Musikproduktion am iPad – Teil 3 – Test: Lurrsen Mastering Console

Den letzten Schliff des Demosongs habe ich mit der Lurrsen Mastering Console am iPad erledigt. Mastering am iPad? Das soll funktionieren? Schauen wir mal …

Zunächst ein paar Hintergrundinfos zu meiner normalen Vorgehensweise am iMac und Logic Pro X oder Cubase. Ich nutze zum Mastering sehr gerne Ozone von iZotope und habe hier immer noch die sehr gute Ozone 5 Advanced Version im Einsatz, zu welcher es hinter dem Link auch den entsprechenden Test von mir gibt. Die Möglichkeiten sind dort sehr umfangreich und genügen definitiv meinen Ansprüchen. Ausgangspunkt sind für mich immer vorhandene Presets, die ich nach meinem Geschmack und nach Erfordernis des Songs anpasse.

Kleiner Schwank am Rande: Ich habe vor einiger Zeit ein paar Songs meiner alten Band „Die Tontauben“ gemischt und nur mit Ozone gemastert. Einen der Songs habe ich parallel in einem bekannten Mastering Studio in meinem Beisein mastern lassen. Meine Mitmusiker waren nicht in der Lage, sich zwischen den beiden Versionen klar zu entscheiden. Die Version des Profis war meiner Meinung nach definitiv „runder“ aber dennoch war es schwer, den Unterschied zu hören. Und das obwohl ich nur mit einem einzelnen Plug-in gearbeitet habe und meine Abhöre nicht ansatzweise mit der des Studios zu vergleichen ist! Dort war feinste Hardware in den Räumlichkeiten verbaut und auch der Raum selber ist klanglich über jeden Zweifel erhaben. Umso schmeichelhafter war es für mich, dass ich mit viel Mühe und vielleicht auch einem Quentchen Glück ein ähnliches Ergebnis erzielen konnte.

Da ich Ozone gerne als Plug-in innerhalb eines vorhandenen Arrangements direkt in der DAW nutze, habe ich selbst beim Mastering noch vollen Einfluss auf die Einzelspuren, wenn mir etwas auffällt. Das ist für mich ein Riesen-Vorteil. So muss ich nicht jedesmal einen neuen Mix machen, wenn mir auffällt, dass der Bass doch zu präsent ist oder die Vocals doch zu sehr über den Instrumemten stehen oder auch umgekehrt. Denn so gut ein Mix vielleicht klingen mag, fallen beim Mastering Versäumnisse stärker auf. Soviel zu meiner normalen Vorgehensweise, die von der eines Mastering Engineers naturgemäß abweicht. Der erhält allenfalls Stems eines Songs oder nur den kompletten Mixdown als Stereofile.

Kommen wir nun aber zur Lurrsen Mastering Console

Als ich anfing, mich mit dem Thema „Musikproduktion am iPad“ zu beschäftigen, erinnerte ich mich daran, dass ich etwas von einer Mastering App gelesen hatte. Schnell war klar, dass es sich dabei um die Lurssen Mastering Console* gehandelt hatte. Es gibt davon auch eine Desktop Version, die sowohl Stand-Alone als auch als Plug-in funktioniert. Hier geht es logischerweise um die gleichnamige iPad App, die zudem noch günstiger ist.

Import

Das wichtigste direkt vorweg, da einige von Euch evtl. ältere Tests oder auch Rezensionen im iTunes Store gelesen haben, die bemängeln, dass man Songs nur aus der iTunes Library oder über den iTunes in die App kopieren kann. Das gehört der Vergangenheit an bzw. ist nach wie vor natürlich möglich über den „+“ Button im Song-Bereich.

Über die Aktions-Erweiterungen der verschiedenen Audio-Apps lassen sich Songs aber direkt innerhalb des iPads in die LMC importieren! Einfacher geht es nicht.

Und auch der Export funktioniert in Richtung der bekannten Cloud-Lösungen. Man kann also komplett autark am iPad einen Song erstellen, mastern und veröffentlichen. No Desktop needed! In meinem Fall gelangt der fertige Mix meines Beispielsongs „Can’t be with you“ über die Share Funktion von Cubasis direkt als unkomprimierte WAV Datei in die LMC App.

GUI

Die grafische Benutzeroberfläche der LMC ist ein echter Hingucker mit vielen kleinen Details und unterteilt sich in 2 Hauptbereiche von denen der obere 3 Ansichten bereit hält:

Wellenformansicht mit Automationskurven:

Signalkette mit überschaubaren Eingriffsmöglichkeiten: 

Foto des Studios von Gavon Lurrsen:

Darüber befindet sich noch der fixe Bereich für die Songauswahl (Import, Export) sowie die Auswahl von Style und (eigenen) Presets. Auch die Wellenform bzw. die Signalkette (im Screenshot aktiviert) kann man hier einblenden:

Styles – ein guter Start

Styles gibt es 40 an der Zahl und seit dem letzten Update sind auch welche für Klassik und Jazz dabei. Je nach Style verändert sich die Signalkette, was zu deutlich hörbaren Unterschieden führen kann. Meine Empfehlung: Einfach alle Styles durchhören und entscheiden, welches einem am besten gefällt.

Zu sehen gibt es außer dem VU Meter und der Wellenform ohnehin nicht viel. Das VU Meter kann zwischen Input (Anfang der Kette) und Process (Ende der Kette) umgeschaltet werden.

Natürlich sind erweiterte Anzeigen zum Metering mit Angabe von verschiedenen Loudness-Standards, wie man sich z. B. aus Ozone kennt, hilfreich. Aber letztlich geht es ums hören und nicht ums sehen.

Folgende Genres werden „klassisch“ oder in den unterschiedlichen Variationen „more glue“, „less glue“, „brighter“ und „warmer“ angeboten, so dass eine Gesamtzahl von 40 Styles in 8 Genres enthalten ist:

  • Americana Loose
  • Americana Tight
  • Classical
  • EDM
  • Hard Rock – Metal
  • Hip Hop
  • Jazz
  • Pop Rock

Hat man einen passenden Style gefunden, kann man sich die Signalkette einblenden lassen und einen Feinschliff an den Dynamikprozessoren vornehmen. So kann man z. B. den Schwellwert des De-Essers und des SSL Stereokompressors sowie dessen Gain Mekeup am Ende der Kette in gewissen Bandbreiten variieren.

Signalkette

Die Kette beginnt zunächst mit dem Input Drive Regler unten links.

Über diesen bestimmt man, wie laut das Signal vorverstärkt in die EQs gehen soll. Die Range liegt zwischen +/- 15 dB. Man kann hier bei Bedarf auch den linken und rechten Kanal bei Bedarf separat einstellen. Hierzu muss man nur den Link Regler horizontal stellen und dann dient der äußere Kranz für den rechten und der innere Kranz des Reglers für den linken Kanal was durch ein „R“ oder „L“ hinter dem dB Wert angezeigt wird. Nettes optisches und auch nützliches Gimmick gerade bei Automationen: Man kann den Kranz mit den 7 weißen Markierung verschieben damit man bei einer Automationsfahrt eine Orientierung hat.

Vorverstärkt geht das das Signal nun also immer (!) durch zwei EQs und nicht nur Style-abhängig in oder den anderen wie zum Teil in anderen Tests zu lesen ist.

Der Röhren EQ hat folgende 5  Bänder, welche von der Frequenz  fest vorgegeben sind.

  • Band 1: Low Shelf, 60 Hz
  • Band 2: Low Peak, 120 Hz
  • Band 3: Mid Peak, 3 kHz
  • Band 4: High Peak, 6 kHz
  • Band 5, High Shelf, 10 kHz

Gain und vermutlich auch der Q-Faktor werden (kombiniert) mit den 5 Reglern im unteren Bereich der GUI im Bereich von +/- 12 dB beeinflusst, wobei die Werte von -34 bis +34 „Notches“ (nicht dB) angezeigt werden.

Warum schreibe ich „vermutlich auch der Q-Faktor“? Zum einen, weil im Manual von „variable Q“ die Rede ist und nur die Frequenz als fix angegeben wird. Und zum anderen weil je nach EQ es durchaus üblich ist, die „Lautheit“ nicht nur mit dem Gain Regler, sondern auch oder nur mit dem Q-Faktor zu beeinflussen. Beim analogen Manley Massive-Passive-EQ verhält sich je nach Flankensteilheit die Lautheit um den eingestellten Frequenzbereich anders (nimmt bei breiter Steilheit ab und bei schmaler Steilheit zu). Ich vermute mal, dass hier ein ähnliches Verhalten gemodelt wurde und daher die 5 Regler nicht nur den Gain, sondern auch den Q-Faktor beeinflussen. Vielleicht liest ja einer von IK mit und kann das bestätigen oder dementieren.

Es lassen sich die Bänder jedenfalls einzeln oder über den Push Regler gleichzeitig absenken oder anheben. Auch der Push Regler hat netterweise ein optisches Gimmick: Einen Kreppstreifen am Rand mit einer Markierung, der ähnlich wie bei den Markierungen des Input Drive Reglers für Automationen eine Hilfe darstellt. Ich liebe solche liebevoll gestalteten Details!

Der nachgeschaltete EQ ist ein Solid State EQ, dessen Einstellungen nicht editierbar sind und welcher die „Secret Sauce“ von Lurrsens Sound darstellt.

Nach dem EQ geht es (diesmal wirklich je nach Style und auch nicht bei allen) weiter in einen der beiden Röhren Limiter.

Nummer 1 sieht übrigens aus wie der Fairchild 670, den es als Modeling auch von IK Multimedia in z. B. T-Racks gibt:

Nummer 2 kann ich hingegen von der Optik nicht einem spezifischen Limiter zuordnen, vermute aber einen Manley Vari Mu Limiter:

Der Wirkungsgrad von beiden kann (außer über den Input Drive Regler) nicht beeinflusst werden aber dessen Arbeit (Gain Reduction) zumindest abgelesen werden kann.

Der nachfolgende De-Esser hingegen kann über den „Threshold“ Regler von -23 bis -16 dB (vor dem letzten Update nur -19 dB und im Manual noch nicht korrigiert) beeinflusst werden, wobei die Reduktion des Frequenzbereichs, der sich auf die „S-Laute“ beschränkt, im „GR“ Display abgelesen werden kann. Die Attack-Zeit soll zwischen 1 und 5 ms liegen und die Release Zeit bei 10ms.

Als finaler Prozessor kommt ein SSL Stereo-Kompressor Model zum Einsatz. Hier können Schwellwert sowie Makeup Gain in gewissen Grenzen geändert werden. Beim Schwellwert liegen diese bei 7 bis 12 dB (Default: 9,6 dB). Makeup Gain liegt zwischen 2 und 7 dB (Default 4,3 dB). Ein Doppelklick auf die Regler stellt übrigens wieder den Standardwert ein.

Nicht explizit zu sehen ist übrigens ein Brickwall Limiter mit einem Schwellwert von -2 dB und einem Output von -0,2 dB, der genügend Headroom lässt. Diesen Output Wert stelle ich übrigens auch immer bei Ozones Maximizer Modul ein. Passt also!

Die interne Auflösung bei der Signalbearbeitung beträgt übrigens 88.2 oder 96 kHz und ist somit abhängig von der Auflösung des Ursprungsmaterials doppelt so hoch. Damit wird gewährleistet, dass die Signalverarbeitung nicht zu Nachteilen bei der Audioqualität führt.

Presets

Die so aus einem der Styles als Ausgangsbasis erstellten Einstellungen kann man glücklicherweise als eigenes Preset über das entsprechende Menü und einen Klick, bzw. Tip mit der Fingerspitze auf das „+“ Icon benamsen und speichern.

Automation

Mit einer möglichen Automation hätte ich gar nicht gerechnet und umso erfreuter war ich, diese Möglichkeit für folgende Regler zu finden.

  • Input Drive
  • (EQ) Push

Spätestens jetzt erklären sich auch die beiden Klebestreifen an den Reglern. Da man bei analogen Geräten natürlich keine Automation in die Wellenform einzeichnen kann (wie es hier ginge) muss man sich bei händischen Automationsfahrten ja irgendwie die Werte merken.

Und gerade dynamische Änderungen von EQ oder dem Eingangspegel können dem Song dienlich sein. So habe ich damit die leisen Passagen am Anfang und am Ende featuren können, so dass diese sich zwar dynamisch immer noch absetzen aber subtil dennoch etwas dem Rest angeglichen werden. Zu sehen ist dies weiter oben in der Waveform Ansicht. Andererseits könnte man somit z. B. auch einen Chorus featuren, der beim Mix zu wenig „Push“ erhalten hat. Ein REF sollte sich durchaus klar absetzen und hier könnte man mit den beiden automatisierbaren Reglern sehr gut nachhelfen. In meinem Fall habe ich den REF bereits durch das Arrangement und den Mix meiner Meinung nach genügend vom Rest abgesetzt, so dass ich mich im konkreten Fall bei der Automation auf Intro und Ending beschränkt habe.

Die Automation wird unten Rechts über die Optionen „Off“, „Read“, „Touch“ und „Write“ gesteuert wenn man sie nicht „einzeichnet“, sondern in Echtzeit aufnehmen möchte.

Eingezeichnet werden kann sie nach Klick auf das „+“ Symbol rechts unterhalb der Wellenform für „Input“ oder „Push“.

A propos Wellenform: Hier kann man übrigens auch einen Loopbereich festlegen, um sich beim einstellen der Regler z. B. nur auf den REF zu konzentrieren.

Monokompatibilität

Ja, das Thema ist nicht tot, sondern hochaktuell. Wenn man sieht, wie viele Songs (wieder) über Monospeaker gehört werden macht es durchaus Sinn, seinen Mix auf Monokompatibilität zu prüfen. Das geht zum Glück mit einem Klick.

Welche Monospeaker? Z. B. Mobilgeräte, Säulenspeaker (Bose L1, LD Maui, etc.) oder aber auch beliebte mobile Blutooth Speaker für die kleine Gartenparty, den Strand oder auch das Wohnzimmer wie die auch von mir im Einsatz befindliche Bose Soundlink Revolve* (sehr zu empfehlen!) zeigen mir, dass es sich durchaus heute noch lohnt, seinen Mix auf  Monokompatibilität zu prüfen.

Anmerkung: In der Desktop Version kann das Plug-in übrigens auch in Surround Kanäle eingebunden werden! Die Projekte aus der iOS und der macOS Version von LMC sind übrigens kompatibel.

Exportoptionen

Folgende Möglichkeiten bietet die LMC beim Export. Ich denke, der Screenshot ist selbsterklärend.

Was kann die LMC nicht leisten?

Fehler im Mix kann man damit nicht ausbügeln! Es ist absolut kein analytisches oder technisches aber dafür sehr musikalisches Tool zum mastern. Da man die LMC leider nicht als Audio Unit in Cubasis einsetzen kann, musste ich im Gegensatz zu meiner normalen Vorgehensweise immer einen neuen Mix erstellen, wenn mir beim Mastering etwas aufgefallen ist. Da man aber direkt aus Cubasis den Song erneut in die LMC importieren kann, war das nicht sehr zeitaufwendig.

Wer klassisch in WaveLab eine CD mit allen Markern und anderen Metadaten für ein Presswerk vorbereiten möchte, wird das ebenfalls nicht in der LMC erledigen können. Allerdings werden die meisten Anwender (sofern meine Vermutung der Zielgruppe weiter unten stimmt) ihre Werke auch nicht über ein CD-Werk pressen lassen, somit relativiert sich dieser Punkt meiner Meinung nach.

M/S Mastering wie bei Ozone oder den Brainworx Plug-ins gibt es hier übrigens nicht und auch eine Möglichkeit die Stereobreite künstlich zu erweitern oder einen Gesamthall dem Mix hinzuzufügen sucht man vergeblich.

Vorher/Nacher Vergleich in der App

Hier gibt es leider nur einen Bypass Schalter. Das ist zwar für Zuhörer ein toller WOW-Effekt, denn der Mix nach dem Mastering klingt schon alleine dadurch „besser“, weil er lauter geworden ist. Normalerweise sollte man bei einem A/B Vergleich diesen Unterschied durch geeignete Mittel ausgleichen. Das geht hier leider nicht. Objektiv wird es also schwierig, die Einstellungen auf ihre klangliche Wirkung zu beurteilen.

Was kann die LMC leisten?

Ich sehe die LMC im Online-Bereich als Tool für „OneMan“ Produktionsteams angesiedelt und bezweifle, ob der angestrebte Nutzerkreis analytische Funktionen oder Masteringfunktionen für CD-Pressungen überhaupt möchte. Da möchte man schnell und einfach einen gut klingenden Mix lauter machen ohne das es pumpt und gewissen Frequenzen auf die Sprünge helfen oder Song-Passagen über die Automation featuren. Das alles kann man mit der LMC schnell und einfach erledigen ohne ein Mastering Studium zu absolvieren oder sich intensiv mit dem Thema Mastering auseinandergesetzt zu haben. Ich weiß, dass solche Apps vielen Leuten missfallen, die davon leben, dass Künstler bisher nicht selber ihren Mix mastern konnten. Dazu kann ich nur sagen, dass es immer noch genug Leute geben wird, die ein konventionelles Tonstudio oder Mastering Studio vorziehen. Aber ich kann nur begrüßen, dass es mittlerweile ohne viel Geld möglich ist Musik auf einem sehr hohen Level zu produzieren. Und das mittels LMC auch noch so, dass der Song im Vergleich zum nächsten kommerziellen Song im Autoradio nicht abfallen muss. Und um das zu testen, ist es natürlich äußerst praktisch das Mastering Studio einfach mal mit ins Auto nehmen zu können. Es ist gängige Praxis einen Mix auf mehreren Boxen zu beurteilen. Und auch in der Vergangenheit war mein Auto einer der „Alltagsabhören“. Nun erspare ich mir nicht nur den Umweg einen Mix erst auf CD brennen oder einen USB Stick oder mein iPhone packen zu müssen, sondern ich kann Änderungen sogar direkt im iPhone oder in diesem Fall dem iPad vornehmen! Wie geil ist das denn bitte?

DDM und „Mastered for iTunes®“ – Was ist das?

Wo wir beim Thema Online-Vertrieb von One-Man-Shows sind, kommt natürlich auch der iTunes Store als Vertriebskanal ins Gespräch. Das „Mastered for iTunes®“ Programm soll sicherstellen, dass das angelieferte Audiomaterial nach der Umwandlung in das AAC Format (welches komprimiert ist) nicht zerrt. Dies wird in der Regel dadurch verhindert, indem beim Mastering am Ende der Kette genügend Headroom bleibt und somit auch Peaks nicht über die 0 dB Grenze kommen und man nicht auf den „Loudness War“ Zug aufspringt, der sich allerdings zum Glück immer mehr in Richtung Abstellgleis bewegt.

Bei aktivierter „HD-Engine“ (siehe Preise) kann man diese Option nun jedenfalls aktivieren:

Wer losgelöst von der LMC prüfen möchte, ob seine Masterdateien den Ansprüchen genügen und wie sie nach der Umwandlung klingen, für den hat Apple kostenlose Tools bereitgestellt. Diese findet ihr hier. Weiterhin gibt es hinter dem Link ein PDF, welches detailliert erklärt, was es mit dem „Mastered for iTunes®“ Programm auf sich hat und was ihr beachten solltet.

Die Zusammenfassung für die lesefaulen unter Euch lautet: Reicht Euer Material wenn möglich als 24 bit, 96 KHz Audio Datei ein. Allerdings nur, wenn die Aufnahmen auch vorher in diesem Format vorlagen. Apple wandelt diese dann mit denselben Tools um, die sich hinter dem o.g. Link verbergen.

Audiobeispiele

Die gemasterte Version meines Beispielsongs für die Artikelreihe kennt ihr ja schon aus Teil 2. Hier ein optischer vorher/nachher Vergleich des reinen Mixdowns und der gemasterten Version:

Und hier schalte ich zwischen den Versionen hin und her, damit ihr einen Eindruck erhaltet:

 

Weitere Beispiele findet Ihr auf der IK Webseite.

Alternative:

Final Touch von Positive Grid*. Auf diese App bin ich gestoßen, weil sie von Andrea Pejrolo im Rahmen eines seiner Projekte am Berklee College of Music in Boston verwendet wurde. Er hat vor ein paar Jahren schon eine komplette Live-Produktion nur mit dem iPad mini erledigt und diese App zum Mastering verwendet. Von der Herangehensweise erinnert mich diese App mehr an Ozone. Es gibt hier ähnliche Module und die Eingriffsmöglichkeiten sind deutlich höher als bei der LMC. Da ich die App (noch) nicht gekauft und getestet habe, kann ich nichts über die Ergebnisse sagen. Eine interessante (und vermutlich sogar die einzige) Alternative am iPad ist es in jedem Fall und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Der Preis ist dazu noch unverschämt günstig und hat mich fast verleitet zu sagen „Was nix kost‘, ist auch nix!“. Aber erstens klingt das Ergebnis von Herrn Pejrolo sehr gut und ich glaube daher ehrlich gesagt, dass ich mir die App auf jeden Fall mal ansehen werde. Beim aktuellen Preis von 10,99 EUR muss man aber auch nicht lange überlegen und kann sich recht kostengünstig selber eine Meinung bilden.

Preise

IK bietet bei dieser App aufgrund des gehobenen Preisniveaus (für eine App, nicht jedoch für ein Mastering Programm) eine „try before you buy“ Version an. Diese bietet für 10 Tage den vollen Umfang der App, fügt aber aus verständlichen Gründen in zeitlichen Abständen Störgeräusche ein. Danach gibt es folgende Optionen als In-App Kauf:

  1. Play / Process 54,99 EUR
  2. HD Engine 109,99 EUR
  3. Unlimited Funtionality 109,99 EUR
  4. Two Day Full Functionality 5,49 EUR
  5. One Week Full Functionality 10,99 EUR

In Option 1 kann man das Ergebnis nur als komprimierte Datei exportieren. Den Unterschied zwischen 2 und 3 kann ich ehrlich gesagt nicht erklären. Scheint identisch und historisch gewachsen zu sein. Hier sind alle Exportformate (siehe Übersicht weiter oben) freigeschaltet. Ich empfehle ganz klar die HD Engine für 109,99 EUR, damit man auch unkomprimierte Varianten erstellen und archivieren kann. Selbst wenn man seine Werke vorerst nur komprimiert in sozialen Netzwerken präsentieren möchte, sollte man sich eine hochaufgelöste Datei ins Regal, bzw. auf die Festplatte legen um sich alle Optionen für z. B. den iTunes Store offen zu halten.

Hier geht’s direkt zur Lurssen Mastering Console* im App Store. Wie gesagt: Der Download ist zunächst kostenlos und kann per In-App Kauf erweitert werden.

Fazit:

Ich lehne mich jetzt sehr weit aus dem Fenster und behaupte ganz frech, dass die LMC das einzige Mastering Tool ist, was jemand der seine eigenen Songs von vorne bis hinten selber produzieren und online über iTunes und Co. oder soziale Medien vermarkten möchte, benötigt! Man muss im Gegensatz zu anderen Tools über deutlich weniger Know-How verfügen und kommt im Zweifel einfach durch ausprobieren zu einem gut klingenden Ergebnis. Und der Trend geht aktuell ganz klar hin zu „kostengünstig selber produzieren und schnell ein gutes Ergebnis erhalten“. Abseits der Künstler die sich teure Produktionen leisten können gibt es halt einen sehr, sehr großen Markt an Künstlern, die weder ein großes Label, noch ein großes Budget haben aber dennoch gehört werden wollen. Die können es sich einfach nicht leisten die Songs in einem Profi-Studio einzuspielen und vom Profi mastern zu lassen. Aber noch weniger leisten sollten sie es sich, die Songs ungemastered zu präsentieren. Und was man heute mit einem iPad, einem guten Interface / Mikro und den passenden Apps sowie Know-How und Talent machen kann, war früher nicht einmal ansatzweise im Studiobereich möglich.

Ich hoffe, ich konnte Euch detailliert mit der LMC vertraut machen. Mastering ist mit dieser App kein Hexenwerk mehr und ich kann sie Euch daher nur empfehlen!

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 2 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

Hier geht es zu Teil 4 der Reihe „Musikproduktion am iPad“

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