Apple iPad 3: Spitzenmodell-Minimalismus

In Zeiten, in denen alles immer schneller und größer sein muss, stellt sich bei mir im privaten Bereich mehr und mehr der Wunsch nach Minimalismus ein. Warum ich mir trotzdem das neueste iPad in der Vollausstattung geholt habe? Kurze Antwort: Damit mein iMac noch öfter ausbleiben kann!

Hier meine Eindrücke zum neuen iPad

Zunächst hatte ich mir zum Verkaufsstart das 32er Modell mit WiFi gekauft, nachdem ich in einer überschaubaren Schlange ca. 5 Minuten warten musste. Da hatte ich mit schlimmerem gerechnet. Das 32er Modell hatte ich anschliessend eine Woche lang in Benutzung und mir wurde klar: Im Vergleich zum alten 1er ist dies ein ziemlicher Sprung. Das 2er habe ich seinerzeit ignoriert, weil es wenig gab, was ich damit mehr hätte machen können als mit dem 1er. Mit dem 3er hat sich dies jedoch geändert: Jetzt ist sogar Full-HD-Videoschnitt möglich. Da das neue iPad hier beim überfliegen des Materials nicht mal mit der Wimper zuckte war mir klar, dass ich mehr als nur 32 GB für unterwegs haben wollte. Und so habe ich das 32er zurückgegeben und mir das 64er Modell als Foto- und Videotank für den Urlaub und den Alltag gekauft. Dieses sollte auch über einen längeren Zeitraum als autarker Datenspeicher funktionieren. Ich möchte im Alltag einfach nicht jedes mal meinen iMac anschmeißen, wenn ich ein paar Fotos des Tages zusammen mit ein paar Videoschnipseln bearbeiten und an meine Familie schicken möchte.

Und hier komme ich zum Minimalismus: Bei mir ist in den letzten Jahren viel Zeit für unheimlich nervige Dinge draufgegangen: Softwareinstallationen, Autorisierungen, Updates von Plug-ins, aufspielen alter Betriebssysteme damit alte Plug-ins wieder laufen, etc. Dies gilt in erster Linie für meine freiberufliche Tätigkeit im Musikbereich. Für Auftragsarbeiten komme ich um ein gut ausgestattetes System nicht herum, daher nehme ich all diese Installationen und Autorisierungen in Kauf. Anders verhält es sich aber in meiner Freizeit: Warum soll ich diesen Aufwand für die Untermalung und den Videoschnitt eines Home-Videos betreiben? Es ist eine Erinnerung und die schaut man sich vielleicht 2-3 mal an. Der Zuschauerkreis wird nicht bemerken, dass ich kein Colorgrading vorgenommen habe, keine Slow Motion Effekte enthalten sind, die Fotos nicht aus einer RAW Datei entwickelt wurden und der Soundtrack nur mit GarageBand und nicht mit Logic oder Cubase geschrieben wurde. Viel mehr wird er Wert auf den Schnitt und die eigentlichen Aufnahmen legen.

Man kann den Postproduction-Aufwand natürlich auch für den privaten Bereich als Fulltime-Hobby betreiben. Aber nur, wenn der Tag 48 Stunden hätte. Ansonsten verbringe ich meine Freizeit lieber mit der Familie oder hinter der Kamera um Erinnerungen festzuhalten. Und mit dem iPad kann ich mal eben auf dem Sofa ein Homevideo schneiden ohne mich dafür ins “Arbeitszimmer” an Final Cut zurückzuziehen. Eine Minute später (das rendern geht auf dem iPad mit iMovie wirklich verhältnismäßig flott!) kann ich den fertigen Film per Apple TV in Full HD auf dem TV im Wohnzimmer genießen.

Dieses Prinzip gilt für mich mittlerweile auch beim “Musik machen”. Wo ich im Studio die VSL-Library nutze, reichen mir im privaten Bereich die SmartStrings von Apples neuster GarageBand for iOS Version. So schnell, wie man dort ein ansprechendes Layout entworfen hat, fährt manch Rechner nicht mal hoch. OK, das ist etwas übertrieben aber ihr wisst, worauf ich hinaus möchte: Das iPad ist ein ideales Werkzeug um schnell zu arbeiten. Wenn man sich auf das Wesentliche konzentrieren möchte, helfen abgespeckte Versionen ungemein.

Ein schöner Nebeneffekt ist die Zeitersparnis dabei. Man kommt schneller auf den Punkt, gibt sich auch mal mit 90 % zufrieden und hat diese 90 % in vielleicht 10 % der Zeit erreicht, die man sonst an den restlichen 10 % herumfeilt und sich am Ende noch ärgert, dass dies keiner zu würdigen weiß.

Da ich sowohl das iPad als auch das iPhone schon etwas länger nutze habe ich mir noch eines vorgenommen: Auf das neue iPad kommen keine unnötigen und am Ende ungenutzten Apps. Auch auf dem iPhone habe ich stark ausgemistet. Die Verlockung des App-Stores ist groß aber man sollte ihr nicht erliegen. Vielmehr habe ich mich gefragt: Welche Apps nutze ich wirklich regelmäßig? Und so toll auch Foto- oder Videoapps wie “Filmic Pro”, “Camera+”, “Hipstamatic” o. ä . sind: Am Ende nutzte ich fast ausschließlich die normale Kamera-App und Pro HDR bei Gegenlichtaufnahmen. Wenn ich nicht sowieso mit meinen anderen Kameras fotografiere oder filme. In Sachen Bildbearbeitung ist es ähnlich. Mittlerweile nutze ich nur noch Snapseed und TouchRetouch HD sowie seit neuestem die noch nicht ganz ausgereifte iOS iPhoto App. Dieser mangelt es aktuell vor allem an der Integration in Apples Desktop Apps wie iPhoto oder Aperture. So ist sie für mich nur ein weiterer externer Fotoeditor. Dennoch macht mir die Fotobearbeitung am iPad mehr Spaß als am iMac. Es ist einfach etwas anderes, direkt am Foto zu arbeiten als mit der Maus oder dem Trackpad am Monitor. Wichtig ist mir immer mehr, dass ich schnell ein Ergebnis habe und die Qualität trotzdem gut ist. Und Fotos machen auf dem Retina-Display einfach Spaß (auch wenn es nur 9,7″ hat).

Bei Musik ist es ähnlich. Was habe ich mir nicht alles für tolle Apps geladen. Und ja: Es gibt jede Menge klasse Sachen: Die Wallander Instruments, Thumb Jam, MorphWiz, die Korg Emulationen, NI’s iMachine, etc. Das sind alles tolle Apps. Aber am Ende ist nur “GarageBand” übrig geblieben. Es bietet alles, was zumindest ich unterwegs benötige. Es ist mehr für Singer/Songwriter konzipiert, als für Electro oder Minimal. Aber selbst dafür könnte man jede Menge Apple-Loops importieren und diese nutzen. Ich mag diese einfach gehaltenen Apps, die mir nicht jede Möglichkeit bieten, die ich in Cubase oder Logic habe. Und wenn ich die Idee weiterverarbeiten möchte, kann ich dies im “großen” Garage Band und somit auch in Logic erledigen.

Die Zukunft liegt in der Cloud

Wozu benötige ich meinen iMac eigentlich noch? Wenn man von freiberuflichen Aufgaben absieht, benötige ich ihn nur noch als Datenspeicher und Verwalter für meine Backups. Ein bisschen wenig für so eine teure Maschine oder?

Das komplette private Backup in die Cloud zu verlagern hat Apple für Musik mit iTunes Match schon geschafft. Jetzt fehlen mir eigentlich nur noch Bilder, Videos und Dokumente. Bei letzterem hat Apple die eigene Lösung zur Mitte diesen Jahres abgekündigt: Die iDisk gibt es ab nach dem 30.06.2012 nicht mehr. Aber es gibt natürlich andere Lösungen dafür, wenn man bereit ist, seine privaten Daten an amerikanische Unternehmen auszulagern. Ich tue mich da noch etwas schwer und habe auch die iDisk nur für temporäre Freigaben genutzt und nicht als dauerhaftes Backup.

Aber ein anderer Punkt lässt sich in Zukunft auch für Privatnutzer auslagern: Rechenleistung. Ich bin mir sicher, dass man in einigen Jahren (vielleicht auch erst in 20) den klassischen Desktop-PC nur noch bei Individualisten finden wird. Die breite Masse wird Tablet-ähnliche “Thin Clients”, also Hüllen ohne großen Prozessor und eigenen Speicher nutzen, während die eigentlichen Rechen- und Speicherleistungen in Rechenzentren rund um die Welt ausgelagert sind. Das iPad ist in diesem Sinne für mich wirklich nur der Anfang einer komplett neuen Computergeneration. Ich möchte es nicht mehr missen und stelle fest, dass ich schon mit der Auslagerung von Alltagsaufgaben und sogar rechenintensiven Aufgaben wie Fotobearbeitung, Videoschnitt oder Musikproduktion an das neue iPad begonnen habe und der iMac immer öfter ausgeschaltet bleibt. Für die “kleinen Aufgaben zwischendurch” ist das iPad für mich ideal. Keine Ladezeiten, handlich genug, schnell genug, kurzum: praktisch! Von mailen oder surfen brauche ich gar nicht anfangen. Seit meine Frau das iPad nutzt, hat sie ihr Notebook nicht mehr eingeschaltet! Für sie hat “meine” Zukunft schon heute begonnen.

Wie seht Ihr das und wie geht ihr mit dem Thema “Technologie-Minimalismus” in der Freizeit um? Über Kommentare freue ich mich!

Markus

 

2 Comments

  1. Yves
    22. August 2012

    Salü

    Habe es nun bei meinen Ferien in Las Vegas gesehen. Ein iPad ist schon genial um kurz Fotos zu sichten und zu bearbeiten, damit ich Schnappschüsse auf Facebook etc. hochladen kann. Für eine richtige RAW Entwicklung kannst du es hier natürlich nicht gebrauchen, dazu habe ich aber mein mobilies MacBook Pro Retina. Aber auch um Filme zu schauen oder zu lesen im Flugzeug ist das Teil genial. Habe es deshalb trotz meines neuen MacBook Pro nicht verkauft und behalten.

    Grüsse aus der Schweiz

    PS: danke für deine jeweiligen Kommentare auf Facebook. Werde mich wieder öfters melden 🙂

    Antworten
    1. joern
      22. August 2012

      Hi Yves,

      du hast hier einen Artikel von Markus kommentiert. Dem gehört auch das iPad 3. Ich habe nur das 1. Generation.

      Du scheint ja gut ausgestattet zu sein. Schön! 🙂 Und melde dich gern öfter. Du bist willkommen!

      Jörn

      Antworten

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