Mein Vorsatz für 2017: Weniger fotografieren!

Auch wenn das Jahr schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, möchte ich Euch allen ein frohes, neues Jahr wünschen und die lange Pause auf meinem Blog gleichzeitig beenden um ein paar Gedanken zum Thema „Anhäufen von Fotos“ mit Euch zu teilen. 

Die trüben Tage habe ich weniger zum fotografieren, sondern eher zum sichten, sortieren, ausmisten, bearbeiten und archivieren von Fotos und Videos genutzt. Es hat sich einiges an Medien angehäuft im Laufe eines Jahres und im Winter sichte ich gerne alles um Ordnung zu schaffen. Ja, ich nehme mir jedes Jahr aufs neue vor zeitnah alle Medien zu sortieren, in Alben zu packen, zu verschlagworten und all die Dinge zu tun, die das auffinden am Ende leichter machen. Das klappt bei privaten Fotos und Videos leider nicht so gut und daher habe ich mir vorgenommen, meinen Herangehensweise bei privaten Medien zu überdenken und deutlich zu vereinfachen. Es waren zwar bei der letzten Aktion nicht mehr über 65.000 Fotos aber immer noch zu viele. Die alte Musikerweisheit „weniger ist mehr“ trifft den Nagel auf den Punkt. Damit ich eben nicht Tage- und Nächtelang vor dem Rechner hocke und sortiere. Die Überschrift müsste demnach eigentlich heißen: „Bewusster fotografieren und aussortieren!“.

Die Kernfrage lautet für mich: Wie viele Momente muss man eigentlich pro Jahr auf SD-Karte und/oder das Smartphone bannen und warum überhaupt?

Wer guckt sich das alles überhaupt nochmal an? Ich meine wer außer uns – die Jäger & Sammler von Fotos und Videos? Ein Beispiel: Meine Mutter hat aus ihrer Kindheit gerade einmal zwei Fotos! Diese Fotos haben für sie aber mit Sicherheit mehr Aussagekraft als 10.000 Fotos, die in einem Jahr heutzutage auf Smartphone und Co. landen. Betreibt man das aufzeichnen von Fotos und Videos im privaten Bereich nicht auch, um ein Stück Erinnerungen festzuhalten? All die dokumentarischen Fotos sind letztlich nichts anderes. Ich rede jetzt nicht von „Kunst“ und der Lust mit der Fotografie etwas eigenes zu schaffen, seinen eigenen Blick auf die Dinge mit anderen zu teilen. Das eine schließt zwar das andere nicht ganz aus aber ich konzentriere mich bei meinen Gedanken auf die dokumentarischen Medien.

Schmerzlich musste ich durch den Tod zweier geliebter Menschen feststellen, dass am Ende von vielen dieser ganzen Medien am Ende nur ein Bruchteil bei den Hinterbliebenen bleibt. Nun muss man sich nicht zwangsläufig mit dem Tod beschäftigen, wenn es um Sinn und Zweck großer Mediensammlung geht. Aber er spielt dennoch eine Rolle. Am Ende wird sich von meinen ganzen Fotos und Videos keiner mehr die „Quelldateien“, sondern nur die Ergebnisse anschauen. Das sind bei mir (und vermutlich vielen anderen auch) Fotobücher sowie Jahres- und Urlaubsvideos, die so geschnitten sind, dass man sie sich hoffentlich kurzweilig anschauen kann. Und selbst diese Medien schaut man sich wie oft an? 2 Mal? 5 Mal? 10 Mal? Alle Quelldateien (Originalkassetten der alten Videokameras, RAW Dateien, Videoschnipsel, 100.000 Fotos, etc.) wird sich kein Mensch mehr ansehen. Und auch ich gehöre nicht zu denjenigen, die RAW Dateien mehr als einmal entwickeln. Auch wenn meine Fertigkeiten sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben, was RAW Entwicklung in Lightroom und Co. angeht werde ich meine alten RAW Dateien nicht noch einmal anpacken. So kalt kann der Winter gar nicht werden (In Hamburg vielleicht schon) 😉 Und ich möchte nicht (mehr) den Großteil meiner Zeit am Rechner verbringen um Fotos zu katalogisieren, verschlagworten und zu bearbeiten. Das macht zwar auch Spaß und ist für mich ein sinnvollerer Zeitvertreib als Facebook oder die Glotze. Ich möchte die Zeit aber dennoch lieber nutzen um Dinge zu erleben oder mal häufiger einen kleinen oder langen Artikel mit Euch zu teilen.

Mein Plan für 2017 lautet daher: Weniger Fotos und Videos aufnehmen, dafür bewusster und nur von Momenten, die es in ein Jahresvideo oder ein Fotobuch schaffen. Und auch nur diese behalten!

Alle anderen Fotos und Medien kommen in den Papierkorb! Damit ich das ganze zeitnah schaffe, werde ich nicht mehr alle Fotos sofort auf meinen iMac, sondern erst auf mein iPhone importieren und dort zeitnah (so der Plan) sichten und löschen. Behalten werde ich nur die Fotos die es in ein Fotobuch schaffen. Nach etlichen Fotobüchern weiß ich mittlerweile ob dies der Fall sein wird oder nicht. Und zum sichten der Motive reicht das iPhone aus. Und auch wenn das iPhone mittlerweile RAW kann und mit der unten vorgestellten App PhotoSync auch diese Dateien drahtlos und schnell auf den iMac bringt: Ich werde private Fotos nicht mehr in RAW aufnehmen! Die Fuji X100S macht traumhafte JPGs und das iPhone selber bei gutem Licht bessere Fotos als meine ersten Digitalkameras. Auch meine Sony RX10II* versteht sich auch ganz ordentlich auf JPGs die sich sehen lassen können. Rauschen? Interessiert mich in der Praxis kaum noch, da man es im Print auf einem Fotobuch nicht annähernd so stark erkennt, wie in der 100% Pixelpeeper Ansicht am iMac. Wie gesagt: Ich rede von privaten Fotos, die sich meine Nachkommen am Ende nur auf Fotobüchern anschauen werden!

Bei Videos klappt das „vorsortieren“ in der Theorie zwar auch mit iPhone und iPad aber nur wenn man auf die besseren Codecs der RX10II verzichtet und in MP4 aufzeichnet. Videos der Sony kommen mir daher doch auf den iMac. Ich schneide mit Final Cut Pro X* und das wird auch bei privaten Videos so bleiben. Aber da es im Gegensatz zu Fotos deutlich weniger Clips im Laufe eines Jahres sind, werde ich diese direkt beim Import mit Keywords versehen. So lautet zumindest der Plan. Vielleicht hat ja auch jemand von Euch einen anderen Tipp wie er damit umgeht.

Noch etwas lasse ich (allerdings schon länger) bleiben: Auf Konzerten mein Smartphone rausholen um Videos davon zu machen. Man kann das Konzert viel besser genießen, wenn man es nicht durch das Display des Smartphones betrachtet! Kauft Euch lieber später die DVD oder Blu-ray vom Konzert oder speichert es in Euren Köpfen als Erinnerung ab. Damit tut ihr nicht nur Euch, sondern auch den Künstlern einen Gefallen und spart zudem noch Speicherplatz auf Euren Geräten 😉 Und wenn Ihr es dann doch nicht sein lassen könnt: Bitte filmt im Querformat!

Am Ende noch zwei Tipps für Apps, die ich nutze um Zeit und Speicherplatz zu sparen:

  • PhotoSync – Fotos & Videos übertragen, sichern & teilen per WLAN – touchbyte GmbH*
    Perfekt um Fotos von iOS zu iOS Gerät, von macOS oder Windows zu iOS oder auch von iOS zu Windows oder macOS zu übertragen. Kabellos und schnell. Quasi das bessere Airdrop für alle. Man kann im Gegensatz zur mir verhassten iTunes Synchronisation von Fotos und Video seine Medien direkt in die „Aufnahmen“ der iOS Geräte kopieren. Sogar direkt in eine bestehendes oder neu anzulegendes Album. Umgekehrt kann ich auch in einem Rutsch ein Album aus dem iOS Gerät auf meinen iMac (oder PC) kopieren um dort zu bearbeiten. Dabei hat man verschiedenen Optionen wie die Unterordner benannt werden sollen. Nach der Bearbeitung gelangen die Fotos dann genauso schnell wieder auf das iOS Gerät. Vergesst die iTunes Synchronisation, die seit neuestem ohnehin für Probleme bei einigen Usern sorgt und bei der man die Medien ohnehin nicht autark am iOS Gerät bearbeiten kann ohne vorher eine Kopie davon anzulegen. PhotoSync ist richtig geil und eine klare Kaufempfehlung von mir! Gibt es übrigens auch für Android.
  • PhotoSweeper – Gwinno Software, Inc.*
    Perfekt um doppelte Fotos oder ähnliche Fotos zu löschen. Ich kenne keine einfachere und dennoch so ausgefuchste Lösung. Man kann entweder Duplikate (also wirklich identische Dateien) ausmisten oder ähnliche Fotos finden. Die Kriterien kann man ziemlich genau einstellen. Das ganze funktioniert auch innerhalb eines Lightroom Katalogs (oder Aperture, iPhoto oder Fotos). Die so markierten Fotos werden in Lightroom als „abgelehnt“ markiert und zusätzlich in eine Sammlung gepackt. Endgültig löschen muss man sie dann in Lightroom. Auch hier eine klare Kaufempfehlung von mir.

Ich freue mich über Eure Kommentare und Anregungen. Wie geht ihr mit privaten Fotos und Videos um? Jäger und Sammler oder Minimalist?

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5 Comments

  1. Jörn
    9. Januar 2017

    Hi Markus,

    den Hinweis auf das kalte Hamburg habe ich gesehen!

    😉

    Was Bilder angeht, ticke ich doch deutlich anders als du. Ich entwickle auch alte RAW-Dateien sehr gern noch mal komplett neu. Weil ich inzwischen zu deutlich besseren Ergebnissen komme und weil ich mir auch alte Bilder immer mal wieder ansehe. Sogar recht häufig. Ich verteile aber viele meiner Aufnahmen auch auf iBooks, die dort natürlich möglichst gut aussehen sollen.

    Und 2 Fotos genügen als Erinnerung? Never! Ich sehe es bei unseren Enkeln. Die machen so große Sprünge. Manchmal habe ich das Gefühl, die wachsen täglich. Immer wenn ich die sehe, sehen die anders aus. Ich sage ihnen immer, dass sie sich als Erwachsene freuen, wenn sie viele Bilder aus ihrer Kindheit haben. Ich hätte gern welche. Sind nur kaum welche da. Selbstverständlich bleibe ich immer im RAW-Format.

    Und ja, diese ganze Verschlagwortung ist schon eine mühsame Angelegenheit. Ich schaffe es auch nicht immer, alle nötigen Markierungen (veröffentlicht im iBook, oder auf kontrastkammer), Sternchen, usw. zu machen / vergeben. ist eine anstrengende Sache …

    Jörn

    Antworten
    1. Markus
      10. Januar 2017

      Hi Jörn,

      der Hinweis war auch nicht sehr subtil und ja: unter anderem für Dich bestimmt 😉

      In Sachen RAW und „Fotos nach Jahren erneut bearbeiten“ ticken wir wirklich unterschiedlich. Mir fehlt schlicht die Zeit, alte Fotos neu zu bearbeiten. Ich komme ja kaum mit den aktuellen hinterher 🙂 Daher auch mein Umdenken. Vielleicht habe ich bei weniger Fotos hinterher auch mehr Zeit. Mein Gesamtkatalog (an privaten Fotos) enthält immer noch über 100.000 Fotos und muss daher dringend ausgedünnt werden. Aber Stück für Stück und Jahr für Jahr.

      Und 2 Fotos genügen mir sicherlich auch nicht. Das ist auch nicht mein Ziel. Ich finde z. B. diese „Every day a photo“ Idee gerade für Kinder oder Enkelkinder sehr schön. Und im Urlaub werden es automatisch wieder mehr. Aber dennoch möchte ich (noch) bewusster fotografieren. Und RAW werde ich nur nicht mehr für Familienfotos verwenden. Wenn ich in Ruhe für mich fotografiere, ist es etwas anderes. Und dann darf es je nach Lichtsituation auch gerne RAW sein. Aber es ist absolut kein Muss mehr für mich. Selbst Fotografen, die nur mit Fotografie ihr Geld verdienen nutzen zum Teil JPGs. Einfach weil die Zeit zur Entwicklung fehlt bzw. es keiner zahlen könnte bei so vielen Aufträgen und Fotos. Wenn es eine in Sachen Beleuchtung und Weißabgleich kontrollierbare Studiosituation ist, reichen JPGs auch vollkommen aus und erleichtern den Workflow. Der Kunde wird im Idealfall keinen Unterschied sehen.

      Zum Thema Verschlagworten und Sortieren: Ich finde die Smart-Sammlungen von Lightroom als Ergänzung übrigens auch genial. Die sparen viel Zeit.

      LG, Markus

      Antworten
      1. Jörn
        10. Januar 2017

        Hi Markus,

        ja, das mit der Zeit ist ein Punkt. Davon habe ich einfach mehr als du. Mich würde es trotzdem stören, wenn ich das nicht mehr könnte. Aber letztlich bekommst du aus deiner X100S ja auch sehr ordentliche Bilder heraus. Da ist es schon die Frage, ob eine RAW-Entwicklung etwas verbessern würde. Ist nach wie vor eine sehr schicke Kamera, die du da hast!

        Jörn

        Antworten
        1. Markus
          11. Januar 2017

          Ja, sie ist nicht nur schick, sondern erzeugt wirklich direkt aus der Kamera sehr runde Bilder. Gerade die Farben und die Abstimmung von Motiv und Hintergrund beim Einsatz des internen Blitzgeräts sind klasse.

          Die RAWs sind natürlich (wie bei jeder Kamera) deutlich unempfindlicher bei Nachbearbeitungen. Aber das merkt man z. B. nur bei starkem Aufhellen der Schatten und an Farbverläufen. Die Fuji eigenen Farben bekomme ich aber selbst mit den Lightroom Presets nicht 100% nachgebaut. RAWs nehme ich also wirklich nur bei schwierigen Lichtverhältnissen oder wenn ich vorher weiß, dass ich das Bild stark „verbiegen“ möchte in Sachen Farben und Belichtung.

          Einzig der AF der X100S ist ein Punkt, der mich etwas stört. Er ist leider (wenn ich sie schon mal aus der Hand gebe) nicht immer so treffsicher wie er sein sollte. Den würde ich mir etwas narrensicherer wünschen.

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          1. Jörn
            13. Januar 2017

            Womöglich kommt der bessere Autofokus ja tatsächlich am 17. diesen Monats. Ich habe vorhin noch meinen kleinen Beitrag zur kommenden X100F aktualisiert. Angeblich der gleiche Preis zur T. Und dasselbe Glas. Dazu 24 MP.

            Bin gespannt, ob’s wirklich so kommt.

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