Test: Colin McRae Dirt 2

Test: Colin McRae Dirt 2

Es ist eine Weile her, dass ich Spieletests geschrieben habe aber dieses Spiel wollte ich einfach testen. Ich erinnere mich noch an die Anfänge der Colin McRae Serie und habe damals etliche Stunden vor dem Rechner mit einsamen Rallye-Rennen verbracht. Die Dirt-Serie ist zwar auf dem PC, der PS3 und der XBox 360 mittlerweile schon bei Version 3 angekommen aber der zweite Teil aus dem Jahre 2009 wurde Ende letzten Jahres neu für den Mac portiert. Ich muss mittlerweile nicht mehr jeden Titel sofort haben, daher stört mich die zweijährige Verzögerung nicht. Hauptsache, das Spiel ist gut umgesetzt, hat ein gutes Gameplay und bereitet mir einige Stunden Unterhaltung am Mac.

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Unterhaltung ist das Stichwort bei der Dirt-Serie von Colin McRae. Es handelt sich hier nicht mehr nur um klassische Rallyes im Stil von: „Ich rase alleine über die Strecke mit Hinweisen des Beifahrers, von denen ich nur die Hälfte schnell genug umsetze, geschweige denn verstehe“. Aber ich persönlich finde diesen neuen Stil nicht schlimm. Wenn ich schon mal Zeit habe, am Rechner zu zocken, dann muss es für mich mittlerweile eher arkademäßig und kurzweilig zugehen. Und schon das Intro kann man als äußerst gelungen bezeichnen. Es unterstreicht ebenfalls den Arkade Charakter. Das man einen Karriere Modus als „Storyline“ nutzt, ist natürlich nichts neues aber hier mit der „Dirt-Tour“ sehr gut umgesetzt. Man gibt Anfangs den Spielernamen an und wenn er in einer Liste enthalten ist, wird man während des Spiels sogar mit Namen angesprochen. Dies ist ein sehr nettes Feature am Rande. Die „Tour“ besteht daraus, mit seinem Wohnwagen um die Welt zu reisen, Einladungen zu folgen, dort Rennen zu fahren und bestenfalls zu gewinnen. Es gibt insgesamt 8 Disziplinen, 9 Orte, 35 Fahrzeuge und über 100 Rennen. Man fängt (und zumindest das lässt an alte Colin McRae Titel erinnern) mit einem Subaru Impreza an und kann sich nach gewohnter Manier neue Autos, Lackierungen, etc. freispielen. Dies funktioniert zum einen über Erfahrungspunkte (neue Strecken freischalten) und über Preisgelder (sparen um den nächsten Boliden zu kaufen). Es gibt innerhalb dieser Storyline normale Rennen aber auch Herausforderungen anderer Fahrer und Team-Rennen mit seinen neu gewonnen Freunden. Zusätzliche Erfahrungspunkte kann man durch bestimmte Fahrweisen erspielen. Auch einen Mutliplayer-Modus gibt es natürlich. Dieser funktioniert entweder im LAN oder über Gameranger, einer Multiplayer-Community mit Cross-Plattform Support. Neben den vorgesehenen Rennen der Dirt-Tour kann man aber jederzeit ein freies Rennen für die freigespielten Strecken konfigurieren oder ein Zeitfahren starten. Wer den Schwierigkeitsgrad (wie ich) auf „Lässig“ stellt, hat zwar schneller mal den ersten Platz aber auch weniger Preisgelder und Erfahrungspunkte. Diese Erfahrungspunkte benötigt man für neue Strecken.

Das Spiel-Menü ist grafisch exzellent gestaltet. Mittelpunkt ist immer der Wohnwagen. Hier wählt man die verschiedenen Optionen aus oder begibt sich nach aussen, um z. B. die Titelseiten einer Rennzeitschrift zu sichten oder sich seine Autos anzuschauen. Diese kann man übrigens neben Lackierungen und neuen Hupen (!) auch mit Accessoires für Frontscheibe oder Cockpit „verschönern“, was zum Teil allerdings etwas albern ist. Fehlt nur noch der Dackel auf der nicht vorhandenen Hutablage.

Das Fahrverhalten lässt sich im gewissen Rahmen ändern ohne gleich eine KFZ-Meisterprüfung zu benötigen. Ich finde, das auch hier genau die richtige Mischung gewählt wurde. Auch ein Hinweis auf einem der „Zeitschriften“, die draussen rumliegen deutet auf die Intention der Programmierer hin. Sinngemäß: „Du kannst die manuelle Schaltung aktivieren um eine Zehntel Sekunde zu sparen aber ist es das wirklich wert?“. Die Hardcore-Gamer werden sich ohnehin an der Arkadelastigkeit stören, alle „Durchschnittsgamer“ werden es ähnlich sehen und auf Automatik fahren. Das Schadensmodell hingegen lasse ich nicht nur auf „optisch“, sondern möchte schon die Auswirkungen von Crashs spüren. Sollte ein Crash zu hart sein, so gibt es innerhalb eines Rennens den Flashbackmodus. Hier kann man bis zum kritischen Punkt zurückspulen und dort neu starten. Grafisch und soundtechnisch cool gemacht und auch nützlich um schwierige Stellen eines Kurses besser kennenzulernen. Überhaupt ist die Rückblende ein optisches und klangliches Schmankerl. So kann man nach einem Rennen stufenlos vor- und zurückspulen und selbst extreme Zeitraffer oder Zeitlupen kann man so erzeugen. Im Real-Life hätte das dann schon jemand mit einer Phantom und 1000 oder mehr Frames pro Sekunde filmen müssen 🙂

Gameplay

Ich habe zum Zeitpunkt des ersten Tests leider kein Gamepad zur Hand, sondern fahre die erste Runde am MacBook Pro mit Tastatur. Das Autorennen mit Tastatur nicht nur wenig Spaß machen, sondern auch schwierig sind, stelle ich schnell wieder fest. Vierter Platz bei nur 6 Teilnehmern ist nicht gerade ein guter Start. Die Grafik hingegen weiss mit 1280 x 800 auf meinem 13″ MacBook Pro mit 2,3 GHZ i5, 8 GB RAM und Intel HD 3000 durchaus zu gefallen, bietet aber in den Grafikoptionen noch Luft nach oben. Das fällt mir am ehesten in der Cockpitansicht auf, die per Default den Fahrer nicht dargestellt hat. Das Lenkrad ohne Hände sah schon komisch aus. Diese sind aber schnell aktiviert und das Game läuft immer noch flüssig. Die Ladezeiten sind übrigens trotz SSD im MBP nicht unbedingt rasend schnell, was aber auch an der aufwendigen Szenerie liegt. Da nimmt man das gerne in Kauf und die Ladezeiten werden durch Einblendungen von allerlei Infos begleitet. Auf meinem 27″ iMac mit 3,4 GHz i7 mit 16 GB RAM und 6970M mit 2 GB aktiviere ich alles, was geht und geniesse die Grafik bei noch immer guten 47 fps. Die Grafik ist richtig geil auch wenn das Spiel schon 2 Jahre auf der Welt ist. Ob dies nun an der Portierung liegt oder ob die Ursprungsgrafik auch schon so cool war, kann ich nicht beurteilen. Auf dem Mac macht es optisch jedenfalls einen mehr als guten Eindruck. Hier kann übrigens das ansonsten sehr nette Asphalt 6 Adrenalin in keinster Weise mithalten. Übrigens lädt das Spiel auf meinem iMac trotz normaler 7.200er HD schneller als auf dem MacBook Pro mit SSD. Es scheinen hier also noch andere Faktoren eine Rolle zu spielen. Wie auch immer, auf dem iMac rennt das Spiel erst richtig. Und um es vorweg zu nehmen: Es gibt sehr wohl die klassischen Rallye Disziplinen, wo man die Strecke fast alleine fährt, bzw. mit gehörigem Startabstand zum nächsten Fahrer. Richtig Spaß macht das Game allerdings nur mit dem Controller. Kommen wir somit zum wichtigen Thema bei diesem Genre.

Controller

Nachdem ich auf dem MacBook mit Tastatur gerade mal den vierten Platz erreicht habe, installiere ich auf dem iMac einen Treiber für meinen XBox 360 Controller, den ich mir seinerzeit mal für GTA IV auf meiner Bootcamp Partition kaufen musste (da kein anderer Controller funktionierte). Hier der Link für den Treiber, falls noch jemand einen guten Controller für Mac nutzen möchte. Denn ungeachtet der unglaublichen Gängelung bei GTA IV (von den Zwangsregistrierungen mal ganz abgesehen) ist das ein verdammt guter Controller. Und mit diesem Treiber funktioniert er auch wunderbar am Mac und zusammen mit „Dirt 2“. Er funktioniert sogar so gut, dass ich auf der mir noch unbekannten zweiten Strecke in Kalifornien sowie auch im klassischen Rallye in Kroatien den ersten Platz belegt habe. OK, auf „lässig“ ist das vielleicht keine Meisterleistung aber meinem Ego ging’s direkt besser. Um es kurz zu machen: Jedem, der sich das Spiel kaufen möchte, rate ich dringend zu einem Controller.

Fazit

An diesem Spiel führt für Rennfans auf dem Mac eigentlich kein Weg vorbei. Und auch wenn man sich sonst vielleicht nicht für klassische Rallye-Games begeistert wird man hier nicht enttäuscht. Meiner Meinung nach ist die Mischung zwischen Arkade und „seriösem“ Rallye-Spiel gut gelungen. Auch wenn sich evtl. Fans der früheren Colin McRae Spiele nicht damit anfreunden können, mich hat es jedenfalls (spätestens bei der dritten Strecke in Kroatien) wieder an meine früheren durchzockten Nächte erinnert. Das Game ist grafisch das beste Rennspiel, was ich bisher auf dem Mac gesehen habe und auch die Soundkulisse ist klasse. Die Atmosphäre ist dicht genug, um einen lange zu fesseln. Dazu ist das Fahrverhalten der unterschiedlichen Autos richtig gut und das driften durch die Kurven am Limit macht unglaublichen Spaß. Ob jetzt 100% realistisch oder nicht. Entscheidend ist für mich, dass es unterhaltsam ist. Und dieses Etappenziel hat Dirt 2 für mich absolut erreicht und übertrifft es mit etlichen Details sogar. Mein Tipp: Kaufen, wenn die Systemvoraussetzungen passen, auch wenn der Preis für die gleichnamige PC-Version deutlich günstiger ist. Der etwas hohe Preis ist im übrigen auch mein einziger Kritikpunkt.

Systemvoraussetzungen

Minimum:

• Prozessor: 2.0 Ghz
• OS: Mac OS X 10.6.7
• RAM: 2.0 GB
• freier Festplattenspeicher: 8.0GB
• Grafikkartenspeicher: 128MB

Empfohlen:

• Prozessor: 2.4 Ghz
• OS: Mac OS X 10.6.7
• RAM: 4.0 GB
• freier Festplattenspeicher: 8.0GB
• Grafikkartenspeicher: 512 MB
• Game Pad

Die folgenden Grafikkarten werden nicht unterstützt: ATI X1xxx, NVIDIA 9400, NVIDIA 7xxx und Intel GMA Serie.

Die folgenden Grafikkarten erfordern 4 GB Arbeitsspeicher: NVIDIA 320M, Intel HD 3000

Infos & Vertrieb

Feral
Application-Systems-Heidelberg
App Store*

Preise

• 31,99 EUR (App Store)
• 29,99 EUR (Download A.S.H.)
• 34,99 EUR (Box A.S.H.)

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4 Comments

  1. Jörn
    27. Januar 2012

    Ein großartiger Test. Klasse auch der Abschnitt mit dem Controller. Das weiß bestimmt nicht jeder.

    Gute Arbeit Markus!

    Antworten
  2. Markus
    27. Januar 2012

    Danke für Dein nettes Feedback 🙂

    Antworten
  3. Teo
    18. Februar 2012

    Warum muss ich bei so vielen Spielen lesen, dass die Nvidia 9400 nicht unterstützt wird? Habe einen iMac und ein MacBook mit dieser Grafikkarte 🙁 (traue mich aber auch nicht, das einfach mal auszuprobieren)

    Antworten
  4. bernd
    1. September 2012

    hallo markus,
    danke für die info des controller treiber für mac. „colin“ liegt bei mir schon lange in der schublade, da ohne controller das spiel nichts bringt. wie installiert sich nun der treiber!? bin da nicht so erfahren.funktionieren auch xbox lenkräder?
    gruss
    bernd

    Antworten

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