Sony A6400 – Meine neue Kamera für Porträts

Ähnlich wie beim DJI Osmo Pocket hatte ich auch bei der Vorstellung dieser
Kamera direkt das Gefühl, dass sie einem das Leben und sogar meine Auftragsarbeiten erleichtert. Sony bewirbt sie meiner Meinung nach nur falsch. Aber der Reihe nach.

Bisher habe ich für Kundenaufträge die Canon 6D genutzt. Das diese Kamera immer noch gute Ergebnisse liefert, beweist auch ein Gespräch mit dem Fotografen Jannis Dirksen, den ich neulich einen ganzen Tag in Düsseldorf begleitet und gefilmt habe. Er nutzt 2 Canon 6Ds für Porträts und Hochzeiten und hat mit jeder Kamera bereits über eine Million Auslösungen!

Warum tausche ich nun eine Vollformatkamera gegen eine APS-C Kamera?

Kurze Antwort: Weil Sie in meinem fotografischen Aufgabengebiet identische bzw. bessere Ergebnisse liefert und mir die Arbeit deutlich erleichtert.

Wer meinen Blog eine Weile verfolgt oder im Archiv stöbert, wird feststellen, dass mein Motto „Weniger ist mehr“ lautet. Das klappt bei Kameras mal besser, mal schlechter. Jedenfalls wird jeder diesen Kaufreiz kennen, dem ich persönlich oftmals nach ein bis zwei Nächten drüber schlafen wiederstehen kann. Denn bessere Fotos macht man auch mit einer neuen Kamera nicht zwangsläufig.

Warum nun also doch die Sony A6400? Der Autofokus ist der wichtigste Grund. Und die sauguten Gläser der Contemporary Serie von Sigma (16mm, 30mm und 56mm mit jeweils f/1.4) sind der zweite Grund.

Augen-AF

Wenn man sich auf Porträts spezialisiert hat, ist es vor allem wichtig, dass der Fokus sitzt. Auf dem Auge. Nicht auf der Nase oder sonstwo. Das hat bei der 6D bisher zwar geklappt, benötigt aber immer ein gewisses handwerkliches Geschick um den Punkt zu treffen und anschließend den Ausschnitt neu festzulegen. Focus-Recompose. Leicht abgeblendet ist das alles kein Problem. Offenblendig hingegen hat man einfach Ausreißer im Sinne von „Das ist zwar scharf, ginge aber schärfer“. Ja, Schärfe ist nicht immer alles, für mich aber schon! Unscharfe Bilder gebe ich nicht raus.

Das Problem ist bei der Sony A6400 schlichtweg nicht mehr vorhanden. Man braucht sich als Fotograf (einmal richtig eingestellt) keine Gedanken mehr machen, ob der Fokus sitzt. In 99% aller Fälle sitzt er. Auf dem Auge. Da wo er bei Porträts (bis auf wenige Ausnahmen) auch hingehört. Sony hat das durch „KI“ so gut umgesetzt, dass manch Filmemacher sogar schon davon spricht, sich vorstellen zu können, dass ein solcher Autofokus das manuelle Fokussieren (im Filmbereich durchaus normal) ablösen kann. Das ist eine ziemliche Ansage.

Konzentration auf das Wesentliche

Und ich kann mich in diesem Fall mehr auf das konzentrieren, was eigentlich zählt: Den Ausdruck im Gesicht des oder der Fotografierten! Ich kann mich mehr vom Sucher trennen und mich dennoch darauf verlassen, dass der Fokus sitzt. Mehr kommunizieren ohne immer wieder den Fokus und den Bildausschnitt zu checken. Das führt am Ende für mich zu besseren Ergebnissen. Und dafür verzichte ich dann auch gerne auf Vollformat. Klar, hätte ich in der A9 oder der A7III (mit kleinen Einschränkungen) dieselben Vorteile des Augen-Autofokus gehabt. Aber die beiden Kameras sind mir im Moment schlichtweg zu teuer und liefern mir für meine Arbeit keinen Mehrwert. Und lasst Euch nicht einreden, man könne mit APS-C Kameras keine Aufträge annehmen. Die ersten Jobs habe ich mit einer Canon 550D und dem 50mm f/1.4 (es hätte genauso das 50mm f/1.8 sein können) erledigt und es hat sich keiner beschwert :-)

Was ist denn aber mit dem Vollformat-Look?

Den bekomme ich mit der Sony A6400 und dem richtigen Glas ohne Probleme hin! Es gibt Grenzen aber wo ich bisher mit der Canon 6D und dem 85mm f/1.8 gearbeitet habe, kommt künftig die Sony A6400* mit dem Sigma 56mm f/1.4* zum Einsatz. Der Vollformat-Look definiert sich in erster Linie durch die bessere Möglichkeit der Freistellung durch den größeren Sensor. Wenn ich mein Sigma Glas auf Vollformat (KB 35mm) umrechne – Brennweite UND Lichtstärke also mit 1,5 multipliziere – lande ich bei 84mm und ca. f/2. Dazu ist das Sigma Glas schon bei offener Blende deutlich schärfer als das ohnehin schon sehr gute Canon Glas. Sigma hat hier extrem auf Schärfe optimiert. Ja, das ist bei Porträts nicht immer wünschenswert aber Strukturen reduzieren kann ich ganz leicht in Lightroom (erst Recht mit dem neuen Regler für Strukturen – sehr gute Sache!).

Besonderheit: Studioumgebung mit Blitzlicht

Wo ich bisher an der Canon 6D mit Blende 5.6 im Studio gearbeitet habe, muss ich nun für denselben Look ca. auf Blende 3.5 gehen. Dadurch bekomme ich natürlich mehr Licht auf den Sensor.

Vorteil: Ich kann den Blitz auf weniger Leistung einstellen und somit schneller hintereinander auslösen!

Nachteil: Da ich nur max. mit 1/160 Sek. belichten kann (Blitz-Synchronzeit) und die Blende weiter öffnen muss, habe ich mehr Umgebungslicht. Wenn es nun sehr hell ist im Raum (z. B. beim Kunden in einem Raum mit großen Fenstern, die sich nicht abdunkeln lassen), kriege ich das Umgebungslicht nicht ausgeblendet und muss entweder weiter abblenden (was zu weniger Schärfeverläufen im Gesicht führt) oder mit ND-Filtern arbeiten. Da kann ich Euch diese hier empfehlen (von variablen ND Filtern rate ich ab):

ND Filter Set von Haida Slim Pro II*

Und das ISO Rauschen?

Ein weiterer Vorteil einer Vollformatkamera, neben dem erwähnten Freistellpotential, ist das geringere Rauschen bei hohen ISO-Werten. Die Canon 6D kann sich auch bei ISO 6400 durchaus noch sehen lassen. Details gehen ein wenig verloren aber das Ergebnis ist immer noch mehr als gut genug für Prints bzw. Fotobücher. Bei der Sony A6400 ist physikalisch bedingt das Rauschen höher. Aber da ich selten in Dunkelheit arbeite, ist das für mich schlicht irrelevant. Wer als Konzertfotograf sein Geld verdient, sollte tunlichst bei Vollformat bleiben! Dafür ist bei der Sony der Dynamikumfang höher, was sich in der Nachbearbeitung positiv bemerkbar macht.

Fazit

Die A6400 ist eine durchaus gelungene Kamera, auch wenn der Formfaktor nicht jedem liegen wird. Der kleine Finger der rechten Hand hängt in der Luft. Damit kann ich leben. Dafür ist sie leicht. In Kombination mit dem Sigma 56mm f/1.4 ist es eine perfekte Porträtkamera mit der man ohne Probleme Aufträge erledigen kann, wenn sie in dieses Genre fallen. Der Akku hält leider nicht so lange wie bei der 6D (die bis zu 4.000 Fotos mit einem Akku schaffen kann!) aber dann wechselt man halt häufiger oder hängt sie im Studio per USB an den Strom. Sie wirkt natürlich nicht so robust wie die 6D aber ich setze sie auch keinen allzu harten Bedingungen aus.

Ich bereue den „Tausch“ (der mich durch den guten Verkauf der 6D und der Objektive auch nicht zu viel Aufpreis gekostet hat) keine Sekunde. Was die X100F für mich privat bedeutet (das F steht für Autofokus), ist die A6400 für meine gewerblichen Aufträge. Ich kann die Kamera aber auch ohne Zögern jeder Familie empfehlen, die gerne andere Fotos von ihren Kindern machen möchten, als die mit dem Handy. Und sie liegt mit dem genannten Sigma Objektiv sogar noch unter dem Preis eines iPhone Xs mit 512 GB! Nur telefonieren kann sie nicht :-)

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