Der 6-Stunden-Tag

ist zwar noch weit entfernt von der 4-Stunden-Woche aber ein weiterer Schritt in die richtige „Work Life Balance“ für mich. Dieser Blogeintrag wird mal ein wenig persönlicher.

Ich arbeite bereits seit 1996 in Teilzeit. Ab dem 01. November reduziere ich meine Arbeitszeit noch weiter auf nur noch 6 Stunden pro Tag. Mir war immer schon klar, dass ich aufgrund meiner Interessen nicht ausschließlich einen „9to5“ Job an 5 Tagen machen möchte. Wobei selbst diese 8 Stunden pro Tag für viele Menschen, die Überstunden kloppen müssen – oder sonst nicht über die Runden kommen – schon Luxus wären. Wenn sie Glück haben, werden die Überstunden wenigstens bezahlt. Effektiv für den Unternehmer und vor allem gesund für den Arbeitnehmer ist dies meiner Meinung nach in den meisten Fällen nicht.

Längst haben sich andere Modelle herumgesprochen. Nur bei vollem Lohnausgleich funktioniert das noch nirgends. In Schweden wurde das „Experiment“ vor kurzem eingestellt und in Deutschland muss man ohnehin selber die Dinge in die Hand nehmen und sich diese Freizeit mit entsprechendem Gehaltsverzicht erkaufen. Nun habe ich das Glück einen Arbeitgeber zu haben, der das Modewort „Work-Life-Balance“ ernst nimmt und diverse Teilzeitmodelle anbietet. Nicht ganz uneigennützig natürlich. Mein Arbeitgeber profitiert, weil er die Personalkosten senken kann. Man kann sich sogar Urlaubstage erkaufen, wenn nötig. Freizeit gegen Geld im wahrsten Sinne. Ein weiterer Vorteil aus Arbeitgebersicht: Im Idealfall erhält man motiviertere und ausgeglichenere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Habe ich Anfangs die Teilzeit wegen der vielen Live-Gigs am Wochenende als 4 Tage Woche gelebt, wird es ab dem 01. November nun ein 6 Stunden Tag für 5 Tage die Woche. Dies sind auf das Jahr gerechnet ca. 50 volle Arbeitstage mehr Freizeit! Freizeit für Familie, für Freunde, für Fotografie, für Musik, zum Lesen, zum Spazieren, zum Seele baumeln lassen, zum schreiben dieses Artikels 🙂

Ich höre immer wieder die Frage, wie ich mir das denn leisten könne und das „das ja nicht geht“. Minimalismus ist ein guter Ansatz, sich so ein leichteres Leben leisten zu können. Das heißt nicht, dass ich nicht in Urlaub fahre oder mir nichts leiste. Ich gehe nach wie vor gerne essen, ins Kino, fahre in Urlaub oder gönne mir dann und wann eine Kamera oder ein Musikinstrument oder was mich sonst so glücklich macht. Natürlich geht das nicht bei jedem. Man muss es wollen, der Arbeitgeber muss es anbieten und das Geld muss trotz des minimalistischen Ansatzes reichen. Denn Miete muss auch für die kleinste Hütte gezahlt werden. Minimalismus heisst auch nicht, dass man nichts besitzt. Wer Anregungen zum Thema Minimalismus benötigt, findet viele davon z. B. hier!

Prioritäten

Meistens höre ich die Einwände von denen, die ein großes Einfamilienhaus haben, einen dicken PKW fahren und für 5.000 EUR in den Urlaub fliegen (wobei diese Summe leider in den Ferien mit Kindern schnell erreicht ist, Abzocke in der Ferienzeit sei Dank). Aber all diese Dinge kann man in Frage stellen und sich den Gürtel enger schnallen. Unter seinen Verhältnissen zu leben, macht (mich) glücklich und finanziell ein Stück weit freier. Das muss natürlich nicht auf andere zutreffen.

Konsumverzicht oder zumindest die Einschränkung des Konsums kommt (hoffentlich) auch ein wenig bei meinen Artikeln zum Ausdruck. Auch wenn ich es mir leisten könnte, sehe ich es nicht mehr ein, mir die neueste Kamera zu kaufen. Eine gebrauchte tut es auch. Ich finanziere Kameras und Instrumente schon immer durch die Einnahmen aus meinem Gewerbe oder durch Verkäufe. Und das, was übrig bleibt, landet auf der „hohen Kante“.

Die Eingangs erwähnte 4-Stunden-Woche* werde ich wohl so schnell nicht erreichen, außer ich schreibe einen Bestseller, der sich über die nächsten Jahre verkauft wie geschnitten Brot. Eine 4-Stunden-Woche geht auch nur mit passivem Einkommen. Das passive Einkommen aus meinem Blog durch die Affiliate Links reicht zur Deckung der Kosten für Domain und Server und ein wenig bleibt noch hängen. Aber davon könnte man aktuell nicht mal annähernd die Miete für eine kleine Wohnung zahlen.

Ich jedenfalls bin mit dieser Aufteilung meiner endlichen Ressource „Lebenszeit“ aktuell zufrieden und kann jedem nur raten, sich mit dem Gedanken zu beschätigen, wenn er nicht gerade Workoholic ist oder aus finanziellen Gründen 10 – 12 Stunden in mehreren Jobs schuften muss, weil der Stundenlohn so gering ist. Das allerdings ist ein Thema, wo man leider auch nicht mit Minimalismus, sondern nur mit gerechteren Löhnen weiter kommt.

Wie teilt Ihr Eure Lebenszeit so auf?

Mit (*) gekennzeichnete Links sind Affiliate/Werbe-Links. Ein Kauf kostet keinen Cent mehr, unterstützt aber meine Arbeit an dem Blog, da ich im Falle eines Kaufs eine Provision erhalte. Mehr Infos dazu auch hier.

5 Comments

  1. Jörn
    6. November 2017

    „Wie teilt Ihr Eure Lebenszeit so auf?“

    Möglichst viel Reisen! 🙂

    Antworten
    1. Markus
      6. November 2017

      Guter Plan 😊 Als netter Nebeneffekt für Deine Leser entstehen dabei auch noch jede Menge guter Fotos für Deine iBooks!

      Antworten
      1. Jörn
        6. November 2017

        Danke! Die Fotos sind nahezu immer der Grund für ein bestimmtes Reiseziel.

        Antworten
  2. Lotta
    12. November 2017

    „Wirtschaftsweise fordern das Ende des Acht-Stunden-Tags…“ ist heute in der Presse zu lesen…Irgendwie geht das an meiner Erfahrung vorbei, was gerade die jungen Leute für eine Vorstellung von ihrem Leben haben…Ich bin selbst Arbeitgeber…wobei ich mich letztendlich auch als Angestellte sehe…ich bin bei mir selbst angestellt…;-). Vor Jahren habe ich die Notbremse gezogen und meine Arbeitszeiten radikal verändert. Seitdem geht es mir und meinen Angestellten besser, was sich definitiv auch auf die Effektivität der Arbeit auswirkt. Es kann nicht gesund sein, als Arbeitender (auch Arbeitgeber arbeiten…;-)) 24 Stunden auf Abruf zu sein…immer verfügbar…auf dem Sprung…heute so…morgen so…am besten noch am Strand im Urlaub die geschäftlichen Mails checken…Da sind wir bald alle reif für die Klapsmühle…
    Spannendes Thema…;-)

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    1. Markus
      12. November 2017

      Eine ständige Verfügbarkeit per Smartphone kann meiner Meinung nach nur krank machen. Aber das muss letztlich jeder für sich selber entscheiden. Mails müssen auch nicht ständig gecheckt oder gepusht werden. 2-3 Mal am Tag zu festen Zeiten abrufen reicht mir. Theoretisch sogar 1 Mal pro Tag. Mails am Smartphone oder iPad stehen bei mir schon lange nicht mehr auf „Push“. Und auch am Desktop ist das Mail Programm nicht ständig auf. Es lenkt sonst nur ab. Und der entspannteste Urlaub war der, an dem ich mein iPhone am ersten Tag versehentlich in der Badehose mit ins Meer genommen habe. Den restlichen Urlaub war ich offline. Hach, war das schön 😉

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