hier aber dennoch meine ehrliche Meinung wieder und berichte von meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Programm. Und zugegeben: Bei den Amazon Bewertungen für die Vorgängerprodukte* bin ich skeptisch an den Test herangegangen.

Vorab

Bei defekten Datenträgern ist es immer ein Glücksspiel, ob man Erfolg hat oder nicht. Man weiß nie, worin der Defekt begründet ist und welche Daten physikalisch noch da oder wirklich defekt bzw. bereits überschrieben sind. Oftmals ist es zum Glück so, dass die Daten noch auf den einzelnen Sektoren des Speichermediums liegen, nur mit „Bordmitteln“ nicht mehr angezeigt werden können. Dann benötigt man ein spezielles Programm, welches die Sektoren einzeln scannt und einem aus dem Datenwust die ursprünglichen Daten zur Wiederherstellung anbietet.

„Stellar Phoenix Mac Data Recovery“ ist so ein Spezialprogramm. Es wird beworben mit „Die beste Mac Datenwiederherstellungssoftware um gelöschte Dateien wiederherzustellen“. Da ich keine Vergleichsprogramme habe, kann ich das natürlich nicht testen. Es ist aber zunächst eine hohe Erwartung, die da geweckt wird.

Installation

Hier kommt auch schon gleich der erste kleine Pferdefuß bei dem Programm: Es ist zur Zeit nur 32 bit fähig und somit ist seitens des Herstellers zwingend ein Update auf 64 bit erforderlich, wenn es auch noch unter dem kommenden macOS laufen soll. Denn Apple hat schon vor längerer Zeit angekündigt, dass HighSierra das letzte OS sein wird, welches noch 32 bit Apps unterstützt. Den Hinweis beim ersten Start des Programms kann man mit OK bestätigen und die Software unter HighSierra ohne Einschränkungen nutzen. Das ist aktuell also noch kein Problem, könnte aber eines werden.

Die Installation verläuft ansonsten unspektakulär. Die App in den Programmordner ziehen, starten, das Benutzerpasswort eingeben, den Lizenzbestimmungen zustimmen und los gehts. Das Passwort muss übrigens bei jedem Start eingegeben werden, um dem Programm erweiterten Zugriff zu gewähren.

Man hat die Möglichkeit, das Programm vor Kauf in einer Testversion zu installieren. Diese zeigt einem das vollständige Ergebnis des Scans an, lässt einen die Daten aber nicht Wiederherstellen. Das ist eine faire Möglichkeit, denn das Programm kostet in der günstigsten, genau dieser getesteten Professional Version, immerhin 99 EUR. Wenn man dafür aber wertvolle Daten zurück erhält, kann es einem das durchaus wert sein. Ich habe wegen eines Datenverlusts schon bärtige Männer weinen sehen.

Benutzeroberfläche

Oder: Wie lässt es sich bedienen? Die kurze Antwort könnte sein: Kinderleicht! Und das finde ich prima. Man muss kein IT-Experte sein, um das Programm nutzen zu können. Hier die Oberfläche nach dem Start:

Der Sinn der vorgeschalteten Auswahl liegt darin, den Scanprozess hinsichtlich der Dauer zu optimieren. Es dauert länger, wenn „Alles wiederherstellen“ angeklickt ist. Sucht man nur Fotos, sollte man auch nur Fotos aktivieren.

Man kann in den Einstellungen übrigens noch wesentlich feiner eine Auswahl treffen und selbst RAW Dateien von Canon (CR2), Fuji (RAF), Nikon (NEF) oder Sony (ARW) stehen hier neben vielen, vielen weiteren Dateiendungen zur Auswahl. Nicht nur für Fotografen eine feine Sache!

Im nächsten Schritt muss man das zu scannende Laufwerk auswählen:

Anschließend nur noch auf „Scan“ klicken und schon geht’s los. Unten links der Punkt „Tiefen-Scan“ ist übrigens die „Gründliche Prüfung“ die in den Einstellung erwähnt wird.

Die Tests

Das Opfer in meinem ersten Testszenario ist die Speicherkarte einer Kamera. Ich habe zum Glück nicht wirklich Fotos verloren aber für den Test absichtlich Fotos in der Kamera gelöscht, dann die Karte formatiert und zu guter Letzt auch noch die Karte mit der Funktion „Format niedriger Stufe“ formatiert.

Fall 1: Foto in der Kamera gelöscht

Ergebnis: Das Foto konnte problemlos wiederhergestellt werden. Prima. Aber solange der Speicherplatz noch nicht durch neue Daten überschrieben wurde, war dies zu erwarten. Bei Dateisystemen wird beim löschen von Daten meist nur der Eintrag im „Inhaltsverzeichnis“ des Speichermediums, der Partitionstabelle, gelöscht.

Fall 2: Speicherkarte in der Kamera formatiert

Ergebnis: Die Fotos konnten problemlos wiederhergestellt werden. Das ist an dieser Stelle aus genau dem vorher beschriebenen Grund auch nicht verwunderlich. Aber erfreulich ist es natürlich trotzdem!

Fall 3: Speicherkarte in der Kamera formatiert und das Häkchen bei „Format niedriger Stufe“ gesetzt. Das geht bei Canon Kameras, indem man das Papierkorb Symbol im Formatierungsmenü benutzt.

Ergebnis: Die Fotos können nicht wiederhergestellt werden. Auch nicht mit „Tiefen-Scan“. Da hatte ich eigentlich mit gerechnet und bin ein wenig enttäuscht aber andererseits auch beruhigt, was die Funktion von Canon angeht :-)

Vorläufiges Fazit

Für Speicherkarten ist das Programm bei unbeabsichtigten Löschungen hilfreich. Mangels einer echten defekten Speicherkarte kann ich nicht testen, ob die App hier hilft. Allerdings erhalten wir gleich zumindest einen Eindruck, ob es klappen könnte. Und bei einem eigenen Härtefall empfehle ich, einfach die Testversion des Programms zu laden. Dann sieht man eindeutig, ob Daten wiederhergestellt werden könnten und sich die Investition lohnt.

Sicheres Löschen von Daten

Die erwähnte Funktion „Format niedriger Stufe“ benutze ich bei Canon immer dann, wenn ich Karten neu formatiere um eine möglichst gute Performance zu erreichen. Bei Fuji und Sony sucht man eine solche Funktion übrigens vergebens. Bevor man Speicherkarten aus diesen Kameras weitergibt oder verkauft, sollte man ein sicheres Löschen der Daten über den Mac oder PC vornehmen. Hierzu gibt es diverse Möglichkeiten. Beim Mac funktioniert das über das Festplattendienstprogramm und den Button „Sicherheitsoptionen“ im Bereich „Löschen“. Damit kann man im Extremfall die gelöschten Daten 7 Mal überschreiben lassen. Das entspricht dem 5220-22-M-Standard des US-Verteidigungsministeriums. Da kommt dann auch Stellar Phoenix Mac Data Recovery nicht mehr dran. Aber wie man sieht, reicht bereits das Formatieren mit niedriger Stufe in Canon Kameras aus um Daten sicher zu löschen.

Um das Entsorgen von defekten Festplatten sicher zu erledigen, sollte man die Platte am besten physikalisch zerstören. Im IT-Bereich von Firmen wird dies teils mit einer fest installierten Bohrmaschine erledigt. Ein paar gepflegte Löcher in die Platte und es können allenfalls Speziallabore die Daten wiederherstellen. Und selbst das nur mit immensem Aufwand. Wenn überhaupt. Übrigens bietet Stellar für solche Fälle auch einen kostenpflichtigen Service an.

Mein Härtefall

Ich habe leider wirklich eine Festplatte hier liegen, die sich mit Bordmitteln nicht mehr reparieren oder aktivieren lässt. Es handelt sich um eine alte NTFS Platte. Um diese überhaupt am Mac nutzen zu können, setze ich schon länger NTFS for Mac* ein. Das habe ich mir vor längerer Zeit schon gekauft und nutze aktuell die Version 15. Damit kann man auch NTFS Platten reparieren. Das ist aber bei dieser Platte nicht von Erfolg gekrönt. Sie erscheint nicht mehr als Laufwerk. Im Festplattendienstprogramm sieht man sie zwar noch aber halt deaktiviert. Reparaturversuche scheitern alle.

Ich lasse also Stellar Phoenix Mac Data Recovery die Platte scannen und was soll ich sagen:

Alle Daten können wiederhergestellt werden!

Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich hätte die Platte fast schon entsorgt.

Man kann sich die wiederherzustellenden Daten übrigens klassisch auflisten lassen und sieht dabei die ursprünglichen Ordner (wie oben bei der SD-Karte)

Alternativ steht einem eine „Datei-Liste“ zur Verfügung. Hier werden Daten getrennt nach Datei-Typ angezeigt. Eine nützliche Funktion, wenn man doch nur bestimmte Dateitypen benötigt.

Wenn man nach dem Scannen nicht direkt die Wiederherstellung beginnen möchte, kann man das Scan-Ergebnis übrigens speichern:

Image erstellen

Diese Funktion möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ein Image (DMG) kann man zwar auch mit dem Festplattendienstprogramm erstellen aber eben nicht bei einer defekten Festplatte. Mit dieser App funktioniert das. Allerdings kann das DMG-File auch nur mit Mac Data Recovery geöffnet werden. Aber von dort aus kann man die Dateien genauso wiederherstellen, wie von der Original-Festplatte. Nur schneller und ohne die Platte anschließen zu müssen. Als eine Art „Sicherheitskopie“, bevor die Platte vielleicht komplett den Geist aufgibt. Keine schlechte Idee wie ich finde.

Datensicherung vor Datenrettung

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, aber ich bekomme es im privaten Umfeld immer wieder mit, dass auf Datensicherungen verzichtet wird. Ich übertreibe es vielleicht mit 3-4 Sicherungen der wichtigsten Fotos und Dateien an verschiedenen Orten aber mindestens ein Backup sollte jeder haben. Denn nichts hält ewig. Festplatten erst recht nicht. Die Lebensdauer von SSDs ist noch nicht wirklich erforscht. Dafür gibt es sie noch nicht lange genug. Und auch eine 3 Monate alte Festplatte kann ohne Vorankündigung den Dienst quittieren. Neben Defekten ist natürlich auch Diebstahl ein Thema. Da hilft dann auch eine Datenrettungssoftware nicht mehr. Also am besten zusätzlich eine Festplatte außerhalb der eigenen 4 Wände lagern, wo zumindest die Daten bis zum vorigen Jahr oder besser bis zum vorigen Monat liegen. Ob das Backup der privaten Daten in der Cloud eine Lösung ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Bei Kundendaten hingegen wäre ich (nicht nur ab dem 25.05. wegen der neuen DSGVO) aber sehr vorsichtig! Ein gültiger Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung mit dem Dienstleister ist hier Pflicht. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Fazit

Für alle hier getesteten Szenarien kann ich Stellar Phoenix Mac Data Recovery durchaus empfehlen. Dies ist natürlich keine Garantie dafür, dass es bei Eurem Problemfall auch hilfreich ist. Dafür sind die Gründe für Datenverlust zu unterschiedlich. Ich jedenfalls für meinen Teil war zufrieden mit der Leistung und vor allem der Bedienbarkeit des Programms. Auch Kleinigkeiten, wie die Auswahl nur bestimmter Dateitypen, sind gelungen. Ein wenig Nachbesserung sollte man nur bei der deutschen Übersetzung der Online-Hilfe sowie der Seite betreiben. Das liest sich manchmal etwas „holprig“.

Ob das Programm letztlich für einen selber in Frage kommt, lässt sich durch das Herunterladen der Testversion herausfinden. Ich wünsche Euch jedenfalls, dass ihr erst gar keinen Datenverlust erleidet!

Link zum Hersteller

Vergleich der Versionen

Es gibt übrigens auch eine Windows-Version

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