Sony RX100 VI – Die RX10 II für die Jackentasche?

Die Sony RX100 VI ist die 6. Version einer Kamera, die ich sowohl in der Ur-Version als auch in der 3. Version hatte. Ist dies nun der Ersatz für meine nur noch zum Filmen genutzte RX10II?

Ich muss zugeben, dass Sony mit der RX100 seinerzeit einen echten Knaller auf den Markt gebracht hat. Die Kamera wird sogar heute noch für über 300 EUR neu verkauft (ein 6 Jahre altes Modell!) und ich habe einige meiner schönsten privaten Fotos damit gemacht. Das sie nun mit der DSXRX100M6 – so die offizielle Bezeichnung – in die 6. Runde geht, zeigt zum einen, dass sie immer noch ein voller Erfolg zu sein scheint und das Sony von Jahr zu Jahr ein Quäntchen drauf legt. Und zwar auch was den Preis angeht. Dazu später meine Meinung. Und auch wenn ich mit meiner Fuji X100F mehr als zufrieden bin, schaue ich natürlich was auf dem Markt so passiert. Und die RX100 Serie von Sony finde ich von der Idee her (und den damit zu erzielenden Ergebnissen) immer noch klasse. Schauen wir uns also an, was in der Sony RX100 VI nun besser, schlechter oder auch unverändert ist.

Features

Was die Basis-Features angeht, sind die meisten schon aus den Vorgängern bekannt. Wirklich signifikant neu sind die folgenden Features:

  • Die neue Brennweite von 24-200mm. Bei 24mm liegt die Blende bei f/2.8. Das entspricht der durchgängigen Blende meiner RX10II, ist allerdings schlechter als f/1.8 in den Vorgängermodellen. Im Gegensatz zur RX10II fällt bauartbedingt allerdings die Offenblende bei 200mm auf (immer noch gute) f/4.5 ab. Da die Größe und das Gewicht (fast) unverändert sind, muss man halt irgendwo Abstriche machen. Die Frage ist, was ist einem wichtiger? Zoom oder Lichtstärke? Bei 100mm liegt die Blende übrigens immer noch bei f/4. Das ist zumindest besser als damals in der RX100M1* oder M2 (f/4.9 bei 100mm) und verspricht ein wenig mehr Freistellpotential bei Porträts.
  • 4K Videos mit HDR Unterstützung. Dazu dienen die neuen Bildprofile HLG, HLG1, HLG2 und HLG3 (Hybrid Log-Gamma).
  • Touch-Display für Touch-Focus. Welche Funktionen genau über das Touchdisplay nutzbar sind, ist noch unklar. Beworben wird es nur mit Touch-Focus und Touch-Pad Fokus. Kann ich damit auch Videos starten, durch Bilder scrollen oder mehr? Wir werden es erfahren. Es liest sich auf manchen Seiten so, als wäre das um 180 Grad nach oben neigbare „Selfie Display“ neu. Das neue bezieht sich aber auf das Touchdisplay, nicht auf die Neigung. Die gab es bereits ab der M3 in der RX100 Modellen. Allerdings kann man in der M6 das Display nun 90 und nicht nur 45 Grad nach unten neigen.
  • Ja, schneller ist sie auch geworden. Der AF ist z. B. nun nochmals 0,02 Sekunden schneller als in der M5. Der Puffer reicht bei 24 Bilder pro Sekunde nun im Serienmodus „Hi“ und Bildqualität „Fine“ für 233 statt für „nur“ 150 Aufnahmen. Ob das in der Praxis noch relevant ist? Wohl kaum. Die M5 war schon pfeilschnell.

Was ist schlechter? 

  • Kein ND Filter mehr! Wie schon die RX10III und RX10IV hat man aufgrund des neuen Objektivs mit mehr Brennweite auf den eingebauten ND Filter bei der Sony RX100 VI erzichtet. Ein echter Nachteil. Man kann einen ND-Filter natürlich nachrüsten aber dann schleppt man ein weiteres Teil mit sich rum, was zudem mangels Gewinde nicht vernünftig befestigt werden kann. Ja, es gibt Magnetlösungen. Hatte ich auch an der RX100 (I) schon. Aber das ist nicht praktisch.

Was fehlt immer noch? 

  • Der Mikrofoneingang. Mal ehrlich: Die Kamera hat S-Log, 4K und nun auch HDR-Video. Wenn die Kamera als Videokamera dienen soll und diese Feature erhält, warum dann nicht auch endlich mal einen Eingang für ein externes Mikrofon?
  • Kopfhörerausgang. Auch dieser ist zum kontrollieren des Mikrosignals hilfreich.

The Heat of 4K

Das nervige Überhitzungsproblem, was die Vorgänger bei 4K Videos alle hatten und bemängelt wurde … ist es weg? Kann man länger als 5 Minuten 4K filmen?

NEIN!

Zitat aus der Fußnote Nummer 7 bei Sony:

„Kontinuierliche Aufnahmezeit ca. 5 Minuten; kann je nach Aufnahmeumgebung variieren.“

Not a lot! Das ist auch der Grund, warum ich zum Filmen aktuell immer noch die RX10II (oder Nachfolger, wenn man den Preis für mehr Brennweite bezahlen möchte) empfehlen würde. Alle RX10er haben  natürlich den Nachteil des großen Gehäuses. Dafür kann man theoretisch auch eine Kamera mit APS-C oder Vollformat Sensor mitnehmen. Aber eben nicht mit einem 24-200mm Objektiv, welches eine Blende von durchgängig f/2.8 hat.

Und sonst so? Alternativen?

Was soll man nun vom Gesamtpaket halten? Konkurrenzlos ist es nicht. Ich hatte für einen Urlaub mal ein ähnliches „Paket“ von Panasonic (TZ-101*) genutzt. Da gibt es einen 1″ Sensor gepaart mit 10-fach Zoom und Touchdisplay nämlich schon länger. Leider war die Stabilisierung bei Videos (für mich!) komplett unbrauchbar. Das heißt nicht, dass es eine schlechte Kamera war. Aber sie musste wieder gehen. Mittlerweile hat Panasonic mit der TZ-202* den Nachfolger auf dem Markt. Dieser zoomt sogar 15 fach (im Gegensatz zu 8,3 fach bei der RX100 VI). Ob sich da in Sachen Videos was verbessert hat, kann ich nicht sagen. Ich habe sie nicht.

Ich persönlich würde als Alternative nach meinen Erfahrungen mit der TZ-101 aber einen der Vorgängermodelle der RX100 in Betracht ziehen. 24-70 bei f/1.8 – f/2.8 reicht für die meisten Anwendungsfälle nämlich vollkommen aus und meine Erfahrungen mit der RX100M1 und M3 waren durchwegs positiv.

Mein persönliches Fazit

Ich bin hier zwiegespalten. Würde die RX100 VI zum selben Preis wie seinerzeit die RX100 auf dem Markt erhältlich sein (ich habe im August 2012 649 EUR bezahlt) wäre sie ein Kracher. Denn schließlich geht die Zeit weiter und warum soll man nicht nach 6 Jahren für den gleichen Preis aktuellere Technik erwarten? Kann man scheinbar nicht. Der voraussichtliche Verkaufspreis der Sony RX100M6 soll bei 1.300 EUR liegen! Also beim doppelten Preis des Ur-Modells. Und nach der M4 und M5 kann die M6 immer noch nicht länger als 5 Minuten 4K Videos aufzeichnen? Wie soll man so eine Kamera zum filmen einem Familienvater empfehlen? („Warte mal Schatz, die Kamera muss mal wieder abkühlen!“), Geschweige denn einem YouTuber, Vlogger oder allen, die ernsthaft oder auch nur privat 4K Videos aufnehmen wollen? Es gibt Videos im Netz, wo sich manch einer eine Aussenlüftung an die Kamera gebaut hat. Aber selbst wenn man sich damit arrangieren könnte, bleiben immer noch stolze 1.300 EUR, die man vielleicht nicht seiner besseren Hälfte aber immer noch sich selber gegenüber rechtfertigen muss. 1.300 EUR für einen 1″ Sensor. Ich hatte bereits in meinem Bericht zur RX10IV erwähnt, dass dies über meiner Schmerzgrenze liegt.

Ich hoffe einfach, dass der Preis der M5 oder M4 noch weiter fällt. Denn eines ist klar: Die Ergebnisse, die aus diesem kleinen Sensor kommen, sind trotz dieses Hitzeproblems überragend. Nicht nur bei Videos sondern auch bei Fotos. Das waren sie aber (zumindest bei Fotos) auch schon in der RX100M1. Und die gibt es für ca. 300 EUR. Mit 28-100mm (f/1.8 – f/4.9). Wer nur Fotos macht, sollte sich stark überlegen, ob er die 1.000 EUR Aufpreis zur M1 nicht lieber in einen Urlaub investiert. Der bessere Kompromiss wäre aus meiner Sicht noch der Kauf einer RX100III*. Sie hat bereits ein Klappdisplay und den Mäusekinosucher. Aber immerhin. Wer filmt, sollte warten bis die RX100IV* noch mehr im Preis fällt. Dann kann man vielleicht auch mit den max. 5 Minuten Aufnahmezeit leben.

Unverbindliche Preisempfehlung und Verfügbarkeit lt. Sony:

Sony Cyber-shot RX100 VI Kompaktkamera: 1.300,00 Euro

Verfügbarkeit: ab Juni 2018

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2 Comments

  1. Marc
    7. Juni 2018

    Na sowas, du hast einen Beitrag zur RX100 VI ja vor mir online :)
    Du musst meinen gar nicht lesen, ich bin auch zwiegespalten. Hätte man dem Ding einen anderen Namen gegeben, wäre das etwas anderes aber so … ich weiß nicht so recht.

    Viele Grüße
    Marc

    Antworten
    1. Markus
      8. Juni 2018

      Hallo Marc,

      habe Deinen Artikel natürlich dennoch mal gelesen und Dein YouTube Video angeschaut. Sehr schön. Vor allem der Videohintergrund gefällt mir als Kind der 80er :-) In der Tat hätte man vielleicht die Bezeichnung RX200 wählen können. Vielleicht kommt die RX100 VII ja dann als RX70 mit 20-100mm und f/2 – f/2.8 auf den Markt. Dafür dann mit längerer 4k Aufzeichnung, Mikroeingang und dem gewohnten ND-Filter. Für 999 EUR. Da ich nicht glaube, dass es so kommt, hoffe ich einfach mal auf günstigere Preise der aktuellen Modelle. Bis dahin nehme ich für unterwegs meine X100F mit und wenn ich filmen möchte zusätzlich die RX10II. Passt auch.

      Viele Grüße
      Markus

      Antworten

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