Der Fluch des RAW

Nein, es gibt keinen neuen Adventure-Film mit gleichnamigem Titel. Vielmehr habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und mich gefragt, wie ich mit dem fehlenden RAW-Support für die Sony RX100 in Aperture umgehen kann.

Fakt ist leider, dass Apple mit dem RAW Support für aktuelle und dazu noch stark nachgefragte Kameras total hinterherhinkt. Dies gilt für die Sony RX100* aber leider auch für die seit fast einem Jahr erhältliche Fujifilm X10*. Dies lässt nicht gerade Hoffnung in mir aufkeimen, dass Apple die RX100 schnell unterstützen wird. Es bleiben also nicht viele Möglichkeiten. Entweder ich wechsel zu Lightroom 4* oder ich fotografiere ausschließlich im JPG-Format. Die Sony Software fällt bei mir aus Bequemlichkeit durch das Raster. Ich möchte ein Programm für die komplette Bearbeitung inkl. der Bildverwaltung ohne Workarounds.

Entscheidungen treffen

„Entscheidung“ ist das Stichwort. So toll die Vorteile von RAW auch sind (verlustfreie Änderung der Belichtung, des Weißabgleichs, etc. im Nachhinein am Rechner), so faul lassen sie einen u. U. beim Fotografieren werden. Was bei Musikproduktionen als „Fix it in the Mix“ bezeichnet wird (also das ausmerzen von Recording Fehlern nachträglich in der Software), könnte man in gewisser Weise auch für die RAW Bearbeitung gelten lassen. Man trifft gewisse Entscheidungen nicht mehr beim Fotografieren, sondern probiert später am Rechner aus. Ist dieses Vorgehen wirklich immer das bessere? Ich finde nicht. Muss man sich denn wirklich immer alle Optionen offen halten? Verabrede ich mich nun für’s Wochenende oder nicht? Und wenn ja, mit wem? Manchmal fällt es uns schwer, sich festzulegen. Und damit kommen wir zurück zur RAW-Fotografie. Ich versuche mich mit der Tatsache zu arrangieren, dass man sich bei JPG’s schon im Vorfeld weitestgehend festlegen muss, wie das Foto am Ende aussieht. Dies geht so weit, dass ich manche Motive direkt in schwarz-weiß fotografiere. Und zwar nur in schwarz-weiß und nicht zusätzlich. Der Vorteil ist erstens, dass ich mich mehr mit meinem Motiv auseinandersetzen muss und zweitens, dass ich im Nachhinein viel Zeit bei der Nachbearbeitung spare. Die RX100 liefert zum Glück sehr gute JPGs „out of the Cam“ und auch die schwarz-weiß Optionen sind sehr gefällig. Selbst die interne DR und HDR-Funktion ist erstaunlich gut (siehe Beispielfotos in meinem Test der RX100).

Ich verteufel natürlich nicht die Bildbearbeitung am Rechner. Im Gegenteil. Aber muss es immer RAW sein? Auch die JPG’s lassen sich noch nachbearbeiten, wenn es sein muss. Aber in der Regel sind es hier die „künstlerischen“ und nicht die „technischen“ Nachbearbeitungen, die mir Spaß machen. Lediglich die interne Rauschunterdrückung der RX100 bei High-ISO Aufnahmen würde ich mal gerne mit der von Lightroom vergleichen. Aber da ich kein Lightroom besitze (und die Rauschunterdrückung von Aperture ein Witz ist, selbst wenn die RX100 unterstützt würde), komme ich gar nicht erst in Versuchung.

Bei all den Überlegungen ist mir natürlich klar, dass eine Bearbeitung von RAW Dateien technisch bessere Ergebnisse liefert. Ein 24-bit Wavefile mit 96 kHz Sampling-Rate „verträgt“ auch mehr Plug-ins bei der Nachbearbeitung als ein komprimiertes 16-bit MP3 File mit 44,1 kHz. Dennoch gibt es genügend Argumente für MP3’s. Und sei es nur der geringere Speicherplatzbedarf. Und der fällt nebenbei auch bei JPG’s deutlich geringer aus 🙂

Ich möchte hier auf keinen Fall die Tatsache schön reden, dass Apple so sträflich die Updates von Aperture oder Logic vernachlässigt. Die fehlende Pflege der Apple „Pro-Line“ ist ein Thema, wo man ebenfalls ausgiebig drüber diskutieren kann. Hier geht es mir in erster Linie um das Thema RAW und wie ich aktuell damit umgehe, bzw. umgehen muss. Nur  in JPG zu fotografieren, bringt mich jedenfalls dazu, mir schon beim fotografieren noch mehr Gedanken zu machen.

Habe ich aus Eurer Sicht einen wichtigen Punkt übersehen, der mich doch noch verleiten könnte wegen der RAW Unterstützung der RX100 auf Lightroom umzusteigen? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

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9 Comments

  1. Karl
    16. Oktober 2012

    Hi,

    zunächst noch Danke für den schönen Bericht über die Sony.

    Aber zum Thema: Außer die schöne Integration in OS X gibt es imho schon lange keinen Grund mehr bei Aperture zu bleiben.

    In allen anderen Belangen ist LR Aperture deutlich überlegen. Angefangen von den automatischen Objektivkorrekturen bis hin zur Unterstützung von vernünftigen Web-Galerien.

    Und von den Updates wollen wir erst gar nicht anfangen…

    Gruß
    Karl

    Antworten
    1. Markus
      16. Oktober 2012

      Hi Karl,

      freut mich, dass der Sony-Bericht Dir gefallen hat.

      Wenn noch mehr Kommentare in diese Richtung kommen, könnte es ein teurer Artikel für mich werden 🙂

      VG
      Markus

      Antworten
      1. Karl
        16. Oktober 2012

        LR ist nicht teuer! Photoshop ist teuer, aber LR nun wirklich nicht.

        Antworten
        1. Markus
          16. Oktober 2012

          Lightroom alleine nicht…aber bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich mein NIK Plug-in nur für Aperture nutzen kann. Es gab aber beim öffnen einen Update-Dialog, der mir auch die LR Version zum Download anbietet. Hmmm…

          Antworten
  2. Jörn
    17. Oktober 2012

    Hallo Markus,

    ab von der RAW-Unterstützung in Aperture ist Lightroom auch sonst das deutlich bessere Programm. Du solltest wechseln. Einen Fotostream zwischen Mac und deinen iOS-Geräten bekommst du auch mit iPhoto hin.

    Was jetzt das Thema RAW oder JPEG angeht: Ich verstehe deinen Gedankengang mit „man muss sich mal entscheiden“, aber ich würde niemals auf die Idee kommen, kostbare Momente in einem JPEG festzuhalten.

    Vor meinen DSLRs habe ich einfache Kameras besessen, mit denen ich so manche fantastische Szene eingefangen habe, die sich auch nicht mehr zurückholen, oder nachstellen lässt. Ich habe die meisten Bilder aus den alten Tagen längst gelöscht …

    Meine ältesten RAW-Dateien fasse ich immer mal wieder an und je besser meine Bildoptimierungskenntnisse (und die Software) werden, desto mehr hole ich auch aus den alten Bildern heraus.

    JPEG? Kommt für mich nicht in Frage.

    Jörn

    Antworten
    1. Markus
      17. Oktober 2012

      Hallo Jörn,

      den Fotostream habe ich ohnehin abgeschaltet und nutze von iOS nur die iPhoto-Journale, wenn ich Fotos veröffentlichen möchte. Die finde ich sehr gelungen. Die alten me.com Galerien gibt es auch nicht mehr, so dass Aperture bei mir ohnehin keinen Kontakt nach „außen“ hat.

      Mit den wichtigen Momenten gebe ich Dir Recht. Das war ja auch der Grund, warum ich mir vor ein paar Jahren eine DSLR gekauft habe. Allerdings schmeisse ich selbst die alten Erinnerungen aus meiner 2.1 Megapixel Kompaktknipse nicht einfach weg. Ich nehme mir zwar immer wieder mal vor, die Fotos auszudünnen aber bisher fehlt mir die Zeit. Genauso fehlt mir die Zeit, alte Fotos neu zu bearbeiten. Ich konzentriere mich da lieber auf das fotografieren neuer Fotos. Und die JPG’s aus meiner Canon oder auch der RX100 sind nicht mehr vergleichbar mit denen aus meinen alten Kameras. Daher kann ich auch bei „wichtigen“ Aufnahmen mit JPG’s leben. Vielleicht werde ich das bei dem ein oder anderen Foto in ein paar Monaten oder Jahren bereuen aber aktuell habe ich „Mut zur Lücke“. Vielleicht fehlt mir aber auch einfach noch das „Aha-Erlebnis“ im A/B Vergleich. Zumindest testweise könnte ich mir LR ja mal installieren und ein paar Vergleiche anstellen. Hauptsächlich würde ich mir anschauen, ob LR eine bessere Rauschreduzierung hinbekommt, als die interne der RX100 oder der 550D.

      Antworten
      1. Jörn
        17. Oktober 2012

        Mach das doch mal. Die Demoversion läuft 30 Tage. Ist aber „gefährlich“ … 😉

        Antworten
        1. Markus
          17. Oktober 2012

          🙂 Wie ist denn die Einbindung der NIK Plug-ins gelöst? Ebenso komfortabel wie in Aperture?

          Antworten
          1. Jörn
            17. Oktober 2012

            Ja. Ich rufe die immer per Kontext-Menü auf.

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