Simplify your Life oder: Braucht man den ganzen Kram eigentlich?

Die Situation im Leben kennt vermutlich jeder: Man stellt dann und wann die ganzen materiellen Anschaffungen der letzten Jahre in Frage. An dieser Stelle befinde ich mich gerade. Was von der ganzen Technik braucht man eigentlich wirklich. Das kann man eigentlich an einer simplen Frage festmachen: Wann habe ich was zuletzt benutzt und wie oft?

Es gibt drei große Themenfelder, in denen ich mich gerne und mit Leidenschaft austobe und daher auch etliche Dinge angeschafft habe:

  • Musik
  • Fotos
  • Apple

Simplify your Music: In diesem Bereich habe ich mich schon sehr auf das Wesentliche reduziert. In meiner Wohnung steht nur noch mein Yamaha P-105B*, welches bei Bedarf per USB als Masterkey für Logic Pro X zum Einsatz kommt. Dennoch habe ich immer noch zuviel Hard- und vor allem Software. An Hardware könnte ich aktuell am ehesten auf meinen Juno-Stage verzichten, der daher auch inklusive des SRX-Boards „Ultimate Keys“ zum Verkauf steht (Bei Interesse gerne Mail an mich). Die anderen Instrumente, welche ich bei meiner Band „Die Tontauben“ spiele und daher im Proberaum parat stehen sind das rote Korg microPiano sowie das rote Roland V-Accordion FR-1* (Nachfolgemodell ist das FR-1x). Weiterhin steht zum arrangieren noch ein Korg Pa600* im Proberaum. Die M-Audio Keastation 88es* (hier das Nachfolgemodell) steht hingegen eingepackt und ungenutzt herum. Da ist das P-105 eindeutig die bessere Alternative, obwohl die Keystation für den Preis eine sehr gute Tastatur hat. Und für andere Controller hätte ich klein und kompakt noch das irig Keys* sowie das Akai LPD8*. That’s it an Hardware. Früher hatte ich deutlich mehr inklusive einer guten alten Korg CX3 mit Leslie-Simulator.

Die Software in meinen 2 Umzugskartons stammt überwiegend aus meiner intensiven Zeit als Autor für Testberichte bei diversen Online-Magazinen. Was nutze ich davon noch? Eigentlich fast ausschließlich die selber gekauften Sachen und weniger die NFR-Versionen (die leider unverkäuflich sind). Also stapeln sich die Kartons mittlerweile im Keller. Installiert habe ich neben Logic Pro X nur noch die komplette Trilogie von Spectrasonics (Omnisphere*, Trilian* und Stylus RMX*), den Nexus 2 inkl. etlicher Expansions, die VSL-Libraries, Hypersonic XXL, Kontakt mit diversen Libraries und natürlich diverse virtuelle Gitarren von VG2 bis zur Real-Serie von Musiclab*. Trotz allem immer noch jede Menge Sounds.

Simplify your Photos: Benötigt man wirklich so viele Kameras und Zubehör? Neben meiner Canon EOS 550D* mit einigen Objektiven sowie Zubehör zum filmen steht noch die Sony RX10*, die Sony RX100* sowie die Sony HX9V* im Regal. Dazu gesellt sich eine GoPro* mit LCD-Back und etlichen Halterungen. Studioblitze, Hintergründe und Systemblitze kommen auch noch dazu. Von iPhone und iPad Kamera zu schweigen. Theoretisch könnte ich also aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig (vom Stativ aus) filmen, dazu noch Zeitrafferaufnahmen erzeugen und mit einer Kamera fotografieren. Und wie oft macht man das alles gleichzeitig? Vielleicht einmal im Jahr, wenn es einen passenden Auftrag dafür geben würde. Und dafür könnte ich mir auch eine zweite oder dritte Kamera leihen. Die Realität schaut so aus, dass ich in letzter Zeit sowohl privat als auch für bezahlte Aufträge die Sony RX10 (genau: nicht die Canon!) genutzt habe. Und wenn’s für private Reisen noch kleiner sein soll, kommt die RX100 zum Einsatz. Die Canon bräuchte ich, streng genommen, nur noch zum filmen mit Filmlook oder wenn ich einen bestimmten Foto-Look z. B. mit dem Canon EF 50mm 1,4* erzeugen möchte. Da hatte ich in letzter Zeit so wenig Drang nach, dass sie bestimmt ein halbes Jahr ungenutzt im Schrank war. Aber das kann sich natürlich wieder ändern. Und da ich nicht vorschnell eine ganze Ausrüstung verkaufe, mit der man wirklich gute filmerische und fotografische Ergebnisse erhält, warte ich mit dem eigentlich logischen Schritt noch ein weiteres halbes Jahr. Kommt sie bis dahin nicht zum Einsatz, wird alles verkauft. Vielleicht verkaufe ich auch alles und hole mir eine Vollformat aus der Sony A7 Serie* 🙂

Simplify your Apple: Tja, kommen wir zum schwierigsten Thema. iPod Classic, iPhone, iPad, Apple TV, MacBook Pro und iMac nutze ich. Und damit ist auch eigentlich schon gesagt, dass keines davon ungenutzt in der Ecke steht. Außer, ja … außer mein iPad! Und das wundert mich extrem. Denn dieses Gerät ist für mich eigentlich das innovativste von allen. Aber weitaus häufiger ist mein MBP mit SSD am Start. Mein iMac ist durch ein halbes Dutzend angeschlossene Festplatten beim starten so langsam wie früher meine Windows-Möhren. Liegt natürlich auch an der fehlenden SSD. Der Einbau einer 1 TB SSD von Samsung* kostet bei Gravis knapp über 500 EUR. Da mein Display aber leider von dem (in meinen Augen) Serienproblem der Wolkenbildung durch Staub zwischen den Displayschichten befallen ist, streube ich mich irgendwie, Geld in dieses Gerät zu investieren. Ich bin wirklich extrem enttäuscht vom iMac dieser Serie und Apples Verhalten den Kunden gegenüber. Das ist schlicht ein Produktionsfehler, der dazu führt, dass Staub zwischen die Displayschichten gelangt. Ähnlich verärgert bin ich übrigens über mein iPhone 5. Es war ständig in einer Hülle ist aber vom „Scuffgate“ betroffen. Sprich: Das eloxierte Alluminium platzt ab. Vom schwachen Akku wollen wir erst gar nicht reden. Was also könnte ich hier verschlanken? Das ich bei Apple bleibe, stelle ich trotz der Probleme (noch) nicht in Frage. Im Endeffekt könnte man es bei allen 3 Themen auf den absoluten Höhepunkt des Minimalismus treiben und sich komplett verschlanken:

Simplify Everything: Ein Gerät für alles? Würde das gehen? Und welches wäre es? Wäre man (ich) damit glücklich? Theoretisch könnte man, würde man all diese Themen nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betreiben, alles mit dem iPhone erledigen. Und es ist in der Tat das Gerät, welches ich täglich auf häufigsten nutze. Es hat eine verhältnismässig gute Kamera (siehe auch iPhone vs. Canon 6D Vergleich von Jörn) zum festhalten von Alltagssituationen und durchaus auch zum kreativen arbeiten (von extremen Spielereien mit Offenblende mal abgesehen, wenn man das nicht mit einer der vielen Apps faken möchte), viele Apps zum kreativen Verwursten der Bilder, es hat ohne Ende Musik-Apps mit denen man selbst mehrspurige Arrangements festhalten kann und man kann damit Full-HD Videos aufnehmen, schneiden und das sogar (ab iPhone 6) in 60 FPS und mit der Option Zeitrafferaufnahmen zu erstellen. Das alles in einem Gerät. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Kreativität, welche man mit einem iPhone ausleben kann, ist unglaublich: Fotos, Filme und Zeitrafferaufnahmen erstellen, schneiden und die eigene Musik dazu mit Garage-Band und Co einspielen und darunter legen. Das ganze dann direkt bei YT oder auf andere Portale hochladen und teilen. Irgendwie gefällt mir der Gedanke dieser extremen Reduzierung sehr. Mich würde es tatsächlich reizen, mal ein Jahr lang (zumindest im privaten) nur mit dem iPhone zu fotografieren, zu filmen, Musik zu arrangieren und das ganze als Jahresvideo mit iMovie am iPhone zu schneiden. Für alle bezahlten Aufträge hätte ich ja noch die anderen Gerätschaften. Ob ich dann allerdings solche Fotos mit Langzeitbelichtung (hier mit der Sony RX100) hinbekommen würde, stelle ich mal in Frage.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Reduzierung aufs Wesentliche oder Übertrieben?

Mit (*) gekennzeichnete Links sind Affiliate/Werbe-Links. Ein Kauf kostet keinen Cent mehr, unterstützt aber meine Arbeit an dem Blog, da ich im Falle eines Kaufs eine Provision erhalte. Mehr Infos dazu auch hier.

11 Comments

  1. Jörn
    9. November 2014

    Nur das iPhone? Wenn man da ein externes Display anschließen könnte, würde ich sofort ja sagen. Leider gibt’s das noch nicht von Apple. Die Rechenpower – du hast die entsprechenden Anwendungen aufgezählt – ist längst vorhanden.

    Für mich wäre das zu wenig, da ich für mein geplantes iBook-Imperium immer auch einen Mac brauche. Und letztlich kommt das iPhone auch nicht gegen meine Canon EOS 6D an. Natürlich kann man die Motive so auswählen, dass die Lichtsituationen beherrschbar bleiben. Sobald aber mehr Dynamik ins Spiel kommt, bekommt das iPhone eher Probleme, als eine gute Vollformat-Kamera.

    Antworten
    1. Markus
      10. November 2014

      Ich muss immer gut gelaunt grinsen, wenn ich „iBook-Imperium“ lese 🙂 Du hast da auch wirklich sehr schöne Bücher geschaffen. Das geht in der Tat (noch) nicht mit dem iPhone. Und ich habe ja am WE selber gemerkt, dass ich auf eine „richtige“ Kamera dann und wann nicht verzichten möchte. Aber eine gute reicht vollkommen. Nur welche würde das sein? Die RX10 wäre trotz des „kleinen“ 1 Zoll Sensors am wahrscheinlichsten.

      Antworten
      1. joern
        10. November 2014

        Schmunzel … 🙂 Solche Begrifflichkeiten wie „iBook-Imperium“ geben mir das Gefühl, etwas „großes“ zu schaffen. Dann bleibe ich (gefühlt) leichter am Ball. 😉

        Antworten
  2. peter
    10. November 2014

    Als ich eben die Überschrift sah und dann Deinen Beitrag las, dachte ich mir das gibt es ja nicht, das könnte von mir stammen. Ich habe mehr oder weniger mein gesamtes Equipment in den letzten beiden Wochen verkauft. Seit Mittwoch besitze ich somit keinen einzigen Synthesizer mehr. Das war zuletzt 1982 der Fall….

    Das Erstaunlichste daran, es fühlt sich unheimlich gut um nicht zu sagen richtiggehend „befreit“ an. Wobei ich jetzt gar nicht ausschließen will, dass ich mir vielleicht wieder einmal einen Synthesizer kaufen werde, einen DX-7 – mit dem bin ich aufgewachsen – oder einem Soloinstrument. Aber sicher ist es nicht, dazu hat sich mein musikalisches Interesse zu sehr in eine andere Richtung geschoben.

    Mir erging es so, dass ich vieles nicht mehr verwendet habe, um ehrlich zu sein – nämlich gar nicht mehr. Je mehr hier stand, umso weniger Musik habe ich gemacht und wenn ich auf einem Instrument gespielt habe, dann immer am Yamaha CP1. Zunächst dachte ich, es hätte mit der wenigen freien Zeit zu tun, dem Älter werden und dem damit verbundenen Verschieben von Interessen… Allerdings habe ich diese Vermutungen just gestern Lüge gestraft, mich hingesetzt weil ich wollte, ein wenig gespielt, „Rec“ gedrückt (siehe Blogeintrag „Sunday“) und war danach glücklich wie schon lange nicht mehr.

    Entscheidungen wie diese reifen offenbar langsam und Gründe dafür hat es bei mir wohl mehrere gegeben. Am meisten erstaunt über mich selbst war ich vor, während und nach der Übergabe des Moog Voyagers, denn es war und ist mir gleichgültig.

    Danke für Deinen Beitrag!

    Antworten
    1. Markus
      10. November 2014

      Das sind ja wirklich ziemliche Parallelen, Peter! Danke Dir für Deinen Kommentar. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass es nicht nur mir so geht 🙂
      Die Interessen sind auch bei mir nach wie vor da. Am Yamaha zu sitzen und einfach nur so die „Record“ Taste zu drücken ist ein sehr schönes Gefühl. Da brauche ich im Anschluss auch nicht dutzende Plug-ins und Spuren hinzupacken. Und wenn es gar nicht aufgenommen wird, sondern mich nur entspannt, ist es auch schön.

      Antworten
      1. peter
        10. November 2014

        > Und wenn es gar nicht aufgenommen wird, sondern mich nur entspannt, ist es auch schön.

        ! ! ! 🙂

        Antworten
  3. Jörn
    10. November 2014

    Bei mir hat dieser Prozess recht lange gedauert. Vielleicht, weil ich nicht loslassen konnte. Eigentlich möchte man ja alles machen, aber oft schafft man dann gar nichts mehr.

    Auch meine Musiksachen sind vollständig verkauft. Bis auf GarageBand (noch die Werksinstallation) gibt’s auf meinem iMac keine DAW-Software.

    Nun steht hier nur noch meine Konzertgitarre (und aus nostalgischen Gründen das elektrische Pendant) und ich bin ziemlich glücklich damit. Und wenn ich mir mal eine andere Kamera wünsche, dann geht es zumindest aktuell nur um einen zweiten EOS 6D-Body – weil ich dann in „komplexen Fotosituationen“ schneller wäre. Ein Luxusproblem …

    Antworten
    1. peter
      10. November 2014

      „Lange gedauert“ ist gut :-), seit ’82 ist in der Tat eine Weile.

      Gut, es hat auch lange Zeit wirklich richtigen Spaß bereitet und ich will diese Türe ja auch nicht zuschlagen. Zudem, wer weiss, wenn ich gefragt werde an einem Projekt mitzuarbeiten, dann könnte auch wieder der Computer und eine DAW Thema werden.

      Wenn es aber nur für mich ist, dann ist es das Yamaha CP1 und, wenn alles klappt, noch etwas anderes. Aber eben kein Synthesizer, kein Mellotron, keine Hammond, keine TR-8, kein MPC-3000, kein Zarenbourg, etc. Selbst das Pult ist nun nicht wirklich mehr in dieser Größe notwendig. Andererseits würde ein Verkauf gerade so viel bringen, wie für die Anschaffung einer neuen, kleineren Variante notwendig wäre und das macht dann natürlich keinen Sinn…

      Antworten
      1. Jörn
        10. November 2014

        1982 ist lange. Ich meinte aber den Zeitraum, wie lange meine Sachen unbenutzt rumgestanden haben und dem Entschluss, nun wirklich endgültig alles zu verkaufen. Da konnte ich mich irgendwie nur schwer zu durchringen. Trotzdem war es – aus aktuellem Blickwinkel – die richtige Entscheidung. Ich kann mir auch nur noch sehr unwahrscheinliche Szenarien vorstellen, in denen ich noch mal die „Rolle rückwärts“ machen und wieder mit einer DAW loslegen würde. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bestenfalls bei ca. 1 bis 5 %

        Antworten
        1. peter
          10. November 2014

          Ah ok. Und was die DAW betrifft, wenn ich nicht „muss“, dann bleibt die unangetastet. Aufnehmen kann ich auch so, siehe gestriges – allerdings etwas verrauschtes – Beispiel. 😉

          Antworten
  4. Jürgen Drogies
    10. November 2014

    „Wie lange habe ich das nicht mehr benutzt?“ Diese Frage war für mich auch entscheidend dafür, dass ich mich in den letzten Jahren von einer Menge meiner Geräte getrennt habe. Beispiele: 8-Spur Tonbandmaschine, diverse Rack-Synthesizer und Klangverbesserer wie Aphex Exciter und, Compellor. Auch der Yahmah Pro 01 Mixer wurde verkauft. Erstaunlich, dass man bei ebay Jahrzehnte-alte Geräte noch los wird. Mein Mixer ging nach England, die großen JBL-Boxen nach Frankreich. Aber die DAW ist trotz neue erwachtem Interesse an E-Gitarren meine liebste Beschäftigung. Ich mag es einfach, Musik-Stücke zu bauen, die wie eine ganze Band klingen. Zur Zeit arbeite ich an einem Titel, bei dem ich Logic Pro X und Reason 8 synchronisiert habe. Im Augenblick stehe ich total auf die Reason-eigenen Synths und Drum Machines. Die Verkäufe habe ich noch nicht bereut, bis auf meinen Moog Prodigy, der ging schon vor ca. 30 Jahren weg, noch per Kleinanzeige. Das wäre heute ein Erinnerungsstück, ob ich ihn einsetzen würde, weiß ich nicht. Man sollte auf jeden Fall den Mut zum Entrümpeln haben!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.