Test – Sony Cyber-shot DSC-HX9V – Review

Muss es immer eine Spiegelreflex sein, oder kann eine Kompakte wie die Sony Cyber-shot DSC-HX9V eine echte Alternative bieten? Wie sieht es mit Video aus und wie mit Foto?

Mit meiner EOS 550D habe ich eine für mich nahezu ideale Kamera, wenn ich Fotografieren und nicht nur „Knipsen“ möchte. Da ich mindestens genau so gerne Videos drehe habe ich die EOS mittlerweile mit Viewfinder, Schwebestativ, Schulterstativ, Batteriegriff und diversen Objektiven ausgestattet. So macht das Filmen in Full HD bei komplettem manuellen Zugriff richtig Spaß. Aber gerade die Filmfunktion ist aufgrund der manuellen Einstellungen nichts für spontane Familienvideos. Wer mal versucht hat, mit Blende 1,4 laufende Kinder, Hunde oder Katzen im Fokus zu halten, weiß was ich meine. Welche Alternativen gibt es also?

Die Entscheidungsfindung

Natürlich kann ich die Blende auf 8 stellen, eine möglichst weitwinklige Brennweite wählen und alles sollte scharf sein. Aber irgendwie ist das immer noch mit Kanonen auf Spatzen (oder Verwandte) geschossen. Als Ergänzung zur DSLR wollte ich daher etwas relativ schlankes mit möglichst guten Videoeigenschaften haben.

Bridge- und Systemkameras fielen aufgrund der Größe durch mein Raster, sonst wäre es vermutlich eine NEX5 geworden. Aber wo ich die mitnehmen kann, passt auch meine 550D mit Festbrennweite ohne Batteriegriff rein. Außerdem sind die Kit-Objektive der NEX5 nicht überzeugend und alles andere sprengt dann wieder den finanziellen Rahmen.

Die Nikon P7000 oder ihr Nachfolger P7100 sowie auch die Canon G1X wären in Sachen Fotoqualität sicherlich eine gute Wahl gewesen, da sie einen größeren Sensor besitzen. 1/1,7“ in den Nikons bzw. der im Vergleich zum APS-C Sensor meiner 550D nur 20 % kleinere Sensor der G1X. Dennoch waren mir auch diese nicht handlich genug und der Videomodus suboptimal.

Die Fuji X100 ist für diesen Zweck zu teuer (zudem kein Videospezialist) und die X10 auch nicht gerade ein Schnäppchen (obwohl ich sie ziemlich attraktiv für Fotos finde). Vielleicht wird die X10 interessant, wenn das leidige White Tot Syndrom gefixt ist. Hier möchte Fuji Ende Mai 2012 nicht nur per Firmware, sondern per überarbeitetem Sensor nachhelfen.

Mein iPhone 4 kann zwar recht ordentliche Fotos und Videos bei Tageslicht aufnehmen aber das war dann doch zu wenig für manche Situationen. Blieb also nur noch die Riege der Kompaktkameras. Wer Wert auf gute Videos legt, landet schnell bei der Sony HX9V. Full HD mit 50 Frames pro Sekunde (nicht interpoliert, sondern progressiv) bei einer äußerst guten Bildqualität und einem Codec, der 28 MBit/s liefert, sind eine klare Ansage. Die Qualität gepaart mit dem exzellenten Stabi ist, um es vorwegzunehmen, in diesem Preisbereich in meinen Augen ungeschlagen.

Der erste Eindruck

Sony Cyber-shot DSC-HX9V

Die HX9V liegt, wenn man eine DSLR mit Batteriegriff gewohnt ist, ähnlich flutschig in der Hand wie ein Stück Seife. Wenn man sie allerdings mit der noch kleineren Canon Ixus (o. ä.) vergleicht, relativiert sich das. Aber es bleibt das Gefühl, dass sie einem gleich aus der Hand rutscht, weshalb ich auch stets die mitgelieferte Schlaufe um die Hand lege und ein kleines Tischstativ oder mein XShot als Griff verwende. Das Stativgewinde ist mittig angeordnet und aus Metall. Mit einem kleinen Stativ kann man auch noch das Batteriefach öffnen um die Speicherkarte zu wechseln. Am besten, man nimm sie im Laden mal in die Hand.

An das sehr gute 3“ Display mit einer Auflösung von 921.600 Bildpunkten kommt bei mir für Videoaufnahmen optional noch ein Viewfinder (LCDVF 3/2), welchen ich eigentlich für meine EOS 550D gekauft hatte. Da aber noch ein zweiter Magnetrahmen im Lieferumfang war, habe ich diesen an das Display der HX9V geklebt. Und siehe da: Er passt fast perfekt und der Viewfinder lässt sich bei Bedarf mit einem leichten „Klick“ anbringen und genauso schnell wieder abnehmen. Praktisch als zusätzliche Stabilisierung und natürlich bei zu starker Sonneneinstrahlung. Da man mit der HX9V ausschließlich per Autofokus filmen kann, dient er weniger zum fokussieren (wie z. B. bei der Canon). Festzuhalten bleibt, dass das Gehäuse der kleinen Sony gut verarbeitet ist und keinen billigen Eindruck hinterlässt. Sie kostet ja aktuell auch immerhin ca. 289 Euro. Zwischendurch war sie unerklärlicherweise auf über 400 Euro angestiegen, dann nach der Ankündigung des Nachfolgers HX20V auf 250 Euro gesunken, nun aber wieder bei 289 Euro angekommen.

Was erhält man an Gegenwert?

Fangen wir mit dem Videobereich an: Die 24mm Weitwinkel sind mehr als jede dedizierte Videokamera in diesem Preisbereich (und auch darüber) bietet. Der 16-fache optische Zoom erweitert den Brennweitenbereich bis hin zu 384mm. Das sind absolut praxis- und reisetaugliche Brennweiten. Ich vermeide Zooms bei Videos allerdings weitestgehend. Wer es dennoch möchte, sollte damit leben können, dass es beim kompletten durchfahren des Brennweitenbereiches an zwei Stellen zu einem leichten Ruckeln im Objektiv kommt. Der Bildstabilisator hingegen ist der beste, den ich je erleben durfte. Im Videomodus erspart er fast ein Schwebestativ und im Fotomodus ermöglicht er lange Verschlusszeiten und Makro- oder Tele-Aufnahmen aus der Hand. Auch genutzt wird er bei den äußerst schnellen Mehrfachaufnahmen, um z. B. HDR Bilder out-of-the-Cam zu erzeugen.

Die Videos, welche im AVCHD-Modus mit 50 Vollbildern pro Sekunde aufgezeichnet werden, sind wirklich 1a und stehen denen meiner EOS 550D in Sachen Schärfe in nichts nach. Mit ein wenig Übung kann man sogar mit der Schärfentiefe spielen. Leider gibt es im Videomodus für kreative Zwecke abseits der Familienvideos keine manuellen Eingriffsmöglichkeiten (außer der Belichtungskorrekutr um +/- 2 EV und des manuellen Weissabgleichs im Szenenprogramm „ISO“). Aber als Run & Gun Kamera ist sie unschlagbar und für die oben beschriebenen Zwecke nehme ich den Automatikmodus gerne in Kauf.

Eine Art „Follow-Fokus“ kann man mit dem „Tracking Focus“ aktivieren. Man visiert ein Objekt an und die Kamera folgt diesem mit automatischer Schärfenachführung. Dies ist nützlich, um ungewollte Fokusänderungen zu verhindern. Das funktioniert aber nur bei relativ klaren Strukturen. Ansonsten verliert auch der Tracking-Focus das Objekt „aus den Augen“. In der Praxis ist es dennoch eine willkommene Hilfe. Bei Familien- oder Personenaufnahmen ist auch im Videomodus die Gesichtserkennung nützlich.

Wer den Fokus bewusst auf „unendlich“ stellen möchte, sollte das Szenenprogramm „Feuerwerk“ einstellen. Allerdings sind dadurch Farbabweichungen möglich. Ich habe die Kamera vom Live-Konzert (wo sie im Gegensatz zu DSLR’s ohne Probleme mit rein darf) bis hin diversen Alltagsgelegenheiten dabei gehabt. Die Ergebnisse (gerade bei dem Live Konzert) waren absolut überzeugend.

Und was ist mit Fotos?

Zu behaupten, die Bildqualität (der Fotos) wäre mit einer Einsteiger-DSLR vergleichbar (wie in manchen Testberichten zu finden) ist übertrieben. Es ist schlichtweg nicht möglich mit 16 Megapixeln auf einem kleinen Sensor die Auflösung und Qualität einer DSLR mit APS-C Sensor zu erreichen. Da spielen physikalische Grenzen eine Rolle. Auch fehlen Blenden- und Verschlussautomatik. Der manuelle Modus lässt einen aufgrund der fehlenden Irisblende (stattdessen wird ein ND-Filter verwendet) nur aus 2 Blenden wählen. Daher waren für mich bei dieser Kamera Fotos ursprünglich nur eine nette Option, da ich sie hauptsächlich für Videos verwende wollte. Dennoch macht sie bis ISO 1600 eine ordentliche Figur und ermöglicht bei statischen Motiven selbst im Dämmerlicht gute Aufnahmen. Dies aufgrund des exzellenten Stabis sogar Freihand bis zu Belichtungszeiten von ca. einer halben Sekunde (je nach Form und innerer Ruhe des Fotografen). Allerdings sollte man sich den hohen Brennweitenbereich dahingehend zu Nutze machen, dass man sein Motiv möglichst im Nachhinein nicht mehr beschneiden muss. Dann gehen die Aufnahmen für’s Web oder normale Fotoausdrucke absolut in Ordnung. Die Pixelpeeperei versuche ich mir ohnehin abzugewöhnen, da sie unter „Technikgebabbel“ fällt und für mich persönlich in der Praxis nicht so relevant ist wie in Foren 🙂

Welche Spielereien hält die Sony für uns bereit? Wie es für Kompakte üblich ist, findet man jede Menge Optionen. Vom Schwenkpanorama, welches sogar bei bewegten Objekten erstaunlich gut funktioniert, über Gesichts- und Lächel-Erkennung (in verschiedenen Stärken), etlichen Szeneneinstellungen bis hin zu GPS ist alles dabei, was man von einer modernen Kamera erwartet. Alles? Nein! Mir fehlt ein Modus für Intervall-Aufnahmen, wie er z. B. bei Ricohs Kompaktkameras oder den Nikon DSLRs zu finden ist. Die einzigen zwei Kameras von mir, die dies von Haus aus können sind das iPhone 4 und meine GoPro HD.

Die Auslösung der Kamera im Fotomodus ist Schnappschuss und Kinderfototauglich. Man erwischt den richtigen Augenblick selbst bei schnellen Objekten. Im Serienbildmodus schafft sie satte 10 Bilder pro Sekunde in voller Auflösung. Danach gönnt sie sich aber eine Verschnaufpause zur Verarbeitung der Bilder. Dennoch ist das ein Wert, der zumindest für die Dauer dieser Sekunde, meine EOS 550D alt aussehen lässt!

Hier zum Schluss mal einige Beispielbilder, welche ich nur am iPad mit iPhoto bzw. Snapseed nachbearbeitet habe:

Und hier ein kleines Video, welches komplett Freihand mit der HX9V entstanden ist. Viele Aufnahmen sind mit 16-fachem Zoom (384mm Brennweite) entstanden. Es sind also nicht nur Familienvideos damit möglich.

httpvh://youtu.be/3XxQBy1t-DY

Und hier der direkte Link auf YouTube:

HX9V-Sample-Video

Meine Meinung

In Europa stehen nur 50p zur Verfügung. Umstellen auf NTSC (wie z. B. bei der EOS 550D) ist leider nicht möglich, hätten doch so noch 10 Frames mehr pro Sekunde auf den AVCHD Stream gepasst. Leider gibt es fast keine manuellen Eingriffsmöglichkeiten im Videobereich. Ausnahme sind nur die Belichtungskorrektur für die „Anfangsbelichtung“ einer Szene (anschliessend regelt die Kamera wieder selber nach), dem manuellem Weißabgleich im Szenenmodus „ISO“ und die Fokussierung auf „unendlich“ in der Szene „Feuerwerk“. Im Fotomodus wünsche ich mir eine Belichtungsreihe mit mehr als nur +/- 1 EV Abweichung. Das ist für HDR’s einfach zu wenig. Bleibt nur, die Belichtungsreihe manuell anzufertigen. Aber dann geht der Vorteil verloren, diese mal eben aus der Hand fotografieren zu können. Der Videobutton reagiert nicht immer sofort (kein richtiger Druckpunkt), so dass man versehentlich die Aufnahme stoppt, nachdem man sie gerade erst gestartet hat. Hier ist die kleine Verzögerung von 1-2 Sekunden bis zum Aufnahmebeginn schon ärgerlich, auch wenn man sich darauf mit der Zeit einstellen kann.

Die Videofunktion ist in meinen Augen für diese Preisklasse ungeschlagen. Wer gerne mal mit Slow Motion arbeitet, kommt an dieser Kamera eigentlich nicht vorbei. Zumal sie neben den 50 Frames in Full HD auch noch knackig scharfe Videos aufnimmt. Wer gerade keinen Focus-Puller dabei hat, kann sich auf den „Tracking Fokus“ der HX9V verlassen. Dies funktioniert in vielen Fällen tadellos.

Die „Spielereien“ im Fotomodus sind nette Begleiter für eine „Immer-dabei“ Kamera. Der hohe Brennweitenbereich und der exzellente Stabi machen die HX9V zu einer günstigen und guten Reisekamera, wenn die DSLR nicht mehr in den Rucksack passt.

Wenn man es nicht gerade mit schlechten Lichtverhältnissen und bewegten Motiven zu tun hat, sind die Ergebnisse absolut in Ordnung und je nach Auflösung auch nicht von denen meiner 550D zu unterscheiden. Wie gesagt: Unter bestimmten, günstigen Bedingungen und abhängig von der Auflösung.

Für mich ist die kleine Sony die perfekte Immerdabei für Foto- und Video. In meinen Augen ersetzt sie sogar jede dedizierte Videokamera im Consumer Bereich für den Familienvater.

Markus Cremer

Preis

  • 289 Euro (aktueller Straßenpreis)

Hersteller

Nachfolger der HX9V:

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