Musikproduktion am iPad – Teil 1 (Intro)

Dies ist der Auftaktartikel zu einer neuen Serie, die sich mit der Frage beschäftigt, ob man nur am iPad einen Titel von vorne bis hinten produzieren und mastern kann. 

Da die Arbeit an einer Produktion, und sei es nur eine Demoproduktion, in verschiedenen Etappen abläuft, wird auch die Artikelreihe aus mehreren Teilen bestehen.

  • Layout für Playback erstellen (Cubasis und iGrand)
  • Arrangement mit weiteren Sounds ergänzen (SampleTank und weitere Apps)
  • Inter-App-Audio (IAA), Audiobus 3 (AB 3), AudioUnits (AU), Was zum Henker (WTF)?
  • Recording der Vocalspuren (iRig Mic Studio sowie diverse Apps)
  • Post Production der Vocalspuren
  • Mixdown (Cubasis)
  • Mastering (Lurssen Mastering Console)

Um die Eingangs gestellte Frage zu beantworten, habe ich für diese Serie Unterstützung von IK Multimedia erhalten. Mir wurde zu Testzwecken das iRig Mic Studio* zur Verfügung gestellt. Die Sample-Tank App für iOS* hatte ich bereits vor längerer Zeit selber gekauft, habe aber zusätzlich von IK noch die Sample Tank Pro Sounderweiterung, alle Basissounds sowie für Orchestersounds das Miroslav 2 Pack erhalten. Die „American Acoustic“ Library habe ich mir dann noch selber für 21,99€ gekauft, da die Nummer eine Gitarre verlangte und ich gerade keinen Gitarristen zur Hand hatte (was mir natürlich immer lieber wäre). Als DAW werde ich Cubasis von Steinberg nutzen aber durchaus auch GarageBand um mir Sounds „auszuleihen“. Für den sicherlich schwierigsten Part am iPad, nämlich das Mastering, hat IK mir die Lurrsen Mastering Konsole für iOS* zur Verfügung gestellt. Danke an dieser Stelle! Ich werde in den folgenden Teilen einzeln auf die Apps und natürlich auch das Studio Mikro eingehen. Neben den einzelnen Komponenten kommt es mir aber noch mehr auf das Zusammenspiel bzw. den Workflow am iPad an. Macht das ganze Spaß, fühlt man sich eingeschränkt oder eher befreit, wo sind Fallstricke, wo Vorteile?

Ich bin selber noch absolut ergebnisoffen und gespannt, wie es sein wird, nur am iPad Pro alle o. g. Schritte zu erledigen. Denn zugegebenermaßen habe ich bisher lieber am iMac mit 27″, einer großen DAW, Plug-ins, Audio-Interface und Co. gearbeitet. Eine gesunde Skepsis ist daher vorhanden. Das iPad Pro hat nun mit 12,9″ und 512 GB Speicher aber durchaus das Zeug zum „vernünftigen“ mobilen und vor allem autarken arbeiten. Ich werde sehen und berichten, wie es sich anfühlt, wenn man zugunsten der Mobilität auf den Komfort eines großen Displays und vor allem eines Desktop Rechners mit der entsprechenden Abhöre verzichtet. Aber da Minimalismus durchaus  befreiend sein kann, wollte ich diesen Weg gehen. Einen ersten riesigen Vorteil konnte ich bereits bei der Installation feststellen:

Keine lästige Neu-Autorisierung bereits gekaufter Software!

Einfach aus dem App-Store laden, ggfs. den Button „In App Käufe wiederherstellen“ klicken und die Apps laufen! Wie geil ist das denn bitte?! Das leidige Thema mit dem Titel

„Warum Leute, die Cracks nutzen nach einer kompletten Neuinstallation des Rechners schon arbeiten während die ehrlichen Käufer noch autorisieren …“

ist auf dem iPad definitiv Geschichte! Wenn das nicht ein guter Grund ist, häufiger auf die dazu noch wesentlich günstigeren Apps zu setzen, weiß ich es auch nicht.

Auf dem iPad wächst zwar die Anzahl professioneller Musik-Apps stetig, macOS oder Windows-Systeme haben aber logischerweise noch die Nase weit vorne. Riesige Sample-Libraries, VSTis jeglicher Coleur, Effekte und Co. warten darauf ihren Weg auf die Festplatten und SSDs der Rechner zu finden und diese zu überfluten. Aber wenn ich mir meine eigenen Festplatte, SSDs und meinen Schrank ansehe und ich dann überlege, welche von den in Hülle und Fülle vorliegenden Sounds ich überhaupt produktiv nutze, stelle ich fest: Man braucht nicht Giga- oder Terabytes an Sounds und 150 Effekt Plug-ins um ein gut klingendes Demo produzieren zu können. Und darum geht es in den meisten Fällen. Denn wer ins Radio möchte oder DJs bemustern will, produziert in der Regel in einem kommerziellen Studio oder aber im Home-Studio an einem „richtigen“ Rechner. Daher werde ich auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und behaupten, ein iPad ersetzt ein kommerzielles Studio. Das soll es auch nicht. Mich faszinieren aber ganz einfach die Möglichkeiten, die mittlerweile ein iPad bietet. Und da ich zum Zeitpunkt des Intro-Artikels schon ein paar Dinge ausprobiert habe muss ich sagen:

Am iPad geht mittlerweile vieles besser als man denkt. 

Ich hoffe, ich habe Euch ein wenig neugierig gemacht. Seid gespannt auf die kommenden Teile, habt aber ein wenig Geduld, da ich mich wirklich intensiv mit den Möglichkeiten beschäftigen möchte.

Bis dahin stöbert gerne in meinen älteren Artikeln zum Thema „Musikproduktion„. Oder in meinem Artikel aus 2014 zum Thema „Simplify your Life„, der hier ganz gut passt!

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4 Comments

  1. Jörn
    15. Juli 2017

    Cool, auf diese Serie freue ich mich!

    Antworten
    1. Markus
      15. Juli 2017

      Das freut mich wiederum 🙂

      Antworten
  2. Phaidros Krugmann
    17. Juli 2017

    Servus Markus,
    ich habe mein letztes Album mit dem iPad produziert.

    Es war mir ein großes Vergnügen und Freiheit im Sommer 2015 und 2016 mit dem iPad unterwegs in der Natur oder in der Heidelberger Altstadt zu sein. Ich habe viel getextet und die Songstruktur in Garageband aufgebaut. Selbst während der Radtouren habe ich meine Textideen ins iPhone diktieren können. Danach wurden diese über das „Notizen“ App auf allen beteiligten iOS Geräten synchronisiert.

    Die Gestensteuerung in GarageBand war schon eine besondere Hilfe und auch die Sounds wissen zu gefallen. Als Synthesizer kamen:

    • Alchemy
    • Sunrizer
    • Nave
    zur Anwendung.

    Das besondere Sounddesign meiner Stimme und der Atmosphäre konnte und wollte ich dann aber nicht mehr am iPad realisieren. Also kam irgendwann der Zeitpunkt wo die Werke den Weg in die DAW fanden. Mit Logic konnte ich meine Infrastruktur für das Sounddesign nutzen. Die Arbeit mit Logic war komfortabler und übersichtlicher, allein schon auf 4 Monitoren alles im Blick haben zu können.

    Für mich ist die Produktion mit dem iPad ein großer Gewinn
    und ich freue mich auf Deine „Forschungsergebnisse“!

    Herzliche Grüße
    Phaidros

    Antworten
    1. Markus
      17. Juli 2017

      Hallo Phaidros,
      vielen Dank für Deinen netten und interessanten Kommentar. Genau solche Workflows sind halt ideal am iPad. Meine Herausforderung wird sein, komplett ohne Desktop auszukommen. Komfortabler, übersichtlicher und schlicht mit mehr Möglichkeiten ausgestattet ist man natürlich am Desktop. Aber ich versuche herauszufinden, wie weit man gehen kann und ob es der Kreativität förderlich sein kann, auf all die Möglichkeiten des Desktops zu verzichten.
      Liebe Grüße aus dem Rheinland
      Markus

      Antworten

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