Interview: Oliver Schmitt – Sounds Of Revolution

Wir haben uns Olivers Produkte mehrfach auf CremerSeele angesehen und für gut befunden. Es wurde Zeit, mal ein Interview mit dem Mann zu machen, der all diese Grooves zusammenbaut. Wir wollten mehr darüber zu erfahren, wie Oliver vorgeht, welches Equipment zum Einsatz kommt und natürlich ging es auch um Plug-ins und VSTi’s.

Oliver Schmitt – Sounds Of Revolution

 

Markus Cremer: Beim Besuch deiner Website fällt direkt die vorgeschaltete Seite auf, die zum einen auf deine und zum anderen auf “Resonance Sound” führt. Erzähl uns doch kurz, was es damit auf sich hat.

In der Vergangenheit kamen immer wieder Anfragen ob ich unter meinem Label Sounds of Revolution auch Fremdprodukte vertreibe. Da es mir aber schon immer wichtig war, die 100-prozentige Kontrolle darüber zu haben, was in einem SOR Sample Pack beinhaltet ist, habe ich derartige Anfragen stets abgelehnt. Anfang des Jahres habe ich dann mit meinem jetzigen „Resonance Sound (RS)“ Partner Martin Breuhahn beschlossen neben dem Vertrieb unserer eigenen Produkte (Sounds Of Revolution und CFA-Sound) über das neue Label RS auch künftig verstärkt gemeinsam Produkte zu entwickeln. Zudem haben wir nun mit der neuen Plattform RS auch die Möglichkeit geschaffen, Produkte von Drittanbietern in Verbindung mit unseren globalen Partnern wie z. B. Loopmasters zu vertreiben.

Markus Cremer: Bringt die Kooperation Änderungen in deiner Arbeitsweise bzw. teilt ihr euch gewisse Bereiche auf? Die Zielsetzung ist ja eine ähnliche.

Was meine eigenen Produkte betrifft, hat sich meine Arbeitsweise nicht geändert. Durch die Zusammenarbeit ergeben sich aber interessante neue Ansätze für gemeinsame Produkte, die es ausschließlich bei Resonance Sound geben wird. Aktuell arbeiten wir mit einem bekannten Plug-in Hersteller am ersten gemeinsamen VST-Tool. Details dazu wird es Anfang nächsten Jahres geben. Aber auch von der Vertriebsseite her gesehen ergeben sich interessante Synergieeffekte.

Markus Cremer: Gibt es da kein Konkurrenzdenken, wessen Produkte auf der Bestseller Liste höher stehen? Momentan führst ja du mit zwei Produkten, die auch bei RT den Product Award erhalten haben 😉

Konkurrenzdenken untereinander wäre sicherlich kontraproduktiv. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit von zwei Sound Designern bringt jeden von uns weiter, da wir uns bzgl. Arbeitstechniken, Workflow, Tools etc. offen und intensiv austauschen. „Bestseller“ werden im übrigen ausschließlich durch Verkaufszahlen bestimmt, „Awarded Products“ sind dagegen nur Produkte die sehr gute Bewertungen in Magazinen wie Computer Music, Beat usw. oder auch Onlineportalen wie ReleaseTime bekommen haben.

Markus Cremer: Wir haben ja auch deine Vanguard Soundsets getestet und es gibt noch einige andere. Ist in naher Zukunft mit weiteren Soundsets für VSTi’s von dir zu rechnen?

Mein Schwerpunkt ist mittlerweile der Sampling Bereich, da ich hier meine Kreativität voll entfalten kann. Besonders Beatprogrammierung hat es mir angetan, wobei meine Kick Free Loops mittlerweile eine Art Markenzeichen von SOR geworden ist. Dennoch wird es durch unsere Zusammenarbeit künftig auch wieder verstärkt Soundsets geben, die exklusiv über Resonance Sound erscheinen werden.

Markus Cremer: Welche 3 Plug-ins zum Sound-Design und welche Synth-VSTi’s würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Plug Ins: FabFilter Timeless 2 – ein unschlagbares Delay, mit unglaublichen Modulationsmöglichkeiten. Sugar Bytes Turnado – extrem vielseitiges und intuitiv zu bedienendes Multi Effect Tool. D16 Group Silver Line Collection – hier benötige ich aber das gesamte FX-Bundle 🙂

Synths: FabFilter Twin2 – unglaublich flexibel bei ausgetüftelter Drag&Drop Matrix
Arturia V-Collection – auch hier benötige ich das Bundle 🙂 Camel Audio Alchemy – es gibt wohl keinen vergleichbaren Synth, mit dem man Samples derart manipulieren kann

Markus Cremer: Welches Plug-in steht noch auf deiner Wunschliste? Lässt du dich hier z. B. von Seiten wie ReleaseTime inspirieren?

Das Lexicon PCM Total Plug-in Bundle reizt mich schon sehr – allerdings ist der Preis von 2100,- USD meiner Meinung nach überzogen. Ich versuche in der Tat sehr viele Informationen im Vorfeld zu bekommen, bis ich mir ein Tool kaufe. Hier sind Foren ebenso wichtig wie detaillierte und kritische Testberichte. Seiten wie ReleaseTime, Rekkerd oder Waveformless gehören ohne Zweifel dazu.

Markus Cremer: Wie findest du den in Techno-, Trance- und Club-Kreisen häufig erwähnten und viel diskutierten Nexus2 von reFX?

Der Nexus ist sicher interessant, da er einfach zu bedienen ist und amtliche Sounds per Knopfdruck beinhaltet. Es ist allerdings nicht einfach sich von anderen soundtechnisch abzuheben, da der Nexus nur sehr begrenzte Möglichkeiten hat Sounds zu verändern. Der Camel Audio Alchemy ist hier weitaus flexibler, da man gezielt Samples durch die vielfältigen Syntheseformen variieren kann.

Markus Cremer: Du bietest deine micro series zum Kampfpreis an. Lohnt sich da der von dir betriebene Aufwand überhaupt bzw. wie lange hat die Produktion zu Hats & Tops gedauert?

Der Markt tendiert aktuell ohnehin mehr zu kleineren Packs. Da lag es nahe in diesem Bereich nachzuziehen. Die “SOR micro series” sind jedoch nicht nur kleinere, sondere auch stark fokussierte Packs. Der Zeitaufwand ist natürlich nicht einmal annähernd vergleichbar mit einem großem Pack wie z. B. „Minimal Techno Revolution“. Beinhaltet Hats & Tops 100 Loops, stehen dem bei MTR1 ca. 700 Loops plus 1.500 Single Sounds entgegen. Somit relativiert sich das ganze sehr schnell. Da ich stets an mehreren Packs gleichzeitig arbeite, kann ich zum Zeitaufwand nicht wirklich eine klare Aussage treffen.

Markus Cremer: Hat sich an deiner Arbeitsweise in den letzten zwei Jahren etwas geändert und wie gehst du aktuell bei der Konstruktion neuer Loops vor? Immer noch Cubase und Ableton?

Ich setze verstärkt Field Recordings ein, da hier oftmals völlig unvorhersehbare Ergebnisse möglich sind. Es verblüfft mich immer wieder, was man aus den normalsten Alltagsgeräuschen kreieren kann. Ansonsten sind die beiden genannten Sequenzer nach wie vor im Einsatz – der Schwerpunkt liegt aber ohne Zweifel in der gezielten Verschaltung unzähliger Plug-ins. Ich kann nie genug Plugs haben 🙂

Markus Cremer: Wie hast du die Akustik in deinem Studio optimiert und wie wichtig ist dies für dich im Vergleich zu einem “normalen” Studio für Mixdowns und Produktion von Songs?

Mein Studio wurde vom Fundament bis zur Deckenkonstruktion nach den Vorgaben eines Akustikers gebaut. Die Nachhallzeit wurde auf 2ms optimiert, um gerade bei der Beat Programmierung ein sehr trockenen bzw. knackigen Raumklang zu haben. Dies wurde u. a. mit Breitband-Kompakt-Absorbern von RENZ erreicht.

Markus Cremer: Welche Abhöre nutzt du?

Als Abhöre nutze ich Adam P11a plus Sub10.

Markus Cremer: Welches Mikro nutzt du für deine Aufnahmen (Field Recording und Studio)?

Im Studio setze ich das Neumann U87Ai und Shure SM57/58 Mikrofone ein. Für Field Recordings nutze ich den Edirol R-09 HR, Zoom H-4N und Rode NT4.

Markus Cremer: Wo liegen deine musikalischen Anfänge?

Als Jugendlicher habe ich mich ausschließlich für Heavy Metal / Hard Rock begeistert. Mit ca. Anfang 20 haben mich die meist sehr ähnlichen klingenden Gitarren-/ Drum-/ Basssounds jedoch gelangweilt, denn eine Gitarre klang einfach immer irgendwie nach Gitarre. Dann kam ich mich der damaligen Technobewegung in Kontakt. Von Anfang an hat mich die Vielfalt elektronischer Sounds begeistert. In dieser Zeit habe ich mir allmählich mein Studio aufgebaut und mit der Soundprogrammierung begonnen. Seitdem tönt aus meinen Monitoren ausschließlich EDM 🙂

Markus Cremer: Was hättest du dir noch als Beruf vorstellen können?

Interessante Frage! Da muss ich aber auch nicht lange nachdenken, da ich nach dem Abi Psychologie studieren wollte. Im nachhinein war es wohl besser das nicht zu tun, da jeder Psychologe früher oder später wohl selbst auf die Couch muss 😉

Markus Cremer: Zu guter Letzt: Was dürfen wir als nächstes Projekt von dir oder euch erwarten?

Anfang nächsten Jahres soll das erste VST-Tool von Resonance Sound erscheinen. Parallel dazu folgen natürlich weitere Sample-Packs wie z. B. Minimal Techno Vol.2.

Danke für das Gespräch

Markus Cremer

2 Comments

  1. Björn Hase
    6. November 2011

    Hi Markus,
    erst mal,vielen Dank für diesen Artikel.
    Es ist schön, wenn man mal, einen tieferen Einblick
    in die Arbeit eines Sound Designers bekommt.
    Besonders wenn es sich dabei um Olli handelt ;).
    So erfährt man wer hinter den Samples steckt, die man benutzt. Und vor allen, wie aufwändig so etwas ist.
    Wäre schön, wenn es in Zukunft noch mehr solcher Interviews gibt.
    Danke dafür :)) Gruss Björn

    Antworten
  2. Markus
    10. November 2011

    Es kommen bestimmt noch einige Interviews hier auf RT 🙂

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.