Test: Best Service Epic World Cinematic Landscapes

Nachdem ich “Accordions” von Eduardo Tarilonte bereits getestet habe und nach wie vor begeistert bin, folgt hier der Test des neuesten Produkts aus der Sample-Library Serie von “Tari”. Der Untertitel seiner Libraries lautet “Samples with Soul” und wir werden im Verlauf des Tests sehen und hören, dass dieser Satz keine hohle Phrase ist, sondern ziemlich genau das beschreibt, was an Material vorhanden ist.

 

Schon Accordions hatte die gewisse Extraportion Realismus und ist bis heute für mich unerreicht in Sachen Authentizität und Spielbarkeit. Epic World wird nun als perfektes Tool für Komponisten und Sound Designer beschrieben und läuft im Gegensatz zu “Accordions” nicht mehr als Kontakt-powered Instrument sondern nutzt als Player die “Engine” von Best Service. Es enthält laut Werbung “magische” Atmosphären (womit es hervorragend zu Apple Produkten passt *g*), Pads, Dronen, Voices, Instrumenten- und Vocal-Phrasen. Viele dieser Dronen lassen sich mit nur einem Finger spielen und dynamisch ändern, so dass immer neue Klangmuster entstehen. Lassen wir uns also überraschen! Doch vor dem ersten Ton stehen, wie immer, Installation und Aktivierung als Pflicht auf dem Programm.

Installation und Engine 2.0

Ein Engine Produkt habe ich bereits auf meiner Festplatte installiert: “Miroslav Vitous – String Ensembles”. Dieses lief bis dato noch auf Version 1.0.3 und ich teste mal, wie es sich verhält, wenn ich Version 2 der Engine installiere. Ich gehe den Weg über die beiliegende DVD. Dort erhalte ich auch direkt den Hinweis, dass ich als Benutzer von Version 1.x in den User-Bereich bei Yellow Tools gehen soll um das aktuellste Update zu laden. Dies befolge ich und lade 214 MB Engine 2 (sowie das Update auf 2.0 der bestehenden MV-Library mit 32,9 MB) herunter. Die anschliessende Prozedur muss leider händisch erledigt werden und auch die bestehende Library muss erneut aktiviert werden. Bei dem Challenge-Response Verfahren funktioniert Copy&Paste leider nicht, da sich im Online-Formular bei Yellow-Tools der Product-Code nicht aus dem Zwischenspeicher einfügen lässt (es wird nur die erste “Zelle” befüllt).

Folgende Verbesserungen enthält die neue Player-Engine

  • grundlegende Performance- und Stabilitätsverbesserungen aller Plattformen, Betriebssystem und Schnittstellen
  • Laden von Audio Dateien ist von überall möglich
  • Instrumente können von jedem Ort geladen werden – KEINE Root Folder Bindung mehr
  • Neue Programm- und Datenarchitektur
  • 100 % Independence Pro Software Suite Kompatibilität
  • Neue Preferences Page: neuer User Folder, Quick Links, Library Page, etc.
  • Verbesserter Arranger mit KeySwitch- und Banken-Erweiterung
  • Erweiterte QuickEdit Page
  • Überarbeitung der Lizenzverwaltung
  • Sämtliche Option Menus wurden überarbeitet
  • Automation Curve jetzt synchroner und asynchroner +/- Kurvenverlauf möglich
  • optimierter “Real Legato” Support
  • Diverse Bugfixes
  • Neuer E-License Manager
  • Schnittstellen: VST, RTAS (32 Bit), AudioUnits (Mac), Standalone
  • Betriebssysteme: Windows XP/Vista/7 (32 Bit und 64 bit), OSX 10.4 und neuer (32 Bit)

Nachdem meine bestehende Library upgedatet und neu aktiviert ist, widme ich mich der Installation der neuen Library “Epic World”. Dies funktioniert leider auch nur händisch und ich kopiere den Ordner von der DVD an die entsprechende Stelle meines File-Systems (in meinem Fall ist dies der Image File Ordner unterhalb des Root-Folders). Dies dauert ca. eine halbe Stunde bei 7,77 GB Content. Positiv ist, dass man die Root-Folder Struktur nun nicht mehr zwangsläufig einhalten muss, sondern die Library auch an eine andere Stelle kopieren könnte. Dennoch geschieht all dies leider nicht automatisch per Install-Routine, sondern ich muss händisch kopieren und anschliessend in der Engine den Pfad auswählen. Dort kann man Libraries hinzufügen aber komischerweise nicht löschen. So verweilt ein versehentlich falsch ausgewählter Pfad als “Dateileiche” in den Preferences/Library.

Auch für Epic World liegt bereits ein Update mit den folgenden Verbesserungen vor:

  • Erweiterung der Section Namen (0-8 Fader linke Seite der QuickEdit Page)
  • Optimierung einiger Layer

Auch hier muss man wieder 2 Ordner im Filesystem händisch ersetzen.

Liebe Entwickler von Yellow-Tools: Bitte programmiert uns Musikern eine automatische Installations- und Updateroutine, damit der exzellente Content noch schneller genutzt werden kann. Viele Musiker wollen sich mit der “Technik” drumherum so wenig wie möglich beschäftigen.

Der erste Eindruck

Kommen wir nach der Pflicht also zur Kür und hören uns Epic World mal genauer an:

Die Library ist unterteilt in folgende Bereiche

Ambiences

  • Drones (93)
  • Pads (75)
  • Changelings (66)
  • SFX (32, wobei einige der Sounds aber bis zu 40 Phrasen/Samples enthalten)

Instruments and Voices

  • Instruments (70, wobei auch hier viele Sounds bis zu 43 Phrasen/Samples enthalten)
  • Voices (21, auch hier gibt es bis zu 88 verschiedenen Phrasen/Samples pro Sound)

Alles Sounds liegen in 24 bit und 44,1 kHz. vor.

Hauptaugenmerk wurde ganz klar auf die Ambiences gelegt, so dass wir auch hier starten.

Die Drones sind komplexe Layersounds, deren Root-Key immer C3 ist. Sie enthalten zwischen 2 und 8 gelayerten Sounds.

Epic World Cinematic Landscapes

 

Diese Layer-Ebenen können in der Quick Edit Seite einfach in der Lautstärke gemischt werden. So ist es in der Tat relativ simpel möglich, immer wieder neue Zusammenstellungen in Echtzeit zu generieren. Dies kommt gerade dem filmsynchronen einspielen zu Gute. Nutzen kann man für diesen Zweck jeden Midi-Controller. In meinem Fall übernimmt der Akai LPD8 diesen Job, dessen 8 Knöpfe ohne weitere Konfiguration direkt die 8 Volume-Slider der Layer ansprechen (Midi CC 1-8). Per Midi-Learn (Rechtsklick auf die Slider) lässt sich aber in Sekundenschnelle jeder andere Controller konfigurieren. Automationen sind also in Windeseile erstellt.

Dies gilt übrigens auch für die anderen Parameter, die man in der Quick Edit Page ändern kann. Im oberen Bereich sind dies Volume, Pan, Pitch und EQ-Color, wobei es für den EQ noch einen “On/Off” Regler zum bessern Vergleich gibt:

Epic World Cinematic Landscapes

 

Auf der rechten Seite kann man übergreifend für den gewählten Slot die AHDSR Kurve verändern um schnellen Zugriff auf wichtige Parameter wie Attack oder Release zu haben.

Epic World Cinematic Landscapes

 

Direkt darunter kann man den sehr gut klingenden Faltungshall der Engine “Origami” ein- oder ausschalten, sowie den Send-Anteil regeln. Der Hall ist per default aktiviert und verbraucht einiges an CPU (meiner Meinung nach aber noch im Rahmen). Erfreulich ist übrigens, dass die Sounds einen trockenen Grundklang besitzen, so dass man auch seinen eigenen Hall hinzufügen kann und so die Sounds besser in den Gesamtklang seines Songs oder seiner Score einzufügen. Ab und an tauchen aber auch weitere Parameter wie z. B. “Reverse” auf. Ein Beispiel dazu finden wir weiter unten bei “Voices”.

Wer tiefer eingreifen möchte, kann natürlich die Pro Edit Seite der Engine nutzen. Hier ein Screenshot:

Epic World Cinematic Landscapes

 

Ich möchte hier gar nicht tiefer auf die Pro-Edit Seite eingehen. Nur so viel: Es lassen sich pro Layer sowohl die Engine-eigenen FX als auch diverse andere Parameter editieren. Weiterhin kann man auf der Mixer-Page jedem Layer seinen eigenen Ausgang zuteilen.

Epic World Cinematic Landscapes

 

Und zwar sowohl innerhalb der Engine auf Busse als auch außerhalb der Engine auf “echte” Kanäle, die wiederum in der DAW verfügbar sind. Möglichkeiten bieten sich für Frickler also etliche. Ich behaupte mal, dass die meisten Musiker mit der Quick Edit Page zufrieden sein werden. Gerade wenn es schnell gehen soll, reichen die hier vorhandenen Parameter vollkommen aus um einen Film oder eine Sequenz musikalisch zu untermalen. Nebenbei ist die grafische Gestaltung recht ansprechend. So habe ich während des Tests fast ausschließlich mit dieser Seite gearbeitet.

Hören wir uns also mal ein paar der Sounds an (wir befinden uns immer noch im Bereich der “Drones” (also der tiefen “Haltetöne”).

Zunächst “Calcutta’s Market”, bestehend aus 3 Layern:

“Crystal Palace” mit ebenfalls 3 Layern:

Ab auf den Kontinent des “Camps”, dessen Namen ich jetzt nicht nennen werde. Hier sind es übrigens nur 2 Layer, die den Sound “Ritual Dance” produzieren.

Und zuletzt “Zen’s Garden” mit 8 Layern:

Zwar ist der Grundton immer C3 aber natürlich lassen sich auch andere Grundtöne spielen oder mehrere Töne kombinieren. Man kann sich hier wunderbar verlieren und immer wieder neue Konstellationen erschaffen. Dieser kleine Eindruck soll uns aber zunächst genügen. Wenn man nicht gerade Filmmaterial hat, welches es nachzuvertonen gilt, kann man sich hier auch umgekehrt Ideen für Szenen holen, wenn man beim spielen die Augen schliesst.

Kommen wir nach den Dronen zu den Pads

Auch diese enthalten zum Teil mehrere Layer, die sich auf der Quick Edit Seite schnell abmischen lassen. Hören wir auch hier ein paar der Sounds durch. Der Hall stammt auch hier jeweils aus dem enthaltenen Origami-Faltungshall.

Der folgende Sound trägt den Namen “Beautiful Landscape I”:

Dieser hier hört auf den Namen “Lights over doomed City”:

Es gibt aber auch unter den Pads einige atonale Elemente, die man nicht wirklich mehrstimmig spielen kann. Zum Beispiel “Thick Forest”, welcher aus 4 Layern besteht und hier nur oktaviert mit 2 Tönen gespielt wurde:

Wunderschön auch der Sound “Who wants to live forever”, welcher aus 6 Layern besteht (allerdings keine Kopie des Original-Sounds des Songs ist):

Kommen wir nun zu dem mit “Changelings” bezeichnetem Ordner. Dieser enthält laut Beschreibung “Ambient Whooshes” der 5 Kategorien “Deep”, “Jungle”, “Metallic” sowie “Soft” . Hören wir jeweils in einen pro Kategorie rein, damit wir uns mehr darunter vorstellen können:

Deep:

Jungle:

Metallic:

Soft:

Windy:

Die Kategorie SFX ist recht eindeutig. Von Drachen- oder Ogerknurren über Schreie von fliegenden Biestern bis hin zu Schwert-Geräuschen sind einige stark Fantasy-lastige FX Sounds enthalten. Auch hier ein paar Beispiele:

Kommen wir nun zur Abteilung “Instruments and Voices”. Hier sind sowohl einzelne multigesampelte Instrumente als auch Instrumentenphrasen enthalten. Die Bandbreite reicht von afrikanischen Trommeln über Meditationskugeln bis hin zu diversen Flöten wie z. B. die chinesische “Xiao”. Die enthaltenen Flöten sind wirklich exzellent und mit mehreren Spielweisen (Keyswitch) spielbar. Aber auch Klassiker wie “Congas” sind liebevoll mit Round Robin Samples und vielen Spielarten umgesetzt. Ich habe selten so lange per Tastatur auf Congas rumgetrommelt wie bei Tarilontes Epic World 🙂 Zum Teil sind auch mehrere Layer enthalten. So sind z. B. die afrikanischen Trommeln in mehrere “Spuren” unterteilt. Daher kann man den Beat wunderbar dynamisch gestalten. Es gibt übrigens Phrasen (die mit BPM Angabe), welche Temposyncron zum Host laufen. Die Phrasen ohne BPM Angabe sind tempofrei eingespielt und werden auch nicht gesynct. Hören wir mal ein Beispiel zweier per Timestretching aufeinander angepassten Phrasen. Zunächst mit 100 BPM (wobei das Ursprungstempo bei 100 und 110 lag):

Die Engine macht das (natürlich nur in einem gewissen Rahmen) sehr gut ohne Artefaktbildung. Hier die Phrase mit 75 statt 100 BPM:

Hören wir uns noch ein paar exotischere Instrumente an. Zunächst die indische Shenai (Oboe), gefolgt von Uruk-Hai Kriegshörner und abschliessend noch eine chinesische Hulusi (Mundorgel). Wer sich übrigens fragt, wer zum Geier “Uruk-Hai” sind: Sie kommen aus Isengart. Und bei wem es hier noch nicht klingelt sollte mal Tolkiens “Herr der Ringe” lesen oder anschauen 😉 Die passenden Geräusche findet man wiederum im SFX Bereich von Epic World.

Kommen wir last not least zu den Voices und bleiben auch hier im Fantasy Bereich bei den Elfen:

Hier kann man schöne Reverse Effekte erzielen. Die Engine hat hierzu bequem einen Slider spendiert:

Epic World Cinematic Landscapes

 

Ein letztes Beispiel führt uns in ein gregorianisches Kloster, wobei dieses sehr schön von “Origami” simuliert wird und dem trockenen Chor den nötigen Raum gibt:

Mit diesem Beispiel möchte ich den Test auch schliessen und der Eingangs erwähnten Zielgruppe Epic World wärmstens ans Herz legen.

Eduardo (Tari) Tarilonte hat es geschafft mit viel Herzblut und Know How ein Sammelsurium von exzellenten und intuitiv verwendbaren Sounds zu schaffen. Besonders hervorheben möchte ich die sehr gute Idee und Umsetzung bei den flexiblen Drones. Trotz Presets bleibt hier genügend Freiraum für individuelle Anpassungen. Da aber auch der “Rest” hervorragend umgesetzt wurde und kein einziges Bit “Füllmaterial” dabei ist, erhält dieses Produkt ganz klar unseren Redaktionstipp.

Das gefällt mir nicht

Zur Engine: Die Installations- und Updateprozedur verläuft händisch durch kopieren von Dateien und Ordnern. Das könnte man eleganter durch geeignete Skripte erledigen.

Das gefällt mir

Auch hier zunächst zur Engine: Die Version 2.0 läuft im Vergleich zur ersten Version, mit welcher ich beim Test zu “Miroslav String Ensembles” so meine Probleme hatte, absolut rund. Die Performance ist wirklich gut und die Ladezeiten sind extrem kurz. Engine ist nun endlich eine ausgereifte Plattform für Samples. Abstürze hatte ich unter Cubase 6 keine einzigen während der Testphase.

Nun zum Content von “Epic World”: Die Sounds klingen, um es mit meinen Worten zu beschreiben, wie handverlesen. Es gibt weder langweilige Ausreißer nach unten noch qualitative Patzer. Neben den Dronen und Pads befinden sich auch unter der Instruments und Voices echte Perlen. Gerne hätte die Liste der letztgenannten noch länger sein können aber es muss ja auch noch Luft für ein Update oder eine 2. Version da sein. Die beworbene “Seele” ist in vielen der Sounds zu finden. Sie enthalten immer den richtigen Anteil “Leben”, der sich durch den enthaltenen akustischen Content erklärt. Wie Eduardo es allerdings schafft, dass sich viele Sounds wunderbar über die Zeit entfalten, obwohl man nur eine Taste drückt, lassen wir mal sein Geheimnis bleiben. Man spürt jedenfalls die Leidenschaft, mit der er den Content zusammengestellt hat. Es ist ein Genuss, sich durch die einzelnen Presets zu hören und mit ihnen zu experimentieren. Der Engine-Player macht seinen Job wirklich gut und muss sich meiner Meinung nach funktionell und performancemäßig nicht hinter Kontakt verstecken. Angefangen bei der schönen Oberfläche der “Quick Edit Page” mit den einfach zu automatisierenden Slidern, die auch gerne mal Funktionen wie “Reverse” übernehmen, ohne sich durch umständliche Menüs hangeln zu müssen bis hin zum Origami Hall, welcher vielen Sounds erst die Weite verleiht, die sie vermitteln sollen: Alles richtig gemacht und Hut ab vor “Epic World”.

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS 10.4, 10.5 oder aktueller
  • Mindestens: G5 oder Intel Mac 1.8 GHz., 1 GB RAM
  • Interfaces: Standalone, AU, VST, RTAS (32bit)
  • DVD Laufwerk
  • Internet Verbindung für die Produkt Aktivierung (kann auch ein anderer Rechner sein!)
  • zusätzlicher Festplattenspeicher für den Content (in diesem Fall 7,77 GB)

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP, Windows Vista, Windows 7, 32 Bit & 64 Bit
  • Mindestens: Pentium/Athlon XP 3.0 GHz., 1 GB RAM
  • Interfaces: Standalone, VST (32 Bit und 64 Bit), RTAS (nur 32 Bit)
  • DVD Laufwerk
  • Internet Verbindung für die Produkt Aktivierung (kann auch ein anderer Rechner sein!)
  • zusätzlicher Festplattenspeicher für den Content (in diesem Fall 7,77 GB)

Preis

  • 299 Euro

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