Musikproduktion am iPad – Teil 4 – Test: SampleTank iOS und Instrument Collections

Dieser Teil beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Sounds von SampleTank iOS von IK Multimedia, welcher meines Wissens nach der umfangreichste „ROMpler“ für das iPad oder iPhone ist.

In der neuesten Version (ab 2.0.0 vom 20.08.2016) besitzt SampleTank iOS nun die Engine aus SampleTank 3 (Desktop). Weiterhin sind folgende Neuerungen enthalten:

  • 8 Instrumentparts
  • Song und Live Mode
  • Erweiterbar mit über 1.900 verfügbaren Sounds
  • Soundbrowser
  • neues Interface
  • Midi-Learn für externe Controller
  • Layer Funktion

Das wichtigste für mich ist trotz aller Änderungen nach wie vor der Sound. Daher werde ich mir die Sounds des „All Sounds Packs“, der „Sample Tank PRO“ Collection sowie die bereits in Teil 2 mit Cello und Geige vorgestellten „Miroslav Philharmonik 2“ Collection genauer anschauen.

Beworben wird SampleTank in der neuen Version mit „[…] you now have the power of desktop virtual instruments – without compromise […]“. Ob dem wirklich so ist oder nicht doch irgendwo ein Kompromiss versteckt ist, möchte ich dann schon genauer wissen.

Sounds und Preise

  • SampleTank gibt es zunächst als kostenlose CS Version mit 23 Sounds
  • Das Upgrade auf Sample Tank mit 122 weiteren (also ingesamt dann 145 Instrumenten) in 16 Kategorien kostet 21,99 EUR
  • Das „All Sounds Pack“ enthält 392 Sounds (aber nicht die 122 des Upgrades von der CS Version!) in 21 Kategorien und kostet 54,99 EUR
  • Das Sample Tank PRO – All Sounds Pack kostet 54,99 EUR
  • Miroslav Philharmonik 2 – All Sounds Pack kostet 54,99 EUR
  • Alle weiteren In-App Käufe liegen zwischen 5,49 EUR und 21,99 EUR

Puhhh, das war auch für mich gar nicht so leicht durchzublicken am Anfang mit CS Version, Upgrade, All Sounds Pack, Pro, etc. Ich glaube auch, dass gerade die Bezeichnung „All Sounds Pack“ sehr unglücklich gewählt ist. Aber ich hoffe, jetzt wisst Ihr, was ihr mit welchem Pack erhaltet.

Wenn man wirklich ALLE Expansions kauft, kommt man auf die beworbene Zahl von über 2.300 Sounds und 1.200 Pattern sowie einen (für App Store Verhältnisse) stolzen 3-stelligen Betrag für alle In-App Käufe. Warum erwähne ich das mit den App Store Preisen so explizit? Weil sich am Mac oder PC niemand über einen Preis von z. B. 54,99 EUR für 544 Sounds mit insgesamt 3,33 GB wundern würde. Sorry, falsch: Er würde sich wundern, warum es so günstig angeboten wird … Im App Store gelten andere Relationen und jeder meckert über Apps die teurer sind als 1,99 EUR. Uns Musiker sollen die günstigen Preise freuen. Und denken wir mal zurück an 1993: Der JV1080 kam damals mit 8 MB, erweiterbar mit den SR-JV80 Karten auf 42 MB an Sounds. Und wie teuer war Hardware seinerzeit? Heutzutage sind diese Schätzchen von der Speichergröße zwar total lächerlich aber dennoch wird er nach wie vor in Studios eingesetzt. Die Sounds eignen sich auch in Zeiten von Samples im Gigabyte Bereich immer noch zum doppeln. Doch zurück ins jetzt.

Schauen wir uns die für mich interessantesten Packs genauer an:

All Sounds Pack

Über den Speicherbedarf schweigt sich IK hier auf der Webseite aus, so dass ich zunächst einen Überblick über die Kategorien und die Instrumentenzahl geben möchte:

392 Instrumente verteilen sich hier auf 21 Kategorien:

  • Acoustic Drums (9)
  • Electronic Drums 1 (12)
  • Electronic Drums 2 (15)
  • R&B Drums (13)
  • Bass (38)
  • Acoustic Guitar (11)
  • Electric Guitar (15)
  • Piano (12)
  • Electric Piano (13)
  • Organ (31)
  • Chromatic (21)
  • Strings (9)
  • Brass (14)
  • Woodwinds (12)
  • Trons (8)
  • Synth Lead (51)
  • Synth Pad (31)
  • Voice (20)
  • Ethnic (18)
  • Percussion (16)
  • Sound FX (23)

Ich werde im folgenden jeweils ein paar der Sounds aus den Kategorien meist mittels der Werks-Pattern oder auch vereinzelt live eingespielten Sequenzen vorstellen. Alle ohne Nachbearbeitung und weitere Effekte oder Komprimierung. Hören wir also mal rein:

E-Drums und Akustik-Drums:

 

Bässe:

 

Gitarren:

 

A- und E-Pianos:

 

Orgeln:

 

Chromatic:

 

Strings / Harps:

 

Brass:

 

Woodwinds

 

Synths (Lead & Pad):

 

Chor:

 

Ethnic:

 

Percussion:

 

Das „All Sounds Pack“ bietet eine sehr gute Basis und empfiehlt sich als Einstieg und „Rundumschlag“. Denn wenn man nur das PRO Pack kauft, würde man sonst einige Sounds vermissen. Es waren bisher durchaus kritische Rezensionen im App Store zu finden, die sich über die Soundqualität mancher Patches beschwert haben. Für mich ist das Meckern auf hohem Niveau. Wenn man genau hinhört vernimmt man bei einigen Sounds (extrem z. B. bei den Gitarren) in der Release-Phase ein Rauschen. Und bei einem 500 EUR Plug-in würde ich da sicherlich auch meckern. Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf und schauen, was man letztlich alles mit den Sounds anstellen kann. Bei Fotos gibt es auch Pixelpeeper und solche, die einfach Fotos machen. Wer einfach Musik machen möchte, wird seinen Spaß an dem „All Sounds Pack“ haben.

SampleTank PRO

IK hat seit dem letzten Major Update der App das PRO Pack mit 544 Instrumenten unterteilt in 5 Collections, welche auch einzeln erhältlich sind, im Angebot. Das gesamte Pack belegt 3,33 GB an Speicher, was sich nicht nur in längeren Samples positiv bemerkbar macht.

Die Kategorien hier mal in der Übersicht:

  • Classic Keys (73 Instrumente auf 649,7 MB, davon 18 Akustik Pianos, 40 E-Pianos und 15 Orgeln)
  • Synth Collection (278 Instrumente auf 630,3 MB, davon 141 Leads, 127 Pads und 10 Hits & FX)
  • Drums & Loops (95 Instrumente auf 1,37 GB, davon 5 akustische Drum Kits, 40 Groove Construction Kits, 28 Acoustic Drum Loops, 14 Latin Percussion Loops und 8 Percussion Instrumente)
  • Bass Collection (67 Instrumente auf 626,7 MB, davon 25 elektrische und akustiche Bässe sowie 42 Synth Bässe)
  • Ethnic & Voices (31 Instrumente auf 256,7 MB, davon 21 Ethnic und 10 Voice Instrumente)

Hören wir aber auch hier mal am besten in die einzelnen Kategorien rein. Diesmal mittels ein paar der Werk-Demos zu den einzelnen Collection, die sehr gut wiedergeben, was damit möglich ist.

Classic Keys:

 

Synth Collection:

 

Drums:

 

Bass Collection:

 

Ethnic & Voices:

 

Die Sounds der Kategorie „Piano“ im PRO Pack stammen definitiv aus iGrand. Ich habe hier mehrmals verglichen und die Samples sind für meine Ohren identisch. Warum man trotzdem iGrand kaufen sollte? Es gibt dort per In-App Kauf zwei schöne Erweiterungen, von denen mir die „Hollywood Pianos“ und ein paar andere Sounds sehr gut gefallen. Wer „nur“ gute Akustik- und E-Pianos sowie ein paar weitere Orgeln sucht, sollte sich in SampleTank definitiv die Classic Keys aus der PRO Erweiterung zulegen.

Die DrumKits ergänzen die schon recht üppigen Kits des All Sound Packs zwar „nur“ um 5 weitere akustische Kits, diese jedoch erhalten im Gegensatz zu den anderen Kits noch individuelle Lautstärkeregler für Kick, Snare, Toms und Overhead Mikro:

Ein weiterer Kompressor befindet sich weiter rechts im Edit Strip.

Die Drum Loops und Construction Kits sind vor allem dann interessant, wenn es mal schnell gehen soll.

Bei den Bässen sind ein paar sehr schöne Alternativen zu den Bässen aus dem All-Sounds-Pack dabei.

Welche Sounds gibt es hier im PRO Pack denn nicht im Vergleich zum „All Sounds Pack“? Ich nenne nachfolgend mal die Kategorien, die ihr nur im All Sounds Pack findet: Electronic Drum Kits, Gitarren, Chromatic, Strings, Brass, Woodwinds und Trons. Es schadet also nicht, beide Packs zu besitzen. Das PRO Pack ergänzt vielmehr das All Sounds Pack. Schön finde ich, dass IK einem hier die Möglichkeit bietet, nur einzelne Packs zu kaufen. Das PRO Pack ist jedenfalls eine gute Empfehlung und mir persönlich haben es die Classic-Keys und auch die Drums angetan.

Miroslav Philharmonik 2

Für eine nochmals deutliche Erweiterung der Orchestersounds empfehle ich einen Blick in dieses Pack. Das virtuelle Orchester konnten wir in abgespeckter Variante (nur Cello und Geigen) bereits in Teil 2 hören. Es gibt aber neben diesen beiden Sounds natürlich noch weitere. Insgesamt 140 Instrumente mit 2,27 GB Speicherbedarf verteilen sich auf 5 Kategorien die ebenfalls einzeln erhältlich sind.

  • Strings Pack (54 Instrumente auf 950 MB)
  • Brass Pack (26 Instrumente auf 452,7 MB )
  • Woodwinds Pack (45 Instrumente auf 573,5 MB)
  • Chromatic Pack (9 Instrumente auf 110,1 MB)
  • Piano Pack (6 Instrumente auf 184,4 MB)

Hören wir auch hier mal in zwei der Werks-Demos rein, die wirklich eindrucksvoll unter Beweis stellen, wie realistisch ein Orchester oder auch ein klassisches Violinensolo heutzutage aus dem iPad klingen kann:

 

Es ist wirklich erstaunlich, wie gut diese Sounds gemeinsam klingen. Daher ist dieses Pack aus meiner Sicht eindeutig ein must-have für das arrangieren von realistischen Orchestertracks. Alternativen am iPad? Ich kenne keine!

Kommen wir nun noch zu den Möglichkeiten von SampleTank selber:

8 Parts (innerhalb der App)

Warum betone ich das so explizit? Wie wir bereits in Teil 2 gesehen haben, ist die Einbindung von SampleTank in einen Sequenzer nur über Audiobus oder Inter-App Audio und somit nur mit einer Instanz möglich. Wer SampleTank jedoch live für seine Gigs oder zum aufnehmen einer Songidee mit dem App-internen 8-Track-Midi Recorder nutzt, kann auf 8 verschiedene Instrumente gleichzeitig zurückgreifen und das Ergebnis als Audiofile exportieren. Wie 8 Parts bei nur 64 stimmiger Polyphonie überhaupt funktionieren interessiert mich genauso wie die Frage, ob ich SampleTank wirklich live mit mehreren Instrumenten nutzen würde. In der alten Version habe ich das übrigens mit einzelnen Sounds bereits erfolgreich gemacht. Und mit 128 User Presets/Multis sind auf jeden Fall ausreichend Speicherbänke vorhanden um ein abendfüllendes Set zu erstellen. Ich bin also gespannt. Doch zunächst ein paar der Möglichkeiten.

Patterns

Sowohl für uns Tester zum schnellen erstellen von Soundbeispielen, als auch für die Komponisten unter Euch sind Patterns immer eine tolle Grundlage für das schnelle Songlayout. Über 1.000 Patterns werden mitgeliefert und manche Instrument Collection kommt mit zusätzlichen Patterns. Die Patterns lassen sich grundsätzlich pro Sound (bzw. pro Part im Multimode) aktivieren und liegen dann recht weit links auf der Tastatur. Sogar so weit links, dass man sie ohne Oktave-Verschiebung des Masterkeyboards oder Transpose des Parts in SampleTank nicht alle starten kann. Wie funktioniert ein Pattern eigentlich? Das ist wichtig zu verstehen, da man ansonsten im Live Mode bei einem programmierten Layer überrascht wird, dass man nichts mehr hört. Im Gegensatz zu Loops, die ein fertiges Sample abfeuern um z. B. einen Schlagzeugbeat zu erzeugen, arbeiten Patterns auf Midi-Basis. Es werden also vorgefertigte Midifiles mit dem gewählten Sound gespielt. So kennt man es auch von zahlreichen Plug-ins. Nun müssen diese Sounds natürlich auch für das Midifile „erreichbar“ sein. Und hier kommt die Einschränkung zur Live-Nutzung: Wenn ich im oberen Bereich zu einem Schlagzeugbeat jammen möchte, ist dies nur bedingt möglich, da ich den Layer für das Schlagzeug so weit nach oben „ziehen“ muss, dass das Pattern auch alle Instrumente des gewählten Drum-Kits spielen kann. Noch schwieriger wird es bei einer Gitarrenbegleitung. Möchte ich über eine akustische Schrummelgitarre improvisieren, so geht dies nicht wirklich. Die Lösung in solchen Fällen ist nur die Nutzung mehrerer Midikanäle auf verschiedenen Bereichen des Masterkeyboards. Das unterstützen aber nicht unbedingt alle Keyboards. Fazit: Die Patterns sind klasse um im Song-Modus oder per Inter-App Audio einen Song zu arrangieren. Live sind sie nur mit der genannten Einschränkung nutzbar.

Edit Strip und Effekte

Um die Sounds an seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen, stehen einem verschiedene virtuelle Dreh-Regler zur Verfügung die sich per Midi-Learn echten Reglern zuweisen lassen. Sehr gut. Geänderte Sounds lassen sich als User Preset speichern. Je nach gewähltem Sound ändern sich die Möglichkeiten des Edit Strips. Ein wenig wie die Smart Controls in Logic Pro X. Die Insert Effekte lassen sich zwar in Parametern ändern aber nicht komplett wechseln. Sie sind fester Bestandteil eines Sounds. Folgende Insert Effekte gibt es:

  • AM Modulation Depth, angezeigt als „AM Mod“
  • Ambience Level, angezeigt als „Ambience“
  • Amp+Cab Gain, angezeigt als „Gain“
  • Auto Pan Rate, angezeigt als „Auto Pan“
  • Chorus: Depth, angezeigt als „Chorus“
  • Compressor: Comp, angezeigt als „Comp“
  • Crusher: Drive, angezeigt als „Crush“
  • Delay Level, angezeigt als „Delay“
  • Distortion, angezeigt als „Distortion“
  • Envelope Flanger Feedback, angezeigt als „Flange“
  • Envelope Filter, angezeigt als “Env”
  • EQ-Comp, fünf Parameter angezeigt als “Low,” Mid Freq,” “Mid,” “High” and “Comp”
  • FM Mod Depth, angezeigt als „FM Mod“
  • Filter Cutoff, angezeigt als „Cutoff FX“
  • Flanger Feedback, angezeigt als „Flange“
  • Lo-Fi: bandwidth, angezeigt als „Lo-Fi“
  • Multi Chorus: depth, angezeigt als „Chorus“
  • Overdrive: drive, angezeigt als „Drive“
  • Phaser: depth, angezeigt als „Phasing“
  • Phonograph Crackle, angezeigt als „Vinyl“
  • Rotary: benutzt einen 3-Positionen Schalter: “Fast”, ”Slow” and “Stop”
  • Slicer: Pattern, angezeigt als „Slicer“
  • Spring Reverb
  • Tremolo: rate, angezeigt als „Tremolo“
  • Wah-Wah: wah, angezeigt als „Wah-Wah“

Beim Reverb gilt: Die Einstellungen bezüglich Reverb-Typ sowie dessen Hallzeit gelten für alle 8 Parts gleichermaßen! Natürlich kann aber der Level des Halls pro Part geregelt werden.

Live Mode

Kommen wir nun zum von mir heiß erwarteten Live Mode. Denn hier lassen sich bis zu 8 Sounds gleichzeitig live auf der Tastatur spielen. Ob man sie dabei nun layert oder splittet ist grundsätzlich egal. Über den Part Range Button werden im unteren Bereich alle 8 Parts als Balken über die Tastatur verteilt angezeigt und man kann den spielbaren Bereich des oben ausgewählten Parts verändern. So lassen sich schon recht komplexe Layer und Splits erstellen. Die Komplexität wird dabei aber durch ein paar Dinge eingeschränkt. Es gibt zum einen keine Möglichkeit einen Velocity Layer zu programmieren um z. B. bei kräftigem Anschlag einen Orchesterhit oder ähnliches anzutriggern. Weiterhin sind die vorhandenen Patterns zwar eine feine Sache, da man durch nur eine Taste im unteren Bereich einen Schlagzeugbeat oder eine Gitarrenbegleitung antriggern kann aber Live sind sie nur mit Einschränkungen in Kombination mit anderen Sounds nutzbar. Mehr dazu oben im Abschnitt „Patterns“. Es gibt es leider auch keine Möglichkeit pro Part die Controller festzulegen bzw. manche auszuschliessen. So gelten Controller wie Sustain Pedal, Modulation Wheel oder Pitch Bend immer für alle Sounds. Das ist unpraktisch auch bei einfacheren Multis. Aber immerhin kann man mit Midi-Learn den vorhandenen Parametern passende Midi-Controller zuordnen. Das geht schnell und lässt z. B. die Geschwindigkeit des Leslie-Effekts auf das Modulation Wheel legen.

Die Polyphonie ist übrigens ein weiterer einschränkender Faktor. 64 Stimmen sind irgendwie nicht mehr zeitgemäß auf aktuellen iPads. Ich habe die Hoffnung, dass hier durch ein Update nachgeholfen werden kann. Pro Part bleiben so nur noch 8 Stimmen übrig. Andererseits waren es bei 16 Parts im JV1080 auch nur 64 Stimmen. Und das oben im Screenshot von mir programmierte Multi lies sich ohne Hänger spielen. Mir ist es allerdings beim programmieren von Multis leider ein paar Mal passiert, dass SampleTank Pro abgestürzt ist und alle Änderungen an dem jeweiligen Multi futsch waren! Unschön. Am besten immer mal wieder zwischenspeichern. Und die Funktion zum speichern von Multis die man im Live Mode programmiert hat, ist irgendwie versteckt. Mir ist es Anfangs passiert, dass ich einfach auf den neu angelegten Multi Namen im User Bereich geklickt habe und weg war alles. Ich habe damit nämlich nur das leere Multi geladen … Gespeichert wird hingegen mit dem Symbol oberhalb der Multi Liste.

Durch klick auf einen der Parts wird dieser übrigens grau und gemuted. Allerdings sollte man dies nicht bei gedrücktem Sustain Pedal machen, da der Kanal so das lösen des Pedals nicht mitbekommt und somit der Sound einfach mit den letzten Noten weiterklingt. Da wird man live definitiv nicht drauf achten und hat so die schönsten Notenhänger. Davon abgesehen, kann man in manchen Situationen das Sustain Pedal gar nicht loslassen, da sonst alle Sounds abreissen. Hier ist also dringend Abhilfe nötig, damit dieses Feature live zu nutzen ist.

Für den Live Betrieb wäre ebenfalls ein Button für „nächstes“ und einer für „letztes“ Multi gut. So muss man jedesmal die Liste aufmachen um ein anderes Multi zu wählen. Idealerweise sollte der Button mittels Midi anzusteuern sein. Die Multis passend zur Setliste sortieren kann man aber.

Speichern kann man bis zu 128 User Multis. Leider ist bei den 24 „Demo“ Multis kein einziges dabei, was sich wirklich an den Live Betrieb eines Keyboarders richtet. Alle Sounds liegen grundsätzlich auf unterschiedlichen Kanälen und enthalten meist irgendein Drum Kit. Außerdem haben sie keine sprechenden Namen sondern nur Nummern von 1 – 24. Sie sind mehr „Groove“ orientiert und für die Arbeit mit mehreren Controllern. Nicht mein Einsatzgebiet.

Eine Bitte für das nächste Update: Export von Multis um sie in ein anderes iOS Gerät zu importieren oder mit andern Usern zu teilen. Das wäre eine große Hilfe!

Eingangs habe ich die Frage gestellt, ob ich Sample Tank live nutzen würde. Die Antwort lautet wie so oft „Es kommt darauf an“. Der Soundumfang ist mit den passenden Packs so groß, dass man durchaus auch komplexere Multis programmieren kann. Aber es fehlen die oben genannten Dinge für den professionellen Einsatz.

Andererseits gibt es natürlich auch weniger komplexe Szenarien und da funktioniert SampleTank sicherlich gut. Es gab beim Spielen bisher noch keine Ausfälle, außer ich habe die Polyphonie bis aufs letzte getestet. Dann holpert er kurz. Das kann einem aber auch am MacBook Pro mit z. B. bei Mainstage passieren. Ich hatte damit zwar noch nie einen Absturz, als Backup hätte ich aber auch (fast) immer die Sounds meiner Hardware nutzen können. Nur mit Midi-Controller und iPad habe ich allerdings auch schon gespielt. Es geht also, wenn auch mit einem gewissen Risiko. Man weiß halt nie genau, was ein iPad so im Hintergrund macht. Man sollte in jedem Fall den Flug-Modus aktivieren, alle Hintergrundaktivitäten deaktivieren und alle nicht benötigten Apps schliessen. Dann ist man meist auf der sicheren Seite.

Song Mode

Im Song Mode hat man die Wahl zwischen den folgenden 2 Ansichten:

Keyboard Mode:

Pad Mode:

Die Timeline Ansicht gibt es nur im Keyboard oder Pad Mode. In den Screenshots durch den geloopten grünen Bereich zu erkennen. Der Browser Mode (also die Standard-Ansicht nach dem Starten der App) dient zum bestücken der 8 Parts für seinen Song. Aufnehmen kann man in allen 3 Modi.

Im Instrument Browser finde ich nun also die passenden Sounds. Man kann hier den sichtbaren Bereich ändern indem man in der Mitte einfach nach links oder rechts wischt. So werden einem ganz links die Libraries inklusive der Demos und den Preisen angezeigt oder aber ganz rechts die Infos zum einzelnen gewählten Sound:

Um einen Sound auszuwählen kann man entweder grafisch in die passende Kategorie der gewählten Library oder in den Eintrag des aktuell gewählten Sound klicken. Hier lassen sich Sounds aus den verschiedenen Collections und Kategorien auswählen:

Eine übergreifende Suche gibt es nicht. Man muss also einzeln in die Libraries gehen und sich dann durch die Kategorien hangeln. Das ist aber nicht wirklich tragisch. Ich persönlich mag die Listenansicht lieber als die grafische Ansicht. Ist irgendwie übersichtlicher. Aber das mag für andere genau umgekehrt gelten. Schön, dass man die Wahl hat.

Praxistest im Song Mode

Ich habe im Rahmen des Tests eine kurze 8 Takte lange Sequenz nur mit SampleTank aufgenommen. Da man hier nicht sehen kann, was man einspielt, geschweige denn im Nachhinein editieren kann, eignet es sich keinesfalls als Sequenzer zum arrangieren eines Songs. Kurz gesagt gibt es nur eine Timeline als Übersicht, ein Metronom mit 2 Takten Vorzähler, eine Aufnahmetaste, die Möglichkeit per Midi-Merge im zweiten Durchgang Noten zu ergänzen, eine Quantisierungsfunktion und die Möglichkeit die ganze Spur (oder im Drum Mode einzelne Noten) zu löschen. Als Einspielhilfe gibt es im Pad Mode einen Velocity und einen Repeat Slider. Kurze Ideen damit festhalten geht aber.

Für meinen Test habe ich eine Gitarre der „American Acoustic“ Library per Pattern aufgenommen. Dazu kommt ein manuell eingespielter Bass aus dem PRO Pack, ein Drum Pattern aus dem PRO Pack, wobei ich das Crash am Anfang und am Ende manuell ergänzt habe. Die Orgel habe ich wieder manuell eingespielt und sie stammt ebenfalls aus dem PRO Pack. Die komplette Sequenz kann man allerdings nur als Stereospur exportieren. Per eMail im komprimierten Format oder über die iTunes Datenfreigabe. Beides nicht praktikabel für meine Zwecke. Was alternativ geht, ist die in SampleTank fertig „gemischte“ Sequenz als Audiospur in Cubase aufzunehmen. Hierzu muss SampleTank als Inter-App Audio-App auf eine Audiospur geroutet werden. Das Problem ist nur, dass man hier nicht beide synchron starten kann. Also in der Cubase Steuerung den Aufnahmebutton drücken und danach den SampleTank Song laufen lassen. Cubase sollte natürlich auf das Tempo des SampleTank Songs eingestellt sein. Es gilt nämlich in diesem Fall das Tempo in Cubase. Aus Cubase kann ich sie dann direkt in die Lurrsen Mastering Console schicken wie hier geschehen. Hier die kurze Sequenz aus meinem Test:

 

Zum Schluss noch eine kleine Info am Rand:

Die Sounds habe ich alle mit Cubasis am iPad als Audio aufgenommen und von dort in die iCloud hochgeladen. Es ist also wirklich alles, bis auf den Artikel selber, am iPad entstanden. Die ganzen Einzelfiles zu erstellen war ein wenig Arbeit, daher hat der Artikel auch länger gedauert als geplant. Ich hoffe aber, es hat sich gelohnt. So sah es übrigens in Cubasis in der Übersicht am Ende aus:

Fazit

Um den Eingangs erwähnten Satz aus der Werbung aufzunehmen „[…] the power of desktop virtual instruments – without compromise […]“: Ein paar kleine Kompromisse sind es dann doch im Vergleich zu virtuellen Instrumenten in Desktop Versionen. Aber zugegebenermaßen ist SampleTank für iOS die einzige App ihrer Art am iPad. Es gibt sicherlich sehr viele gute Musik-Apps aber keine hat diesen breiten Umfang an Sounds in einem Paket gepaart mit den Features, die trotz ein paar Einschränkungen auch gut für Live-Keyboarder geeignet sind. Man kann in einer App bis zu 8 Instrumente gleichzeitig layer, splitten, in 128 User Speicher ablegen und sortieren, diese auch für Song-Layouts nutzen und einzeln natürlich auch in Cubase per Inter-App Audio nutzen. Dazu ist er noch, wie jeder gute ROMpler, erweiterbar in Sachen Sounds.

Um gute Brot- und Buttersounds (wer hat eigentlich diesen Ausdruck das erste Mal genutzt?) zu erhalten, führt kein Weg an dem SampleTank „All-Sound“ und dem „PRO Pack“ vorbei. Letzteres enthält mit den Classic Keys die Grundsounds der iGrand und iLectric App sowie zahlreiche wirklich gut bis sehr gut klingende Sounds jeglicher Couleur. Auch wenn das „All-Sounds-Pack“ zwar nicht „alle“ Sounds enthält (siehe weiter oben) ist es dennoch der erste Pflichtkauf. Das Pro Pack ist immer die bessere Wahl bei den Sounds, die sich überschneiden aber es bleiben noch genügend zusätzliche Sounds übrig. Wer es orchestral mag, sollte direkt in die Miroslav Philharmonik 1 oder 2 Instrument Packs investieren. Da ich nur 3 der vorhandenen Instrument Packs hier betrachtet habe, bleibt zudem immer noch genügend Spannung für die anderen Packs. Denn neben Spezialisten für Natur- oder E-Drums, Synths inkl. Original Moog Sounds gibt es auch noch Pianos wie Imperial, Brandenburg oder Art Deco. Auch elektrische Stile wie Minimal, Trance, Deep House, Indie Dance oder Chill Out werden von IK mittlerweile mit einigen Packs bedient. Ich würde sagen: Hier ist für jeden was dabei. Um es kurz zu machen: Wenn es nur eine App für die Klangerzeugung sein soll, ist es für mich am iPad definitiv SampleTank. Es ist es für mich am iPad der Roland JV1080 oder JV2080 der heutigen Zeit, wenn man mir den Vergleich gestattet. Was damals die heiß ersehnten und teil später teuer gehandelten SR-JV80 oder SRX Expansion-Karten waren, erhält man hier wesentlich günstiger mit den Instrument Packs. Von mir erhält SampleTank iOS daher eine klare Kaufempfehlung!

Hier gibt es Sample Tank iOS* im App Store

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 2 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 3 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

 

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2 Comments

  1. Jörn
    17. September 2017

    Wow! Hier steckt verdammt viel Know-How drin!

    Was die Sounds betrifft: Zu Beginn haben mir einige nicht so gefallen. Bei anderen war ich sehr beeindruckt – vor allem beim Orchesterdemo. Heftig!

    Das akustische Klavier bei den A- und E-Pianos fand ich überraschend gut. Überhaupt muss ich sagen, dass man (ich) von allen Sounds nicht erwarten würde, dass sie aus einem iPad kommen. Ist schon sehr cool, was damit inzwischen geht.

    Wenn ich mir allerdings vorstelle, nun auch einen Song auf dem iPad zu produzieren, dann schreckt mich der „logistische“ Aufwand doch irgendwie ab. Audiobus und Inter-App Audio. Da sind schon wieder Dinge, mit denen ich mich gar nicht beschäftigen möchte. Und auch nicht damit, wer das Tempo vorgibt (hier Cubase) und wer nicht. Und was ggf. wo eingestellt werden muss, damit das alles funktioniert. Ich merke, dass ich vom Thema Musikproduktion doch schon sehr weit weg bin … Und wie ich nun meine Rap-Idee umsetzen soll, ist mir gerade schleierhaft.

    Ich finde es aber sehr cool, dass du das alles so locker händelst!

    Antworten
    1. Markus
      17. September 2017

      Danke für Deinen lobenden Kommentar. Aber um Dir Mut zu machen: So kompliziert ist das alles nicht! Ein bisschen einarbeiten muss man sich ja in jedes Thema. Wenn Du später mal Fragen hast: Nur zu 🙂

      Antworten

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