Fuji GFX100 und GFX50R – Ausprobiert

Im Rahmen der Fuji GFX100 Roadshow hatte ich am 07.07.2019 die Gelegenheit die beiden Mittelformatboliden aus dem Hause Fuji zu testen. Lest weiter und erfahrt, wie sich die Kameras anfühlen und sich die GFX100 bei einem Studioshooting verhalten hat.

Vorab: Dies ist kein gesponsorter Beitrag, sondern meine persönliche Erfahrung, wie sie jeder andere Besucher der Roadshow hätte machen können. Man hätte nur nett fragen müssen. Und nett sind auch die Leute von Fuji gewesen. Ausnahmslos alle. Das habe ich bei anderen Veranstaltungen schon anders erlebt. Daher finde ich das erwähnenswert.

Die Veranstaltung war als „Tag der offenen Tür“ konzipiert, was ich aber erst erfuhr, als ich da war. Von 11 Uhr bis 17 Uhr hatte man die Gelegenheit, sich die Kameras anzuschauen und damit zu fotografieren. Ich hatte zusätzlich auch meine eigene Fuji X100F dabei, was sich am Ende auch als gut herausgestellt hat. Aber die habe ich fast immer dabei :-)

Die Location

Die Veranstaltung fand im „LOFTSTUDIO 14c“ auf der Hansastr. 14c in Neuss statt. Das Tageslichtstudio ist richtig klasse. Angesiedelt im Hinterhof des Industriegebiets am Neusser Hafenbecken hat es aber auch noch die richtige Kulisse für Outdoor-Shootings. Wer auf der Suche nach einem Tageslichtstudio hier im Umkreis Neuss / Düsseldorf ist, sollte es sich definitiv mal anschauen. Bei Mietpreisen ab 75 EUR / Stunde zzgl. MwSt. ist es erschwinglich auch für private Aufnahmen nutzbar. Die Fensterfronten sind genial! Schaut es Euch am besten auf der Homepage an. Und nein: Auch das ist keine bezahlte Werbung, sondern meine persönliche Meinung.

Die Veranstaltung

Da es kein Rahmenprogramm im Sinne von Vorträgen oder Präsentationen gab, konnte man sich frei zwischen den aufgebauten Bereichen bewegen. Fast wie auf einer Messe allerdings wesentlich entspannter und familiärer. Es gab 4 Hauptbereiche.

  1. Studioshooting mit Model
  2. Stilleben mit liebevoll dekoriertem Tisch
  3. Technik-Ecke
  4. Capture One Ecke von Phase One

Am interessantesten für mich war eindeutig das aufgebaute Studio-Setup für das Model-Shooting. Ich fotografiere überwiegend Menschen und daher war ich gespannt, wie die Fuji GFX100 sich dort schlägt. Fangen wir also mit diesem Bereich an

1. Studioshooting mit der GFX100 – Diese Auflösung

Man konnte Deniz hier über die Schulter schauen, wie er mit der GFX100 in einem Studiosetup Porträts von dem eigens dafür gebuchten Model schoss. Das Setup bestand aus schwarzer Abschattung an Rand und Decke, einem Profoto Studioblitz und einem Reflektor, der das Licht des Blitzes indirekt auf das Model lenkte.

Um das Model und dessen Haare in Szene zu setzen, wurde zu teils interessanten Mitteln gegriffen. Wie so oft, brauchte es mehrere Versuche um das perfekte Fotos zu kreieren. Das Model hat sich selber gedreht, die Haare wurden mit Styropor hochgewedelt oder aber mit Hilfe Dritter hochgeworfen. Meine Shootings dauern oftmals (auf der Straße) nur 4-5 Minuten und bei Business Porträts zwischen 10 und 30 Minuten pro „Model“. Hier galt es, den ganzen Tag (mit Pausen) zur Verfügung zu stehen. Hut ab für so viel Geduld und Durchhaltevermögen.

Was bei der GFX100 natürlich alle interessiert und begeistert hat: Die Auflösung. 102 Megapixel sind eine Hausnummer. Was man aber nicht vergessen darf: Den Rattenschwanz der an einer solchen Auflösung dran hängt. Eine RAW Datei aus der Fuji GFX100 hat über 200 MB. Die will bearbeitet werden. Ist die reine Bearbeitung in Capture One oder Lightroom noch recht gut möglich, wird es spätestens in Photoshop unschön. Wenn man mehr als 2 Ebenen anlegt, kommt selbst ein aktuelles MacBook Pro ins schwitzen.

Die Photoshop Datei wiegt schnell 1,5 Gigabyte und mehr. Also sollte man zu dem benötigten Budget für Kamera und Objektiv ggfs. auch noch das Budget für einen schnelleren Rechner mit einkalkulieren. Aber wer so viel Geld für eine Kamera ausgibt, informiert sich vermutlich vorher ausgiebig. Und falls nicht, spielt Geld eh keine Rolle.

Selber machen

Ich hatte nach netter Nachfrage dann auch mal die Gelegenheit in diesem Studiosetup mit der GFX100 das gebuchte Model zu fotografieren. Selber Hand anlegen und ausprobieren gibt ein vollkommen anderes Gefühl als nur zuzugucken. Die Fuji war auf einem großen Stativwagen montiert und zwecks Tethering an ein MacBook Pro mit Capture One angeschlossen. Dieses wiederum war mit einem großen Monitor verbunden, so dass man das Ergebnis direkt auf geschätzten 50 Zoll betrachten konnte. Nett! Ich nehme unterwegs nur mein MacBook Air mit. Ist „ein wenig“ mobiler :-)

Meine Fotos vom Model aus der GFX100 selber darf ich hier nicht zeigen (wohl aber die dokumentarischen Fotos aus der X100F). Das Model war über eine Agentur gebucht und die Nutzungsrechte der Fotos aus der GFX100 beschränken sich auf die Präsentation im Rahmen der Veranstaltung und liegen bei Fuji bzw. der Model-Agentur.

Die Nutzung der Fotos direkt aus der GFX100 zu redaktionellen Zwecken hat mir hingegen ein anwesender Fotograf erteilt, der für die „Seinz“ Kampagne der DM-Drogerie fotografiert aber auch als Model hergehalten hat. Danke dafür! Er war quasi mein „Testmodel“, bevor ich das weibliche Model fotografiert habe. Hier mal eins dieser Testfotos. Ich habe es nicht bearbeitet, sondern nur das RAW in Lightroom importiert und ohne Einstellungen im „Entwickeln“ Modul über die Druck-Funktion als JPG exportiert.

Wie man sieht, hat das Foto eine Abmessung von 11.648 x 8.736 Pixel! Und hier mal Ausschnitt mit 1.083 x 813 Pixeln daraus:

WOW! Ich war von der Auflösung und den Details wirklich beeindruckt!

Da sich die sogenannten 100% Crops eigentlich immer nur auf die Darstellung am eigenen Monitor beziehen, zeige ich Euch die Abmessungen künftig bei solchen Beispielen an, um es besser in Relation setzen zu können. Der Ausschnitt hat also 1.083 x 813 Pixel. Da ich die JPGs für meinen Blog immer stark komprimieren muss, sieht man hier bei Weitem nicht die Originalqualität. Aber man erahnt, welche Crop-Möglichkeiten 100 Megapixel bieten.

Man sollte Personen, die man mit über 100 Megapixel ablichtet auf jeden Fall vorher darum bitten, die Zähne gründlich zu putzen, die Haut gut abzupudern oder aber zumindest vorwarnen, dass man jede Pore, jedes Gesichtshaar und jede Ader im Auge sehen kann. Und das nicht nur bei Headshots, sondern auch bei Ganzkörperaufnahmen.

Die Geschwindigkeit der GFX100 ist in Anbetracht der zu verarbeitenden Daten wirklich erstaunlich. Sie arbeitet mit Phasen- und Kontrast-Autofokus und unterstützt auch den Augen-AF. Das hat in diesem Setup auch sehr gut funktioniert. Der Augen-AF lag auf einer dedizierten Taste, so dass er bei Bedarf schnell ausgeschaltet war. So konnte man ganz klassisch fokussieren und im richtigen Moment auslösen.

Fujis Filmsimulationen aus der GFX100 werden in Lightroom übrigens noch nicht unterstützt. Die aus der GFX50R hingegen schon. Aber das kommt garantiert noch mit einem der nächsten Updates. Wer oben also auf Farben achtet, wird dort nur das Rendering mit „Adobes Farbe“ Profil finden. Keine Fuji Farben.

Benötigt man diese Auflösung?

Ich nicht. Auch wenn sie geil ist! Und auch Deniz meinte, dass es schon ein wenig „mit Kanonen auf Spatzen“ geschossen ist. Aber es gibt Situationen, wo man sich mehr Möglichkeiten mit einer solchen Auflösung verschafft. Wenn man „mehr Fleisch“ um das eigentliche Motiv benötigt. Um z. B. aus einem querformatigen Foto hinterher ein hochformatiges zu machen. Oder umgekehrt. Dann kann man einfach mehr von der Umgebung (Outdoor) aufnehmen und hat selbst nach dem Beschnitt noch ein Foto mit 50 oder mehr Megapixel. Luxusprobleme. Bei Aufträgen für Agenturen aber durchaus eine vorstellbare Situation. Von einem typischen Porträtfoto könnte man z. B. ohne Probleme nur den Mund formatfüllend auf eine Werbetafel drucken. Mir persönlich reicht aber die Auflösung aus meiner Fuji X100F und ich gehe dann lieber näher ran :-)

Video

Videos habe ich nicht testen können. Aber es ist eine absolute Ansage von Fuji, dass man auf Mittelformat 4K Videos mit 10bit 4:2:2 auf einem externen Rekorder und 10bit 4:2:0 intern aufzeichnen kann! So langsam glaube ich, Fuji will auch im Videobereich neue Maßstäbe setzen. Hat Fuji ja bereits mit der X-H1 und der X-T3 eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

2. Stilleben mit der GFX50R – Such die Schärfeebene

So ein Mittelformatsensor hat aber auch seine Tücken. Hier zeige ich Euch mal ein Foto aus der GFX50R mit Blende 2.8 aus dem 63mm Objektiv und danach einen Ausschnitt daraus. Es erhebt übrigens keinen Anspruch auf einen „künstlerischen“ Bildschnitt, sondern entstand einfach beim rumspielen mit der GFX50R. Es ist in diesem Fall ein JPG direkt aus der Kamera. Ich habe nichts weiter bearbeitet.

Es ist krass, wie gering bei Blende 2.8 der scharf abgebildete Bereich ist. Eigentlich wollte ich auf die Spitze des Löffels mit dem gelben Gewürz (Curry?) scharfstellen. Ist mir mit dem AF nicht gelungen. Auch nicht mit dem kleinsten AF-Feld im Punkt-AF Modus. Zu wenig Kontrast. Und die GFX50R hat nur einen Kontrast-AF. Entschleunigtes Fotografieren. Mit einer gut in der Hand liegenden Kamera, die ich persönlich als die hübscheste GFX empfinde. Die GFX50R könnte ich mir auch vorstellen mitzunehmen. Wenn sie einen schnelleren AF hätte. Aber so wird das nichts mit uns Beiden. Vom Preis mal abgesehen. Den kann ich für mich nicht rechtfertigen auch wenn der für eine Mittelformatkamera durchaus als günstig zu bezeichnen ist. Die GFX50R liegt übrigens wirklich richtig prima in der Hand.

Ich hätte für ein vernünftiges Stilleben natürlich das Makroobjektiv nutzen und die Kamera auf ein Stativ packen können. So hätte man die feinsten Details dieses Arrangements mit Zeit und Muße ablichten, einen passenden Bildausschnitt wählen und die Schärfe korrekt setzen können. Aber ich wollte nur die „Normalbrennweite“ aus der Hand nutzen, da ich mir diese an der GFX50R auch für Porträts vorstellen könnte. Trotz langsamen AF war die Kamera irgendwie sehr reizvoll. Für Studioarbeiten oder entschleunigtes Fotografieren unterwegs.

3. Technik-Ecke

Man hatte hier die Möglichkeit, seine GFX50R reinigen zu lassen, sich die Kameras mit verschiedenen Objektiven auszuleihen oder Fragen zu stellen. Die Mitarbeiter waren, wie Eingangs erwähnt, alle sehr freundlich und bemüht. Fragen, auf die man nicht sofort eine Antwort hatte, konnten gemeinsam geklärt werden. Es war auch ein Freelancer anwesend, der schon lange Jahre für Fuji auf Messen und Veranstaltungen tätig ist. Er hat einen direkten Draht zu Fujis Entwicklern und konnte somit aus dem Nähkästchen plaudern. Am Ende habe ich neben einigen Tipps den festen Eindruck gewonnen, dass Fuji wirklich auf Kundenwünsche hört. Und wenn möglich, diese auch umsetzt. Er konnte mir auch eine Erklärung für ein paar meiner Fragen geben. Warum die X100F nur bis -2 die Dioptrin ausgleicht (Gehäusegröße), warum sie trotz gleichem Prozessor wie die X-T Serie kein 4K kann (Wärmeentwicklung und daher langsam getakteterer Prozessor). Meistens sind Physik oder die Prozessorgeschwindigkeit der Grund dafür, dass manche Features nicht mit älteren Modellen funktionieren. Sicherlich hat das auch in manchen Fällen Marketinggründe. Aber dennoch ist Fuji nach seinen Aussagen immer bemüht, per Firmware Verbesserungen nachzureichen, die von Kunden als Impuls kommen. So auch die Folgende.

Tipp für Brillenträger:

An den neueren Fuji Kameras kann man bei Verwendung des Suchers durch Druck auf die Displaytaste den Bildausschnitt leicht verkleinern, so dass auch die Randbereiche komplett sichtbar sind. Ich konnte es an der X-T3 ausprobieren. Und was soll ich euch sagen: Geil!

Es sind genau solche Kleinigkeiten, die manchmal den Unterschied in Sachen „Usability“ machen. Bitte, liebes Fuji-Team: Liefert das auch für die X100F nach. Denn mit Brille sehe ich nicht den kompletten Sucherinhalt und ohne reicht die Dioptrinkorrektur nicht aus. Mir ist bewusst, dass das Sucherbild der X100F eh schon klein ist aber dennoch wäre dieses Feature hilfreich.

Ich habe ihm auch ein paar weitere Wünsche für die neue X100(V?) mitgegegeben: Ein Klappdisplay und ein wetterfestes Gehäuse hätte ich gerne in der nächsten Generation.

4. Capture One – Lasse ich das Lightroom Abo dafür auslaufen?

Das wird ein eigener Beitrag mit interessanten Erkenntnissen. Seid gespannt. Einige konnte ich bei der Roadshow gewinnen. Jetzt heißt es für mich: Selber ausprobieren. Im August werde ich berichten!

Fazit:

Alles in allem waren es vor allem die netten und interessanten Gespräche an diesem Tag, die in Erinnerung bleiben. Die Zeit dort hat sich für mich gelohnt! Was die Kameras angeht, war ich war in erster Linie von der Auflösung der GFX100 beeindruckt. Wobei mir persönlich die GFX50R optisch besser gefällt. Aber da ist – für meine Zwecke – der AF einfach zu langsam. Die GFX100 hingegen ist flott und massiv. Vielleicht mag es, um das Zitat aufzunehmen, „mit Kanonen auf Spatzen schiessen“ sein – aber Spaß macht sie.

Ich hoffe jedenfalls, ich konnte euch einen kleinen Eindruck zur Fuji GFX Roadshow geben. Wer keine Gelegenheit hat, daran teilzunehmen, sollte die Kameras mal bei einem Händler in der Nähe in die Hand nehmen.

Ich persönlich liebäugle ehrlich gesagt stark mit der Fuji X-T3. Die passt besser in mein Budget (und meine Kameratasche). Bis dahin habe ich aber nach wie vor extremen Spaß an meiner Fuji X100F. Mit der habe ich kurz vor der Heimfahrt noch die beiden folgenden Fotos meines Bikes gemacht:

Dank im Objektiv verbauten Zentralverschluss übrigens trotz 1/2000 oder 1/1000 Sekunde Belichtungszeit (um den Hintergrund und die Wolken abzudunkeln) angeblitzt. Ohne HSS. Interner Blitz. Das kann nur die X100F.

I love it :-)

Ja: Fuji Kameras machen emotional.

1 Comment

  1. Jörn
    12. Juli 2019

    Hi Markus,

    schöner Bericht. Ich bin tatsächlich gespannt, was du hier über C1 sagen wirst! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir der Wechsel von Lightroom zu C1 zu aufwändig ist.

    Was Fujifilm betrifft, geht es mir wie dir. Das sind großartige Kameras und ich fotografiere unheimlich gern mit der X-T3.

    Jörn

    Antworten

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