Musikproduktion am iPad – Teil 5 – Test: IK Multimedia iLoud Micro Monitors

Downsizing ist das neue Aufrüsten. Die iLoud Micro Monitors von IK Multimedia sind der Inbegriff des Minimalismus in Sachen Studio-Monitore. Klingen die Zwerge denn?

Wenn ich also von dieser schon recht kompakten Größe …

… auf diese noch kompaktere Größe schrumpfen möchte …

… führt einen die Suche zwangsläufig zu den iLoud Micro Monitors.

Ich habe von IK Multimedia netterweise ein Paar der Boxen zu Testzwecken erhalten und als ich das Paket auspacke staune ich nicht schlecht. Zwar kann man im Netz schon anhand der Produktfotos erkennen, dass sie recht klein sind, aber dennoch erstaunen mich die geringen Maße in der Realität noch mehr als auf den Fotos. Das Gewicht hingegen ist zwar auch moderat aber im Verhältnis zur Größe wertig.

Design

Das können die Italiener zweifelsfrei. Funktionalität gesellt sich hier allerdings auch noch dazu, was z. B. an dem ideal ausgenutzten Platz im Gehäuse und am vorderen der beiden Gummifüße erkennbar ist. Dieser lässt sich nach unten klappen, was die Box in Richtung einer erhöhten Sitzposition ausrichtet und sie gleichzeitig vom Untergrund entkoppelt. Zumindest ein wenig. Aber auch so verursacht sie trotz der hohen Lautheit keine hörbaren Vibrationen. Das kann aber auch an meinem meist recht aufgeräumten Schreibtisch liegen. Wer sie nicht auf den Schreibtisch stellen möchte, kann sie übrigens auch auf einen Mikroständer schrauben. Sehr schön. Bei mir allerdings finden sie ihren Platz auf dem Schreibtisch.

Bedienelemente

Die Bedienelemente sind alle an der linken Box auf der Rückseite angebracht.

 

Volume

Am prominentesten ganz oben platziert befindet sich ein gut ertastbarer Volume-Regler, der in „0dB“ Stellung einrastet und sich somit auch „blind“ von vorne bedienen lässt. Weiter nach rechts gedreht kann man mit dem Regler anliegende Signale um bis zu 6dB verstärken. Wenn laute Signale anliegen, lässt er in der Stellung „INF“ ganz links das Signal leider nicht ganz verstummen. Manchmal ist das Signal noch sehr gut zu hören und das auch in teils unterschiedlichen Lautstärken. Nur sehr selten ist es wirklich stumm (wie es sein sollte). Das ist sowohl bei kabelgebundenen als auch bei Bluetooth Signalen der Fall. Ob es an einer Fertigungstoleranz meines Demo-Modells lag, kann ich nicht sagen. In der Praxis sollte das keine allzu große Rolle spielen, da ich meine Boxen in der Regel auf einen festen Pegel einstelle und den Rest über die Software des Rechners, iPads oder iPhones steuere. Auch die Gain Regler meiner Fostex ändere ich nie. Allerdings ist dort ganz links auch eine „Off“ Stellung, bei der zuverlässig Ruhe ist, egal wie laut das anliegende Signal ist.

Bluetooth

Das hatte ich beim ersten Sichten der Boxen im Netz gar nicht auf dem Schirm. Umso erfreuter war ich, dass es eine Bluetooth Schnittstelle gibt. Die Verbindung erfolgt nach Druck auf den entsprechenden Taster auf der Rückseite sehr unkompliziert. An meinem iPhone oder iPad erscheinen Sie als „iLoud Micro-Monitor“. Die Verbindung wird prompt mit einem Signalton quittiert und man kann (bei Bedarf gleichzeitig zu den anderen Eingängen) seine Audiosignale zur Box streamen. Was mir allerdings auffällt beim Einschalten der Boxen: Es surrt für einen Moment und erst danach ist Ruhe. Als ob irgendetwas einstreut. Evtl. die Bluetooth Suche. Danach ist (zum Glück) nichts mehr zu hören außer natürlich dem Signal. Dieses wird übrigens parallel zu den per Kabel anliegenden Signalen wiedergegeben.

EQ

Die 3 oben zu sehenden EQ-Schalter mit festgelegten Frequenzen erleichtern einem die Anpassung an die eigene Umgebung. In meinem Fall nutze ich nur den oberen Schalter und stelle ihn von „Flat“ auf „Desktop“. Das bewirkt eine Anhebung der Frequenzen zwischen 1 KHz und 10 KHz um 3,5 dB sowie eine Absenkung um 1 dB unter 400 Hz, was dem akustischen Effekt bei einer Aufstellung auf dem Schreibtisch entgegenwirkt. Der zweite Schalter und dritte Schalter bewirkt ein Absenken von Frequenzen mittels Shelving Filter.  „HF“ senkt über 4 KHz um 3 dB ab und „LF“ senkt Frequenzen unter 250 Hz um 3 dB ab. Hier hilft nur probieren, was in der eigenen Umgebung am besten passt.

Hier mal interessehalber der Frequenzverlauf wenn alle Schalter auf „Flat“ stehen:

Klang

In einem Wort: Erstaunlich! IK Multimedia hat ohne zu Übertreiben alles richtig gemacht. Die Boxen schaltet man gerne an und kann durchaus länger daran mischen oder einfach mal analytisch in Songs reinhören. Man hört trotz der (fehlenden) Größe auch Feinheiten in Songs gut raus ohne das Gefühl zu haben es spielt sich alles nur in den Mitten ab. Naturgemäß haben die iLoud Micro Monitors nicht die „Breite“ und das Low-End größerer Boxen. Aber bei der Größe kann ich mir nicht vorstellen, wie noch mehr Klang aus dem Volumen kommen soll. Um das fehlende Low-End beim abmischen zu ergänzen, empfehle ich auf einen Kopfhörer zurückzugreifen. Die Wiedergabe bei sparsam arrangierten Songs die nur von Klavier, Gitarren, Streichern und Vocals getragen werden, lässt hingegen fast nichts vermissen. Das Piano klingt in tieferen Bereichen zwar nicht so satt aber keinenfalls dünn. Ich habe mich durch meine Playlists gehört und gerade Stücke die vom Gesang leben, kommen gut rüber. Als Beispiel nenne ich hier gerne mal Purple Schulz mit seinem letzten Album „Der Sing des Leben“*. „Nimm es mit“ oder „Das letzte Mal“ zum Beispiel klingen auf den kleinen IK genauso differenziert wie auf den Fostex. Komplexere Songs aus Michael Jacksons Album „Bad“* sind auf den IK zwar etwas schwieriger zu beurteilen aber ich empfinde den Klang immer noch als sehr differenziert.

DSP

Der integrierte Digitale Signal Prozessor mit 56 Bit Auflösung sorgt zum einen für eine korrekte Ansteuerung der beiden Endstufentreiber für bessere Frequenztrennung und zum anderen auch dafür, dass bei zunehmender Lautstärke der Bassanteil zur Vermeidung von Verzerrungen abgesenkt wird. Die Basswiedergabe soll bis hin zu 55Hz bei nur 3dB Absenkung reichen. Auch wenn mir meine Ohren natürlich die genaue Frequenz nicht mitteilen, ist doch deutlich zu hören, dass die Boxen tiefer gehen als sie aussehen. Das erreichen die Micro Monitore zum einen durch die Bauweise und zum anderen ebenfalls durch den DSP. Eine weitere Rolle spielt auch das verwendete Material des Woofers, welches nach Angaben von IK sehr schnell anspricht und somit Transienten besser abbildet als vergleichbare größere Woofer.

A/B Vergleich mit den Fostex PM 0.5

 

Ich habe die beiden Boxen in den letzten Wochen intensiv verglichen. Und natürlich hört man den Unterschied. Keine Frage. Aber mir ist es dennoch einmal passiert, dass ich nach einer längeren „Hörpause“ und dem starten eines Songs zunächst die Fostex leiser drehen wollte, allerdings die Micro Monitors zu hören waren. Grund für die Verwechslung war in der Tat der Bass und der sehr gute Sound! Ich war zunächst sicher, dass es sich um die Fostex handeln musste. Das zeigt wie gut die kleinen IK Boxen sind, wenn man nach einer Hörpause vorher keinen direkten Vergleich hatte.

Im Vergleich zu größeren Boxen kommt zwangsläufig die Physik ins Spiel. Die Micro Monitors klingen in den Mitten „enger“ als die Fostex. Das liegt aber auch daran, dass die Fostex PM 0.5 äußerst gut die Details in den Mitten und auch den Höhen abbilden. Mit ein Grund, warum ich sie mir damals gekauft und bis heute behalten habe. Das ist dann aber auch ein Vergleich von Äpfel mit Birnen, weil die Fostex, auch wenn es recht kleine Nahfeldmonitore sind, in einer anderen Gewichts- und Größenklasse spielen, ganz zu schweigen von den Fostex PM 2, die ich aber mittlerweile verkauft habe.

Die Trennung der einzelnen Instrumente ist erstaunlicherweise aber auch bei den IK iLoud Micro Monitors gut zu hören. Ein Vorteil der kleinen IK ist dazu der noch geringere Abstand zur Abhöre und der damit auch geringere Raumanteil, der zu Verfälschungen führen kann. Und seien wir mal ehrlich: Wer von uns hat schon einen absolut optimierten Abhörraum. Hier bietet IK zwar auch einige Lösungen aber das ist ein anderes Thema.

Das gefällt mir nicht:

  • es sind nur unsymetrische Eingänge vorhanden
  • Es ist nur Netzbetrieb möglich (nur bei mobilem Einsatz ein Nachteil)

Das gefällt mir:

  • leicht zu transportieren
  • nehmen kaum Platz weg
  • für die Baugröße sehr guter Sound
  • Idealer Schnittwinkel von Tweeter und Woofer bei einer Entfernung von bereits 50cm
  • Keine Gefahr von stehenden Wellen oder anderen Raumeinflüssen durch fast ausschließliches Direktsignal

Spezifikationen

  • Zweiwege-Aktiv-Studiomonitore
  • 50 Watt (RMS) für beide Boxen zusammen (je Woofer 18W RMS und je Tweeter 7W RMS)
  • Frequenzgang (-10 dB): 45 Hz – 22 KHz
  • Frequenzgang (-3 dB): 55 Hz – 20 KHz
  • Maximaler Schalldruck in 50cm Abstand: 107 dB
  • 4 Class-D-Endstufen
  • Bassreflex
  • 3″ Woofer
  • 3/4″ Silk-Dome-Hochtöner
  • 56-bit DSP
  • Bluetooth (155ms Latenz bei iPhone 6s / iOS 10.0.1)
  • 3 EQ Schalter auf der Rückseite
  • Eingänge: 3,5 mm Miniklinke und 2 x Cinch (RCA) unsymetrisch mit 1.02 ms Latenz
  • Abmessungen: 180mm x 135mm x 90mm
  • Gewicht 920 g (linker Lautsprecher), 800 g (rechter Lautsprecher)

Fazit:

In der Größe wird man schwer Boxen finden, die sich als Studioabhöre besser eignen. Wenn der Platz vorhanden ist, erhält man in dem Preissegment durchaus bessere aber dafür auch deutlich größere Boxen. Ob die größeren Boxen sich bei kleinen Räumen aber auch zwangsläufig besser zum mixen eignen ist nicht unbedingt gesagt. Klangliche Defizite des Raumes muss man bei größeren Boxen eher ausgleichen als bei den kleinen iLoud Micro Monitors, da man fast nur anhand des direkten Signals und weniger mit dem Raumanteil mischt. Als alleinige Abhöre kann man sich mit der Zeit sicherlich auf sie einstellen. Bei dichteren Arrangements wird es zunehmend schwerer einen ausgewogenen Mix zu erzeugen. Mit Übung geht auch dies aber da würde ich persönlich lieber auf meine Fostex zurückgreifen. Ich empfehle sie daher am ehesten für kleinere Akustik-Projekte die aus Gesang und Klavier oder Gitarre bestehen. Da fehlt auch untenrum nichts und die Trennung von Mitten und Höhen ist für die Größe wirklich sehr gut. Da man die Boxen allerdings auch leicht mitnehmen und sie zudem noch per Bluetooth ansteuern kann, sind es zudem auch ideale Zweit- oder Drittmonitore zum gegenhören eines Mixes.

Produktseite bei IK Multimedia

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Weitere Teile der Serie:

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 2 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 3 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 4 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

 

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